TEST: Hochklassige Heimkino-Technik und echte Marantz DNA in AV 30 Vorstufe und AMP 30 Slimline-Endstufe
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Auch wer sich für eine AV 30 Vorstufe entscheidet, muss auf die HEOS-Plattform nicht verzichten. Mit Wi-Fi und Ethernet-Schnittstelle ausgestattet, ist das Gerät schnell im Heimnetzwerk integriert und greift auf sämtliche Streamingdienste, Dateien auf Servern im Netzwerk und Internetradio-Optionen von HEOS zu. Die Plattform wird zwar stets erweitert, am übersichtlichen und freundlich hellen Design wird aber derzeit scheinbar kaum etwas geändert. Nach kurzer Eingewöhnung hat man das Layout und die integrierten Funktionen durchschaut und bedient alles intuitiv und komfortabel. Ein HEOS-Konto ist für die Verwendung Voraussetzung und kann kostenlos erstellt werden.
Auch die Stabilität und Zuverlässigkeit ist inzwischen sehr gut, die anfänglichen Schwierigkeiten liegen hier bereits lange zurück. Playlisten und Wartelisten mit bis zu 1.000 Titeln, auch aus unterschiedlichen Quellen, kann man erstellen. Per Firmware-Update hat Marantz im letzten Jahr die USB-Zeitsuche hinzugefügt. Spotify Connect und Qobuz Connect sind an Bord, Amazon Music, Tidal, Deezer, Napster und Soundcloud ebenso und insgesamt wird der typische Anwender mit allen gebotenen Streaming-Optionen sehr gut versorgt. Neben Qobuz Connect kann man Qobuz-Inhalte jetzt außerdem auch in der HEOS-App durchsuchen und wiedergeben. Der Vorverstärker ist erneut Roon Ready und bietet hier vollen Feature-Umfang, auch AirPlay 2 wird unterstützt. Bluetooth fehlt nicht und Signale können nicht nur empfangen, sondern auch z.B. an einen Bluetooth-Kopfhörer gesendet werden.
Zusätzlich zur Qobuz-Integration in die HEOS App gibt es neue Verbesserung bei TuneIn. Es ist nun eine Zeitsuche bei Podcasts möglich und, fügt man einen Radiosender den Favoriten hinzu, wird auch die aktuelle Streaming-Qualität mit abgelegt. Zudem ist jetzt Spotify Lossless als Streaming-Quelle in der HEOS-App verfügbar.
An Dateiformaten werden unterstützt: MP3, WMA, AAC, FLAC (bis 192/24), ALAC und WAV. Auch DSD bis maximal 5.6 MHz. Mit der HEOS App kann man die Vorstufe auch, in gewissem Maße, steuern und z.B. die Eingänge und ein Sound-Preset auswählen. Wer das Gerät per App bedienen möchte, kann aber dann auch direkt auf die Marantz AVR Remote App setzen.
Klang

Marantz AV 30 und AMP 30
Die Marantz Vor-/Endstufenkombination fühlt sich in unserem dedizierten Heimkino mit kontrollierten Lichtverhältnissen im 19" Serverschrank absolut zuhause. Allerdings sehen wir die beiden Modelle, und gerade den AMP 30, durchaus in hochwertigen Wohnzimmer-Umgebungen. Mit ihrem edlen Design und der passenden, in ihrer Intensität justierbaren Ambiente-Beleuchtung setzen sich beide Modelle gekonnt im Sideboard in Szene. Hier kommt das schlanke und gleichzeitig natürlich platzsparende Format des AMP 30 dann auch perfekt zur Geltung. In unserem knapp 30qm großen Kino-Setup aber möchten wir dem Vorverstärker das volle Potential entlocken. Mit einer 7.1.4-Konfiguration und damit 11 Kanälen kann sich die AV 30 Vorstufe vollständig austoben. Der 6-Kanal-Endstufe von Marantz stellen wir eine zusätzliche Mehrkanal-Endstufe zur Seite, um alle Lautsprecher abzudecken. Der neue Marantz-Endverstärker darf sich allerdings um alle anspruchsvollen Kanäle kümmern, inklusive große Fronts und Center sowie die, ebenfalls als Standlautsprecher ausgeführten, Surrounds. Schlägt er sich hier gut, lässt sich das natürlich 1:1 auf ein kleineres Setup übertragen.
Wir starten mit einem actiongeladenen Filmspektakel und gleichzeitig einem echten Klassiker. Top Gun Maverick präsentiert sich mit absoluter starker Dolby Atmos-Tonspur und wir widmen uns ab etwa einer Stunde und dreißig Minuten direkt einem der prominentesten Kapitel bzgl. der Klangwiedergabe. Das Top Gun-Geschwader macht sich bereit zum Angriff und ist im Anflug auf das Ziel-Territorium. Was sofort, bereits nach wenigen Sekunden der Szene, auffällt, ist die dichte Kulisse. AV 30 und AMP 30 schaffen hier eine erstaunlich greifbare und glaubwürdige Atmosphäre, so dass man den beengten Platz der Piloten im Cockpit nahezu am eigenen Leib erfahren kann. Man ist vollständig umhüllt, selbst als zu Beginn noch keine drastischen Manöver oder laute Explosionen zu vernehmen sind. Das rührt von der klaren, absolut geschlossenen Klangsphäre inmitten unseres Setups. Wir haben unseren Subwoofer bewusst einmal herausgenommen, der AMP 30 muss also auch im Bassbereich volle Leistung bringen. Dass das gelingt, können wir schon beim Abschuss der Langstreckenraketen vom Schiff auf dem Meer vorausahnen. Druckvoll, aber mit klarer Struktur versehen spielt die Endstufe unsere Frontlautsprecher an und bewegt massiv Luft, ohne sich etwas anmerken zu lassen. Auch im weiteren Verlauf der Szene bleibt der AMP 30 absolut souverän und dabei gönnen wir ihm keinerlei Verschnaufpause. Auch bei hoher Lautstärke bleibt die Class-D-Verstärkung sehr sauber, agiert bei Dynamiksprüngen unmittelbar und lässt andere Frequenzbereiche davon unberührt. Unterschätzen sollte man die 6-Kanal-Endstufe im besonders schlanken Format nicht. Im Gegenteil, der AMP 30 verhält sich ebenso souverän und kultiviert wie der größere AMP 20 und wirkt in jeder Situation gelassen. Wer aktuell über ein kleineres Layout verfügt, kann also auch erstmal das schlanke Modell ins Auge fassen und im Fall der Fälle noch einen hinzunehmen.
Alle Effekte, Geräusche und sonstigen akustischen Elemente sind dabei harmonisch in die Bühne integriert und komplettieren die Klangkuppel zu ihrem harmonischen Ganzen. Das gilt auch für die Integration der unterschiedlichen Stimmen, sowohl die Funkübertragung der Piloten als auch der typisch konventionellen Abbildung der Mitarbeiter der Basis. Blitzschnelle Wechsel stellt die Marantz-Kombination vor keine Herausforderungen, beide Geräte setzen Impulsspitzen mit hoher Geschwindigkeit authentisch um. Abgrundtief und kraftvoll erklingen die Jet-Turbinen, als Rooster sich endlich zur Aufholjagd entscheidet. Den Marantz-Modellen gehen aber, selbst bei hohem Pegel und bei diesem flinken Geschehen, kaum Details verloren. Feine Elemente und Nuancen werden sorgfältig herausgearbeitet. Vereinzelt ist die direktionale Nachverfolgbarkeit nicht vollends gegeben, wenn man nicht akribisch genau darauf achtet, wird das im Film-Praxisbetrieb allerdings kaum auffallen. Ob von links nach rechts oder von vorne nach hinten oder diagonal über den Kopf hinweg, AV 30 und AMP 30 liefern ein mitreißendes Spektakel mit ausgeprägter Dynamik und Detailreichtum. Dabei bleibt auch den neuen Modellen die tonale Grundcharakteristik der bisherigen Vor-/Endstufen-Kombis erhalten. In typischer Marantz-Manier wird trotz feiner Auflösung und einem klaren, transparenten Klangbild eine angenehme und harmonische Gesamtauslegung transportiert. Fordernd oder gar aufdringlich werden die AV-Komponenten nie und so kann man auch über einen gesamten Abend hinweg Actionfilme in höherer Lautstärke genießen, ohne dass das Hören anstrengend wird.
Wie eingangs bereits erwähnt, verarbeitet die Vorstufe nativ Dolby Atmos, DTS:X und auch Auro-3D und ist darüber hinaus mit allen Virtualisierern bzw. Audio-Upscalern der konkurrierenden Formate ausgestattet. Während Dolby Surround und DTS Virtual:X einen grundsoliden Job mit leicht unterschiedlicher Ausprägung verrichten, bietet Auro-Matic eine besonders immersive Klangsphäre, ohne drastisch in die zugrundeliegende Tonalität einzugreifen. Wer möchte, und viele tun dies bei ausgewählten Filmtiteln, kann die Auro-Matic auch auf objektbasierte Tonformate applizieren. Das ist vorteilhaft, da gerade in der Höhen-Ebene bei vielen Abmischungen noch Luft nach oben ist, und generiert ein umhüllenderes Gefühl und macht ein insgesamt intensiveres Eintauchen ins klangliche Geschehen möglich. Die Auro-Matic kann zudem mit entsprechenden Parametern im Menü der AV 30 noch feinjustiert werden. Wir bleiben in der Regel aber bei der nativen Darstellung und, sofern die Tonspur es entsprechend mitbringt, erleben damit hier ein mitreißendes Klangspektakel, das präzise Effektplatzierung und klare Struktur mit einer sehr harmonischen Gesamtbalance vereint.
Was die Audyssey-Einmessung betrifft, werden hier sehr gute Ergebnisse erzielt. Leichte manuelle Nachkorrekturen sind möglich, man kann in der Vorstufe z.B. den Abstand wirklich zentimetergenau einstellen, aber nicht zwingend notwendig. Alle Lautsprecher wurden sauber erfasst und auch, was den Pegel betrifft, korrekt ermittelt. Die Referenz-Korrekturkurve liefert gute Resultate mit leichter Abschwächung der Höhen und oberen Mitten. Insgesamt verzichten wir im akustisch optimierten Raum lieber darauf, die Effektplatzierung gelingt unserer Meinung nach dann noch etwas genauer. In akustisch eher schwierigen Räumlichkeiten sollte man die Messung definitiv einmal durchlaufen und dann vergleichen. Oder gleich zu Dirac Live greifen, dann holt man schon nochmal eine Portion Präzision, Struktur und Differenzierungsvermögen ins Klangbild.
Nach dem Actionthriller widmen wir uns mit "The Greatest Showman" einem, ebenso mitreißenden, aber inhaltlich gänzlich verschiedenem, Musicalfilm. Mit ausgezeichneter Sprachwiedergabe gelingen Dialoge sehr authentisch, einzelne Stimmcharakteristika der Protagonisten werden sorgfältig herausgearbeitet. Auch im Trubel der Party (Minute 52) ist die Verständlichkeit stets hoch und die Schauspieler lassen sich anhand ihrer Stimme problemlos identifizieren. Die große Stärke des Films sind natürlich die teils fröhlichen, teils traurigen oder emotional mitreißenden Musikstücke. Hier darf der Titel "Never Enough" natürlich nicht fehlen. Gefühlvoll und mit starker Präsenz wird man Teil des Publikums im Opernhaus und wird, sofern die Musik den Geschmack trifft, ebenso sprachlos sein wie die Zuschauer. Das Orchester präsentiert die Marantz-Kombi ebenso mit passender Autorität und hoher Natürlichkeit. Gegenüber der bärenstarken Vokalstimme stehen die feindynamischen Nuancen der einzelnen Instrumente etwas zurück, gelingen aber immer noch gut und auch die Staffelung der einzelnen Instrumente auf der Bühne sowie die Differenzierung im Klangbild ist nachvollziehbar.
Nebengeräusche, die nicht zum Musikstück gehören, sondern Teil der Umgebung sind (Schritte auf dem Zirkusparkett, fallende Sandsäcke oder sich spannende Seile), kommen klar heraus, wirken aber nicht wie externe Elemente sondern sind eindeutig Teil des Gesamtgeschehens. Hier zahlt sich die hohe Ausgewogenheit und Balance absolut aus. Auch das Klatschen der Zuschauer oder das Aufstampfen mit den Füßen wirkt sehr realistisch. Wird die sonst sehr dichte Kulisse und das komplexe Klanggeschehen stiller, gefällt die musikalische Darstellung ebenfalls mit Authentizität. Einzelne Effekte werden um den Hörplatz präzise platziert und können mühelos nachverfolgt werden. Streicher und Holzblasinstrumente gefallen mit Sensibilität und einem ausgeprägt warmen Sound. Dennoch bleibt man der Tonspur treu und dickt nicht auf. Auch hier zeigt die Marantz Vor- und Endverstärkerkombination ihr gelungenes Zusammenspiel von Transparenz, Klarheit und sehr angenehmer, ausgewogener Tonalität.
Schließlich dürfen sich die beiden Marantz-Neuheiten auch an der Stereowiedergabe versuchen und überzeugen hier mit den identischen charakteristischen Merkmalen wie im Mehrkanal-Betrieb. "Way Down Deep" von Jennifer Warnes begeistert mit einer regelrecht überragenden Stimmwiedergabe und einer sehr klaren Differenzierung der einzelnen Instrumente. Diese werden auch feindynamisch exzellent erfasst und vermitteln so eine sehr hohe Authentizität. Das leicht Warme, das durchweg Harmonische kommt auch hier nachvollziehbar zur Geltung und sowohl der Vorverstärker als auch die Endstufe agieren flink, spritzig und zeigen ein sehr lebendiges Klangbild. Gerade bei der Räumlichkeit und Weitläufigkeit der Bühne muss man im akustisch stärker bedämpften Heimkino etwas zurückstecken. Uns begeistert aber auch hier die Lösung von den Lautsprechern und die breite, klar gegliederte Bühne. Die Percussion-Elemente begeistern, kräftigere Paukenschläge erfolgen mit Nachdruck und die später einsetzenden, Country-ähnlichen, Klänge bieten eine nahezu perfekte Gratwanderung zwischen hohem Detailreichtum und sanfter, schmeichelnder Wärme.
Das abstraktere P.I.M.P von Power-Haus, Duomo liegt den AV-Komponenten aber ebenfalls. Nicht hart, aber kraftvoll, nachdrücklich, trocken gelingen auch hier die akustischen Elemente mit hoher Geschwindigkeit und Präzision. Eine klar strukturierte Bühne, fein detaillierte Streicher und trockene, knallharte Bässe sowie passend knackige, exakt platzierte Kicks verschmelzen hier zu einem sehr stimmigen und in sich schlüssigen akustischen Bild, welches praktisch genau dem Klangcharakter der beiden neuen Marantz-Modelle entspricht.
Absolut ausgewogen und harmonisch, im Bedarfsfall aber sofort zupackend und nachdrücklich wird das Rezept der bisher am Markt verfügbaren Marantz Vor-/Endstufen-Kombis konsequent verfolgt. Ein Rezept, dass im Heimkino voll aufgeht, da hier von dialoglastigen Dramen mit stiller Atmosphäre über Mehrkanal-Musikwiedergabe bis hin zu spannungsvollen Action-Krachern praktisch alles funktioniert und zu ausgiebigen Film-Sessions einlädt. Man muss nur aufpassen, dass man nicht zu laut aufdreht bzw. seinen Ohren immer mal wieder eine Pause gönnt. Denn auch bei hohem Pegel liefern AMP 30 und AV 30 all ihre Qualitäten mit Beständigkeit und hoher Souveränität.
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Tags: Endstufe • Endverstärker • Marantz • Mehrkanal-Endstufe • Mehrkanal-Endverstärker • Mehrkanal-Vorstufe • Mehrkanal-Vorverstärker • Vorstufe • Vorverstärker






