PREVIEW: Dreiwege-Standlautsprecher Canton Vento 100 - Höhepunkt hessischen Lautsprecherbaus für rund 5.000 EUR Paarpreis?

Der Canton Vento 100 ist ein großer, formschöner Dreiwege-Standlautsprecher, der zu Stückpreisen ab 2.449 EUR erhältlich ist. Bestückt ist er mit einem 25 mm messenden Hochtöner, einem 174 mm-Mitteltöner und mit zwei 220 mm Basschassis. Mit einem darstellbaren Frequenzbereich von 20 Hz bis 40 kHz ist der Vento 100 auch für die Hi-Res-Audio-Wiedergabe ein idealer Partner.

Keramikhochtöner

Mitteltöner

Eines der beiden 220 mm Basschassis
Kernmerkmale umfassen Membranen mit Titanium-Graphit-Technologie (Mittel- und Hochtonbereich) beziehungsweise Keramik (Hochtonbereich), satte 500 Watt Musikbelastbarkeit pro Lautsprecher (Nennbelastbarkeit 280 Watt) und durchaus imposante Abmessungen von 31,5 cm (Breite) x 115 cm (Höhe) x 42 cm (Tiefe). Mit gepflegten 39,5 kg pro Lautsprecher haben die Vento 100 durchaus ein „gewichtiges Wort mitzureden“. Um den für Impedanzen zwischen 4 und 8 Ohm ausgelegten Schallwandler aufzustellen, sollte man daher schon zu zweit agieren.

Eleganz in schwarzem Gewand
Lieferbar ist der Vento 100 Standlautsprecher in Schwarz Hochglänzend und in Weiß hochglänzend für die oben genannten 2.449 EUR pro Box, in Nussbaum Hell High Gloss und in Nussbaum Dunkel High Gloss kostet der größte passive Vento-Standlautsprecher dann 2.599 EUR pro Stück.

Mitteltonchassis im Detail
Die Verarbeitung ist, wie wir es von Canton kennen, exzellent. Die Chassis sind, was dem eleganten Charakter der Vento 100 entspricht, ohne sichtbare Schrauben in der Schallwand fixiert. Ein edel glänzender Zierring rund um die Chassis verstärkt den Eindruck, mit dem Vento 100 Standlautsprecher auch ein durchaus exklusives Produkt gekauft zu haben.

Sockel
Unter dem eigentlichen Gehäuseboden ruht eine massive Bodenplatte, und wiederum unter dieser befinden sich silberne, hochwertig auftretende Standfüße. Schon traditionell typisch für Cantons Vento-Serie ist der spezielle Shape des Gehäuses, von oben aus gut erkennbar.

Spezielle Form des Gehäuses
Die Form des Gehäuses verjüngt sich nach hinten, was zum einen für eine schicke Optik sorgt, zum anderen aber entstehen durch diese geschwungene Form keine stehenden Wellen im Inneren des enorm soliden Gehäuses mit strategisch geschickt platzierten inneren Verstrebungen. Durch diese unerschütterliche Solidität entwickelt das Gehäuse keinen störenden Eigenklang, Vibrationen und Resonanzen treten auch bei enormer Lautstärke nicht auf.

Terminals
Sehr robuste, leicht zu betätigende, langzeitstabile Schraubklemmen auf der Rückseite nehmen das Lautsprecherkabel/die Bananenstecker auf. Canton gibt auf den noblen passiven Standlautsprecher fünf Jahre Garantie, was für das Vertrauen in die eigenen Produkte spricht.
Klang

Unser Setup

AVM Vorstufe und Monoblöcke
Kommen wir nun zu den einzelnen gehörten Titeln.
Chris Isaac, Wicked Game
Hier notieren wir eine enorm weitläufige Bühne, das Gesamterlebnis wirkt sehr fundiert – was auch daran liegt, dass die Doppelbass-Bestückung der Vento 100 im tieffrequenten Bereich auch bei enormer Lautstärke stets „Herr der Lage“ ist.

Spotify Connect Wiedergabe mit der netzwerkfähigen AVM-Vorstufe
Chris‘ Stimme löst sich ausgezeichnet von den Lautsprechern, und die ausgezeichnete Harmonie zwischen den einzelnen akustischen Elementen sorgt dafür, dass man die Akustik ganzheitlich und harmonisch, zugleich aber dynamisch und vielschichtig wahrnimmt. Jedes einzelne Klang-Element ist aus räumlicher, aber auch aus zeitlicher Perspektive am richtigen Platz. Besonders der Hochtöner glänzt mit seinem herausragenden Auflösungsvermögen.
Lenny Kravitz, Fly Away
Hier steckt Kraft dahinter, kommend vom extrem leistungsfähigen AVM-Equipment, mit dem wir hier arbeiten. Der Vento 100 Lautsprecher kann diese Energie exzellent und effektiv umsetzen, indem er ein höchst dynamisches, zugleich aber akustisch homogenes Gesamterlebnis serviert. Wechsel im dynamischen Gefüge werden mit enormer Impulstreue beantwortet, und Lennys Stimme wirkt ausdrucksstark sowie authentisch. Was uns wirklich beeindruckt: Die Vento 100 ist eine große Box, ohne Zweiifel. Aber die akustische Wirkung ist noch „größer“, als es die stattlichen Abmessungen vermuten lassen. Hier entsteht ein Raum, der in Weite und Tiefe imposant ist, aber trotzdem nie künstlich „aufgeblasen“ wirkt.
Nothing Else Matters, Jungle Cruise Version, instrumental mit Orchester
Ein wunderbares Stück, um Lautsprechern „auf den Zahn“ oder besser „auf die Frequenzweiche“ zu fühlen. Ein enormes dynamisches Spektrum, sehr viel Nachdruck, viel Emotionen: Das alles muss ein Schallwandler erst einmal in hoher Konzentration zum Ausdruck bringen. Der hessische Standlautsprecher handhabt alles mit einer überraschenden Gelassenheit, die beinahe suggeriert, dass die Box noch größer ist, als die tatsächlichen Abmessungen aussagen. Der straffe, zugleich realistisch-vehemente Bassbereich gefällt uns ebenfalls, die Vento 100 ist in der Lage, das enorme Spektrum an akustischen Facetten nahezu vollumfänglich darzustellen. Räumliche Informationen werden umgehend verarbeitet, und das Auflösungsvermögen begeistert über den gesamten Frequenzbereich.
Nessun Dorma, Jonas Kaufmann
Nun wird es „klassisch“ – denn Jonas Kaufmann präsentiert uns die legendäre Arie „Nessun Dorma“ aus Puccinis Oper „Turandot“. Auch hier wieder sind Lautsprecher am besten für die Darstellung geeignet, die mit Facetten spielen, sie fesselnd in Szene setzen, ihnen akustische Gestalt verleihen. Gleichzeitig aber ist es wichtig, auch die durchaus beachtliche Dynamik zu präsentieren. All dies bringen die Vento 100 zusammen, ohne dass es jemals angestrengt wirken würde. Fokussiert wird Jonas‘ Stimme, um die sich, genau ausbalanciert, die anderen akustischen Anteile gruppieren. Die enorme Wirkung der vokalen Präsenz des Startenors wird praktisch ungefiltert in den Hörraum abgegeben, und wieder erlebt man den Titel, anstatt ihn nur zu hören. Für dieses Können ist die Vento 100 erstaunlich fair kalkuliert.
„Ain’t No Sunshine“ – Eva Cassidy
Wieder ein Song mit enormer vokaler Präsenz – dieser Faszination kann man sich klaum entziehen. Sehr engagiert nimmt sich der Vento 100 Standlautsprecher der Aufgabe an. Evas Stimme direkt und vielschichtig, kurzum äußerst glaubwürdig, in den Hörraum zu transportieren. Trotz der Tatsache, dass die Stimme im Zentrum des Geschehens steht, werden auch in den Vokal-Passagen die Instrumente prima herausgearbeitet. In den rein instrumentalen Teilen des Titels sind wir besonders vom Klavier sehr angetan, denn dessen fürs Instrument typische Anschlagdynamik kommt überragend heraus, das hätten wir nich erwartet. Natürlich sind rund 2.500 EUR viel Geld für eine Box, aber dass wir eine auch im Detail so anspruchsvolle Darstellung dafür erwarten dürfen, hätten wir nicht gedacht.
Sting, Fields Of Gold
Weiter geht es mit Stings „Fields Of Gold“. Auch hier erkennen wir die Vento 100 sofort, und zwar an ihrer ausdrucksstarken, souveränen Spielweise. Stings ausdrucksstarke Stimme löst sich sehr gut von den Membranen, es entsteht zu jedem Zeitpunkt des Musikstücks ein glaubwürdiger Bühnencharakter. Die einzelnen Instrumente bekommen alle exakt den Spielraum eingeräumt, der für eine facettenreiche Wiedergabe notwendig ist. Der solide, straffe, ausgezeichnet strukturierte Bass erfüllt auch stark gehobene Ansprüche. Die Vento 100 ist, auch wenn man das bei Canton vielleicht nicht ganz so gerne hört, so gut, dass man den Mehrpreis z.B. zum Townus 100 als sehr moderat ansehen kann, und, jetzt kommt der Part, der in Weilrod vielleicht mit einem lachenden und einem weinenden Auge gesehen wird, sie ist so blendend in Form, dass sie schon zu einem beachtlichen Prozentsatz an eine Reference 5 K (nicht aktuelle Reference-Generation, sondern die durch die aktuelle Serie abgelöste Baureihe) herankommt.
Universal Nation, Charlotte de Witte Rework
Nun wird es kraftvoll-energiegeladen. Kompletter Wechsel des Musikstils, wir lauschen dem Trance-Klassiker „Universal Nation“ im Rework von Charlotte de Witte“. Und hier schieben die brutal kraftvollen AVM-Endstufen natürlich mächtig voran, aber der Vento 100 Standlautsprecher setzt diese Leistung umgehend, ohne Verzerrungen, ohne Verzögerungen, um, und das auch bei einem Pegel, der rein gar nichts mit der oftmals zitierten „Zimmerlautstärke“, sondern eher mit einem Privat-Club zu tun hat. Der harte, auf den Punkt treffsichere Bass, und die auch hier wieder enorme räumliche Wirkung komplettieren unsere Eindrücke.
Erstes Fazit

Die Canton Vento vereint zu Paarpreisen ab knapp 5.000 EUR ein enormes Maß an Klangkultur mit hervorragender Dynamik und exzellenter Pegelfestigkeit. Sie spielt bereits auf einem Niveau, das viele deutlich teurere Konstruktionen in diesem Umfang nicht erreichen. Bemerkbar macht sich das bei großen orchestralen Darbietungen, aber auch anhand der Darstellung einzelner Instriumente. So schafft es der Vento 100 Standlautsprecher beispielsweise, die Anschlagdynamik beim Klavier authentisch herauszuarbeiten. Für den eleganten Schallwandler spricht auch die nahezu perfekte Verarbeitung.
Preview und Fotos: Carsten Rampacher
Datum: 07. Oktober 2024
Tags: Canton • Lautsprecher • Vento







