PREVIEW: Denon AVC-X6800H - Pure Immersion mit 11 Endstufen zum fairen Preis?

Klang

Denon Avc X6800h Messmikrofon

Audyssey ist ab Werk integriert und das Einmessmikrofon im Lieferumfang enthalten

Mit unserem 7.1.4-Setup reizen wir die Endstufen des AVC-X6800H voll aus. Sowohl im Front- als auch im Surround-Bereich kommen ausgewachsene Standlautsprecher zum Einsatz und zusammen mit den übrigen Kompaktlautsprechern kann sich der Denon Verstärker komplett austoben. Wir haben die Komponente zunächst per Einrichtungsassistent und Audyssey Setup eingemessen und können den MultEQ XT32 Reference EQ so jederzeit zuschalten. In unserem akustisch optimierten und Heimkino-gerecht stark bedämpften Raum darf der AVC-X6800H aber auch ohne Equalizing seine Stärke demonstrieren. Wir konzentrieren uns im Preview auf Filmton und starten direkt mit einem Action-Kracher.

Die aktuelle "Mission Impossible" für Tom Cruise titelt Dead Reckoning Part 1 und wer hier ein immersives 3D-Audio-Spektakel erwartet, wird von der Dolby Atmos-Tonspur nicht enttäuscht. Und genausowenig enttäuscht der Denon AV-Verstärker. Die ersten Sekunden mit dem unverkennbaren Score des Agenten-Thriller-Action-Reihe gelingen sehr dynamisch, spritzig und sind von hoher Klarheit geprägt. Wir starten direkt mit hohem Pegel, was der AVC-X6800H zunächst mit absoluter Souveränität quittiert. Der räumliche Eindruck ist von erster Sekunde an mit dichter Atmosphäre versehen und hüllt uns gelungen in eine akustische Sphäre. Der einsetzende Dialog setzt den klaren und transparenten Eindruck fort, hier gibt es nichts auszusetzen. Der Unterwasser-Eindruck wird sehr beklemmend ausgestaltet und einzelne Detaileffekte werden berücksichtigt. Tadellos empfinden wir auch die folgenden Dialoge mit sehr guter Stimmcharakteristik und hoher Verständlichkeit.

Wir springen rund eine Stunde vorwärts. Die beiden Hauptprotagonisten sind mit Handschellen aneinander gekettet und müssen in einem gelben Kleinwagen fliehen, um nicht zuviel von der Handlung zu verraten. Der Denon begeistert mit seiner sehr spritzigen, dynamischen und knackigen Wiedergabe, die mit einer außerordentlich guten Präzision überzeugt. Wir kennen zwar den direkten Vergleich mit dem AVC-A1H, der insbesondere mit der Dirac-Einmessung hier nochmal eine Schippe nachlegt und bzgl. der direktionalen Nachvollziehbarkeit schon High-End-Ansprüche befriedigen kann. Aber auch die kleinere Komponente liefert hier ein erstaunlich strukturiertes Klangbild ab. Effekte, die in 360 Grad um den Zuhörer stattfinden, kann man an jeder Position der Kulisse problemlos zuordnen und verfolgen. Die Motorengeräusche sowie auch Zusammenstöße und Unfälle gelingen kraftvoll und nachdrücklich, aber stets präzise. Der Unterschied zwischen der Isetta und dem Humvee könnte eindeutiger nicht sein. Surround-Effekte geben keinerlei Anlass zu Kritik, werden blitzschnell umgesetzt und lösen sich exzellent von den Lautsprecherkomponenten. Man sitzt inmitten einer authentischen, mitreißenden Klangkulisse. Der Hubschrauber ist ganz klar in der Top-Ebene angesiedelt und auch, als mit dem Einsetzen der Musik die Bühne noch komplexer wird, bereitet es dem AVC-X6800H keine Probleme.

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Bei der Zuschaltung von Audyssey stellen wir erfreut fest, dass es auf die immersive Atmosphäre nur geringfügig negativen Einfluss nimmt, wenngleich auch die Klarheit und Detaillierung in den obersten Frequenzregionen ein wenig nachlässt. Eine leichte Mode im Bassbereich, die wir aufgrund der räumlichen Gegebenheiten nicht gänzlich mit den akustischen Optimierungen eliminieren Konten, wird gut ausgebügelt, was mit etwas Nachdruckverlust in den untersten Regionen und auch etwas weniger Durchschlagskraft im Kickbassbereich erkauft wird. Der Algorithmus arbeitet insgesamt auf hohem Niveau, greift für unsere Räumlichkeiten aber an mancher Stelle etwas zu stark ein. Der ausgezeichnete Gesamteindruck leidet darunter nicht eklatant und in einer nicht optimierten Umgebung oder einem konventionellen Wohnzimmer ist Audyssey immer noch eine gute Wahl. Bei schwierigen Räumen und, wer auch ohne allzu viele Raumoptimierungen ein sehr präzises und maximal klar definiertes Klangbild bevorzugt, setzt auf Dirac Live.

Unser zweites Beispiel ist "Twister" in der Version von Turbine. Die UHD Blu-ray ist mit einer Auro-3D Tonspur versehen und behält sich vor, den Zuschauer besonders einhüllend in das Auge eines Wirbelsturms zu transportieren. Das beweist die Scheibe, in Verbindung mit dem AVC-X6800H, bereits in den ersten Szenen des Klassikers aus dem Jahre 1996. Recht unscheinbar und mit leichter Zurückhaltung beginnen zunächst die Windgeräusche und Blitze, die allerdings die beklemmende Atmosphäre sofort sehr gut rüberbringen und mit tadelloser Authentizität in der weitläufigen Klangkulisse platziert sind. Der Wind nimmt zu, wird immer stärker und schon nach knapp vier Minuten fühlt man sich, als würde der tosende Luftstrom durchs Heimkino und am Kopf des Zuhörers vorbeifegen. Dabei realisiert der Denon AV-Verstärker eine geschlossene, lückenlose Surround- und Überkopf-Kulisse, in deren Mitte man sich befindet. Die Dialoge sind geringfügig leiser abgemischt als z.B. beim vorherigen Beispiel, allerdings immer noch sehr gut verständlich und von sehr guter Stimmcharakteristik geprägt. Im sechsten und siebten Kapitel geht es zum ersten Mal auf die Jagd nach den "Twistern" und das Geschehen nimmt an Brisanz zu. Mit authentischen, nicht übertriebenen Motorengeräuschen der SUVs und Pick-Ups und einem schallenden Deep Purple-Solo sowie nachfolgender Klassik nimmt uns der Denon AVC mit und realisiert eine dynamische, immersive Atmosphäre. Nicht mehr ganz so entspannt ist es nur wenige Minuten später, als der Tornado seine volle Kraft entfaltet. Alle Lautsprecherkomponenten sind nun im Einsatz und wir nehmen auch Lautstärke-technisch keine Rücksicht. Den AVC-X6800H juckt es nicht, absolut souverän und ohne nachvollziehbare klangliche Auswirkungen wird das Geschehen abgebildet. Umherfliegendes Geröll oder sonstige Teile lassen sich in ihrer Richtung ohne große Mühe nachverfolgen und auch untenrum wird ein beeindruckendes Fundament generiert. Die tiefen Regionen wirken nicht ganz so durchstrukturiert, die mächtige Kraft des Wirbelsturms wird aber tadellos vermittelt und einzelne Bässe kommen präzise auf den Punkt. Schon beinahe erleichtert ist man als Zuschauer, wenn der Sturm vorübergezogen ist, man Philip Seymour Hofmanns begeisterte Ausrufe hört und sich die gesamte Atmosphäre entspannt.

Denon Avc X6800h

Denon AVC-X6800H

Erstes Fazit

Der Denon AVC-X6800H macht einen hervorragenden ersten Eindruck und beweist, dass der Hersteller bei der Entwicklung, insbesondere im Bereich der akustischen Leistungsfähigkeit, auch beim Vize-Flaggschiff äußerst hohe Ansprüche gestellt hat. Im Mehrkanal-Betrieb, ob Dolby Atmos oder Auro-3D, zieht der AV-Verstärker den Zuhörer in seinen Bann und begeistert mit einer knackig dynamischen, erstaunlich präzisen und enorm immersiven Kulisse mit toller atmosphärischer Dichte. Auch Audyssey verrichtet in 2024 noch gute Dienste, wenngleich uns die Denon-Komponente im akustisch optimierten Raum ohne EQ-Raumkorrektur am besten gefallen hat. Das Design ist traditionell und mit dem seit Jahren verwendeten Punktmatrix-Display eher auf Funktion als auf optischen Chic ausgelegt. Im dedizierten Heimkino, in dem der Verstärker vielleicht nicht einmal sichtbar ist, spielt das natürlich ohnehin keine Rolle. Davon unabhängig ist die Verarbeitung aber auf hohem Niveau, die Bedienelemente solide und der innere Aufbau absolut konsequent. Keine Frage und das ist bereits nach den ersten Eindrücken im Preview klar: Anspruchsvolle Mehrkanal-Enthusiasten mit größeren Lautsprecher-Setups finden im Denon AVC-X6800H einen absolut starken Partner, der nicht nur mit zahlreichen Features, sondern auch mit akustischer Kompetenz zum fair kalkulierten Kurs zu überzeugen weiß.

Auf der letzten Seite finden Sie zahlreiche weitere Geräte- und Detailbilder!

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