XXL-SPECIAL: Samsungs Sound-Offensive beginnt in Kalifornien – zu Besuch im Samsung Audio Research Lab

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Bricht man im sonnigen Staate Kalifornien auf der Interstate 5 von der Millionenstadt Los Angeles gen Norden in Richtung Bakersfield auf und lässt sowohl die großen Filmstudios in Hollywood, als auch die prächtigen Villen der Stars in Beverly Hills links liegen, führt der Weg schnurstracks nach Valencia. Der kleine, unscheinbare Stadtteil von Santa Clarita beheimatet 50.000 Einwohner und bietet dank einer gesunden Mischung aus Apartements, Wohnhäusern und Industriekomplexen, Bürogebäuden und Einkaufszentren auch in etwa so viele Arbeitsplätze.

In dieser Kleinstadt, unter der gleißenden Sonne des „Golden States“, arbeiten 23 passionierte Ingenieure, Wissenschaftler und Musiker unentwegt daran, einen koreanischen Weltkonzern zur Nummer 1 im Audio-Business zu machen. Samsung – bei dem Namen denken vermutlich die meisten zunächst an hochwertige TV-Geräte, Blu-ray Player und Smartphones. Kühlschränke und sonstige „weiße Ware“ folgt und, ja, zumindest unsere Leser haben sicher schon von soliden Soundbars und Multiroom-Lautsprechern des Unterhaltungselektronik-Riesen gehört. Aber exzellente Audio-Performance, auch im Vergleich zu Traditionsmarken in diesem Bereich, ist nicht unbedingt das, was man sofort mit Samsung assoziiert. Das soll sich zukünftig aber ändern. Man will sich nicht nur mit anderen, im Audio-Bereich bekannteren Marken, messen können, sondern diese übertrumpfen. Und wer den Lebenslauf des Unternehmens kennt und über die aktuelle Marktverteilung in anderen Produktsegmenten Bescheid weiß, der wird hier zumindest aufhorchen und eine solche Aussage keinesfalls als lapidar abtun.

Mit einem Budget, dass abgesehen von Samsung vielleicht noch zehn andere Konzerne auf diesem Planeten zur Verfügung haben, eröffnen sich natürlich auch Möglichkeiten. Dennoch gilt es, die finanziellen Mittel richtig einzusetzen. Bei einem Besuch vor einigen Wochen im „Samsung Audio Lab“ in Valencia konnten wir uns davon überzeugen, dass dies auch der Fall ist. In dem Gebäudekomplex, dass 1700 Quadratmeter umfasst, arbeiten aktuell 23 hochmotivierte Wissenschaftler, PhDs, Mathematiker und Ingenieure internationaler Herkunft. Wir lernten eine bunte Mischung aus erfahrenen Industrie-Veteranen, Vollblut-Technikern und leidenschaftlichen Musikern kennen, die nicht nur über großes Know-How verfügen, sondern auch mit dem notwendigen Herzblut an diese Mammut-Aufgabe herangehen.

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Wissenschaft und Leidenschaft kommen im Samsung Audio Lab in Valencia zusammen

Das Samsung Audio Lab gibt es noch nicht allzu lange, und auch jetzt befindet es sich noch im Aufbau. Die Nutzfläche des Gebäudes wurde unlängst erweitert und insgesamt bietet sich nun Platz für weitere 17 Mitarbeiter. Entkoppelte Hörräume, schalltote Räume, ein Prototypenlabor, ein Workshop und weitere essentielle Dinge sind schon seit 2015 einsatzbereit. Das Team um den Vice President of Audio & Research, Allan Devantier, war auch bereits an mehreren Samsung-Produkten beteiligt, darunter die Dolby Atmos-Soundbar Samsung HW-K950, die 360° Multiroom-Lautsprecher und, ganz aktuell, die Soundbar HW-MS650 und die auf der IFA kommende HW-MS750. Bei diesen Produkten kommt die Soundbar+ Technologie zum Einsatz, für die sich Pascal Brunet aus Frankreich verantwortlich zeichnet und die für einen deutlich kräftigeren und präziseren Tieftonbereich aus einem kompakten Soundbar-Gehäuse sorgt. Da die Optimierungen des Teams auch in Südkorea wahr genommen wurden, wird das Samsung Audio Lab immer umfassender in die Produktentwicklung mit einbezogen.

Wie ist es nun um die Herangehensweise im Samsung Audio Lab in Kalifornien bestellt? Da es sich um ein sehr kleines Team handelt, lassen sich anhand der einzelnen Personen und Köpfe diesbezüglisch schon Schlüsse ziehen. Hauptverantwortlich ist Allan Devantier, der von 1992 bis 2013 bei Harman arbeitete und dort über Jahre hinweg das Mess-Prozedere, man könnte fast sagen, revolutioniert hat. Dass Allan sehr technisch an die Lautsprechertechnologie herangeht, ist bekannt. Die CEA, Consumer Electronics Association, hat 2014 einen Standard der Lautsprechermessung definiert. Dieser Standard basiert direkt auf der Forschungsarbeit von Allan Devantier, den dieser bereits 2002 auf der AES Convention in Los Angeles vorgestellt hat.

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Im Gespräch mit Andri Bezzola

Eine lebenslange Leidenschaft für Audio hat auch System-Ingenieur Bill DeCanio zum Beruf gemacht. Nach seiner Zeit bei Boston Acoustics hat auch er 16 Jahre lang bei Harman gearbeitet und an Produkten von JBL, Infinity, Harman Kardon und Revel mitgewirkt. Zusätzlich zum Hardware-Hintergrund ist DeCanio firm im Bereich Software-Entwicklung. Absolute Koryphäe ist hier aber Andri Bezzola, der mit seiner Simulations-Software für das Samsung Audio Lab unverzichtbar geworden ist und Versuchs- und Entwicklungszeiten damit um Monate reduziert. Bezzolas Software ist in der Lage, komplexe Zusammenhänge des gesamten Lautsprechersystems – Gehäuse, Treiber, Verstärker – zu visualisieren. Dabei werden Probleme vergleichsweise schnell und sehr präzise erkannt. Andri erhielt seinen Master of Science 2007 an der Eidgenössischen Hochschule Zürich und machte 2014 durch die Mitarbeit an völlig neuen Simulationsalgorithmen in Santa Barbara seinen PhD.

Dr. Pascal Brunet ist der mathematische Kopf in Valencia und ein waschechter Elektro-Ingenieur. Seit 2004 Mitglied von IEEE und AES verbrachte er sein gesamtes Berufsleben mit der Wissenschaft um Geräusche, Klang und Vibration. Seit 2014 ist er als „Director of Research“ im Samsung Audio Lab zuständig und verblüfft mit seinen Berechnungen im Bereich nichtlinearer Systeme nicht nur uns Besucher, sondern auch seine Mitstreiter. Der zweite Europäer im Bunde ist Felix Kochendörfer. Gerade einmal 31 Jahre alt und mit einem Abschluss in Elektrotechnik (Master, TU Dresden 2011) wurde er nach einer kurzen Zeit bei der Klippel GmbH zum Ingenieursteam von JBL Professional berufen, wo er für die Entwicklung von Schallwandlern verantwortlich war. Im Samsung Audio Lab ist er seit 2016 tätig.

Das Amt des „Lead Acoustic Researcher“ wird von einer Dame besetzt. Elizabeth McMullin ist eine der wenigen Mitarbeiterinnen, die keinen vorwiegend technischen Background hat. Das hinderte sie nicht daran, verschiedene AES-Publikationen im Bereich der Wahrnehmung von Klang, zu Kopfhörern und der Raumakustik zu verfassen. Im Samsung Audio Lab beschäftigt sie sich hauptsächlich mit der subjektiven Einschätzung von Lautsprechern und dem sogenannten „competitive benchmarking“. Dabei werden Samsung-Produkte und Konkurrenzprodukte miteinander verglichen – McMullin sorgt dafür, dass die Einschätzungen der Mitarbeiter und Versuchspersonen in möglichst perfektem Rahmen erfolgen können, um dann für die weitere Forschung auch wirklich verwertbare Resultate zu haben.

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Im Inneren einer der beiden schalltoten Räume

Samsung legt viel Wert darauf, dass das technische Wissen und der große Erfahrungsschatz der Wissenschaftler und Ingenieure auch entsprechend appliziert werden kann. Beim Bau und der Konstruktion verschiedener Mess- und Hörräume, nach Vorgaben von Allan Devantier und seinem Team, ging man keine Kompromisse ein. In den Räumlichkeiten des Audio Labs finden sich insgesamt drei Hörräume, die akustisch optimiert und perfekt vorbereitet sind, um auch bei den subjektiven Einschätzungen nachvollziehbare Fakten für die Produktentwicklung und Anpassung zu erlangen. Besonders kostenintensiv waren die zwei großzügig dimensionierten schalltoten Räume, die zu den besten Umgebungen überhaupt zählen, um Lautsprecher korrekt und effizient zu messen. Bei einem der Räume handelt es sich um eine grundsätzlich konventionelle „anechoic chamber“, die rundum mit den typischen zackigen Absorbern versehen ist, um Reflexionen komplett auszuschließen. Besonderheit beim Raum im Samsung Lab ist, dass nicht nur an einigen Stellen gemessen werden kann, sondern mithilfe eines beweglichen Mikrofons, dass an Angelschnüren befestigt ist, insgesamt 360 Messungen durchgeführt werden, um eine komplette Sphäre erschließen zu können. Außerdem können Roboter eingesetzt werden, die z.B. eine automatisierte Drehung des Lautsprechers realisieren. Das ist bei rundum abstrahlenden Lautsprechern von Vorteil, die 360° Multiroom-Lautsprecher der R-Serie wurden ja auch vor Ort in Valencia optimiert und mitentwickelt.

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Die „hemi-anechoic chamber“ mit reflektierender Wand

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Messmikrofon einer Freifeldmessung

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Messung direkt an einem Prototypen

Der zweite von Samsung konzipierte schalltote Raum ist in dieser Form nicht sehr häufig anzutreffen. Es handelt sich dabei um eine sogenannte „hemi-anechoic chamber“. Im Klartext bedeutet dies, dass drei der vier Wände im Raum identisch zu einem konventionellen schalltoten Raum mit den typischen Absorbern versehen sind, während an der vierten Wand keine Absorber angebracht sind. Dort sind dann die typischen Reflexionen zu erwarten, wie sie auch in einem typischen Wohnzimmer zuhause entstehen, wenn eine Tonwiedergabe stattfindet. Das ist besonders praktisch, wenn es um die Messung von Geräten geht, die Ton ausgeben und direkt an einer Wand montiert sind. Soundbars und auch TV-Geräte zählen zu dieser Kategorie. Mit einer „blanken“ Wand in Kombination mit dem sonst schalltoten Konstrukt können die Reflexionen der Soundbars exakt nachvollzogen und im Folgeschluss auch für eine bessere Klangperformance optimiert werden. Die in Valencia entstandenen neuen und innovativen Technologien, wie z.B. der Midrange Tweeter oder die Anti-Distortion-Technologie, die in den neuen Soundbar-Modellen zum Einsatz kommen, eignen sich auch hervorragend, den Klang in TV-Geräten spürbar zu verbessern. Da das Samsung Audio Lab mittlerweile in sämtliche Bereiche von Samsung, die mit Sound zu tun haben, einbezogen wird, wird diese Integration neuer Methoden und Technologien auch nach und nach erfolgen.

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Typischer Frequenzverlauf (vereinfacht)

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Durch die Anti-Distortion-Technologie optimierter Schwingungsverlauf (vereinfacht)

Bevor es aber an optimierende Messungen oder gar subjektive Klangeinschätzungen geht, muss aber erstmal berechnet und entwickelt werden. Eine der interessantesten technologischen Maßnahmen zur Klangverbesserung legt Dr. Pascal Brunet mit seiner Distortion-Cancelling- oder Anti-Distortion-Technologie offen. Die als Soundbar+ bezeichnete Methode ist bereits in der am Markt erhältlichen HW-MS650 Soundbar integriert und sorgt hier vor allem für einen kräftigeren und voluminöseren Tieftonbereich ohne Durchschlagen aus dem kompakten Gehäuse. Der Grund dafür ist folgender: Jedes Lautsprecherchassis hat einen gewissen Spielraum, in dem es optimal seinen Dienst verrichten kann. Überschreitet man diese Spanne, etwa mit zu hohem Pegel – das muss nicht der generelle Maximalpegel sein, sondern kann z.B. auch ein im Vergleich zum Gesamtgeschehen sehr lauter Bass-Schlag sein, – verformt sich die Membran und gibt den Klang nicht in der erwarteten Form wieder. Die Folge ist „Distortion“ bzw. Verzerrungen.

Mit der Soundbar+ Technologie weiß der DSP-Chip stets über die genaue Position des Speaker-Chassis Bescheid. Er weiß also, zu welchem Zeitpunkt sich das Chassis an welcher Position innerhalb des eigenen Spielraums befindet. Das hat zwei Vorteile: Zum einen gibt es kein Durchschlagen der Woofer mehr, da kurz davor limitiert werden kann. Und zum anderen gewinnt der Tieftonbereich insgesamt an Performance hinzu, da man den vorhandenen Hub zu jeder Zeit komplett ausnutzen bzw. das Chassis bis an die Grenze der Belastbarkeit, aber eben nicht darüber hinaus, strapazieren kann. Samsung nutzt dazu einen DSP-Chip, der den Schwingungsverlauf des akustischen Signals noch in digitaler Form anpasst. Diese „Pre-Distorted Waveform“ ist nach der analogen Ausgabe per Schallwandler dem ursprünglich originalen Signal deutlich näher, als es bei einer konventionellen Wiedergabe der Fall wäre. Die Distortion-Cancelling-Technologie leistet einen erheblichen Beitrag zur ausgezeichneten Klangqualität der neuen Soundbar HW-MS650 und trägt dazu bei, dass der schlanke Klangbarren auch ohne zusätzlichen Subwoofer eine sehr solide Performance im tieffrequenten Bereich abliefert.

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Samsungs „Midrange Tweeter“

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Hier wird die Verformung der Membran bei unterschiedlichen Frequenzen und Pegeln visualisiert

Ein zweites, sehr interessantes Merkmal, das bisher nur in der HW-MS650 sowie der ab September erhältlichen HW-MS750 zum Einsatz kommt und auch im Samsung Audio Lab in Valencia entwickelt wurde, ist ein neuer Tweeter. Grundsätzlich sind Tieftöner, Mitteltöner und Hochtöner für verschiedene Frequenzbereiche zuständig. Eine Frequenzweiche erkennt am elektrischen Signal, um welchen Bereich es sich handelt und leitet nur diesen Bereich dann an den jeweiligen Treiber weiter. Diesbezüglich haben sich im Laufe der Zeit Standardwerte entwickelt, die natürlich von Hersteller zu Hersteller geringfügig abweichen. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass ein Hochtöner ab etwa 2.000 Hz einsetzt und bis etwa 20 kHz hinauf spielt. Mit dem Aufkommen von hochauflösenden Audio-Dateien werden mittlerweile Hochtöner eingesetzt, die noch deutlich höher hinauf spielen, dies ist aber für dieses Thema unerheblich. Das besondere an Samsungs „Midrange Tweeter“ ist nämlich, dass der sogenannte Crossover, also der Punkt, ab dem die Frequenzweiche den Frequenzbereich an den Lautsprecher weiterleitet, bereits bei 700 Hz ansetzt.

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Typisches Bild, wenn ein konventioneller Tweeter neben einem Midrange-Woofer sitzt

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So sieht es unter Einsatz des Tweeters aus, der bereits ab 700 Hz einsetzt

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So wird höhere Gleichmäßigkeit und eine natürliche Wiedergabe an mehreren Sitzplätzen erreicht

Der Hochtöner ist also für einen vergleichsweise sehr breiten Frequenzbereich zuständig. Das ist zwar ingenieurstechnisch aufwändig, bietet aber einen entscheidenden Vorteil: Bei 700 Hz gegenüber den konventionellen 2 kHz wird eine besonders gleichmäßige Abstrahlung im horizontalen Bereich realisiert. Das hat mit der konstruktionellen Beschaffenheit der Soundbar zu tun, in dem der Tweeter direkt neben dem Midrange-Woofer sitzt und nicht darüber, wie in einem konventionellen Lautsprechergehäuse. Sitzen die beiden Chassis nebeneinander, löschen sich, vereinfacht gesagt, Frequenzbereiche gegenseitig aus. Das ist einer der Hauptgründe, weshalb eine Soundbar nur im Sweet Spot die volle Soundperformance abliefert und abseits der Mitte häufig anders bzw. schlechter klingen. Durch das Herabsetzen des Crossovers auf 700 Hz lässt sich ein viel homogeneres und besseres Ergebnis im gesamten frontalen Bereich realisieren. Der Sweet Spot wird breiter, so dass auch mehrere Personen vor der Soundbar die Inhalte in gleicher Qualität genießen können.

Um den Frequenzbereich eines Hochtöners um zusätzliche 1300 Hz zu erweitern, ist natürlich hoher Aufwand nötig. Prinzipiell muss man sich an die optimale Beschaffenheit des Schallwandlers langsam herantasten, viele Prototypen bauen und bei jedem Schritt nur wenige, wenn überhaupt mehr als einen, Parameter verändern. Dass dies einen enorm hohen Zeitaufwand mit sich bringt, kann sich jeder selbst denken. Zwar hat Samsung, nicht zuletzt aufgrund der hohen Stückzahlen, exzellente Verbindungen zu den Produzenten der Chassis und Einzelkomponenten, dennoch kann man sich unschwer vorstellen, dass häufige Neu-Produktionen, die ja auch mit dem immer wiederkehrenden Versand zwischen dem Herkunftsland und dem Samsung Audio Lab einhergehen, nicht nur kosten- sondern auch sehr zeitintensiv sind.

What Do We Need For a Simulation

Andri Bezzola ist für sehr aufwändige Computersimaluationen verantwortlich

Mit ebenfalls sehr aufwändigen, aber deutlich weniger zeitintensiven Simulationen am Computer, kann Andri Bezzola diese Schritte deutlich verkürzen. In seine in Eigenverantwortung erarbeiteten Simulationsprodukte können die genauen Speaker-Spezifikationen inklusive Material, exakte Geometrie und Strukturen gegeben werden. Durch die schrittweise Veränderung einzelner Parameter lassen sich dann einerseits entstandene Probleme eliminieren und andererseits mögliche Optimierungen erkennen. Aufgrund der sehr umfassenden und akribisch genauen Simulationen am PC kann Samsung die Entwicklungsarbeit nach eigenen Angaben um Monate verkürzen.

Subjektive Einschätzungen und der persönliche Klangeindruck sind allerdings nicht Teil der Computersimulationen im Samsung Audio Lab in Kalifornien. Nicht nur für die Durchführung dieser „listening tests“, sondern auch für die Erfassung und Verwertung der erhaltenen Daten ist Elizabeth McMullin zuständig. Sie erklärt, dass für wirklich verwertbare Ergebnisse gewisse Grundvoraussetzungen essentiell sind. Ein echter Hörtest muss zunächst blind erfolgen, der Lautsprecher darf also von keinem der Hörer gesehen werden – das Auge hört mit. Außerdem muss natürlich der Pegel angepasst sein, eine höhere Lautstärke wird vom Zuhörer in der Regel als „besser“ interpretiert. Ein dritter essentieller Punkt ist, dass die Position der Lautsprecher absolut identisch sein muss. Besonders, wenn die Produkte bezüglich ihrer Performance nahe beieinander sind, kann man die Einschätzung des Hörers durch die Position des Schallwandlers beeinflussen.

Samsung Listening Test System and Speaker Shuffler

Hörtests müssen hohen Anforderungen entsprechen

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Dank einer innovativen Konzeption einer Firma, die sonst Hollywood-Studios unter die Arme greift, können auch Soundbars und TVs optimal im Vergleich gehört werden

Turning opinion into fact_Listening Tests with four high rated devices

Wissenschaftliche Messungen müssen mit subjektiven Einschätzungen kombiniert werden

Die ersten beiden Punkte, der Blind-Test sowie die identische Einstellung der Lautstärke lässt sich noch mit vergleichsweise einfachen Mitteln erreichen. Problematisch wird es, wenn auch die Position der einzelnen Testobjekte deckend sein soll. Besonders in Kombination damit, dass der Hörer das Produkt nicht sehen darf und dass auch kein zu großer zeitlicher Abstand zwischen dem Hören der Produkte verstreichen sollte. Samsung arbeitet daher bei Stereo-Lautsprechern mit drehbaren Podesten. Auf jedem Podest finden jeweils vier Lautsprecherkomponenten Platz. Ist der erste Durchgang erledigt, drehen sich die Podeste und das zweite Konkurrenzprodukt wird in die identische Position gebracht wie das erste. Selbst für Soundbars oder TV-Geräte hat man eine Möglichkeit erdacht: Auch hier wird mit einer Dreh-Konstruktion gearbeitet, die auf Knopfdruck das gewünschte Produkt vorne platziert, während zwei andere nach hinten transportiert werden. Der gesamte Drehvorgang ist binnen 1-2 Sekunden erledigt.

Average Frequency Spectrum Measurements

Natürlich spielt auch die Wahl des Materials eine wichtige Rolle

Dynamic Measurement Examples

Eine hohe dynamische Bandbreite ist vorteilhaft

Ein Panel von trainierten und weniger trainierten Hörern entscheidet bei Samsung, natürlich erst nach mehreren Sessions, über die Klangqualität eines Produktes. McMullin betont auch, dass eine höhere Zahl an trainierten Hörern immer für verwertbarere Ergebnisse sorgt, da diese auch über mehrere Hörtests und über einen längeren Zeitraum beständige und weitgehend identische Aussagen treffen, außerdem sind sie insgesamt kritischer. Auch wir, eine Gruppe von etwa zehn Journalisten durften an mehreren Hörtests teilnehmen und die Arbeit nachvollziehen. Tatsächlich ließ sich nach nur wenigen Sessions ein klarer Konsens der subjektiven Einschätzungen erkennen.

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Ergebnisse unserer Hör-Session

Why Train Listeners

„Trainierte Zuhörer“ liefern zuverlässigere Ergebnisse

Nach dem Hörtest erfuhren wir, dass als Produkte die HW-MS650, ein Soundbar-Konkurrenzprodukt sowie ein Paar Genelec-Referenzlautsprecher teilnahmen. Die Genelec Lautsprecher lagen durchweg auf Platz Nummer 1, die Samsung-Soundbar lag aber relativ dicht auf Platz 2, während das Konkurrenzprodukt klar geschlagen wurde. Bei der Auswertung der Ergebnisse wurde auch klar, wie die eigene Sitzposition die Wahrnehmung beeinflusst. Im Idealfall wird ein Hörtest mit nur einer Person, positioniert am Sweet Spot, durchgeführt. Aufgrund des hohen Zeitaufwandes bei zehn Personen wurden wir in Gruppen aufgeteilt und die Abweichung anhand der eigenen Sitzposition ließ sich am Ergebnisdiagramm einfach ablesen.

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Quo vadis, Samsung Audio?

Wie eingangs erwähnt, war das Team des Audio Labs in Valencia bereits bei einigen Produkten von Samsung beteiligt. Dazu gehören neben der Dolby Atmos-Soundbar HW-K950 und den 360° WAM Multiroom-Lautsprecher auch die neue Soundbar HW-MS650 sowie die im Herbst erscheinende HW-MS750. Für das bisher noch eher kleine Team um Allan Devantier ist es schon erstaunlich, was nur im Rahmen dieser Produktserien bereits erreicht wurde. Allerdings darf auch nicht unerwähnt bleiben, dass man von der „Nummer 1 im Audio-Business“ noch utopisch weit entfernt ist. Das von Südkorea ausgeprochene Mandat scheint aber beim Team im Samsung Audio Lab ausschließlich hohe Motivation und Zielstrebigkeit hervorzurufen. Und unterschätzen sollte man diese wissenschaftlichen Köpfe, die mit außerordentlicher Leidenschaft ans Werk gehen, keinesfalls. Zumal die innovativen Technologien, wie ein Anti-Distortion-DSP und der Midrange Tweeter, prinzipiell in ein deutlich größeres Spektrum an Samsung-Produkten integriert werden können. Außerdem scheint das Hauptquartier die erfolgreichen Ergebnisse aus Kalifornien zu erkennen: Mittlerweile werden die Mitarbeiter von „Samsung Research America“ nicht mehr nur in die Optimierung, sondern auch die Entwicklung und Konzeptionierung der Produkte mit einbezogen. Wir sind gespannt, was uns noch alles vom Team um Allan Devantier, Elizabeth McMullin, Bill DeCanio und Dr. Pascal Brunet erwartet. Das eine oder andere Aha-Erlebnis gab es ja bereits.

In einem zweiten Bericht, der in der kommenden Woche folgt, werden wir noch einige Klangeindrücke der ab Herbst erhältlichen Soundbar HW-MS750 nachliefern. Die neue Soundbar konnten wir bereits mit und ohne den neuen Subwoofer SWA-W700, der ebenfalls um den Herbst verfügbar sein wird, hören. Außerdem durften wir mit einem flachen Prototypen ein ganz klein wenig in die Zukunft blicken.

 

Special: Philipp Kind
Datum: 21.07.2017




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