TEST: Sony Xperia Z5 Compact – Das kleine Große?

Der kleine Bruder vom Z5 startet wieder parallel im Markt und hat sogar das Zeug, dem großen Flaggschiff die Show zu stehlen.

Während sich Samsung mit der Ankündigung der compact-Version des Galaxy S6 weiterhin zurückhält, fahren die Japaner weiterhin die Tandem-Strategie und veröffentlich beide Modelle stets parallel – nur auf die Premium-Version mit dem Luxus-Display müssen Interessenten weiterhin noch warten.

Diese Strategie ist sinnvoll, denn Liebhaber von „Hosentaschen-freundlichen“ Smartphones sind nach wie vor groß und so werden wir auch in den kommenden Jahren mit Sicherheit Mobiltelefone produziert, die Herren auch im Sommer bequem ausführen können.

Gegenüber dem Vorgängermodell wurde an der Optik kräftig geschraubt. Das Gehäuse ist wieder in ein Unibody in verschiedenen Farben, das den Anschein erweckt, dass nur Plastik verbaut wurde. Tatsächlich bietet es neben der Vollglasur-Frontseite auch eine mattierte Glasplatte auf Rückseite. Der Japaner strahlt dadurch eine hohe Wertigkeit aus, was sich auch durch die IP68-Zertifizierung widerspiegelt. Ein Einsatz am Strand ist somit problemlos möglich, obwohl die Slots für das Headset und USB-Kabel nicht verschlossen sind. Der Akkublock ist dadurch erwartungsgemäß fest verbaut. Netter Nebeneffekt der neu gestalteten Rückseite: Fingerspuren sind dadurch nicht mehr so aufdringlich sichtbar.

Rückseite

Sony Xperia Z5 compact ist der beste Beweis dafür, dass die OLED-Technologie nicht das Maß aller Dinge ist. Das Retina-Display beeindruckt nämlich durch eine hohe Leuchtstärke (ca. 655 cd/m²) und lässt daher auch das aktuelle iPhone hinter sich. Der 4,6 Zoll große Touchscreen mit einer Auflösung von 1.280 x 720 Pixel (HD) ist außerdem knackig scharf und bildet Farben kräftig ab. Das kein FullHD geboten wird ist angesichts einer Pixeldichte von 322 ppi überhaupt kein Problem. Einziger Mini-Kritikpunkt: Weiße Flächen sehen leicht grau/blau aus.

Die in Werbeblöcke angepriesene „beste Kamera der Welt“ zeigt auch bei der compact-Version eindrucksvoll seine Muskeln. Die 23 Megapixel Auflösung, die sehr hohe Lichtempfindlichkeit und der schnelle Autofokus sorgen auch bei schwierigen Lichtverhältnissen für Fotoalbum-reife Schnappschüsse – da geht der Einsteigerkamera klar die Argumente aus. Vorbildlich ist zudem, dass der physische Knopf das Fotografieren bequemer und ruckelfreier gestaltet. Im Zusammenspiel mit viel digitalem Know How eine insgesamt brillante Kameravorstellung. Schade ist nur, dass lediglich eine kleine LED-Leuchte unterstützt. Eine Dual-LED würde für noch bessere Ergebnisse bei weiteren Distanzen sorgen.
Flankiert wird die Hauptkamera von einer 5 Megapixel Frontkamera für Selfies sowie einem Camcorder, der mit maximal 4K-Auflösung (3.840 x 2.160 Pixel) bei 30 fps filmt – top!
Abseits der Highend-Kamera wird der Nutzer wieder mit allerlei Sony-Multimedia-Extras verwöhnt. So steht für Zocker wieder das PS4-Remote-Play-Feature bereit, sodass sich Games von der Konsole aufs Handy streamen lassen – ein wirklich cooles Gimmick, auch wenn das Display dafür eigentlich zu klein ist. Dank MHL 3.0 lassen sich zudem Inhalte in hoher Qualität auf den Fernseher übertragen.

Sony Xperia Z5 compact Foto 1

Erstes Foto, geschossen mit dem Smartphone

Sony Xperia Z5 compact Foto 2

Zweites Foto bei schwächeren Lichtverhältnissen

User haben des Weiteren Zugriff auf ein Sony-exklusive Audio/Video-Angebot und dürfen sich beim Musikgenuss dabei auf ein tollen Equalizer freuen, der für mehr Spielfreude sorgt – auch hier spielt Sony ihren Multimedia-Fundus souverän aus.

Wer diese Stärken ausgiebig nutzen möchte, sollte aber schnell in eine microSD-Karte investieren, denn von den internen 32 GB stehen „nur“ noch rund 22 GB zur freien Verfügung. Bis maximal 200 GB sind dabei möglich, wenn man der Cloud nicht vertraut.

Über das Angebot an Android-Standards und Datenschnittstellen (alles außer Infrarot) bedarf es angesichts dieses hohen Ausstattungsniveaus keiner weiteren Ausführungen mehr.

Der sicherlich ungewohnt platzierte Fingerabdruckscanner hat glücklicherweise auch die compact-Version abbekommen. Nach dem Prozedere der Erkennung kann man dadurch das Smartphone flugs entsperren, da der Finger fast intuitiv dort platziert wird. Nach einer kurzen Zeit hat der Nutzer sich daran gewöhnt und weiß diese Platzierung zu schätzen. Der Scanner funktioniert zudem schnell und präzise – zu mindestens, wenn man einen trockenen Finger hat, wobei das aber ein allgemeines Problem bei Fingerabdruckscanner ist. Es wäre allerdings wünschenswert, wenn es künftig noch weitere Funktionen geben wird, die diesen Scanner unterstützen.

Seite

Es ist übrigens ein sinnvoller Schachzug, dass auch ein doppeltes Klopfen auf dem Touchscreen ausreichen kann, um den Japaner zu wecken.

Ab Werk ist das aktuelle Android 5.1.1 Lollipop vorinstalliert und Sony ließ bereits verlaufen, dass ein Update zu Android 6.0 Marshmallow nur noch eine Frage der Zeit sei, da das Smarthone dafür ausgelegt ist.

Abgerundet wird das Bedienungskonzept durch Sony User Interface mit viel Farbigkeit, einer hilfreichen App-Drawer-Sortierung, alle obligaten Short Cuts und Personalisierungsmöglichkeiten. Auf größere Handhabungs-Kapriolen verzichteten die Macher aber, was für die Übersichtlichkeit nur gut ist.

Performance-Einbußen gegenüber dem großen Bruder müssen Käufer nicht fürchten, denn es wurde die komplette 64-Bit-Architektur des Xperia Z5 übernommen: QUALCOMM Snapdragon 810 mit zweimal vier Kernen (4 x 1,5 GHz und 4 x 2 GHz) sowie der 3D-Grafikchip Adreno-430-GPU. Einziger Unterschied: Statt 3 gibt es „nur“ 2 GB Arbeitsspeicher. Auswirkungen auf die Leistung hat das aber nicht. Alles läuft butterweich und flott, selbst bei aufwändigen 3D-Games oder Multitask-Aufgaben.

Sony Xperia Z5 compact Menü

Benutzeroberfläche

Sony Xperia Z5 compact Screenshot

Home-Screen

Der Stromspender bietet 2.700-mAh und sorgt im Alltag für eine Rufbereitschaft von rund drei bis vier Tagen. Dank des kleineren Displays bleibt die compact-Version im Schnitt einen Tag länger Nonstop auf Empfang. Bei Dauerbelastung gibt es hingegen keinen qualitativen Unterschied gegenüber dem Z5, denn auch der kompakte Vertreter bringt es auf rund sieben Stunden. Was im Kapitel Stromhaushalt einzig etwas negativ auffällt ist die Ladezeit, denn trotz Quick Charge-Technik dauert es knapp 2,5 Stunden bis die 100% wieder erreicht ist.

Der Sound zaubert wieder ein Lächeln auf dem Gesicht des Testers, denn die unauffällig platzierten Stereo-Lautsprecher links und rechts vom Display spielen lebendig auf, sodass das Xperia Z5 compact auch als mobile Mini-Anlage taugt.

Telefonieren gelingt mit dem Japaner ebenfalls gut, denn Stimmanteile werden laut in beide Senderichtungen übertragen. Allerdings ist die Natürlichkeit nicht optimal und hin und wieder gibt es ein leichtes Hintergrundrauschen.

Fazit

Überraschung! Das kleine Xperia Z5 zeigt dem großen Bruder sogar die Rückleuchten. Das liegt vor allem an der besseren Akkuleistung und der noch überzeugenden Kamera-Vorstellung. Sicherlich ist der Preis aufgrund des kleineren Displays, doch kann man angesichts eines Displayformates von 4,7 Zoll wirklich schon von einem Mini-Smartphone sprechen? Das Sony Xperia Z5 compact liegt auf alle Fälle angenehm in der Hand, findet schnell Platz in Hosentaschen und weist in allen Kriterien Topwerte auf. Sony ist nun klar auf Augenhöhe von Samsung und Apple und zeigt vor allem im Multimedia-Bereich seine Stärken. Wenn es den Machern nun noch gelingen sollte, noch mehr individuelle Raffinessen zu entwickeln, ist sogar noch mehr drin – ein ganz Großer dieser „Kleine“! 

Der klare König der Kompakt-Smartphones
ueberragend
04.01.2016

 

+ Überragende Kamera
+ Voll-Ausstattung
+ Top-Display

– Sehr preisintensiv
– Fest verbauter Akkublock
– Vergleichsweise kleines Display

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 04.01.2016




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