TEST: Sony Xperia Z4 – Elegantes Fliegengewicht in der Premium-Klasse

Nachschub an der Tablet-Front: Die Japaner werfen einen Flachmann auf den Markt, der das Zeug hat in der Premium-Liga locker mitzuspielen.

Der Tablet-Markt unterteilt sich im Grunde in zwei Kategorien: Billige No-Name-Produkte und preisintensivere Markengeräte. Wer einmal die Geldbörse nur halbherzig öffnet merkt allerdings mitunter, dass das ein Fehler war, denn im Bereich Performance und somit Zukunftssicherheit gehen vielen Billig-Tablets schnell die Puste aus. Sony macht bei der vierten Xperia-Auflage offenkundig keine Kompromisse, denn der Online-Preis liegt bei saftigen rund 650 Euro für die LTE-Variante.

Rückseite

Beim Sony Xperia Z4 Tablet gibt es viele optisch positive Aspekte: Die schlichte Eleganz, die schlanke Bautiefe dank eingesparter Luftschicht und die mattierte, leicht raue Rückseite, die für eine angenehme Haptik sorgt. Beeindruckend ist zudem, was der Japaner lediglich auf die Waage bringt, denn es wiegt unter 400 Gramm. Dass dieses Tablet ein Leichtgewicht ist liegt vor allem daran, dass beim Gehäuse komplett auf Metall verzichtet wurde. Dennoch ist das Sony Xperia Z4 Tablet alles andere als fragil, im Gegenteil: Es erfüllt sogar die Anforderung von IP65 und IP68. Diese Klassifizierungen bedeuten, dass das Tablet sogar ein längeres Tauchbad aushält und gegen Staub wirksam geschützt ist. Der Japaner ist somit sogar härter im Nehmen als Smartphones, die „nur“ die Schutzklasse IP 67 erfüllen, was auch daran liegt, dass alle Slots gut versiegelt sind. Das ist aktuell ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal und sehr beachtlich, da es auf der Frontseite Stereo-Lautsprecher aufweist. Doch dazu später.

Die Lobeshymnen gehen beim Display nahtlos weiter, was nicht nur an der Qualität liegt, sondern an der Tatsache, dass der 10Zoller lupenreines 16:9-Format aufweist – dagegen sperrt sich Apple leider immer noch.

Schlank & leicht

Wenn man sich die vorinstallierten Videoclips anschaut, wird sofort klar, in welcher Gewichtsklasse dieses Display spielt: ultra-scharf, ausreichend leuchtstark bei Tageslicht sowie knackige Farben. Das liegt zum einen an den vielen Sony-Bildoptimierungen, zum anderen an der Auflösung von 2.560 x 1.600 Pixel, was für eine beeindruckende Pixeldichte von 301 ppi sorgt. Zum Vergleich: Das Apple Air 2 hat nur 264 ppi. Einzig der LED-Vorteil beim iPad sorgt dafür, dass beide Tablet auf dem gleichen Niveau liegen. Gibt es überhaupt Kritikpunkte? Ja, denn der Klavierlack zieht Schmierstreifen geradezu magisch an.

Für die Preisklasse darf man insbesondere bei einem Tablet viel erwarten – und Käufer werden auch nicht enttäuscht. Neben allen relevanten Datenschnittstellen, wie LTE (300 Megabit pro Sekunde im Download), WLAN-ac für das 2,4-Gigahertz-& 5-Gigahertz-Band sowie NFC wird auch die aktuelle, stromsparende Bluetooth-Version 4.1 unterstützt.

Sony Xperia Z4 Tablet Menü

App-Übersicht

Die besonderen Stärken zeigt der Japaner aber vor allem, wenn es um die Multimedia-Angebote geht. So fungiert das Tablet auch als Home Entertainment System, da es optimal mit TV-Geräten und PC harmoniert. Via PS4 Remote Play können Zocker zudem Spieler nahtlos zwischen dem Z4 Tablet und einem Fernseher wechseln – das ist äußerst lässig. Auch das Kombinieren mit Fitnessarmbändern, Smartwatches oder drahtlose Lautsprechern ist ebenso möglich, wie das problemlose Versenden und Empfangen von SMS und MMS – eine echte Entertainment-Maschine!

Es gibt vom Z4 Tablet nur eine Speichervariante mit 32 GB, von denen immerhin rund 22 GB zur freien Verfügung stehen. Dank des microSD-Slots, der 126 GB verarbeiten kann und Cloud-Speicher dürften aber nicht allzu schnell Verdauungsprobleme entstehen.

Sony Xperia Z4 Tablet Foto

Aufgenommen mit dem Xperia Z4

Für ein Tablet ist der Fernöstler im Kamerabereich sehr potent aufgestellt, denn neben einer 8-Megapixel-Hauptkamera freuen sich Selfie-Fans noch über eine 5-Megapixel-Digicam mit einem 25mm Weitwinkel Objektiv. Im Zusammenspiel mit einigen Software-Tricks aus dem Hause Sony, wie eine Restlichtverstärkung schlägt sich die Kamera im Praxistest recht wacker. Auffallend ist tatsächlich die überdurchschnittlich hohe Lichtempfindlichkeit in geschlossenen Räumen und bei Kneipenlicht, was ohne LED-Blitz-Unterstützung auch wichtig ist. Allerdings fehlt der Kamera dadurch häufig das nötige Fingerspitzengefühl, denn viele Schnappschüsse sind blass, milchig und wirken von der Helligkeit her übersteuert.

Auch nett: Dank UKW-Radio an Bord wird nicht unnötig das Datenvolumen belastet und durch Navigon von Garmin lotst das Tablet im Notfall sogar sehr sicher.

Sony ließ es sich wieder nicht nehmen dem aktuellen Android-Betriebssystem in der 5.0-Version (Lollipop) ein ordentliches Facelifting zu unterziehen, was sich optisch vor allem durch einen tieferen Griff in den Farbtopf und runden Sony-Apps zeigt.

Auch bei den Sondermenüs zeigt sich Sony kreativ. Verkleinert man beispielsweise die Displaydarstellung, in dem man zwei Finger zusammenzieht, erscheint auf der rechten Seite ein Menü mit Zugriff auf alle wichtigen Einstellungen (Widgets, Designs und Systemeinstellungen). Das klassische Pull Down Menü listet alle jüngsten Aktivitäten auf und per Wisch über den linken Rand nach rechts öffnet sich ein Menü, in dem man schnellen Zugriff auf alle Apps hat. Das ist praktisch fürs Sortieren oder Deinstallieren von Apps. Ferner lässt sich festlegen, wie bestimmte Apps reagieren sollen, wenn man Zubehör anschließt – eine clevere Lösung!

Ebenfalls hilfreich ist die Möglichkeit, das Tablet via zweifaches Tippen auf dem Display aktiv zu machen, wobei der An/Aus-Schalter aber ebenfalls gut erreichbar ist.

Sony Xperia Z4 Tablet Screenshot

User Interface

Der Prozessor ist leistungsstark und clever zugleich, denn beim Snapdragon 810 kümmern sich vier Kerne um Alltagsaufgaben (maximal 1,6 Gigahertz Taktung), während das andere Quartett (maximal 2 Gigahertz Taktung) mit der neuen Grafikeinheit Adreno 430 zusammenarbeitet, um anspruchsvolle Aufgaben zügig umzusetzen. Da offensichtlich auch das Zusammenspiel mit der Software „funzt“, gibt es keinerlei Performance-Probleme, auch nicht beim Multitasking oder Zocken von anspruchsvollen 3D-Games.

Die Kehrseite der Medaille: Das Luxus-Display und der potente Prozessor saugen kräftig Strom.  Das fällt zwar nicht auf, wenn man eine moderate Nutzungsintensität hat, doch dafür wird ein Tablet ja nicht gebaut. Im Praxistest ist eine Dauernutzung von rund zwölf Stunden drin, sodass die Akkuleistung deutlich unter dem Niveau vom iPad Air 2 liegt. Insgesamt ist das Stehvermögen aber alles andere als schlecht.

Wenn man mit dem Tablet in Multimediawelten eintaucht, ist man erst einmal über die Soundkulisse überrascht. Der Trick: Äußerst dezent sind links und rechts vom Display schmale Lautsprecher integriert – und die leisten einen guten Job: ausreichend laut, lebendige Soundkulisse und en vernünftiges Bassfundament  – so macht Filme gucken und zocken noch mehr Spaß. Sicherlich verwischt das Klangbild bei hoher Lautstärke leicht, doch noch größere Lautsprecher würden das Designkonzept sprengen.

Fazit

Selbst bei einem überzeugten iPad-Nutzer weckt das Sony Xperia Z4 Tablet starke Begehrlichkeiten. Insbesondere das brillante TFT-Display im 16:9-Format und die sinnvoll platzierten Stereo-Lautsprecher auf der Frontseite sind zwei klare Vorteile gegenüber Apples Flachmänner. Da es auch in den anderen wichtigen Disziplinen, wie Ausstattung, Performance, Handhabung und Designkonzept voll punktet, gehört dieses Tablet zum Besten, was der Markt aktuell bietet, zumal es gegen Widrigkeiten optimal gerüstet ist und angenehm leicht ist. Nach echten Schwachpunkten muss man somit regelrecht suchen. Klar, dass Sony Xperia Z4 Tablet ist entsprechend preisintensiv, aber Gutes hat halt doch ihren Preis.

Das vielleicht beste Tablet abseits des iPad-Marktes.
ueberragend
26.08.2015

+ Brillantes, helles 16:9-Display
+ Gute Stereo-Frontlautsprecher
+ Leicht & flach

– Hoher Preis
– Keine optimale Akkulaufzeit
– Nur eine Speichervariante

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 26.08.2015




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