TEST: Sony Xperia XZ1 Top-Smartphone – Zurück zu alter Stärke?

Beim neuen Flaggschiff werfen die Japaner wieder viel Multimedia-Knowhow in die Waagschale und bleiben bei einigen Punkten sehr konservativ. Sony weiß durchaus, wie man Alleinstellungsmerkmale schafft, allerdings betrifft das häufig Details, die man dem Anwender erst nahe bringen muss. Mit dieser „Problematik“ haben mittlerweile aber alle Smartphone-Hersteller zu tun. Häufig gibt es versteckte Talente und auch die optische Variation hält sich sehr in Grenzen.

„Never change a winning design?“ Sony bleibt ihrem typischen optischen Stil treu: auffällig kantig, schnörkellos und ober- und unterhalb des Displays gibt es noch reichlich Platz, da der Hersteller kein rahmenloses Display anstrebt.

Rückseite XZ1

Das Sony Xperia XZ1 ist somit recht lang geraten, dafür aber nur 7,5 mm dick. Da der Unibody erwartungsgemäß perfekt verarbeitet ist, liegt das Gerät ausgezeichnet in der Hand. Das XZ1 ist IP 65/68 zertifiziert und hält auch schon mal einen kurzen Tauchgang sowie den ausgiebigen Strandbesuch problemlos aus – auch das gehört seit längerem zum Repertoire des japanischen Herstellers. Bei der Display-Technologie finden wir nichts großartig neues, weiterhin setzt man auf konventionelle LCD-Touchscreens, kein OLED.

Der 5,2-Zoller wird dafür aber sicher durch Gorilla Glass 5 geschützt und ist äußerst lichtstark. Die FullHD-Auflösung sorgt zudem für eine scharfe Darstellung. Durch HDR-Unterstützung mag sich sich aus einigen Filmen mehr Kontrast herauskitzeln lassen, sofern die Clips diese Technologie unterstützen. Insgesamt zwar ein sehr guter Auftritt des Displays, doch die satte Farbwiedergabe von OLED fehlt.

Aufnahme bei schönem Wetter

Sony Xperia XZ1 Blitz

Aufnahme mit Blitz

Panorama

Auch bei der Kamera bleibt Sony ihrer bisherigen Politik treu und statten das XZ1 nicht mit einer Dual-Kamera aus. Stattdessen setzt man auf ein dickes Qualitätspaket mit zahlreichen Extras. Technisch basiert die Hauptkamera auf einer mobile Version von Sonys Exmor RS-Sensor (1/2,3 Zoll) mit 19 Megapixel Auflösung, der von einem DRAM-Zwischenspeicher unterstützt wird. Und so viel kann man schon an dieser Stelle sagen: Die Kamera ist äußerst schnell! Dieser schnelle Speichervorgang hat auch einen guten Grund, denn die Kamera ist auf Bewegtmotive regelrecht spezialisiert. Sobald man die Option „Objektverfolgung“ aktiviert, kann man per Fingertipp festlegen, welches Motiv verfolgt werden soll – gerade bei flotten Sport-Events ein sehr sinnvolles Feature. Im Zusammenspiel mit dem Laser-Autofocus gelingen so auch aus der Hüfte mitunter beeindruckende Schnappschüsse.

Diese Intelligenz zeigt die Kamera auch an anderer Stelle. Beispielsweise löst der Auslöser automatisch aus, sobald die anvisierte Person anfängt zu lächeln und ein langer Druck archiviert flink eine Bildfolge. Im Automatik-Modus ist man daher für alle Situationen gut gewappnet.

Aber auch die Ausstattung kann sich sehen lassen: Profis können sich im manuellen Modus austoben, Zeitraffer ist ebenso möglich wie Slow Motion und auch alle „üblichen Verdächtigen“, wie z.B. der Panorama-Modus, sind ebenfalls an Bord.

Qualitativ ist die Kamera daher fast rundum überzeugend, auch der leistungsstarke Blitz trägt dazu bei. Vor allem Aufnahmen bei Tageslicht machen sich in jedem Fotoalbum gut. Was jedoch auffällt: Bei Farben wird recht satt aufgetragen und sobald das Licht suboptimal ist, versucht die Kamera diesen Umstand durch Filter zu kompensieren. Mitunter sehen daher einige Fotos etwas unnatürlich aus. Das betrifft vor allem die 13 Megapixel Frontkamera, bei der „geschönte“ Selfies zur Standard-Einstellung gehört – warum auch nicht, „gephotoshopped“ sieht man halt frischer aus.

Seitliche Ansicht

Rund 52 GB stehen im XZ1 zur freien Verfügung. Das Weitersenden von Fotos geht zudem flink über die Bühne, da alle schnellen Datenschnittstellen zur Verfügung stehen: WLAN-ac, NFC, Bluetooth 5.0 sowie LTE. Auch der flotte USB-Standard C wird genutzt, wobei aber leider kein passendes Schnellladegerät zum Lieferumfang gehört.

Bereits ab Werk ist das brandneue Android 8.0 aufgespielt. Das hat unter anderem auch Einfluss auf die Handhabung, denn das Einstellungsmenü ist nun übersichtlicher geworden. Interessantes Detail: Drückt man länger auf eine App, lassen sich individuelle Berechtigungen einstellen, um eine variable Privatsphäre festzulegen.

Bei der Handhabung wird aus dem Vollen geschöpft. So gibt es neben dem zweistufigen Pull-Down-Menü und einem Google-Startmenü auch direkten Zugang zu den zuletzt genutzten Apps per Fingerstreich. Schön zudem, dass der App Drawer bei Sony nicht in Vergessenheit geraten ist.

Auch im Bereich Sicherheit wird die volle Bandbreite geboten: Neben einem flotten und präzisen Fingerprintscanner lässt sich das Smartphone auch per Stimme oder Gesichtserkennung entsperren.

Beim User Interface setzt Sony wie gewohnt wieder alle hauseigenen Multimedia-Dienste in Szene, was aber nicht mehr so bunt dargeboten wird wie bei früheren Modellen. Man braucht Hilfe? Der Assistent ist breit aufgestellt und hilft schnell zu allen Themenbereichen.

Sony Xperia XZ1 Screenshot

Android 8.0

Wie es sich für ein Flaggschiff gehört, hat Sony einen Top-Prozessor verbaut. Der Snapdragon 835 wird dabei von 4 GB RAM unterstützt und hat eine Taktung von 2,45 GHz. Diese Power spürt man auch in allen „Lebenslagen“. Apps öffnen sich schnell, anspruchsvolle Games laufen reibungslos und der Bedienungsfluss ist top.

Akkuleistungen waren lange Zeit nicht gerade die Paradedisziplin von Sony, aber dieses Modell schlägt sich recht achtbar angesichts der Multimedialast. Wenn man keine ausgiebigen Online-Sessions einlegt, liegt die Rufbereitschaft bei vier bis fünf Tagen. Erhöht man allerdings die Schlagzahl, reduziert sich die-Einsatzzeit sehr deutlich, sodass der Akku nur noch drei Tage ohne Netzteil auskommt. Im Nonstop-Betrieb ist dann bereits nach sechs bis sieben Stunden Schluss. Das ist dann sogar ein eher unterdurchschnittlicher Wert. Dennoch: Sony hat in diesem Bereich schon einen Schritt nach vorne gemacht.

Auch bezüglich der Akustik gibt es viel Gutes zu berichten, denn Sony hat auf der Frontseite wieder die spielfreudigen Stereo-Lautsprecher links und rechts vom Display platziert. Der große Vorteil kommt vor allem beim spielen und dem Genuss von Videos zum Tragen, da der Stereoeffekt in der Querhaltung voll ausgespielt wird.

Da Sony wieder allerlei Klangoptimierungen und Soundeffekte anbietet, zudem aptX und LDAC unterstützt, lassen sich sehr individuell geschmackliche Anpassungen vornehmen. Telefonieren macht ebenfalls Laune, denn Nebengeräusche sind ein Fremdwort und Stimmen werden recht natürlich in beide Senderichtungen übertragen. Einziger Mini-Kritikpunkt: Wenn das Umfeld lauter ist, wünscht man sich etwas höhere Lautstärke.

Fazit

Sony Xperia XZ1

Sony scheint mit dem XZ1 wieder zu alter Stärke gefunden zu haben. Das markante Design mit den Stereo-Lautsprechern sorgt für einen optischen Wiedererkennungswert und im Bereich Multimedia ist das Flaggschiff top aufgestellt. Allerdings schwächelt man etwas bei der Akkuleistung und andere Referenzmodelle bieten zudem eine immer noch etwas bessere Kameraqualität. Sony dürfte es daher weiterhin schwer haben, gegenüber Samsung und Huawei Pluspunkte zu sammeln, denn dafür fehlt dem Sony XZ1 schlichtweg das Killer-Argument und ein besonders attraktives Preis-/Leistungsverhältnis.

Multimedia-Künstler im klassischen Sony-Design mit starkem Prozessor
ausgezeichnet
Smartphones Luxusklasse
Test 18.01.2018

+ Android 8.0
+ Starker Prozessor
+ Vielseitige Kamera

– Keine optimale Rufbereitschaft
– Kein Schnellladegerät

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 18.01.2018




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