TEST: Samsung Galaxy Tab Pro 8.4 LTE

 

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Nicht nur an der Smartphone-Front ackern die Koreaner fleißig, auch im Tablet-Sektor liefern die Fernöstler mittlerweile Geräte wie am Fließband aus. Mit der Pro-Reihe werden die flachen Rechner nochmals auf Hochglanz poliert.

Dass die Koreaner das Tablet-Tempo erhöht haben liegt auch daran, dass die gröbsten juristischen Streitigkeiten mit Apple beigelegt wurden. Im ewigen Gezanke um das Thema „Wer hat was zuerst erfunden?“ mussten schlussendlich beide Giganten tief in die Tasche greifen – und dennoch ist ein Ende noch nicht absehbar. Doch das ist ein anderes Thema… Fakt ist auf alle Fälle: Mit einem globalen Tablet-Marktanteil von rund 22% (1.Q. 14) rückt Samsung den Kaliforniern immer mehr auf die Pelle (32%).

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Seitliche Ansicht

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Rückseite

Sehen wir es einmal positiv: Samsung zieht ihr Designkonzept weiter durch, und das bedeutet auf Nummer Sicher gehen, um ja niemanden weh zu tun. Optisch ist es nahezu 1:1 ein typisches Samsung-Smartphone, wobei es nur die Farbvarianten Weiß oder Schwarz gibt. Auch die derzeit bei den Koreanern schwer angesagte matte Rückseite in Lederoptik mit umlaufenden Plastik-Nahtstellen wurde anstandslos übernommen – never change a winning team…

Im Zusammenspiel mit dem silbernen Rand und betonten Rundungen ist der optische Auftritt zwar alles andere als originell, insgesamt aber sehr elegant, was vor allem an der Bautiefe von nur 7mm liegt. Mit rund 330 Gram belastet der 8-Zoller zudem nicht zu sehr das Reisegepäck. Für Reisen ist das Samsung Galaxy Tab Pro 8.4 LTE ohnehin gerüstet, da die Verarbeitungsqualität gelungen ist – wie nicht anders von Samsung gewohnt.

Wenn wir schon vom Display sprechen: Der IPS-LCD -Touchscreen bietet mit einer Auflösung von 2.560 x 1.600 eine geradezu protzig hohe Pixeldichte. Vor allem bei Games mit einer peppigen Grafik fällt zudem die satte Farbwidergabe positiv auf. Nur in den Disziplinen Kontrast und Helligkeit gibt es Tablet-Kollegen, die technisch noch besser aufgestellt sind. Apropos Helligkeit: Bitte schnell die manuelle Einstellung wählen, denn im Automatik-Modus geht es mitunter zappenduster zu. Weiterer Kritikpunkt: Das Display reagiert trotz Gorilla-Glas recht sensibel auf stärkerem Druck, da schnell schwarze Stellen entstehen.

Samsung Galaxy Tab Pro Hauptmenü

Galaxy Pro Tab Hauptmenü

Samsung Galaxy Tab Pro Foto

Geschossen mit der 8 MP Hauptkamera

Bei einem Straßenpreis von 450 bis 500 Euro darf der Käufer anno 2014 mittlerweile das volle Programm bei einem Tablet erwarten – und das Samsung Galaxy Tab Pro 8.4 LTE enttäuscht in dieser Disziplin auch nicht. So wird nahezu die komplette Klaviatur an Datenschnittstellen abgedeckt, inklusive W-LAN-ac, eine Infrarotschnittstelle, um das Tablet auch als Fernbedienung nutzen zu können sowie LTE mit bis zu 150 MBit/s im Download. Es gibt übrigens auch eine Version ohne LTE, die bereits unter 400 Euro bestellbar ist. Schade ist allerdings, dass die USB-Schnittstelle nicht den 3.0-Standard unterstützt. Auch NFC und ein HDMI/TV-Ausgang-Ausgang sind nicht in den Platinen verankert, was den Multimedia-Einsatz etwas einschränkt. Grund: Dieses Tablet ist offensichtlich mehr als mobiles Arbeitstier konzipiert.

Für ein Tablet ist der Koreaner im Bereich Kameras dennoch üppig ausgestattet. Eine 8-Megapixel-Hauptkamera auf der Rückseite sowie eine 2-Megapixel-Frontkamera für die Selfie-Fraktion – hier folgen die Fernöstler somit dem allgemeinen Trend. Beidseitig ist das Tablet somit für Videokonferenzen bestens gerüstet. Die Hauptkamera selbst leistet einen erstaunlich guten Job, was vor allem an der guten Lichtempfindlichkeit liegt. Auch in geschlossenen Räumen gelingen vernünftig ausgeleuchtete und scharfe Fotos. Sicherlich kein Vergleich zu Kameras von der aktuellen Smartphone-Elite, doch für ein Tablet eine ordentliche Leistung.

Beim Speicherplatz können Käufer nur auf eine 16 GB Version zurückgreifen, bei der dem Nutzer rund 11 GB zur freien Verfügung stehen. Das ist zwar nicht üppig, doch dafür schluckt das Tablet anstandslos microSD-Karten mit bis zu 64 GB. Bei Samsung ist das glücklicherweise mittlerweile der inoffizielle Standard.

Bei der Software-Ausstattung fallen zwei Dinge sofort auf: Schiebt man den zentralen Startbildschirm nach rechts taucht  ein E-Magazin auf Basis von Flipboard auf, dass sich mit individuellen Themen füllen lässt. In einem weiteren Startbildschirm steht dem Nutzer ebenfalls ein fünffach unterteiltes Menüfeld zur Verfügung, bei der die Business-Fraktion zum Zuge kommt: ein E-Mail-Sammelbecken, Zugriff auf Office-Programme, Termine oder der Kalender – übersichtlich und praktisch gelöst.

Clever ist dabei unter anderem die E-Meeting-Funktion, bei der alle im W-LAN angemeldeten Personen parallel eine Präsentation jeweils auf ihrem eigenen Gerät verfolgen und via Skizzen und Notizen aktiv bearbeiten können ohne im gleichen Raum sitzen zu müssen.

Samsung Galaxy Tab Pro Business

“Büro”-Anwendungen

Samsung Galaxy Tab Pro Flipboard

Flipboard

Erwartungsgemäß wird das Tablet mit Android Version 4.4 (KitKat) ausgeliefert, das von Samsungs aktueller TouchWiz als User Interface unterstützt wird. Kenner fühlen sich somit sofort heimisch, da die bekannten Apps und Widgets bereits angeboten werden. Extra-Funktionen des Eingabestiftes S Pen werden hingegen nicht unterstützt – angesichts der vielen Business-Features hätte der Stylus dem Tablet eigentlich gut gestanden.

Praktisch sind dafür die beiden Pull-Menüleisten: Am oberen Rand warten alle Grundeinstellungen auf ihren Einsatz, während am rechten Rand alle wichtigen Apps gesammelt sind. Im Zusammenspiel mit den fünf individuell füllbaren Startbildschirmen sind die Personalisierungsmöglichkeiten und der schnelle Zugriff – gut gelöst – langjährige Erfahrung macht den Meister. Gut zudem, dass der physische Home-Button bei Samsung nicht auf die Streichliste gesetzt wurde.

Bei der Hardware-Architektur lässt Samsung nichts anbrennen: Der Qualcomm Vierkern-Prozessor Snapdragon 800 ist mit 2,3 Ghz getaktet und wird durch einen 2 Gigabyte Arbeitsspeicher und einem zusätzlichen Grafikchip unterstützt (Qualcomm Adreno 330). Im Praxistest überzeugt das Tablet durch eine stets flotte Performance. Nur bei einigen aufwändigen 3D-Games wie Asphalt 8 kommt es sporadisch zu kleineren Rucklern, die am im Eifer des Gefechts nicht weiter ins Gewicht fallen.

Der 4.800 mAh Akkublock (fest verbaut) hat einen schlechten Start, denn im ersten Testlauf ging ihm auch ohne viel Nutzung schnell die Puste aus. Grund: Nach dem Start lud das Tablet im Hintergrund zahlreiche Software-Update herunter. Im zweiten Anlauf lief es dann deutlich besser. Im Dauereinsatz unter hoher Auslastung liegt der Nonstop-Wert bei immerhin 3 bis 4 Stunden. Bei einer moderaten Nutzungsintensität bei rund zwei bis drei Tagen. Das iPad hat zwar mehr Stehvermögen, unter dem Strich ist das aber eine ausreichend gute Leistung.

Bei der Platzierung der Stereo-Lautsprecher war Samsung mal wieder mutlos, denn die befinden sich auf der kurzen Seite unterhalb der zentralen Steuertaste, was für den Musikgenuss nicht gerade ideal ist – eine Koppelung mit einem Bluetooth-Lautsprecher ist daher empfehlenswert. Immerhin: Videogespräche lassen sich über das Telefon-Interface mit jeder kompatiblen Gegenstelle führen. Der Sound der Lautsprecher ist erwartungsgemäß bestenfalls durchschnittlicher Natur: eng gestaffelt, bassarm und bei höherer Lautstärke scheppert es mitunter gewaltig. Für den Einsatz als Freisprecher ist aber zumindest die Lautstärke ausreichend

Fazit

Stärker noch als bei den Smartphones ähneln sich Tablets bezüglich Ausstattung, Optik und Leistung aber einer gewissen Preisklasse. Beim Samsung Galaxy Tab Pro 8.4 LTE fällt aber vor allem die stärkere Business-Ausrichtung aus, denn im Bereich Software wird bereits ab Werk einiges geboten. Dafür müssen Käufer aber auf einen HDMI-Ausgang verzichten, sodass es Einschränkungen im Multimedia-Einsatz gibt. Als digitales Filofax macht dieses Tablet aber im Büro eine gute Figur, da hier die Kombination aus Handlichkeit, Ausstattung und Performance passt. Wer kein LTE benötigt bekommt diesen Flachmann zudem bereits recht günstig.

Der derzeit beste Tablet-Allrounder in der Kompaktklasse von Samsung
sehrgut
17.07.2014

+ Recht leicht und kompakt
+ Komplette Ausstattung
+ Gute Ausdauer

- Mäßige Kameraqualität
- Kein HDMI-Ausgang
- Wenig interner Speicherplatz

 

Test: Ulf Schneider



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