TEST: Samsung Galaxy Note Edge – Prestige-Modell mit Vollausstattung?

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Begehrt, luxuriös, innovativ aber auch preisintensiv: Die Koreaner haben mit dem EDGE ein Sondermodell der Spitzenklasse im Portfolio.

Samsung ist zwar nach wie vor (noch) Weltmarktführer bei den Smartphones, hat aber ein grundsätzliches Problem: Fehlendes Prestige und Austauschbarkeit der Produkte. Fakt ist nämlich, dass die Kundenbindung der Samsung-Kunden nicht die allerbeste ist, da das Android-Ökosystem einen unkomplizierten Wechsel möglich macht.

Samsung hat aber inzwischen reagiert und kräftig am Designkonzept gefeilt. Herausgekommen ist die neue A-Linie (Tests folgen noch) sowie das Note EDGE als absolutes Prestige-Modell. Wer letzteres Modell sein Eigen nennen möchte, muss mindestens 750 Euro auf die Theke legen. Im Gegenzug zieht dieser Funker aber alle Blicke auf sich.

Und das aus gutem Grund, denn das Note EDGE ist aktuell (noch) das einzige Smartphone mit einem Display-Knick am rechten Rand. Dieser arbeitet völlig autonom und ist gespickt mit nützlichen Anwendungen, die sich individuell konfigurieren lassen. Doch dazu später mehr.

Aber auch das üppige 5,6-Zoll-AMOLED-Display des Edge ist ein echter Hingucker, denn es löst mit beachtlichen 2.560 x 1.600 Pixel auf und gehört vor allem in punkto Brillanz und satter Farbwiedergabe zur Creme de la Creme der aktuellen Smartphone-Gilde.

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Dünner Akkudeckel aus gummiertem Plastik in Lederoptik

Der optisch starke Auftritt wird durch einen Metallrahmen und sehr robustem Gorillaglas abgerundet. Die Rückseite fällt jedoch ein wenig aus dem Designkonzept, denn das Note EDGE bietet keinen Unibody. Der dünne Akkudeckel aus gummiertem Plastik in Lederoptik lässt sich schnell abziehen, sodass dieser Funker alles andere als wasser- und staubgeschützt ist. Dicker Pluspunkt dafür: Der große Akkublock ist austauschbar. Der Koreaner arbeitet übrigens mit microSIM-Karten und schluckt auch miniSD-Karten.

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Seitenansicht des Galaxy Note Edge

Bei der Ausstattung schöpft Samsung aus dem Vollen. Bereits der XXL-Karton, in dem ein schickes und praktisches Flipcover, eine 64-GByte-Speicherkarte sowie ein Putztuch liegen zeigt, dass dem Käufer für den höheren Preis auch ein deutlicher Mehrwert geboten wird.

Wer zu den Datenschnittstellen-Junkies gehört wird ebenfalls vollauf befriedigt, denn das Note EDGE spielt die volle Klaviatur:  flottes HSPA, Bluetooth 4.1, NFC, Infrarot, LTE der Kategorie 6 sowie das aktuellste WLAN-ac – mehr geht nicht!

Als weitere Extras gibt es außerdem einen rückseitigen Pulsmesser für die sportiven Naturen sowie einen Fingerabdruckscanner.

Das eigentliche Highlight ist allerdings die 16-Megapixel-Kamera mit einem optischen Bildstabilisator. Im Praxistest zeigt dieser Knipser schnell seine Stärken: super schnell, natürliche Farbabbildung, Schärfe bis zum Rand und auch bei langen Distanzen und in geschlossenen Räumen geht der Kamera nicht zu schnell die Puste aus. Flankiert wird die Hauptkamera durch einen 3,7 Megapixel Knipser auf der Frontseite, der dank eines weiten Blickwinkels von 82 Grad optimal für Selfies ausgelegt ist. On Top gibt es außerdem einen leistungsstarken 4k-Camcorder sowie alle bekannte Samsung-Modi. Fazit: Diese Kamera spielt ganz klar in der oberen Liga und kann sich mit Größen wie dem Lumia 930 messen.

Auch in punkto Speicherplatz gibt es nichts zu Mäkeln. Von den internen 32 GB stehen dem Nutzer rund 24 GB zu freien Verfügung, plus 64 GB Speicherkarte und eine lange Probezeit für die Cloud – Top!

Der Displayknick ist nicht nur optisch auffällig, er ist auch ein durchaus zentrales Element des Bedienungskonzepts, da er autark arbeitet. So zeigt er beispielsweise im Stand by Modus eingehende Nachrichten oder Telefonate an. Ferner sind per Wischen mehrere Menüebenen mit den wichtigsten Funktionen und Tools anwählbar, darunter auch ein Lineal, das Wetter oder eine Stoppuhr im Pull Down Menü. Auch ein Konfigurieren ist möglich, wobei nach und nach sogar spezielle Apps für dieses Sonderfeld entwickelt werden sollen. Fazit: Dieses Kantensystem ist nicht nur cool anzusehen, es bietet im Alltag sogar einen echten Mehrwert. Kein Wunder also, dass Samsung auch beim neuen Topmodell Galaxy S6 Edge auf dieses Feature als Alleinstellungsmerkmal setzt.

Samsung Galaxy Note Edge Screenshot

Android 4.4.4 ist vorinstalliert

Ab Werk ist noch das bewährte Tandem aus Android 4.4.4 und dem User Interface TouchWiz vorinstalliert, sodass man mit dem Fernöstler schnell zu Recht kommt und den Funker nach eigenem Gusto personalisieren kann. Da auch das Arbeitstempo lupenrein ist, gibt es kaum etwas zu bemängeln. Und es wird sogar noch besser, denn eine Beta-Version von Android 5.0.1 Lollipop für das Samsung Galaxy Note Edge steht bereits im Internet zum Download bereit. Die Installation ist allerdings eher ein Fall für Profis und birgt noch Bugs.

Wie es sich für Note-Modell gehört bietet das Modell auch einen Stylus, der im Gerät dezent integriert ist. Dadurch werden spezielle Menüebenen  aktiviert, die vor allem für kreative Freigeister interessant sein dürften.

Es gibt aber noch Kritikpunkte: So arbeitet der Fingerprint Reader im Vergleich zum iPhone immer noch nicht einwandfrei, das Gerät ist für Linkshänder nicht optimal zu bedienen und der recht mickrige An/Aus-Schalter am Gerätekopf ist nicht optimal mit dem Finger zu lokalisieren.

Der Preis verpflichtet quasi zu einer makellosen Performance und tatsächlich lassen die Koreaner schon bei den technischen Eckdaten keine Zweifel aufkommen. Der Snapdragon 805 arbeitet mit einer 32 Bit Prozessor-Architektur, 2,7 GHz und 3,1 GB Arbeitsspeicher. Während der Testphase wurde das Note EDGE nie ins Schwitzen gebracht. Urteil: makellos.

Auch der 3.000-mAh-Akkublock scheint dem Multimedia-Monster gewachsen zu sein, denn bei einer moderaten Nutzungsintensität erreicht der Koreaner eine Rufbereitschaft von vier bis fünf Tagen. Der Nonstop-Einsatz verkürzt sich allerdings rapide, sobald man häufig surft oder Facebook nutzt. Hier müssen Power-User bereits nach einem Tag wieder nachladen. Das Netzteil sollte daher auch bei Kurztrips stets in Reichweite sein – oder man legt sich einen zweiten Akku zu. Vorbildlich dafür: Dank Quick-Charge-Technologie lädt sich die Batterie binnen von rund 90 Minuten wieder voll auf – ein starker Wert!

Nicht so stark sind die Soundqualitäten des Luxus-Smartphones, denn wieder einmal wurde nur ein Mono-Lautsprecher auf der Rückseite verbaut. Der Klang ist insgesamt recht verwaschen, was sich auch beim Einsatz als Freisprecher negativ zeigt. Die Telefonakustik ist hingegen in Ordnung, wenngleich Gesprächspartner insgesamt zu grell klingen und gelegentlich Nebengeräusche auftreten. Kurzum: Die Klangqualitäten sind dem Preis nicht angemessen, was aber auch ein grundsätzliches Samsung-Problem ist.

Fazit

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Samsung hat begriffen, dass man mit einer Smartphone-Schwemme im Einheitslook allein auf Dauer nicht Weltmarktführer bleiben kann, wenn insbesondere chinesische Manufakturen Vergleichbares günstiger (und teilweise auch optisch pfiffiger) anbieten. Das Samsung Galaxy Note EDGE ist ein echtes Statement in allen Belangen: Eine Ausstattung, die kaum Wünsche offen lässt, eine Performance mit Benchmark-Qualitäten und nicht zuletzt das innovative Displaykonzept, das im Alltag durchaus seinen Nutzwert hat. Schwachpunkte? Samsung sollte mal mehr Mut beim Sound haben und ENDLICH Stereo-Speaker einbauen! In dieser Preisklasse darf man das durchaus erwarten. Auch die generelle Sprachqualität beim Telefonieren muss endlich optimiert werden. Dass diese edle Note-Variante vor allem als Linkshänder nicht immer optimal zu bedienen ist, liegt nun einmal in der Natur der Sache – und Freunde von Status-Symbolen legen dafür gerne entsprechend viel Geld hin.

Echtes Smartphone-Flaggschiff mit dem gewissen Etwas
ausgezeichnet
Smartphones
11.03.2015

 

+ Innovatives Luxus-Display
+ Vollausstattung
+ Top-Performance

– Sehr preisintensiv
– Mäßige Soundqualitäten
– Für Linkshänder schwerer zu bedienen

Test: Ulf Schneider
Datum: 11.03.2015




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