TEST: Samsung Galaxy Mega 6.3 – Hybrid-Device der anspruchsvollen Mittelklasse?

Der Name ist Programm: Mit einem 6,3-Zoll großen Display ist das neueste Galaxy Mega 6.3 Mobiltelefon der Koreaner ein technologischer Grenzgänger zwischen Smartphone und Tablet. Mit Marktpreisen um die 380 EUR erweist es sich als interessante Alternative für diejenigen Anwender, die die Funktionalität von Tablet und Smartphone in einem Gerät recht kostengünstig vereinen möchten.

Bis zum Jahr 2007 überboten sich sämtliche Hersteller in den Kategorien dünnstes, kleinstes oder leichtestes Mobiltelefon – und dann kam das iPhone auf den Markt und damit änderte sich das Gesamtkonzept für mobile Phone-Devices. Die mobile Daten- & Multimedia-Nutzung in allen Facetten erhielt Einzug, und seitdem haben sich die Gesetzmäßigkeiten des Marktes stark verändert. Alles ist plötzlich „smart“ geworden, und ein 4-Zoller gehört mittlerweile schon zu den kleineren Mobiltelefonen. Das „GT-i9205“, so die interne Bezeichnung, siedelt sich in der neuen Hybrid-Kategorie der Phablets an, wobei Samsung diesen Begriff für Smartphone/Tablets-Mischlinge tunlichst vermeidet.

Design & Display

Rückseite

Wie dem auch sei, das Samsung Galaxy Mega ist auf alle Fälle ein mächtiger TK-Kollege, der in normalen Hosentaschen kein Platz findet. Optisch gleicht es dem aktuellen Flaggschiff Galaxy S4, was aber nicht sonderlich verwunderlich ist, da die Koreaner stets einen optischen Einheitslook pflegen, der jährlich mit einem dezenten Facelifting „aufgehübscht“ wird. Das mag zwar nicht sonderlich innovativ sein, doch der Erfolg gibt den Koreanern bei dieser konservativen Modellpflege offensichtlich Recht. Verwechslungsgefahr besteht dennoch nicht, da das 6,3-Zoll große Display das Mobiltelefon zwangsläufig zu einem Hingucker macht. Typisch ist ferner, dass es sich um ein rein aus Kunststoff gefertigtes Gerät mit einem dünnen Akkudeckel handelt. Die Vorder- und Rückseite sind in sich fein strukturiert und glatt, sodass es schnell rutschig werden kann, was gerade in Anbetracht der Größe als etwas kritisch zu bewerten ist. Der umlaufende Silberstreifen und der große Home-Button runden die bewährten Designzutaten ab.

Seitliche Ansicht

Bei der Verarbeitungsqualität wird gewohnte Samsung-Qualität geboten. Die Abschlüsse sind sauber und das Display reagiert nicht übermäßig sensibel auf stärkerem Druck. Im direkten Vergleich gibt es aber Samsung-Smartphones, die noch hochwertiger verarbeitet sind. Hier wäre auch das aktuelle Galaxy S4 zu nennen, das im Detail nämlich mit deutlich besserem Finish auch als sein Vorgänger S3 aufwarten kann. Apropos hochwertig, der Touchscreen setzt nicht auf AMOLED, sondern auf LCD, was angesichts der Größe ein klarer Preiskompromiss ist. Die Auflösung liegt zudem „nur“ bei 1.280 x 720 Pixel, so dass kein FullHD-Niveau geboten wird. Das fällt allerdings aufgrund der guten Brillanz, sehr guten Helligkeit und satter Farbwiedergabe aber nicht weiter ins Gewicht – Samsung hat hier das Know How, um auch profanere LCD-Display gut in Szene zu setzen. Nur bei hochwertigen Videos – z.B. Filmtrailer in 1080p oder ähnlichem Material – sieht das Ergebnis des einfacheren Screens nicht ganz so überzeugend aus.

Zwei Merkmale zeigen übrigens die Nähe zum herkömmlichen Samsung Smartphone-Bereich: Der große Akkublock ist austauschbar und es liegt kein Stylus im Karton bei, hier erfolgt auch eine klare Abgrenzung zur Galaxy Note-Serie (aktuell kommt gerade das Note 3 auf den Markt). Während Samsung das Mega 6.3 in der Mittelklasse bis oberen Mittelklasse sieht, erfüllen die Note-Modelle stets die Aufgabe, das Premium-Segment zu bedienen. Entsprechend einfacher gestrickt ist beim Mega auch das Bedienungskonzept, doch dazu mehr im weiteren Verlauf des Berichtes.

Ausstattung

Zumindest in einem Bereich gibt es das volle Programm: Datenschnittstellen! LTE, HSPA+, Bluetooth, W-LAN, NFC und sogar die gute alte Infrarotschnittstelle sind verbaut. Mit letzterer lässt sich bei entsprechender Vorarbeit das Samsung Galaxy Mega auch als intelligente Universal-Fernbedienung nutzen – dieses nützliche Feature scheint immer obligater zu werden.

Auch Samsungs S-Dienste, die stets Premiere bei der Galaxy-S-Reihe feiern, sind alle vorhanden. S-Beam (vereinfachte Datenverbindungen), S-Travel (Reiseempfehlungen), S-Memo (intelligenter Notizzettel) oder S-Translator, viele bekannte Features bekommen von den Koreanern einen persönlichen Anstrich. Im Zusammenspiel mit den bekannten Google-Standards wird ein breites Spektrum an Komfort bereits ab Werk abgedeckt. Nur ein UKW-Radio fehlt mal wieder bei einem Samsung-Smartphone, und auch Facebook war nicht vorinstalliert.

Foto

Der flotte 8-Megapixel-Knipser macht hingegen leider nur auf dem Papier eine gute Figur, denn im Praxistest offenbaren sich viele Schwachunkte. So sind selbst bei Tageslicht nicht wenige Schnappschüsse falsch ausgeleuchtet. Schaltet sich bei Kneipenlicht das Fotolicht dazu, sind vernünftige Fotos ebenfalls Glückssache, da selbst bei Nahaufnahmen viele Schnappschüsse unscharf, schwammig und zu grell sind. Das Kamera-Niveau ist unter dem Strich klar unterdurchschnittlich. Hier bietet schon das Galaxy S3 deutlich mehr, ganz zu schweigen vom S4 oder anderen Konkurrenten aus dem reinen Smartphone-Sektor. Auch bei Apples iPhones kann man schon mit der Kamera des mittlerweile angegrauten iPhone 4S deutlich bessere Bilder schießen.

Der interne Speicherplatz ist mit knapp 5 GB recht mickrig, doch die externe Erweiterungsmöglichkeit mittels SD-Karte schafft hier wirkungsvoll Abhilfe.

Handhabung

Da Samsung das Mega nicht als der “Note” Familie zugehörig definiert, fehlt der Stylus und somit alle Extras, die der S-Pen beim Note 2/3 so mit sich bringt. Zwei kleine Tablet-Bonbons wurden allerdings doch übernommen: Die Homescreens werden auch im Querformat dargestellt, sobald man das Smartphone entsprechend dreht und auch die Splitscreen-Anzeige ist möglich. Sehr sinnvoll angesichts der geräumigen Displays. Das spielt auch bei anderen Anwendungen seine Stärken voll aus. So lässt sich ein kompletter Monat auf einem Startbildschirm anzeigen. Auch das Tippen auf der digitalen Qwertz-Tastatur geht angenehm locker von der Hand, da Fehleingaben durch die großen Tastflächen eher die Ausnahme sind.

Das Problem, solch ein großes Smartphone auch mit einer Hand bedienen zu können haben die Koreaner recht clever gelöst. Im Menüpunkt „Einhändiger Betrieb“ (auch vom Note her bekannt) lassen sich unter anderem die Wahl- und die Optionstasten im Display rechtsbündig oder linksbündig anzeigen. Das funktioniert gut und ist auch sinnvoll, da ansonsten die Wähltasten geradezu absurd groß präsentiert werden – eine gute Idee!

Homescreen im Querformat

Android 4.2.2 und Samsungs aktuellen TouchWiz sorgen für das zeitgemäße Handhabungsmanagement, sodass die Verästelungen weitestgehend logisch und die Personalisierungsmöglichkeiten riesig sind.

Ein Schwachpunkt sind aber die starken Spiegelungen, denn bei Sonnenlicht ist der große Touchscreen kaum noch lesbar.

Technik

Im Galaxy Mega arbeitet quasi nur ein “Mittelklasse-Motor”. Der Qualcomm Snapdragon 400 Prozessor hat zwei Kerne, eine Prozessor-Taktung von 1.700 MHz und ein üppigen Arbeitsspeicher von 1,5 MB. Auch hier wird nicht die Leistung eines Galaxy Note 2 und erst recht nicht des Note 3 mit satten 3 GB Arbeitsspeicher geboten, was aber sich aber auch im günstigeren Preis widerspiegelt. Im Alltag fällt der Prozessor zudem nicht negativ auf. Nahezu alle 3D-Games laufen ruckelfrei, Apps öffnen sich in der Regel umgehend und der Fingerspreiz-Zoom und das kinetische Scrolling sind butterweich und flott – eine absolut solide Vorstellung.

Auch der mächtige 3.200-mAh-Akkublock steht seinem Smartphone. Bei einer moderaten Nutzungsintensität liegt die durchschnittliche Rufbereitschaft bei vier bis maximal fünf Tagen, wobei sich das Display bei geringem Reststrom auf Dunkel stellt. Die Laufzeit bei Dauernutzung liegt bei rund sieben Stunden.

Aufgrund des großen Resonanzkörpers sollte die Sprachqualität eigentlich auch gut sein. Das trifft aber nur voll und ganz auf den Freisprecher zu, denn der macht seinen Namen alle Ehre. Selbst bei lauteren Nebengeräuschen gelingt eine verständliche und vor allem ausreichend laute Stimmübertragung. Bei Telefonaten sind Stimmen hingegen nicht immer tonal optimal und hin und wieder hört man auch ein leichtes Rauschen. Unter dem Strich siedelt sich die Qualität aber klar über dem breiten Durchschnitt an. Apropos Telefonate: Ja, es sieht nicht gerade elegant aus, den 6,3-Zoller ans Ohr zu halten…

Der rückseitige Mono-Lautsprecher sorgt insgesamt für einen halbwegs lebendigen Sound, dem auch bei höherer Lautstärke nicht so schnell die Puste ausgeht. Im Bassbereich sieht es allerdings ziemlich mau aus – wie bei so vielen Mobiltelefonen.

Fazit

Das Samsung Galaxy Mega ist ein interessanter “Zwitter” mit durchaus vorhandenen flexiblen Nutzungsmöglichkeiten. Technisch ist es definitiv nicht so gut wie das aktuelle Flaggschiff S4, und es kann auch dem Note 3 wohl kaum das Wasser reichen.

Dafür aber  ist das Mega 6.3 mittlerweile richtig günstig geworden, für ca. 380 EUR – einem Preis aus der gehobenen Smartphone-Mittelklasse – ist es bereits zu erwerben. Wer also vor allem nach einer handlichen Tablet-Lösung mit den bekannten Samsung-Standards sucht, könnte mit dem Mega durchaus glücklich werden, denn die Stärken des XXL-Displays machen aus den Hybrid-Gerät einen guten, mobilen Entertainer. Einschränkungen im Bereich Gesamt-Performance, Kamera-Qualität und Display muss der Nutzer dafür allerdings im Kauf nehmen – wobei es letzten Endes hier stark vom Nutzer-Profil abhängt, ob die Nachteile als ernsthaft angesehen werden. Für die meisten Anwender dürften z.B. Prozessorleistung und Display-Qualität problemlos ausreichen. Bei den Datenverbindungen ist alles Relevante an Bord. Nur die nicht ganz überzeugenden Kamera-Ergebnisse sind als wirkliche Kritikpunkt anzuführen. Kurzum: Preisgünstige und praxistaugliche Alternative zum Einzelkauf von Smartphone und Tablet.

Solide Performance und satte Display-Größe zum fairen Marktpreis

Smartphone/Tablet-Hybridgeräte Mittelklasse
Test 09. Oktober 2013

+ Großes Display in guter Qualität
+ Alle relevanten Datenverbindungsmöglichkeiten inklusive LTE
+ Kräftiger Akku
+ Solide Performance
+ Homescreen auch im Querformat
+ Fairer Marktpreis

– Kameraergebnisse
– Displayablesbarkeit bei Sonneneinstrahlung

Test: Ulf Schneider
Redaktion: Carsten Rampacher
Datum: 09. Oktober 2013



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