TEST: Samsung Galaxy Alpha – High-Performance Smartphone der Spitzenklasse?

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Das Galaxy S bekommt endlich eine hausinterne Konkurrenz, die vor allem durch ein sehenswertes Designkonzept und neuem Luxus-Prozessor glänzt. Area DVD durfte das Spitzenklasse-Smartphone der neuen Generation bereits testen.

Samsung ist zwar noch Weltmarktführer im Bereich Smartphones, hat aber aktuell mit starken Umsatzeinbrüchen zu kämpfen. Beispielsweise rutschte hierzulande der Marktanteil erstmals wieder unter 40% während die direkten Mitbewerber und vor allem Apple kräftig Rückenwind genießen. Ein Grund: Samsungs trister Plastik-Einheitslook. Samsung hat daher kürzlich seinen Chef-Designer, Chang Dong-hoon auf eine neue Position versetzt. Das Samsung Galaxy Alpha zeigt eindrucksvoll, dass nun neue Impulse gesetzt werden.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Schluss mit Plastik?

Tatsächlich gibt es endlich einmal Unterschiede zur restlichen Samsung-Plastikflotte, denn das Alpha ist rundum mit einem Metallrahmen umzogen, der dezent angeschliffen ist und sich an der langen Seite leicht vertieft – kleine, aber feine Details. Im Zusammenspiel mit dem reduzierten Designkonzept strahlt der Funker einen edlen Retro-Schick aus. Das liegt auch an der leicht strukturierten schwarzen Rückseite aus Polycarbonat, die im Leder-Look gehalten ist und dem auffallend großen Kamera-Objektiv. Dezente Erinnerungen an das iPhone werden da wach.

Das Galaxy Alpha bietet durch den Materialmix eine gute Haptik und liegt angenehm in der Hand, da man das Format als sehr hosentaschenfreundlich bezeichnen kann. Entsprechend kleiner ist daher das Display, denn 4,7 Zoll gilt mittlerweile als Kompaktformat. Dennoch sorgt der AMOLED-Touchscreen zunächst für ein kleines Wow-Erlebnis, denn es knallt förmlich vor satter Farbwiedergabe und knackigem Kontrast – der OLED-Technologie sei Dank. Einzige Malus: Die 720 x 1280 Pixel sind vergleichsweise wenig in der Preisklasse und sorgen bei Schriftzeichen für leichte Unschärfen und das Display ist zudem nicht so leuchtstark wie die LCD-Kollegen. Unter dem Strich hinterlässt das Display dennoch einen guten bis sehr guten Eindruck, zumal es auch starken Fingerdruck locker wegsteckt.

Das gleiche lässt sich auch über die Verarbeitungsqualität sagen: Äußerst wertig, keine Spaltmasse und sämtliche Slots (Achtung! Akzeptiert nur nanoSIM-Karten) sind gut versteckt, wobei es auch nur wenige sind – doch dazu später mehr.

 OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Rückseite

Optik und Preis lassen die Erwartungshaltung bezüglich der Ausstattung hochschnellen – und Käufer werden auch nicht enttäuscht. Neben allen Android-Standards sind auch sämtliche Samsung-Extras, wie My Magazine, S-Voice oder die Fitness-App „S-Health“ vorinstalliert. Letzteres ist mit dem integrierten Pulsmesser verlinkt und liefert auf Wunsch unter anderem einen individuellen Trainingsplan mit Auswertungen. Der vom Galaxy S5 bekannte Fingerabdruckscanner ist ebenfalls an Bord und kann im Menü individuell eingestellt werden. Gratis Apps wie beim Galaxy Note 4 gibt es hingegen nicht – selbst laden und zahlen ist stattdessen angesagt.

Luxuriös ist auch die Kamera aufgestellt. Der Knipser ermöglicht Schnappschüsse mit 12 Megapixel und archiviert 4K-Videos mit maximal 3.840 x 2.160 Pixel (UHD), wobei Letzteres ein heftiger Speicherfresser ist und der Nutzwert diskussionswürdig bleibt. Insgesamt gehört die Digitalkamera klar zu den besseren auf dem Markt. Bis auf die leicht matte Farbwiedergabe sind Aufnahmen bei Tageslicht absolut sehenswert. Auch in geschlossenen Räumen und bei Neonlicht gelingen vernünftige Fotos, wobei aber Unschärfen und leichtes Bildrauchen auch hier auftreten. Zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten und bekannte Samsung-Modi wie „virtuelle Tour“ oder „schönes Porträt“ rund das Kameravergnügen ab.

Beim Kapitel Speicherplatz gibt es Licht und Schatten. Mit rund 25 GB ist das freie, interne Datenarchiv zwar sehr üppig, doch dafür wurde auf einen microSD-Slot verzichtet – ein triftiger Grund, warum Nutzer auf 4K-Videos besser verzichten sollten. Apropos fehlender Slot: Auch ein nützlicher HDMI-Port fehlt im Inventar. Offensichtlich war den Koreanern bei diesem Smartphone die Optik wichtiger.

Gut dafür für alle mobilen Datenjunkies: Der LTE-Chip unterstützt die Kategorie 6, wodurch maximal 300 MBit/s im Download möglich sind – zumindest theoretisch.

 Samsung Galaxy Alpha Foto

Bild bei mäßigen Lichtverhältnissen

Wiedersehen macht Freude: Die komplette Benutzerführung vom Samsung Galaxy S5 wurde 1:1 übernommen. Es geht somit äußerst farbenprächtig zu und die Personalisierungsmöglichkeiten sind dank breitem Widget-Angebot fast grenzenlos. Auf der anderen Seite sorgen die vielen Optionen an einigen Stellen auch für Konfusion. So stehen im Einstellungsmenü über 50 Icons zur Auswahl – weniger ist manchmal doch mehr.

Dafür überzeugt bei der Handhabung die super schnelle Tastenumsetzung, sodass sich längere Texte schnell tippen lassen, zumal die intelligente Eingabehilfe, vom Start weg ahnt was man schreiben möchte und entsprechende Wortvorschläge liefert.
Das Plus an Tasten-Performance sorgte im Praxistest manchmal aber auch für Probleme, denn auffällig häufig machte sich das Mobiltelefon regelrecht selbstständig und rief beispielsweise Personen an. Hier scheint der Touchscreen offensichtlich etwas zu sensibel ausgelegt zu sein.

Dass ein Fingerabdruck-Sensor nützlich sein kann, hat ja bereits das iPhone 5 gezeigt. Auch das Galaxy Alpha nutzt diese Technologie beispielsweise für Bezahldienste oder zum Entsperren. Das klappt zwar insgesamt besser als beim Galaxy S5, doch lange nicht so easy wie bei den Kaliforniern. Grund: Ein langes Drücken reicht nicht aus. Stattdessen muss man in einem bestimmten Winkel über das Sensorfeld streichen – und das klappt nicht immer. Das muss in Zukunft noch besser werden.

Premiere! Erstmals zaubert hierzulande ein Samsung-Smartphone mit einer komplexen Exynos-Technologie unter der Haube. Der Exynos 5 Octa 5430 arbeitet mit acht Kernen. Vier davon sind Cortex-A7-Kerne und takten mit maximal 1,3 GHz. Die andere Hälfte sind Cortex-A15-Kerne, deren maximale Taktung 1,8 GHz beträgt. Das Zusammenspiel aus allen Kernen wird aber erst gezündet, wenn es notwendig ist, also nicht bei täglichen Routinearbeiten. Und wie stellt sich Samsungs hauseigenes SoC (System on Chip) mit 2 GB Arbeitsspeicher und integrierter Grafikeinheit im Alltag an? Mit einem Wort: überragend! Das merkt man bereits bei der Umsetzungsgeschwindigkeit von Eingaben – blitzschnell. Insgesamt ist uns bei einem Test kaum ein Smartphone mit einer derart flotten und stabilen Performance untergekommen.

Offenbar scheint darunter aber die Akkuleistung zu leiden, denn in mehreren Anläufen erreicht der Funker immer nur mit Mühe drei volle Tage. Und das auch nur, wenn man auf Facebook-Exzesse und Dauersurfen absieht. Mit anderen Worten: Das Netzteil gehört zum Pflichtgepäck, wenn man unterwegs fleißig das Samsung Galaxy Alpha nutzen möchte.

Im Bereich Sound gibt es viel Mittelmaß. Die Sprachqualität ist insgesamt grell, hell, nicht immer sauber. Das kann bei lauteren Umgebungsgeräuschen zu Verständigungsproblemen führen. Der Mono-Lautsprecher am Gehäuseende macht angesichts der kompakten Größe einen durchaus respektablen Job. Gesunde Bässe, recht klare Staffelung und prägnante Höhen. Sobald es aber lauter wird, verliert das Klangbild die Kontrolle und fängt an zu scheppern. Als Freisprecher leistet der Koreaner daher nur einen mittelprächtigen Job.

Fazit

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Geht doch! Der Wechsel an der Designerspitze trägt erste Früchte, denn die Koreaner beweisen erstmals mehr Mut bei der Materialwahl, denn der Griff in die Metallkiste war längst überfällig. Dass die Macher ein wenig zu Apple schielten ist okay, schließlich kann man beim Smartphone-Design das Rad nicht mehr neu erfinden. Optik, Ausstattung und vor allem Performance bieten zwar Spitzenklasse-Niveau, dennoch ist noch viel Spielraum nach oben. Das betrifft vor allem die Akkuleistung, denn die Octa-Core-CPU scheint ein gieriger Stromfresser zu sein. Dass wie beim iPhone auch auf den microSD-Slot verzichtet wurde, dürfte ebenfalls für einige potentielle Interessenten ein No-Go-Kriterium sein. Dennoch: Der zuletzt stark strauchelende Samsung-Konzern hat mit dem Alpha (passender Name) den Grundstein für eine neue Smartphone-Generation  gelegt. Wir sind gespannt.

Cooler Koreaner im High Speed Modus, der allerdings ein enges Verhältnis zum Netzteil hat
ausgezeichnet
27.11.2014

+ Farbintensives & leuchtstarkes Display
+ Hochwertiges Gehäuse
+ Exzellente Performance

– Kein microSD-Slot
– Kein HDMI-Out
– Mäßige Akkuleistung

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 27.11.2014




Alle aktuellen Tests auf AREA DVD
  ZURÜCK