TEST: Nokia 8 - Jetzt auch mit Android

Die Finnen melden sich mit ihrem ersten Spitzenmodell wieder zurück aufs Mobiltelefon-Parkett. Verantwortlich für das spektakuläre Comeback ist HMD Global, ein finnisches Unternehmen, das zum Teil von ehemaligen Nokia-Mitarbeitern gegründet wurde. Zusammen mit bewährten Produktionsfirmen in China macht das Unternehmen zum Einstand das einzig Richtige: Smartphones auf Android-Basis, wenn man vom Remake des Kulthandys Nokia 3310 mal absieht.

Für einen Online-Preis von ca. 450 Euro bekommt der Käufer ein sehr hochwertiges Gerät, denn das Nokia 8 ist tadellos verarbeitet und angenehm schlank. Das reduzierte Unibody-Design verschenkt allerdings noch recht viel Platz an den Displayrahmen.

Rückseite

Weiterer Kritikpunkt am Designkonzept: Es gibt „nur“ eine IP54-Zertifizierung, sodass ein längerer Tauchgang nicht ratsam ist. Dafür ist der Aluminiumblock aber sehr kratzfest und robust, was an einer sogenannten „600er-Legierung“ liegt. Die Frontseite zieht dafür aber Fingerspuren wie ein Magnet an. Die matte Rückseite ist dafür optimal gelungen, da sie auch an den Rändern rund abschließt – insgesamt eine tolle Haptik. Einiger Mini-Kritikpunkt: Die Dual-Kamera trägt etwas auf.

Nichts zu kritisieren gibt es am Luxus-Display. Der 5,3-Zoller weist QHD auf (2,560 x 1.440 Pixel) und kann sehr hell eingestellt werden (638,8 cd/m). Das Resultat ist extrem scharf, sodass selbst feine weiße Buchstaben ohne Brüche dargestellt werden - die Ablesbarkeit ist exzellent. Es ist aber der LCD-Technik geschuldet, dass OLED-Smartphones dem Nokia 8 im Bereich Farbsättigung den Rang ablaufen.

Übrigens: Insgesamt stehen drei Farbversionen zur Verfügung: Kupfer (glänzend), Blau (glänzend und matt) sowie Silber beziehungsweise "Steel" (matt).

Nokia 8 Blitz

Blitz-Aufnahme

Nokia 8 Foto

Foto bei mäßig bis guten Lichtverhältnissen

Never change a winning Team! Nokia arbeitet wieder mit der deutschen Edel-Manufaktur Carl Zeiss zusammen, die erstmals für die Finnen eine Dual-Kamera mit optischem Bildstabilisator und 13 Megapixel-Auflösung entwickelten. Wie bei Huawei werden die Farb- und Schwarz/Weiß-Anteile getrennt aufgenommen, wobei man sogar auf den Anteil Einfluss nehmen kann. Das ist bislang ein Novum und für ambitionierte Fotografen durchaus interessant.

Im Bereich Ausstattung ist der Knipser hingegen recht „konservativ“, hier wird sich auf das Wesentliche konzentriert: Panorama, Zeitlupe & Zeitraffer sowie Bokeh-Effekte. Was dabei stört, ist das verwirrende Hauptmenü, bei dem der Nutzer zunächst auf Begriffe wie Kompass oder Richtlinie stößt, ehe die spannenden Einstellungsmöglichkeiten auftauchen.

Qualitativ hat das Smartphone zwei Gesichter: Bei Tageslicht kann das Nokia recht gut mit anderen Top-Smartphones mithalten, aber sobald nur noch schwächeres Licht vorhanden ist, werden die Schnappschüsse nicht mehr so gut. Die wahren Stärken zeigen sich dafür an anderer Stelle, denn sowohl die Frontkamera als auch der Camcorder beherrschen verschiedene Tricks. So lassen sich „Bothies“ knipsen, sprich beim Foto werden beide Kameras parallel genutzt. Überhaupt ist die Selfie-Kamera mit 13-Megapixel und PDAF-Autofokus bestens für die jüngere Zielgruppe gerüstet und die Ergebnisse sehenswert. Weiterer Clou: Bei Videos gibt es sogar einen Audiofokus. Indem man via Fingertipp einen Aufnahmepunkt festlegt lassen sich so Nebengeräusche eliminieren – eine clevere Idee.

Das restliche Ausstattungsprogramm ist der Preisklasse angemessen So gibt es neben allen schnellen Datenbahnen ordentliche 64 GB internen Speicherplatz sowie einen microSD-Slot. Es gibt zudem noch Varianten mit 128 GB sowie ein Modell mit Dual-SIM-Slot.

Das (nahezu) aktuelle Android 7.1.1-System ließ Nokia weitgehend unangetastet, so dass alles recht schlank wirkt.

Android auf dem Nokia 8

Vieles ist beim User Interface bekannt, wie der linke Google-Startbildschirm oder das Pull Down Menü. Etwas gewöhnungsbedürftig ist hingegen der Zugriff zum App Drawer durch ein Pull Up Menü – aber besser als gar kein Sammelbecken für Apps. Schöne Finesse: Ein langer Druck auf die untere Symbolleiste öffnet u,a. ein Untermenü, wie z.B. die zuletzt angerufenen Kontakte. Ansonsten fehlen aber einige Extras, wie Entsperrung via Gesichtserkennung oder Sprache. Dafür ist aber der Fingerprintscanner, der im Homebutton integriert ist, sehr schnell und zuverlässig. Mehr als entsperren lässt sich aber per Fingerabdruck nicht – auch hier ist die Benutzeroberfläche reduziert.  

Positiv ist dafür das Always On Display, sodass man Datum/Uhrzeit sowie eingegangene Nachrichten und Telefonate stets im Überblick hat. Das Display lässt sich sowohl per Tastendruck als auch via Doppeltippen wecken, wobei die seitlichen Tasten recht klein ausgefallen sind und einen einfachen Druckpunkt aufweisen. Unter dem Strich ist das Handhabungskonzept aber auf alle Fälle solide.

Seitenansicht

Auch Nokia verlässt sich auf bewährte Kräfte, denn mit dem Octa-Core-Prozessor Qualcomm Snapdragon 835 und 4 GByte Arbeitsspeicher kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Und so ist es auch. Das Nokia 8 ist stets Herr der Lage, alle Aufgaben werden schnell und reibungslos erledigt. Das ist auch ein klarer Hinweis darauf, dass die Zusammenarbeit mit dem Betriebssystem gut klappt. Im direkten Vergleich zu anderen Top-Smartphones kann man jedenfalls keine Performance-Schwäche feststellen.

Nicht so brillant ist die Akku-Power. In mehren Testzyklen lag die Rufbereitschaft bei drei bis vier Tagen. Das ist weder eine Katastrophe, noch eine Glanzleistung, sondern schlichtweg eine durchschnittliche Performance und viel mehr lässt sich dazu auch nicht sagen. Zum Ladevorgang dafür einiges mehr, denn es wird zwar das flotte Quick Charge 3.0 unterstützt, doch so richtig spüren tut man das nicht. Wer wieder 100% haben möchte muss rund 2,5 Stunden warten, was nicht gerade einer Quick Charge Leistung entspricht – schade. Was auch auffällt: Der Finne wird vor allem beim Fingerprintscanner spürbar wärmer.

Die Sprachqualität kann sich hingegen voll und ganz hören lassen. Stimmen sind klar vom Umfeld getrennt und recht präsent ohne verzerrt zu klingen. Beim Sound begnügt sich der Hersteller mit einem Mono-Lautsprecher, der am Geräteende platziert ist – also nicht auf der Rückseite. Der hat seine Stärken ganz klar im Höhenbereich, denn hier spielt er luftig-leicht und peppig. Bei hoher Lautstärke wird es aber mitunter kratzig und das Bassfundament ist sehr zart besaitet.

Fazit

Nokia 8

Schön, nach so langer Zeit mal wieder ein Nokia Smartphone testen zu können, auch wenn es kein waschechtes ist. Das Comeback in die Spitzenklasse ist dabei durchaus gelungen, denn das Nokia 8 kann mit den etablierten Herstellern mithalten und ist zudem signifikant günstiger. Besser ist es aber wiederum auch nicht. Was fehlt ist eine gewisse Eigenständigkeit, eine Spitzen-Hauptkamera und ein Killer-Merkmal, denn in keiner Disziplin wird hier überdurchschnittliche Performance geboten. Das ist aber dennoch meckern auf hohem Nivea, wir freuen uns schon auf den nächsten Nokia-Test.

Guter Einstand in der Luxus-Klasse
ausgezeichnet
03.01.2018

+ Luxus-Display
+ Tolle Performance
+ Trickreiche Frontkamera & Camcorder

- Nur IP54-Zertifizierung
- Durchschnittliche Akkuleistung
- Hauptkamera mit Schwächen

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 03.01.2018

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