TEST: Nokia 2 – Einsteiger-Smartphone mit 5″ Display und Dual-SIM

Können die Finnen auch billig? Das „Zweier“ kostet gerade einmal rund 120 Euro und soll dennoch die volle Bandbreite an Features und Funktionen bieten. Nokia hatte in der Vergangenheit sogar viel Erfahrung mit günstigen Mobiltelefonen gemacht, denn eine Zeit lange wurden unter der Ägide von Microsoft viele Smartphones für Schwellenländer produziert. Das ist zwar nicht sehr prestigeträchtig, dafür aber durchaus lukrativ. Nach dem Neustart unter finnische Herrschaft von HMD muss sich der weltbekannte Name allerdings erneut beweisen.

Schwarz & schlicht, so lässt sich die Optik des Finnen schnell zusammenfassen, allerdings gibt es noch zwei weitere Farbvarianten, nämlich Orange und Silber. Ungewöhnlich: Zwar mutet das Gehäuse wie ein Unibody an, doch die Rückseite lässt sich abnehmen. Der Akkublock ist allerdings fest verbaut.

Seitliche Ansicht

Der Korpus bietet einen matten Aluminiumrahmen und das Display wird durch Gorilla Glass 3 geschützt. Die Rückseite ist zudem hochwertig mattiert und keine Linse ragt hervor. Gespart wird dafür aber wieder beim Display, das ist 5 Zoll groß und streckt sich nicht sonderlich üppig über die Frontseite, sodass der Funker nicht ausgesprochen handlich ausfällt.

Beim Touchscreen handelt es sich um ein LC-Display mit HD-Auflösung (1280 x 720 Bildpunkte), was auch anno 2018 in diesem Preisbereich noch ausreichend ist. Qualitativ kann man dem Bildschirm angesichts der Low Budget-Preisklasse nichts ankreiden, denn die Helligkeit ist gut und die Schärfe ausreichend. Nur die recht blasse Farbdarstellung und der schmale Blickwinkel für eine gute Ablesbarkeit sind zu bemängeln.

Rückseite

8 Megapixel plus LED-Licht sowie eine Selfie-Kamera mit 5-Megapixel hören sich angesichts der Preisklasse nicht schlecht an. Doch bereits bei den ersten Schnappschuss-Versuchen wird schnell klar, dass eine halbwegs vernünftige Qualität nur bei optimalen Lichtverhältnissen und kurzen Distanzen möglich sind. Sobald die Lichtverhältnisse schwieriger werden (auch Büro-Lichtverhältnisse) hapert es bei Schärfe und Farbechtheit gewaltig. Da schlägt sich die Frontkamera fast besser, was auch daran liegt, dass hier weite Distanzen keine Rolle spielen. Die Kameraausstattung ist sparsam, denn es gibt noch nicht einmal einen Panorama-Modus. Immerhin lässt sich dafür HDR zuschalten, was aber angesichts der mageren Grundqualität nicht eklatant viel hilft.

Aufgenommen mit dem Nokia 2

Weiteres großes Manko: Der interne Speicher beträgt lediglich 8 GB, von denen ab Werk noch nicht einmal 3 GB übrigbleiben. Das Aufrüsten per microSD-Karte (bis zu 128 GB) ist somit unumgänglich. Wenn man das tut, kann der Nutzer aber immerhin noch weiterhin die Dual-SIM-Funktion nutzen. Bei den Datenschnittstellen werden LTE, Bluetooth 4.1 LE sowie WLAN im n-Standard unterstützt. Die maximale Bandbreite bleibt dem Käufer somit verwehrt.

Nokia betont, dass sie pures Android anbieten. In diesem Falle Android 7.1.1 Nougat in der Reinversion. Überraschend ist dabei die Aussage der Finnen, dass noch ein Upgrade auf das aktuelle OS Android 8 Oreo folgen soll, denn in dieser Preisklasse ist das nicht obligat. Ob das allerdings sinnvoll ist, darf aber durchaus bezweifelt werden, denn bereits in dieser Version wirkt der Finne ein wenig überfordert, denn immer wieder treten Verzögerungen auf.

Rein vom Bedienungskonzept her kann man das Nokia 2 wenig kritisieren, denn alles Bewährte und Gute ist vorhanden: Pull-Down-Menü, ein App Drawer sowie eine eigene Google-Startseite. Ein Fingerprintscanner fiel hingegen dem Rotstift zum Opfer und die Aktivierung per Sprache scheint auch eher Glückssache zu sein.

Nokia 2  Screenshot

Android 7.1.1

Keine Überraschung: Der Prozessor ist nicht der stärkste. Der Snapdragon-212-Prozessor von Qualcomm ist mit bis zu 1,3 Gigahertz getaktet und wird lediglich von 1 Gigabyte Arbeitsspeicher begleitet – und das merkt man. Selbst einfach Dinge, wie eine Zahleneingabe erfolgen mitunter mit Verzögerungen. Sobald es in den Bereich Multitasking oder 3D-Gaming geht, sind Verzögerungen eher Normalität. Klar, der Preis ist niedrig, aber dem Käufer sollte auch klar sein, dass die Möglichkeiten beim Nokia 2 begrenzt sind.

Der Akkublock schlägt sich dafür recht wacker. Wenn man den Funker seltener in die Hand nimmt schlagen ganze sieben Tage Dauerbetrieb zu buche. Bei regelmäßigen Einsatz sind es immer noch rund vier volle Tage Nonstop-Einsatz. Das ist ein guter Wert, allerdings ist das Multimedia-Gepäck auch nicht sehr umfangreich.

Telefonieren klappt zwar in der Regel unfallfrei und ohne Nebengeräusche, doch dafür ist die Sprachqualität eher dürftig und manchmal nicht ausreichend laut genug. Der Mono-Lautsprecher am Geräteende ist zudem schnell überfordert, wenn es lauter wird und die klangliche Spannweite recht dürftig. Der Freisprecher klingt daher auch entsprechend quäkend.

© Nokia

Kein Einstand nach Maß in der günstigen Preisklasse. Sicherlich muss man angesichts des Preises Abstriche in Kauf nehmen, doch die Performance ist zu dürftig und es gibt in diesem Segment einfach bessere Funker aus Fernost. Abgesehen vom günstigen Preis und der vernünftigen Akkuleistung bringt der Finne somit keine Argumente mit, die rund 120 Euro zu investieren. Denn für etwas mehr Geld bekommen Käufer deutlich mehr Smartphone.

Günstiges Smartphone mit verbesserungswürdiger Performance
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25.03.2018

+ Gute Akkuleistung
+ Vernünftiges Display
+ Ordentliche Verarbeitung

– Geringer interne Speicherplatz
– Mäßige Performance
– Schwache Kamera

Test: Ulf Schneider
Datum: 25.03.2018

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