TEST: LG Q6 – Geheimtipp in der Mittelklasse?

LG hatte es nicht leicht in den letzten Monaten. Enttäuschende Verkaufszahlen bei den Smartphone-Modulen und auch das aktuelle Flaggschiff G6 war kein Volltreffer. Wieso & weshalb lässt sich schwer ergründen, man könnte die Schuld bei der aktuellen Dominanz von Samsung und Huawei suchen, dass die Traditionsfirma aus Korea nicht im Blickwinkel der Zielgruppe zu sein scheint. Nun setzt man wieder etwas verstärkt auf preisaggressive Modelle, wie das Q6.

LG vermarktet das Q6 als eine Art Mini-G6, was sich aber wohl eher auf die abgespeckte Ausstattung und nicht auf die Displaygröße bezieht. Die größte Auffälligkeit des Q6 ist nämlich wie beim Flaggschiff G6 das 5,5-Zoll-Display mit 18:9-Verhältnis. Das weist aber „nur“ eine Auflösung von 2160 x 1080 Pixeln auf (G6 2880×1440 Pixel).

Seitenansicht

Da der Rahmen recht schmal ausfällt, ist das Q6 angenehm handlich, aber lange nicht so edel wie das Topmodell. So kommt nur beim Rahmen Metall zum Einsatz. Die Rückseite ist zwar farblich abgesetzt, aber ein Glasüberzug fehlt hier. Dennoch wirkt der Koreaner hochwertig, da das Design sehr reduziert ist und die Verarbeitungsqualität wie aus einem Guss erscheint. Aber Achtung: Die Rückseite ist sehr anfällig für Kratzer.

Das Display ist scharf, recht hell und durchaus brillant, kann aber mit der aktuellen Referenzriege nicht mithalten, da es dafür etwas zu blass ausfällt.

LG Q6 Foto

Aufgenommen mit dem Q6 bei guten Lichtverhältnissen

Die Hauptkamera bietet maximal 13 Megapixel (im 4:3 Format) und die Frontkamera hält Selfies mit bis zu 5 Megapixel fest. Qualitativ schlagen sich beide Knipser recht ordentlich, ohne aber große Begeisterungsstürme auszulösen. Vor allem im Bereich Detailreichtum, kräftige Farbwiedergabe und Schwachlicht-Performance zeigen aktuelle Referenzgeräte dem Koreaner die Rücklichter. Tipp: Bei guten Lichtverhältnissen den HDR-Modus nutzen, um mehr Dynamik zu erzielen. Dafür ist die Ausstattung zeitgemäß und ermöglicht mit dem Modus „Speisen“ sogar optimierte Fotos bei Restaurantbesuchen. Im Quadratmodus lassen sich zudem zwei Bilder nebeneinander positionieren.

Positive Überraschungsmomente gibt es bei der restlichen Ausstattung leider nicht. Bei den Datenschnittstellen herrscht zudem nicht Technik neuester Stand, denn es ist nur Bluetooth 4.2 und der ältere WLAN-Standard n integriert. Dafür gibt es ein UKW-Radio und NFC. Der Speicherplatz ist mit 32 GB plus microSD zudem recht gut aufgestellt.

Ein Fingerabdrucksensor fehlt bei diesem Modell, doch dafür haben die Entwickler dem Q6 ein biometrisches Entsperren per Gesichtsscan verpasst. Und das klingt nicht nur komfortabel, das ist es auch. Bereits nach kurzem Gesichtsscan kann es losgehen und das Ablesen funktionierte im Test in der Regel schnell und zuverlässig – da vermisst man den Fingerabdrucksensor kaum.

Dass es weder einen rückseitigen, noch einen Home-Button auf der Frontseite gibt, ist für LG eher ungewöhnlich. Da der seitliche An/Aus-Knopf aber ausreichend groß ausfällt und einen guten Druckpunkt aufweist, wollen wir hier nicht kritisieren.

LG Q6 Screenshot

Screenshot Q6

Das Bedienungskonzept basiert auf Android 7.1.1 und wurde insgesamt sehr schlank gehalten. Einen App Drawer gibt es zwar nicht, doch dafür kann man per Fingerwisch nach unten, ähnlich wie beim iPhone, gezielt nach Apps suchen.

Insgesamt ist das Arbeitstempo okay, aber bei Eingaben zieht es ein wenig nach. Hier wurde klar gegenüber dem G6 gespart.

Beim Prozessor sind die Einsparmaßnahmen aber am deutlichsten zu erkennen, denn der Snapdragon 435 ist mehr in der Einsteigerklasse anzusiedeln. Dafür wird er aber von 3 GB Arbeitsspeicher unterstützt. Dieses Tandem reicht aus, um zumindest die täglichen Arbeitsroutinen zu bewältigen, für komplexe Multimedia-Aufgaben und aufwändige 3D-Games empfiehlt sich das Q6 hingegen nicht.

Rückseite

Positiv ist hingegen der fest verbaute Akkublock mit 3.000 Milliamperestunden. Durch gutes Software-Management und die schmalere CPU erreichte der Stromspender eine Rufbereitschaft von bis zu fünf Tagen, wenn man sich mit Facebook und anderen Multimedia-Diensten zurückhält. Wer hingegen das Smartphone voll auslastet, muss nach ca. zehn Stunden nachladen. Unter dem Strich eine gute Vorstellung. Schade nur, dass kein USB-Typ-C an Bord ist.

Bei Telefonaten überzeugt das Q6 durch sehr stabile und rauschfreie Verbindungen, bei denen die Stimmen klar und kraftvoll in beide Senderichtungen übertragen werden.

Der kleine Mono-Lautsprecher am Gehäuseende bekleckert sich hingegen nicht gerade mit Ruhm. Sobald die Frequenzen tiefer sind und die Lautstärke hoch, wird es unsauber bis krächzend. Man kann das zwar zügeln, doch bei dieser Vorstellung wird klar, dass auch an dieser Stelle der Rotstift angesetzt wurde.

LG Q6

Glückwunsch LG, dieses Mittelklasse-Smartphone macht Laune! Die Koreaner haben für rund 350 Euro ein Mobiltelefon gebaut, das zwar nicht perfekt ist, aber auch keine gravierenden Schwachpunkte hat und dank Gesichtserkennung und 18:9-Display sogar ein paar Alleinstellungsmerkmale in dieser Preisklasse aufweist. Auch die Handhabung und Arbeitsgeschwindigkeit gefällt. Die Kamera ist zwar nicht die allerbeste, doch für diese Preisklasse ist die Qualität noch angemessen.

Sehr solides Mittelklasse-Smartphone mit 3 GB Arbeitsspeciher
ausgezeichnet
09.11.2017

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 09.11.2017




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