TEST: LG Nexus 5X – Schwächelt das neue Nexus-Smartphone?

LG zeichnet sich für die Produktion des aktuellsten Google-Smartphones verantwortlich, das u.a. den aktuellen Leistungsstand des Android-Betriebssystems demonstrieren soll – natürlich auf Basis von 6.0 Marshmallow.

Smartphones direkt aus der Feder von Google zeichneten sich stets durch ein herausragendes Preis-/Leistungsverhältnis, neueste Technik sowie ein besonders großes Android-Paket aus. Es verwundert daher ein wenig, dass das Nexus 5X einen Online-Preis von über 350 Euro aufweist, zumal die Ausstattung auf den ersten Blick nicht ungemein spektakulär erscheint. Doch dazu später mehr.

Rückseite

Optisch wirkt das Design beinahe ein wenig wie ein Einsteiger-Phone, denn das Nexus 5X besteht äußerlich komplett aus Kunststoff. Der Vorteil: Das Smartphone wiegt nicht eimal 140 Gramm. Signifikante Merkmale bietet es vorne keine, einzig die matte Rückseite in den Farben Schwarz, Weiß und Blau fällt durch den großen NEXUS-Schriftzug auf.

Auf der Frontseite mit robuster Vollverglasung ist ein 5,2 LC-Display mit FullHD-Auflösung (424 ppi) verbaut. Das Display weist eine gute Schärfe ud überdurchschnittliche Helligkeit auf. Im Bereich Weißdarstellung, Brillanz und Farbintensität kann es aber mit aktuellen Referenzgeräten nicht mithalten.

Das Unibody-Hartplastik-Gehäuse weist eine präzise Verarbeitungsqualität ohne Spaltmaße auf. Gut: Der Tuchscreen ist nahezu optimal gegen Gegendruckstellen geschützt, Fingerabdrücke sind natürlich nicht von der Hand zu weisen. Für den hohen UVP ist der optische Auftritt dennoch vergleichsweise schwach.

Sehen wir uns die Kamera genauer an: Die Eckdaten hören sich mit 12,3 Megapixel für die Hauptkamera und 5 Megapixel für die Frontkamera vielversprechend an, zumal der Camcorder sogar 4K-Videos aufnehmen kann. Dank Laser-Autofokus agiert das Nexus 5X auch sehr schnell und weist zudem eine hohe Lichtempfindlichkeit auf. Leichtes Bildrauschen ist bei sehr geringem Lichteinfalll natürlich dennoch zu beobachten.

LG Nexus 5X Foto

Aufgenommen mit dem Nexus 5X

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Ebenfalls geknipst mit dem Nexus 5X bei etwas schlechteren Lichtverhältnissen

Die 4K-Kamera klingt zwar verlockend und leistet auch solide Dienste, allerdings ist der Speicherplatz auf 16 bzw. 32 GB limitiert und einen Slot für eine Speicherkarte gibt es ebenfalls nicht. Beim 32 GB-Modell muss man daher mit rund 25 GB haushalten – und das wird bei 4K-Videos recht knapp.

Dafür geht es dank LTE Cat6 schnell durch das Netz und der rückseitige Fingerprintscanner entsperrt zuverlässig das Gerät. Rund ist Ausstattung dennoch nicht, denn es fehlt zum Beispiel ein Headset, was sehr ungewöhnlich ist. Dafür ermöglich der USB-Typ-C-Anschluss mit dem beigelegten Netzteil eine sehr flotte Ladezeit. Ein USB-Adapter für den Anschluss an andere Endgeräte fehlt aber. Was auch fehlt ist ein Radio sowie multimediale Signalübertragung wie beispielsweise durch den MHL-Standard. Für die Preisklasse ist das somit keine optimale Ausstattung.

LG Nexus 5X Menü

Android 6.0 ist vorinstalliert

Bei einem Nexus-Smartphone gibt es logischerweise Software neuester Stand, sodass Android Marshmallow vorinstalliert ist. Das Erscheinungsbild ist zudem recht puristisch und die klassischen Optionen, Short Cuts und Personalisierungsmöglichkeiten sind alle vorhanden. Das ist gut für Android-Nutzer, da sie keinerlei Probleme bzw. lange Eingewöhungszeit benötigen. Auf der anderen Seite wären aber ein paar pfiffige Ideen abseits des kompletten Google-Katalogs wünschenswert gewesen.

Es birgt zudem einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet dieses Nexus-Modell ein paar Software-Bugs hat. So versagte beim Test hin und wieder der Fingerprint-Scanner, sodass der Bildschirm schwarz blieb. Es ist zudem ärgerlich, dass es kein grafisches Signal gibt, wenn eine SMS-Nachricht eintrudelt. Das wirkt insgesamt alles nicht durchdacht. Positiv ist dafür aber das runde Arbeitstempo und klare Gliederung.

Für ein Smartphone dieser Preisklasse scheint der Prozessor etwas untermotorisiert an. Angetrieben wird der Koreaner durch den Snapdragon 808 mit 1,8 GHz und 2 GByte RAM. In der Praxis fällt das glücklicherweise nur geringfügig ins Gewicht, denn für das tägliche 1 x 1 reicht die CPU-Power locker aus. Nur bei anspruchsvollen Multitasking gerät das Modell leicht ins Stocken.

Seitliche Ansicht

Die Akkukapazität von 2.700 mAh mutet nach aktuellen Maßstäben beinahe ebenfalls eher wie Mittelklasse an. Tatsächlich ist es um die Rufbereitschaft nicht optimal bestellt, denn in mehreren Testzyklen pendelte sich die Rufbereitschaft auf gerade einmal drei Tage ein – das ist nach aktuellem Standard einfach zu wenig. Dank QuickCharge 2.0 lädt sich dafür der Akku nach nicht einmal zwei Stunden wieder voll auf und bei Dauerbelastung liegen die Werte im guten Mittelfeld.

Bei der Sprachqualität fällt auf, dass nichts auffällt. Die Verständigung ist stets unauffällig, was auch bedeutet, dass es weder störende Nebengeräusche, noch eine übermäßige Natürlichkeit der Stimmwiedergabe gibt.

Die beiden großen Front-Lautsprecher versprechen eine gute Stereo-Vorstellung, doch leider ist nur der untere für die Soundwiedergabe reserviert. Die Qualität bewegt sich auch bei diesem Messwert auf eher mittelprächtigen Niveau: das Klangbild ist eng gestaffelt und versumpft bei hoher Lautstärke.

Fazit

Nexus-Smartphones waren stets bekannt und begehrt für ein tolles Preis-/Leistungsverhältnis bei gleichzeitig fortschrittlicher Technik. Beim 5X springt der Funke aber nicht so recht rüber. Die Optik ist schlichtweg langweilig, Besonderheiten gibt es nicht und der Preis ist auch nicht sonderlich attraktiv. Durch die preisaggressiven Smartphones aus China gehen der Nexus-Produktreihe offenbar die Argumente aus, zumal das Schwestermodell Nexus P6 in vielen Bereichen besser ausgestattet ist. Uns fällt daher kein absolut stichhaltiges Argument ein, weswegen Smartphone-Interessenten angesichts der attraktiven Konkurrenz zu diesem Mobiltelefon greifen sollen.

Solides Smartphone, das weder besondere Merkmale noch eine besondere Preisattraktivität aufweist
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22.03.2016

 

+ Gute Kamera
+ Gutes Display
+ Gute Performance

– Kein Headset & USB-Adapter
– Kein Speicherkarten-Slot
– Mäßige Rufbereitschaft

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 22.03.2016




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