TEST: LG G4 – Neuer Mitstreiter in der Topmodell-Klasse?

Auch ein schöner Handyrücken kann entzücken: Das neue Flaggschiff der Koreaner kann mit einem Akkudeckel aus echtem Leder veredelt werden. Ob das für den Referenzthron ausreicht klärt der umfangreiche Praxistest.

Sind LG nun die letzten oder die ersten, die mit einem neuen Spitzenmodell an der Smartphone-Front wieder vorlegen? Das ist ganz klar Ansichtssache, denn in diesem Marktbereich herrscht ein brutal knapper Produktionszyklus, der durch das einheitliche Android-Ornat qualitative Unterscheide sehr plakativ offenlegt. Fakt ist aber auch, dass reine Zahlenspielereien nicht immer einen qualitativen Vorsprung bedeutet, zumal optische Finesse immer wichtiger werden, um Käufer zu animieren. Dank einer preisintensiven Leder-Edition hat das LG G4 hier einen klaren Trumpf im Designerärmel.

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Leder-Editionen des G4

Sie wollen anerkennende Blicke, wenn Sie Ihr Smartphone auf dem Tisch platzieren? Dann müssen Sie zusätzliche 50 Euro zu den UVP in Höhe 649 Euro investieren, um das LG G4 mit einer Volllederrückseite zu versehen. Im Zusammenspiel mit der mittigen Doppelnaht sieht das ungemein stylisch und edel aus. Es gibt übrigens unterschiedliche Farbvarianten und zur Sicherheit liegt noch eine Kunststoff-Variante bei, die durch den in sich struktiveren Metalliclook optisch ebenfalls gelungen ist.

Seitenansicht

Ansonsten bietet der Koreaner die typischen LG-Designmerkmale in Form des leicht gebogenen Displays und konkavem Rückdeckels sowie die rückseitige Platzierung des An/Aus-Schalters mit Lautstärke-Wippe. Das gesamte Smartphone sieht aber nicht nur schick aus, es wurde auch massiv und präzise verpackt, inkl. Gorillaglas gegen Druck- und Kratzstellen auf dem Display.

Der Touchscreen selbst misst 5,5 Zoll und bietet QHD-Auflösung (2.560 x 1.440 Pixel) auf Basis von IPS-Technologie – ein Paket, dass der Spitzenklasse würdig ist. Insgesamt gibt es zwar keine signifikanten Verbesserungen gegenüber dem Vorgängermodell, doch das ist vom menschlichen Auge ohnehin schwer auszumachen. Insbesondere in den Disziplinen Kontrast, Brillanz und Schärfe spielt das G4 in der obersten Liga locker mit, während im Bereich Helligkeit und Farbsättigungen Modelle wie das Samsung Galaxy S6 (knapp) vorbeiziehen.

LG G4 Foto

Aufgenommen mit der Kamera des G4

Gerade in der Belle Etage der Smartphones ist die Qualität der Kamera ein wichtiger Gradmesser – und hier spielt das G G4 seine Stärken voll aus! Der 16-Megapixler macht durch den 1/2,6 Zoll großen Bildsensor und eine F1-Offenblende klar, dass er weitaus mehr zu gebrauchen ist als nur Schnappschüsse. Dass bei Tageslicht alles Fotoalbum-tauglich ist, muss man erwarten, doch die Lichtempfindlichkeit der Digitalkamera gehört zum Besten, was AreaDVD jemals in die Testerhände gefallen ist. Schon beeindruckend, was der Knipser im Zusammenspiel mit dem leistungsstarken LED-Blitz noch einfangen kann.

LG G4 Foto Keller

Aufnahme bei schlechten Lichtverhältnissen

Selbst dunkle Kellergewölbe werden auf längere Distanzen gut ausgeleuchtet (siehe Foto). Dass auch die Ausstattung und Arbeitsgeschwindigkeit sehr gut sind, ist da nur noch eine Randnotiz wert.

Ansonsten fährt der Koreaner schwere Komfortgeschütze auf. Bei den Datenschnittstellen gibt es alle Kanäle mit optimaler Bandbreite (LTE Cat6 und WLAN-ac) und via App und Infrarotdiode lässt sich das Smartphone sogar zu einer Universallbedienung aufrüsten.

Beim Speicherplatz ist das G4 überdies absolut zukunftssicher, denn neben den internen 32 GB(ca. 22 GB zur freien Verfügung) kann der microSD-Slot sogar bis zu 2 TByte verarbeiten. Aktuell sind allerdings „nur“ 200 GB bis Jahresende als Karte geplant.  Im Zusammenspiel mit zahlreichen exklusiven LG-Apps und allen Android-Standards haben die Macher somit ihren Job vollends erfüllt.

LG G4 Apps

Apps auf dem G4

Nach einem ungewöhnlich langen Einstiegsprozedere wird man durch ein Bedienungskonzept belohnt, das mit zahlreichen Optionen und Ideen gespickt ist. Zunächst einmal fällt positiv auf, dass das brandaktuelle  Android 5.1 vorinstalliert ist, welches durch LGs User Interface nochmals einen gründlichen Feinschliff bekommen hat, denn der Look wirkt angenehm aufgeräumt, schlicht und modern.

LG G4 Smart Bulletin

Smart Bulletin

Eine zentrale Bedeutung der Handhabung ist die rechte Starbildschirm „Smart Bulletin“, auf dem der User Zugriff auf sechs relevante Bereiche, wie LG Health inkl. Schrittzähler, intelligenten Kalender oder Smart Settings hat. Durch letztere Option kann man gezielt einstellen, wie sich Ton- und Datenprofile an festgelegten Standorten verhalten sollen.

Im zentralen Startscreen gibt es zudem einen neuen Management-Ordner, in dem wichtige Funktionen, wie Apps, Akkusparmodus oder Speicherverwaltung versammelt sind. Das pull Down Menü wird dadurch etwas entschlackt.

Positiv ist immer wieder, wie viele Möglichkeiten LG dem Nutzer bietet, um das Smartphone aktiv zu machen, denn neben dem rückseitigen An/Aus-Schalter reicht auch ein doppelter Fingertipp dazu aus. Via Tastenwippe gelangt man zudem auch aus dem Standby-Modus direkt zum Notizzettel und Kamera.

Ergänzt wird das komplexe User Interface durch mehrere Lock Off Modi (Zahlen, Gesten, Vier-Tastenfeld), Gestensteuerung, Widgets und weitere Short Cuts. Das erschlägt einen fast schon, doch man kann das LG G4 dadurch sehr gezielt personalisieren – wenn man sich ausreichend Zeit dafür nimmt.

Rückseite

LG setzt bei der Architektur auf den neuen 6-Kern-Prozessor Snapdragon 808 mit 1,8 GHz Taktung sowie die GPU Adreno 418. Im Zusammenspiel mit 3 GB Arbeitsspeicher scheint zumindest auf den Papier für mächtig Power unter der Haube gesorgt zu sein. Tatsächlich bewegt sich die Performance auf höchstem Niveau. Beim Benchmark-Test mit dem 3D-Racer Asphalt 8 flutscht man schnell durch die Menüebenen und die Renngeschwindigkeit wird gut vermittelt. Nur gelegentlich treten leichte Ruckler auf – da gibt es Mitbewerber, die noch besser aufgestellt sind. Allerdings sprechen wir hier von Nuancen auf einem sehr hohen Niveau. Außerdem ist davon auszugehen, dass künftige Software-Updates noch ein paar Prozentpunkte mehr rauskitzeln dürften.

Fast schon ungewöhnlich in der Referenzklasse: Der Akkublock ist austauschbar. Und nicht nur das, denn mit 3.000 mAh ist der Energiespender auch gut aufgestellt. Im Praxistest äußert sich das in einer Rufbereitschaft von vier bis zu fünf vollen Tagen bei moderater Nutzungsintensität. Allerdings ist der QHD-Touchscreen ein gieriger Stromsauger, sodass sich längere Sessions schnell bemerkbar machen.

Beim Klang erzielt das LG G4 das schwächste Ergebnis bei den Messwerten. Über das Niveau der Verständigung lässt sich weder etwas Schlechtes, noch etwas Gutes sagen, da sich die Sprachqualität im breiten Mittelfeld bewegt – andere Smartphone-Flaggschiffe sind da schon weiter.

Auch der Sound ist bestenfalls Schulnote 3, was auch daran liegt, dass der Mono-Laut mutlos auf der Rückseite platziert wurde. Insgesamt ist der Klang recht verwaschen, und bassarm. Was auch stört: Es sind durch die Bank weg nur öde Klingeltöne vorinstalliert. Auch hier verweist  unter anderem das Samsung Galaxy S6 diesen Koreaner auf die Plätze.

Fazit

Auch LG ist in der Lage, konkurrenzfähige Spitzen-Smartphones ins Rennen zu schicken. Das sicherlich wichtigste Alleinstellungsmerkmal gegenüber Samsung Galaxy S6 & Co ist der schicke Lederrücken, der ganz klar Begehrlichkeiten weckt. In den Kerndisziplinen wie Ausstattung, Performance, Kamera und Display kann der Koreaner zudem ebenfalls mit aktuellen Referenzgeräten mithalten. Beim Bedienungskomfort haben die Macher zudem eigenständige Elemente, wie den rückseitigen An/Aus-Schalter entwickelt, die Käufer als LG-Stammkunden binden soll. Auch das ordentliche Stehvermögen des Akkublocks ist erwähnenswert. Abgesehen vom durchschnittlichen Sound hat das LG G4 somit keine wirklich eklatanten Schwachstellen, wenn man den saftigen Preis akzeptiert – doch das tun Freunde von Statussymbolen ohnehin gerne.

Ein neuer Mitstreiter in der Top-Liga mit sehr guter Ausstattung und ausgezeichneter Performance
ausgezeichnet

 

+ Brillantes QHD-Display
+ Schicke Leder-Edition
+ Top-Kamera

– Durchschnittliche Akustik & Sound
– Hoher Preis
– Groß & schwer

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 20.08.2015




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