TEST: LG G Flex 2 – „Der Trick mit dem Knick“ Teil 2

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Die Koreaner haben das gebogene Display als ein Erkennungsmerkmal für sich entdeckt und schicken das Premium-Modell zum zweiten Mal auf den Smartphone-Catwalk.

Vor allem durch die preisaggressiven Smartphone-Modelle müssen die etablieren Hersteller umdenken, um Käufer als langfristige Kunden zu binden. HTC setzt im Premium-Segment auf vorbildliche Stereo-Lautsprecher, Samsung auf umlaufende Displays und Apple zieht von Anbeginn ihr eigenes Ding durch. LG hat sich in der obersten Preisklasse hingegen auf gebogene Displays spezialisiert, damit die Ehe zum Kunden nicht nach nur zwei Jahre wieder bricht. Über den Sinn kann man sicherlich diskutieren, doch als Designmerkmal taugt es jeden Fall – und das ist heutzutage oftmals wichtiger als die Features unter der Haube.

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LG G Flex 2

Der „Trick mit dem Knick“ geht nach rund einem Jahr in die zweite Runde, denn das Curved Design ist wieder das prägnante optische Stilmittel dieses Spitzenklasse-Smartphones. Im Gegensatz zum Vorgängermodell ist das LG G Flex 2 jedoch deutlich handlicher und eleganter. Das liegt an der geringeren Bautiefe, der schmaleren Displayfassung und – fast schon ein Novum – am Schrumpfprozess des Displays von 6 auf 5,5 Zoll. Die feine, chromfarbige Umrandung rundet den optischen Auftritt gelungen ab – hier haben die Macher ihre Hausaufgaben gemacht.

Auch die glatte Rückseite bietet wieder einige typische LG-Merkmale wie der An/Aus-Schalter mit Lautstärke-Wippe sowie die spezielle Oberflächenbeschichtung, die kleine Kratzer wieder selbstständig verschwinden lässt. Das klappt tatsächlich, allerdings nur bei feinen Kratzern. Sobald Metallgegenstände wie ein Schlüsselanhänger ins Spiel kommen, hilft die Wunderbeschichtung auch nichts mehr. Der Akkudeckel lässt sich übrigens abnehmen, um mit einer microSIM & microSD-Karte bestückt zu werden, wobei der Akkublock aber fest verbaut ist– auch das ist untypisch.

Der Touchscreen ist zwar kleiner geworden, löst aber nunmehr in FullHD-Qualität auf (442 ppi). In den Disziplinen Farbsättigung und Brillanz ist der OLED-Vertreter erwartungsgemäß an vorderster Qualitätsfron zu finden, während man bei der Helligkeit nur durch eine manuelle Einstellung gute Ergebnisse aus dem Koreaner herauskitzelt. Der Automodus schont zwar den Akku, ist aber im Alltag nicht empfehlenswert. Löblich dafür: Durch drei Modi lässt sich die Darstellung nach eigenem Gusto gut justieren. Unter dem Strich bereitet das OLED-Display aber viel Freude, zumal es durch die Curved Bauweise gut gegen Reflexionen gerüstet ist.

Einziger wirklicher Kritikpunkt: Im Vergleich zu anderen Spitzenmodell ist der reine Plastikkorpus nicht mehr 100% „Red Carpet“ tauglich.

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Rückseite

Sie wollen die neuesten Datenkanäle? Dann sind Sie beim Flex 2 goldrichtig: LTE Cat 6, W-LAN ac, Bluetooth 4.1, HSPA+, NFC sowie ein Infrarotsender – viel mehr gibt die aktuelle Technik nicht her. Im Zusammenspiel mit der App „Quick Remote“ fungiert das Smartphone somit auch als Kommandozentrale für Audio/Video-Geräte.

LG G Flex 2 Foto

Foto bei sehr guten Lichtverhältnissen

Die Kamera ist mit 13 Megapixeln, einem Laser-Autofokus, Dual-Fotolicht und einem optischen Bildstabilisator ebenfalls potent aufgestellt und arbeitet zudem sehr rasant. Weiterer Pluspunkt: Trotz vielen Einstellungsmöglichkeiten ist die Handhabung sehr übersichtlich gestaltet, da die drei Grundeinstellungen für die meisten Situationen ausreichen sind. Originell: Via Dual-Funktionen knipsen Front- und Hauptkamera parallel. Apropos Frontkamera: Die ist mit 2,1 Megapixel nach heutigen Maßstäben nur noch mittelprächtig für Selfies gerüstet. Dafür sorgt aber der rückseitige physische Knopf für einen bequemen Umgang. Bei der Frontkamera fehlt diese Taste leider. Im Zusammenspiel mit dem 4K-Camcorder schnüren die Koreaner somit ein ordentliches Paket, dessen Qualitäten sich auch im Praxistest sehen lassen können: Bei Tageslicht top und bei Niedriglicht ordentlich. Nur bei Kunstlicht hat der Knipser manchmal Probleme die Szenarien scharf zu stellen. Um aber ausgiebig knipsen und filmen zu können, muss der Besitzer in eine microSD-Karte investieren, denn die internen rund 6,5 GB Speicherplatz sind für ein Spitzen-Smartphone eher mager.

Ansonsten ist der Komfort aber äußerst rund, denn neben allen Standards gibt es obendrein einige LG-Extras wie LG Health, der unter anderem alle Aktivitäten aufzeichnet.

LG G Flex 2 LG Menü

App-Übersicht

Auch in dieser Disziplin bietet LG einige typische Merkmale, allen voran der rückseitige An/Aus-Schalter und die Lautstärke-Wippe, mit der man schnell zur Notizzettel App Quick Memo gelangt. Daran muss man sich zwar etwas gewöhnen, stellt dann aber schnell fest, dass diese Positionierung durchaus praktisch ist und auf alle besser also ein kleiner Knopf am Gehäuserand. Vorbildlich zudem: Via doppeltes Klopfen auf das Display wird der Schlafmodus deaktiviert. Im Standby-Modus gibt es zudem die Möglichkeit mit einem Fingerstreichen von oben nach unten sich die Uhrzeit und Datum anzeigen zu lassen.

Ebenfalls typisch LG: Als Sperrvorrichtung lässt sich unter anderem durch ein vierfaches Klopfmuster auf ein 4-Feld-Raster festlegen, wobei das natürlich nicht gerade der höchste Sicherheitsfaktor ist.

LG G Flex 2 LG Health

LG Health

Auf dem G Flex 2 ist übrigens Android 5.0.1 und das aktuelle User Interface von LG vorinstalliert, was maximale Möglichkeiten an Personalisierungen und alle wichtigen Short Cuts bietet

Einziger kleiner Kritikpunkt: Die QWERTZ-Tastatur ist recht eng belegt, sodass das Tippen höchste Konzentration erfordert. Glücklicherweise ist aber die intelligente Eingabehilfe sehr hilfreich, da sie selbstständig Fehler ausbügelt und gute Wortvorschläge liefert. 

Und hat das Curved Design auch einen Vorteil bei der Handhabung? Nun, ob es sich angenehmer ans Ohr schmiegt ist letztendlich Geschmacksache, Fakt ist aber, dass es dadurch näher am Mund liegt.

Volle Power! Qualcomms neuer Premium-Achtkern-Prozessor Snapdragon 810 in der Version MSM8994 sorgt im Zusammenspiel mit 2 GHz Taktung und 2 GB Arbeitsspeicher für mächtig Dampf unter der kurvigen Haube. Egal, ob Multitasking oder Dual Windows, der Koreaner arbeitet das alles routiniert ab. Einzig beim Benchmark-Test mit einem anspruchsvollen 3D-Game ruckelt es gelegentlich dezent. Vielleicht ändert sich das aber durch das nächste Software-Update, denn Kraftreserven sind genügend vorhanden.

Die fest verbaute Akkublock mit 3000 mAh ist kein Klassenprimus, denn in mehreren Testzyklen pegelte sich die Rufbereitschaft bei drei bis fünf Tagen ein. Sicherlich kein Beinbruch, doch die Premium-Konkurrenz ist da mittlerweile etwas weiter. Dafür liegen die Werte bei Intensivnutzung aber in einem guten Bereich.

Im Bereich Soundqualität gibt es ebenfalls weder eine böse Schelte noch besonderes Lob, denn Stimmen klingen nur ein wenig zu dumpf und werden ohne nennenswerte Nebengeräusche ausreichend laut in beide Senderichtungen übertragen. Aber auch hier hat das Samsung Galaxy S6 Edge gezeigt, dass man in der Spitzenliga weitaus bessere Ergebnisse liefern kann – vielleicht sogar muss.

Der leider rückseitige Mono-Lautsprecher kann erstaunlich laut aufspielen und verliert auch bei höchstem Volumen nicht die Kontrolle. Wirkliches Hi-Fi-Feeling kommt dabei allerdings nicht auf, zumal das Bassfundament fehlt. Auch in diesem Bereich liegen aktuellen Referenz-Smartphones weiter vorne – das HTC One M9 sowieso.

Fazit

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Über den Nutzwert des Curved Designs lässt sich diskutieren, Fakt ist aber, dass es im positiven Sinne Aufsehen erregt – und das ist immer ein Kaufargument im Zeitalter des Smartphone-Einheitslooks. Im direkten Vergleich zur aktuellen Referenzgilde wie das Samsung Galaxy S6 kann es in den Bereichen Ausstattung, Performance und Messwerten nicht ganz mithalten, wobei wir an dieser Stelle aber auf sehr hohem Niveau meckern. Ich persönlich hätte mir etwas mehr Stehvermögen bei der Akkuleistung und mehr internen Speicher gewünscht, was aber im Praxistest noch verschmerzbar ist. Um das Flex in der dritten Generation endgültig zu etablieren, sollten die Macher zudem den Plastikkorpus veredeln, um den „Haben-Wollen“-Faktor nochmals zu erhöhen.

Spitzenklasse-Smartphone mit Designfinessen
sehrgut
27.05.2015

+ Hochwertiges OLED-Display
+ Attraktives Designkonzept
+ Umfangreiche Ausstattung

– Keine optimale Akkuleistung
– Geringer interner Speicherplatz
– Fest verbauter Akkublock

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 27.05.2015




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