TEST: Lenovo P2 – Solides Debut mit Top Akku-Performance

Konkurrenz aufgepasst: Nach langjährigen „Testläufen“ im fernen Asien und Osteuropa bringt der chinesische Superkonzern nun die ersten Smartphones endlich auch nach Deutschland.

GSM World Congress 2011 in Barcelona: Die chinesische Manufaktur Lenovo präsentiert sich noch an einem kleinen Messestand. Wer als neugieriger Besucher nach Informationen fragte, wurde in der Regel von einem lächelnden Chinesen empfangen, der in Ermangelung der englischen Sprache hilflos nach einem Mitarbeiter suchte.

GSM World Congress 2016: Die Messestände chinesischer Unternehmen haben die Größe vieler Branchen-Oldies nicht nur erreicht, sondern mitunter übertrumpft. Wer nun den Lenovo-Stand besucht, um nach deren Smartphone-Plänen zu fragen, bekommt prompt einen hochrangigen Mitarbeiter aus Deutschland als Gesprächspartner gestellt, der schnell ins „Du“ übergeht und mit einem lockeren Brustton der Überzeugung über künftige Pläne Auskunft gibt. Die Botschaft ist klar: Die chinesischen Unternehmen werden künftig nicht nur den IT-, sondern auch den TK-Markt kräftig aufmischen.

Doch nun zum Lenovo P2: Für die UVP von 349 EUR erhält man ein Smartphone in recht konventionellem Design, dessen größte Auffälligkeit die Farbvariante Gold ist, die uns auch zum Test vorliegt. Der Unibody besteht zum größten Teil aus mattem Aluminium und hinterlässt einen lupenreinen Eindruck, wenn es um die Verarbeitungsqualität geht.

Rückseite des Lenovo P2

Gut: Der recht große Home Button ist gleichzeitig ein Fingerprintscanner und beendet dadurch den Standby-Modus. Die Rückseite mit den abfallenden Rundungen an der Ober- und Unterseite erinnern ein wenig an frühere HTC-Modelle. Ansonsten gibt es keine überdurchschnittlich auffälligen Designmerkmale.

Beim Display trumpft das P2 dann schon mehr auf, denn das 5,5 Zoll große Display mit 1920 x 1080 Pixeln arbeitet mit der Super-AMOLED-Technologie. Die Farbdarstellung ist entsprechend plastisch und satt. Da sich auch die Helligkeit sehr gut hochschrauben lässt und die Schärfe stimmt, ist hier Lenovo gleich vom Start weg eine solide Performance in dieser Disziplin geglückt.

Lenovo P2 Foto

Aufgenommen mit dem P2

Im Fokus der Ausstattung steht, wie so oft, wieder die Kamera, da sie sich maßgeblich vom Android-Allerlei unterscheidet. Die Hauptkamera arbeitet mit 13-Megapixeln, was in dieser Preisklasse mittlerweile Standard ist. Wirklich spektakulär ist die Qualität zwar nicht, doch zumindest bei Tageslichtaufnahmen sind aus der Hüfte gelungene Schnappschüsse mit Schärfe und knackigen Farben möglich. Allerdings neigt die Kamera dazu, Fotos mit einem leicht blauen Farbstich zu versehen. Bei Kneipenlicht geht dem Autofokus zudem schnell die Puste aus, sodass nur bei kurzen Distanzen noch scharfe Momentaufnahmen möglich sind. Das gleiche gilt auch für die 5-Megapixel-Frontkamera, die aber solide ausgestattet ist.

Der interne Speicher beläuft sich auf 32 GB, wobei es wohl auch eine 64 GB Version geben soll. Rund 24 GB stehen dabei frei zur Verfügung, wobei sich die Kapazität aber auch per microSD-Speicherkarte aufrüsten lässt.

Zur weiteren Ausstattung des P2 gehört neben WLAN-n, Bluetooth 4.0, LTE, NFC, ein Fingerabdruckscanner sowie ein zweiter Micro-SIM-Kartenschacht. Die Ausstattung ist somit absolut zeitgemäß, bietet aber ebenfalls keine exklusiven Kennzeichen.

Lenovo P2 Screenshot

Android Marshmallow

Beim Bedienkonzept vertrauten die Macher den bewährten Kräften. Android 6.0.1 Marshmallow ist an Bord und wird durch das eigene User Interface stylisch in Szene gesetzt, denn die Präsentationsmöglichkeiten sind ab Werk sehr vielfältig.

Wichtig für die Bedienung ist der Fingerabdruckscanner unterhalb des Displays, um schnellen Zugriff aus dem Lock Modus zu haben. Prinzipiell arbeitet er sehr schnell, doch leider kam es während der Testphase gelegentlich zu Aussetzern, sodass man das Smartphone nochmals ausschalten musste.

Ansonsten ist alles angenehm vertraut und das Arbeitstempo durchgehend flüssig. Schön zudem, dass das Comeback des App Drawers auch beim Lenovo P2 stattfindet.

Seitenansicht

Der Snapdragon 625 verfügt über acht Rechenkerne, 1,4 GHz Taktung sowie 3 Gigabyte Arbeitsspeicher. Das ist sicherlich kein Referenzwert, doch für sämtliche Alltagsroutinen mehr als ausreichend. Nur bei sehr anspruchsvollen 3D-Games und Multitasking-Aufgaben kommt das Lenovo leicht ins Schwitzen. Das Preis/Performance-Verhältnis stimmt aber auf alle Fälle. 

Weitaus spektakulärer ist es aber um die Akkuleistung bestellt, denn der fest verbaute Block bietet beachtliche 5.100 Milliamperestunden. In der Praxis bedeutet das eine Rufbereitschaft von locker einer Woche nonstop selbst bei höherem Telefonieraufkommen und sporadischen Online-Sessions. Das ist äußerst angenehm, denn so hat das Netzteil über ein ganzes Wochenende eine komplette Auszeit.

Etwas zwiespältig ist hingegen die Sprachqualität, denn das Spektrum reicht von Festnetzqualität bis hin zu Blechdosen-Sound. Im Schnitt verlaufen die Telefonate aber einwandfrei.

Gut: Das P2 verfügt über Stereo-Lautsprecher, die allerdings beide am Geräteende installiert sind. Die Stereobasis ist damit zwar dahin, aber immerhin gibt es dafür ein dezentes Bassfundament. Insgesamt klingt das P2 recht hölzern und dicht gedrängt. Hier wurde offensichtlich etwas an der Qualität der Lautsprecher gespart.

Fazit

Clever, wirklich clever. Lenovo hat sich gut überlegt mit welchem Mittel sich ein gehobenes Mittelklasse-Smartphone heutzutage von der Masse abheben kann: mit einer exzellenten Akkuleistung. Dazu mischten die Ingenieure eine rundum gelungene Ausstattung, eine ordentliche Kamera sowie eine mehr als zufriedenstellende Performance. Hier brennt das P2 zwar kein innovatives Feuerwerk ab, aber das muss es dann auch nicht mehr, denn dieses Alleinstellungsmerkmal reicht aus, um in den Fokus der Käufer zu geraten. Richtige Schwachpunkte hat das Lenovo-Smartphone zudem nicht. Offensichtlich war es richtig, sich mit dem Debüt hierzulande Zeit zu lassen.

Gutes Oberklasse-Smartphone mit ausgezeichneter Akkuleistung
ausgezeichnet
18.01.2017

+ Super Akkulaufzeit
+ Top-Display
+ Gute Performance

– Fingerprintscanner mit kleinen Aussetzern
– Durchschnittliche Sprachqualität
– Fester Akkublock

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 18.01.2017




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