TEST: Klipsch Reference Premiere RP-280F – Kraftvoller Standlautsprecher mit exzellenter Dynamik

Klipsch RP-280F Gruppenbild2

Einen großen Teil der aktuellen „Reference Premiere“ Serie der US-amerikanischen Lautsprecherschmiede Klipsch konnten wir bereits in 5.0 Ausführung unter die Lupe nehmen. Ohne Subwoofer haben uns die, in typischer Klipsch-Manier auftretenden, kraftvollen Komponenten sowohl im Musik- als auch Filmbetrieb überzeugt. Noch nicht am Zug waren die Top-Modelle, die großen RP-280F, die mit noch etwas ausladenderen Dimensionen und größeren Chassis aufwarten. Mit optischem Schnickschnack wird bei Klipsch nicht geködert, die Worte „dezent“ und „zurückhaltend“ gibt es nicht im Wortschatz der Designer und Ingenieure. Zweckmäßigkeit und akustische Performance steht im Fokus, mit bezahlbaren Schallwandlern eine kraftvolle und immersive Soundkulisse schaffen ist das Ziel der Reference Premiere Series. Dass dies möglich ist, haben uns bereits die anderen Familienmitglieder der neuen Familie gezeigt, jetzt dürfen die „Großen“ ran. Die Klipsch RP-280F ist zu 750 EUR UVP erhältlich.

Klipsch RP-280F Front Seitlich2

Massiv im Auftritt

Ein Blick auf die großzügig dimensionierten und recht ausladenden Lautsprecher verrät, weshalb wir hier von Zweckmäßigkeit sprechen. Für den Design-Liebhaber vermutlich negativ behaftet, bedeutet es aber auch, dass auf bewährte Tugenden gesetzt wird. Ein großes Gehäusevolumen und viel Membranfläche sind die Grundvoraussetzungen für kraftvolle Performance, Holz ein erprobtes Material.

Gerade in schwarz wirken die RP-280F wie „Männerboxen“ – ein Werkzeug, um die geliebten Sounds in hoher Qualität und angemessenem Lautstärkepegel wiederzugeben.

Klipsch RP-280F Hochtoener

Tractrix-Horn

Klipsch RP-280F Tieftoener

Cerametallic-Woofer

Klipsch RP-280F Rueckseite Seitlich

Rückseite

Klipsch RP-280F Standfuss

Sockel

Klipsch RP-280F Bassreflexrohr

Bassreflex-Öffnung

Klipsch RP-280F Anschluesse Rueckseite

Lautsprecher-Terminals

Dass den Klipsch Schallwandlern der zurückhaltende optische Auftritt fehlt, bedeutet aber keinesfalls, dass Design, Formensprache und besonders Verarbeitungsqualität keinerlei Rolle spielt. Nimmt man die Stoffgitter ab, die ein etwas lapidar wirkendes Kunststoffgerüst aber magnetische Befestigung vorweisen, kommen die für Klipsch typischen Cerametallic-Woofer und das Hybrid Tractix-Horn zum Vorschein. Gerade in Kombination mit dem schwarzen Holz-Funier setzt das Cerametallic-Kupfer einen schicken Kontrast. Sowohl die beiden 8-Zoll Chassis sowie das Horn sind sauber in die Schallwand eingepasst, gekonnt verdeckt eine abnehmbare Gummi-Umrandung die Verschraubungen. Beim neuen Tractrix Horn bietet laut Klipsch die Gummierung sogar akustische Vorteile. Die bei Horn-Lautsprechern häufiger wahrgenommene Aggressivität soll reduziert und gleichzeitig die Präzision erhöht werden.

Ein interessanter optischer Kniff des sonst konservativen Lautsprechers ist der Sockel aus Kunststoff, der den Lautsprecher nach unten hin abschließt und diesem eine leichte Neigung nach hinten verschafft. Neben schwarz sind die Reference Premier-Komponenten auch noch in Kirsch erhältlich, wie im Test des RP 5.0 Sets zu sehen. Bezüglich der sonstigen Verarbeitungsqualität gibt es kaum Überraschungen. Solide und ohne außergewöhnliche Merkmale ist die RP-280F konservativ konstruiert und sauber zusammengesetzt. Die Schallwand schließt nicht an allen Seiten absolut sauber mit dem MDF-Gehäuse ab, bietet aber ein gleichmäßiges Spaltmaß. Auch die Folierung ist am gesamten Gehäuse sehr gut aufgebracht und bereitet auch an den geraden Kanten und Ecken keine Probleme. An der Rückseite befindet sich die großzügige Bassreflex-Öffnung sowie die Lautsprecher-Terminals.

Wie kaum anders zu erwarten, legen die technischen Daten der RP-280F noch eine Schippe nach. Mit einem exzellenten Wirkungsgrad von 98 dB, realisiert durch die sehr effizienten Cerametallic Woofer und das 1″ Tractrix Horn, erreichen die Klipsch Lautsprecher einen Frequenzbereich von 32 bis 25 kHz und sind kurzzeitig mit 600 Watt maximal belastbar. Die Übergangsfrequenz der 2-Wege-Konstruktion liegt bei 1750 Hz.

Die Abmessungen betragen 109.4 x 26.8 x 46.5 cm (HxBxT) bei einem Gewicht von etwa 28 kg.

Klipsch RP-280F Gruppenbild3

Folgt dem selbstbewussten Auftreten eine gute akustische Performance?

Klassisch möchten auch wir beginnen und spielen den Klipsch Lautsprechern mit unserer Kombination aus Pioneer BDP-LX88 und dem Advance Acoustic X-i120 Mozarts Violinkonzert in D-Dur, gespielt von Marianne Thorsen und den Trondheim Solistene, zu. Die RP-280F zeigt sich von der ersten Sekunde an vollmundig, voluminös und baut eine breite, weitläufige Bühne auf. Die Räumlichkeit könnte auf den ersten Blick ein wenig ausgeprägter sein, dafür zeigt sich eine exzellente Instrumentalstaffelung und Differenzierung der einzelnen Instrumente. Die Violinen spielen überraschend warm und angenehm, die Spitzen klar zurückhaltend und nicht aggressiv. Das gefällt uns, da wir von Horn-Lautsprechern hier eine forschere Gangart gewohnt sind. Allerdings missen wir dafür das letzte Quäntchen Transparenz im Hochtonbereich, der mehr auf Harmonie als endgültige Durchhörbarkeit ausgelegt zu sein scheint. Das komplexe Gesamtgeschehen wird wieder sehr strukturiert und mit exzellenter Differenzierung herausgearbeitet, das Flaggschiff der Reference Premiere-Serie arbeitet präzise und mit hoher Geschwindigkeit. Auch bei hohem Pegel wird flink agiert – der Hochtonbereich einen Tick fordernder, aber nie unangenehm. Auch als die Violinen im letzten Drittel des Konzertes alleine agieren, begeistert die RP-280F mit ausgezeichnetem Detailreichtum und Charakteristik. Dass die Klipsch enorme Dynamik entwickeln haben wir kaum anders erwartet – und erhalten prompt die Bestätigung.

Auch bei der folgenden Klaviersonate von Mozart für zwei Pianos schlagen sich die RP-280F ausgezeichnet. Zwar fehlt es ein wenig an der endgültigen Eigencharakteristik des Tasteninstrumentes, das warme Timbre kommt aber bereits im Ansatz heraus. Sehr gut wieder die Differenzierung der beiden Instrumente und die Loslösung des Geschehens vom Schallwandler. Ganz groß zeigt sich die Dynamik der RP-280F im folgenden, sehr experimentellen Track „Cikada Duo“ von Nordheim. Hier wird ein immens kraftvolles und klar strukturiertes Percussion-Konzert geboten. Selbst feine Details und akustische Elemente werden sauber eingearbeitet und ins komplexe Geschehen eingebettet. Das Fundament gelingt kraftvoll und sehr präzise.

Wir wechseln das Genre und starten mit „Heartache Tonight“ von den Eagles. Die Aufnahme stammt aus dem Live-Konzert der Farewell Tour in Melbourne. Sofort gefallen die kraftvollen Bass-Schläge Don Henleys und eine sehr luftige, weitläufige Kulisse wird geboten. Ganz verstecken kann sich das Tractrix-Horn hier aber nicht mehr und zeigt bei hohem Pegel eine forderndere Charakteristik. Der Bühnenaufbau ist sehr gut und auch die Stimmcharakteristik gefällt, zart besaitene Seelen werden von der Kompanie der Blechbläser möglicherweise überfordert. Trotz enormer Lautstärke bleiben die RP-280F absolut souverän, hier ist bei der für den Testautor maximalen Lautstärke noch lange nicht Schluss. Hier ist aufmerksames Hören gefragt, Dynamik und Emotion sind die Stärke der Klipsch, ein gelassenes „dahindudeln“ Fehlanzeige. Starke Präsenz des Lautsprechers geht damit einher. Die Frequenzbereiche scheinen uns recht ausgewogen, die unteren Mitten könnten noch etwas greifbarer sein. Emotionen werden auch bei „Hotel California“ groß geschrieben. Schon als die Trompete als Intro für den überpopulären Titel loslegt, entfaltet sich das Gänsehaut-Potential des Reference Premiere-Flaggschiffs. Nicht nur die stete Präsenz der Stimme und der Gitarren, auch die akkuraten und kräftigen Einsätze des Schlagzeuges sorgen für ein mitreißendes und insgesamt sehr harmonisches Klangbild. Klar, transparent und durchhörbar wirkt die gesamte Bühne – bezüglich der Auflösung bietet die RP-280F noch Potential, innerhalb der Preisklasse wird aber viel geboten. Nur geringfügig negativ wirkt sich die Komplexität der Kulisse auf einzelne Instrumente aus, sehr charakteristisch gefällt die zentrale Stimme des Schlagzeugers. „Untenrum“ wird uns ein Klipsch-typischer, eher runder und weicher Tieftonbereich dargeboten, der aber stets zum richtigen Zeitpunkt parat steht.

Mit „Traffic“ von Dj Tiesto gelangen wir in einen Bereich, der dem Klipsch Modell erfahrungsgemäß sehr liegen dürfte. Anders kommt es auch nicht – bassgewaltig werden die elektonischen Klänge des niederländischen Produzenten wiedergegeben. Wie bereits festgehalten, liefern die RP-280F einen harten, aber eher runden Tieftonbereich. Hier werden Gemüter, die eine sehr voluminösen und vollmundige Bassperformance bevorzugen, sofort belohnt. Die Kickbässe bleiben dabei sehr präzise, es sind lediglich keine absolut trockenen Schläge sondern breitere Punches in die Magengrube. Dabei bleiben die RP-280F stets souverän, als gäbe es nichts leichteres, kleinere akustische Synthesizer-Elemente werden sauber in die Klangkulisse integriert und auch die Stimmwiedergabe bei „Back in your Head“ bleibt unbeeindruckt. Hier bietet der Klipsch-Lautsprecher ein sehr harmonisches Klangerlebnis, auch bei höherem Pegel wird das Tractrix-Horn, wenn auch stark präsent, nicht zu forsch und anstrengend. Extrem stark spielt das Ensemble auf, wenn ein großflächiges Tieftonfundament, wie bei Christian Burns „In the Dark“, benötigt wird. Exzellentes Volumen geht dann mit sehr guter Struktur in den niedrigen Frequenzen einher.

Bezüglich Power und Dynamik führt die Klipsch RP-280F zweifellos das Regiment dieser Preisklasse an. Dennoch gehören für einen interessierten Lautsprecher-Käufer natürlich zahlreiche weitere Attribute zu einem exzellenten Schallwandler. Die Rhodium 500 ist gegenüber der UVP der RP-280F günstiger, am Markt kann man das Klipsch Modell sogar günstiger schießen. Die Rhodium 500 zeigt sich nicht ganz so konservativ und belebt den Lautsprechermarkt mit frischer, wenn auch geradliniger, Formensprache. Sie spielt nicht ganz so kräftig und bei hohem Pegel souverän auf wie die RP-280F, wirkt dafür aber etwas ausgewogener und weniger fordernd im Hochtonbereich. Ähnlich die Concept 40 aus der englischstämmigen Werkstatt von Q Acoustics. Schon der Auftritt gänzlich anders, mit extravagantem Standfuß und Design-Akzenten, zudem in weiß erhältlich. Akustisch hält sie sich ebenfalls an einen eher runden und ausgeprägten Bass-Bereich, bietet ausgezeichnete Räumlichkeit und einen sehr ausgewogenen Klang.

Fazit

Klipsch RP-280F Gruppenbild3

An erfolgreichen Konzepten festhalten – Klipsch präsentiert auch mit dem Topmodell der neuen Reference Premiere Serie einen konservativ auftretenden Lautsprecher, der wohl am ehesten das Männerherz höher schlagen lässt. Doch nicht nur äußerlich vertraut die US-amerikanische Lautsprecherschmiede auf bewährte Tugenden. Akustisch begeistert der Standlautsprecher mit exzellenter Dynamik und souveräner Pegelfestigkeit. Untenrum wir sehr kraftvoll und eher rund aufgespielt, die Präzision leidet aber nur sehr geringfügig unter dem mächtigen Fundament. Die RP-280F spielt laut, kraftvoll und emotional. Zart besaiteten Gemütern kann der Hochtonbereich schon mal etwas zu fordernd sein – und wer auf maximale Auflösung höchsten Wert legt, ist vielleicht auch nicht unbedingt die Zielgruppe des Reference Premiere-Portfolios. Zu einem Marktpreis von 650 EUR wird hier maximale Pegel- und Dynamik-Performance geboten, die in dieser Preisklasse seinesgleichen sucht.

Extrem dynamisch, pegelfest und souverän – die „Männerbox“ fürs überschaubare Budget
ueberragend
29.05.2015

+ Exzellente Dynamik
+ Pegelfest
+ Nicht zu harsch im Hochtonbereich
+ Sehr guter Bühnenaufbau
+ Sehr gute Instrumentaldifferenzierung
+ Fairer Preis

– Durchaus fordernd im oberen Bereich

 

Test: Philipp Kind
Datum: 29.05.2015




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