TEST: KEF EGG Wireless Digital Music System – Uni Q-Koaxialtreiber trifft auf Bluetooth und 96 kHz/24-Bit USB-DAC

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Bei uns zum Test eingetroffen ist das KEF EGG Wireless Digital Music System für 499 EUR (unverbindliche Preisempfehlung). Es besteht aus zwei Komponenten, in der von anderen KEF Systemen (Klassiker KHT-2005) her bekannten „Ei-Form“. Es handelt sich um 2-Wege-Bassreflexlautsprecher, das Chassis ist, wie könnte es bei KEF auch anders sein, ein Uni-Q Koaxial-Treiber.

KEF-Egg-Speaker1

Uni-Q-Koaxialtreiber

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19 mm Hochtöner, im Zentrum des Tiefmitteltöners

Der 19 mm Hochtöner sitzt (Punktschallquellen-Prinzip) im Zentrum des 115 mm Tiefmitteltöners aus Aluminium. Auch der Hochtöner hat eine belüftete Alu-Kalotte. Maximal können 95 dB Schalldruck erzeugt werden. Der Twin Class D Digitalverstärker bietet 50 Watt Ausgangsleistung. Als Bluetooth Standard kommt die recht moderne Variante 4.0 zum Einsatz, mit im Paket enthalten ist auch aptX. 274 mm x 136 mm x 172 mm messen die EGGs pro Stück.. 

KEF-Egg-Master-Anschluesse

Am „Master-EGG“ finden sich die Anschüsse

KEF-Egg-Master-Bedienelemente

Bedienelemente am Master-Speaker

KEF-Egg-Fernbedienung

Schicke und hochwertige Fernbedienung

Zusätzlich vorhanden ist ein 3,5 mm Miniklinken-Audio-Analog-Eingang. Digitaleingang: Mini-USB Typ B sowie Mini-TOSLONK optisch. Es werden Abtast- und Samplingraten von maximal 96 kHz/24-Bit unterstützt. Sogar ein Subwoofer-Ausgang ist noch vorhanden. 2,15 kg wiegt jedes „Ei“. Die Abmessungen: 274 mm hoch, 136 mm breit und 172 mm tief. Die Verarbeitung und die Materialqualität sind ausgezeichnet. Besonders in der Farbgebung „Frosted Blue“ sieht EGG grandios aus. Alternativ kann man „Pure White“- wie unser Test-Sample – oder „Gloss Black“ wählen. Am einen EGG-Speaker sind im Sockel die Bedienelemente eingelassen, die recht zügig auf Bedienbefehle reagieren und überdies präzise eingepasst sind. Die EGG-Speaker erscheinen sehr hochwertig und vom Design her (das bewusst durchaus polarisiert) als schlüssig. Das sieht man auch an Details wie der mitgelieferten, ebenfalls weißen Fernbedienung, die hinsichtlich Form und Gestaltung sehr gut zu den EGGs passt. Die auf der Fernbedienung vorhandenen Knöpfe sehen den Bedienelementen am Master-Lautsprecher sehr ähnlich. Masterlautsprecher und Slave-Speaker werden durch ein Kabel miteinander verbunden. Nicht ganz zum sonst hohen Qualitätsniveau passen die etwas labilen Befestigungen des Lautsprecher-Schutzgitters. 

Klang USB-DAC – Hi-Res-Audio

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Akustisch großer Pluspunkt ist das leistungsfähige Uni-Q-Chassis

Hi-Res-Audiodateien kann EGG wiedergeben, der interne USB-DAC schafft bis zu 96 kHz/24-Bit. Wir setzen beim Testen auf Bewährtes. „Diamante“ von Alessi in FLAC 96/24-Stereo bekommen die britischen Aktiv-Eier zugeführt. Mit perfekten Gruppenlaufzeiten dank des Uni-Q-Treibers und einer homogenen Klangcharakteristik weist das Master-/Slave-Lautsprecherpaar KEF-typische Vorteile auf. Die sehr gelungene, weil lebendige Stimmwiedergabe kann man für den nicht eben niedrigen Kaufpreis auch erwarten. Ideal eignen sich die EGG-Speaker, um links und rechts neben einem größeren PC-Monitor in Stellung zu gehen. Leicht auf den Hörplatz angewinkelt, erlebt man ein räumliches Klangbild, das den Zuhörer gelungen einschließt. Der Hochtonbereich setzt auf Sicherheit anstatt auf maximale Brillanz, dafür kann man entspannt auch mit höherem Pegel hören. Die Leistungsreserven des 50 Watt Class D Verstärkers sind überraschend gut. 

Eignet sich eine Konstruktion wie EGG überhaupt für die Wiedergabe klassischer Musik? Wir machen die „Probe aufs Exempel“ und lauschen dem ersten Allegro des Violinenkonzertes Nummer 4 in D-Dur, Köchelverzeichnis 218, in FLAC 96/24. Und wir möchten eines vorausschicken: Gerade bei den Violinen-Soli sieht man schon, dass man für knapp 500 EUR keinen Klang erwarten kann, der dem hohen Ansprüchen des Klassik-Kenners standhalten kann. Das heißt bei Weitem nicht, dass die kompakten Klang-Eier schlecht abschneiden. Homogenität, Räumlichkeit und Lebendigkeit verdienen sich tadellose Zensuren. Und aufs erste Hinhören klingen auch die Soli prima, ebenso wie die Einsätze des kompletten Orchesters. Wer sich aber mit der hochwertigen Musikwiedergabe auskennt, wird feststellen, dass es dann doch an der maximal möglichen Brillanz hapert. Was auch bei diesem Test-Beispiel ausgezeichnet funktioniert, ist das gepflegte Hören mit höherer Lautstärke. Recht gelassen und souverän gehen die beiden „Eier von der Insel“ auch dann mit dem Quellmaterial um, wenn man mit einem Pegel hört, der deutlich über der viel zitierten „Zimmerlautstärke“ liegt. 

In FLAC 48 kHz/24-Bit Stereo liegt uns Diana Kralls Adaption des Eagles-Klassikers „Desperado“ vor. Und hier haben uns die EGG-Speaker bislang am besten gefallen. Denn das Klavier und Dianas charakteristisch-rauchige Stimme werden nicht nur sauber voneinander getrennt, sondern auch mit akkuraten Konturen präsentiert. Ein homogenes, aber gleichzeitig differenziertes akustisches Erlebnis wird dadurch ermöglicht, dass sich im Positiven deutlich von dem abhebt, was man in den Preisgefügen bis 500 EUR (Paar) bei aktiven Lautsprechern erwarten kann. Kultiviert, mit einem guten Feingefühl – hier lässt das KEF-System praktisch keinen Spielraum für Kritik. Das gilt auch für den zweiten Titel, den wir von Dianas Album „Wallflower“ zuspielen. Die Stimme löst sich erstaunlicherweise recht gut von den kompakten Lautsprechern, die erneut von ihren Uni-Q-Treibern profitieren: Wo oft ein „Hinterherhinken“ einzelner Frequenzbereiche zu vernehmen ist, kommt hier alles zeitgleich beim Zuhörer an, was für eine unvermittelt erlebte Dynamik und einen harmonischen, in sich schlüssigen akustischen Gesamteindruck sorgt. 

Klang Bluetooth – Kopplung mit Apple iPhone 7 Plus – Wiedergabe datenreduzierter Musik von Spotify

Völlig problemlos erfolgt die Kopplung per Bluetooth mit unserem iPhone 7 Plus. Vorbildlich störungsfrei läuft der gesamte Bluetooth-Betrieb ab, es kommt zu keinen Aussetzern oder akustischen Artefakten. 

Wir wenden uns zunächst dem schnellen, kraftvollen „Over The Hills And Far Away“ zu, aber nicht in der originalen Version von Gary Moore, sondern in der Variante von Nightwish. Gut, wenn auch nicht überwältigend fällt hier der maximal mögliche Pegel aus. Erstaunlich ist, wie präsent der Bassbereich ist. Auch kommt der Rhythmus sehr gut heraus, auch die Stimme ist ansprechend eingearbeitet. Und wir lassen nicht locker, die Eier müssen vom Pegel her erneut alles geben. „Land Of Confusion“ in der Version von Disturbed macht richtig Spaß, da die EGG-Lautsprecher grobdynamisch ordentlich vorlegen und viele Konkurrenten mit der kraftvoll-authentischen Wiedergabe in die Schranken weisen. 

Ganz anderer Musikstil – „3 A.M. Eternal“ von The KLF ist bei Fans legendär, und die EGG-Speaker schieben mit Schwung an. Der Bass hat Substanz, die Trennung einzelner akustischer Effekte gelingt anstandslos trotz des nur durchschnittlichen Quellmaterials. Auch der harte Kickbass von Damon Pauls „Project Euro Mir“ bereitet den talentierten britischen Spaßmachern keine Schwierigkeiten. Die elektronischen Effekte werden mit prima Räumlichkeit zum Besten gegeben, bei diesem Stück spielt der Hochtonbereich frei, lebendig, aber trotzdem nicht zu spitz auf. „God Is A DJ“ von Faithless schließt unsere Test-Sequenzen mit elektronischer Musik und lässt die EGG-Schallwandler ein weiteres Mal zu einer beachtlichen Form auflaufen. Der Bass trifft genau den richtigen Punkt, eine so gute Präzision bei so kompakten Multimedia-Lautsprechern – wer hätte das gedacht? Und auch die Intensität des Basses ist weitaus besser als gedacht. Dynamische Unterschiede bei der Wiedergabe der elektronischen Effekte werden sorgfältig und, wie wir EGG kennen, impulstreu herausgearbeitet. 

„Cose Della Vita“ von Eros Ramazzotti stellt nun einen weiteren, kompletten Wechsel  bezüglich des Musikstils dar. Doch die „Insel-Eier“ zeigen sich auch italienischer Emotionsgewalt gewachsen. Das E-Gitarren-Intro kommt mit gezieltem Nachdruck heraus, und die Stimme von Eros hat Substanz und klare Konturen. Der Oasis-Klassiker „Don’t Look Back In Anger“ hilft, weiter zu verdeutlichen: Die EGG-Lautsprecher haben keinerlei Berührungsängste mit unterschiedlichsten Musikstilen. Sie kommen aufgrund der durchdachten klanglichen Auslegung mit allem auf einem höchst beachtlichen Niveau zurecht. Die tadellose Stimmwiedergabe und der ordentliche Nachdruck heben die Wiedergabe auch bei diesem Stück auf ein ausgezeichnetes Niveau. „You Are Beautiful“ von James Blunt schließt nun auch diese Testreihe – mit Erfolg für die KEF EGG. Die Stimme löst sich prima von den Lautsprechern, die Gitarre wird überragend wiedergegeben. Der Bassbereich zeigt, was man mit moderner DSP-basierter Abstimmung alles erreichen kann. Klar, dass kein enormer Tiefgang in Verbindung mit den kompakten Gehäusen möglich ist – durch das gezielte Hinzufügen eines kräftigen Volumens in den noch darstellbaren Frequenzbereichen wird aber gekonnt eine vollständige, kräftige Basswiedergabe suggeriert. 

Konkurrenzvergleich

Heco Ascada 2.0 Gruppenbild3

Heco Ascada 2.0: Die schicken Ascada Aktivlautsprecher sind mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 599 EUR genau 100 EUR teurer als die KEF EGG-Speaker. Mit unverwechselbarem Design und praxisgerechter Ausstattung konnten die Ascada im Test überzeugen. Der solide technische Aufbau inklusive Ringkerntransformator fand ebenfalls unsere Zustimmung. Die billige mitgelieferte Heco-Fernbedienung ist keine Konkurrenz für das elegante KEF-Teil, dafür wirken die Ascada-Boxen mit edlen Metallringen rund um die Chassis äußerst edel. Akustisch bieten die Heco viel, und agieren angenehm und dynamisch. Sie sind durchaus impulstreu, aber an die Präzision der EGG – dank Uni-Q-Chassis – beim Timing kommt die Ascada nicht heran. 

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XTZ Tune 4: Ganz anders im Design als EGG, gefallen die Tune 4 mit ihrer sehr guten Verarbeitung. Sie sehen deutlich teurer als die 480 EUR, die für die Tune 4 in die Hand genommen werden müssen. Die Ausstattung unterscheidet sich von den EGG Speakern. Die Verstärkerleistung ist mit gleich 2 x 50 Watt vergleichsweise üppig, zudem gibt es sogar einen Vorverstärkerausgang zum Anschluss eines aktiven Subwoofers, ebenso wie bei EGG. Leider fehlt der USB-DAC, der bei den EGG-Lautsprechern sogar bis zu 96 kHz/24-Bit unterstützt. Bluetooth haben beide Alternativen, ganz gleich, ob aus dem hohen europäischen Norden oder von der Insel. Mit Dirac DSP-Technologie können die XTZ Tune 4 aufwarten, akustisch erweisen sie sich als lebhaft und pegelfest. Einmal mehr aber können die EGGs mit ihrem nahezu perfekten Timing punkten, was die akustische Homogenität angeht, lassen sich die KEF-Lautsprecher ein weiteres Mal nichts vormachen. Bei beiden Speaker-Paaren ist die hochwertige mitgelieferte Fernbedienung zu loben. 

Fazit

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Das Osterfest ist gerade vorbei und hat sichtbare Spuren hinterlassen: Der Osterhase hat uns mit dem EGG-System ein wahrhaft klangstarkes Präsent hinterlassen. Natürlich mag die Optik nicht auf 100 Prozent Zustimmung bei allen potentiellen Käufern stoßen, aber sie ist typisch für KEF und in gewissen Kreisen heiß begehrt. Bis auf die etwas labile Befestigung der Lautsprecher-Schutzgitter lässt sich die Verarbeitung nichts vorwerfen. Aufwändig ist die Technik mit miniaturisiertem Uni-Q-Treiber, der akustisch für praktisch perfekte Gruppenlaufzeiten sorgt. Mit USB-DAC, Klinkenanschluss und Bluetooth zeigen sich die EGG-Lautsprecher zeitgemäß flexibel. Die räumliche Darstellung wird von ausgezeichneter Dynamik und ansprechender Pegelfestigkeit passend begleitet.

Designorientierte Bluetooth-Lautsprecher mit USB-DAC und enorm ausgewogenen akustischen Eigenschaften
ueberragend
Bluetooth/USB-Multimedia-Lautsprechersysteme bis 500 EUR
Test 25. April 2017

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 25. April 2017




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