TEST: Huawei Mate 10 Lite – 18:9 Display und Dual Camera in der Mittelklasse

Der kleine Bruder vom gefeierten Mate 10 sorgt mit 18:9 Display und Dual Kamera für ein Ausrufezeichen in der Mittelklasse. Huawei marschiert somit weiter voran, wenn es um das große Ziel „Weltmarktführer“ geht, denn die Chinesen machen sich erfolgreich in allen Preisklassen breit, setzen technische Akzente und besetzen bei vielen renommierten Bestenlisten die Spitzenplätze. Gilt das auch für das Huawei Mate 10 Lite?

Da das 18:9-Format aktuell sehr trendy ist, verpassen die Chinesen auch diesem Mittelklasse-Smartphone mit einem UVP von 399 Euro das gestreckte Format. Da sich der Touchscreen über knapp 90% der Frontseite zieht und es keine nennenswerten Seitenränder gibt, hält sich die Größe trotz des üppigen 5,9-Zoll-Displays noch in Grenzen. Ebenfalls beeindruckend ist die hohe Auflösung von 2160 x 1080 Pixel – so etwas findet man in dieser Preisklasse selten.

Seitenansicht

Der XXL-Touchscreen gibt dem Huawei Mate 10 Lite auch den optischen Stempel, denn der das Huawei-Smartphone präsentiert sich aufgeräumt und elegant, was auch an der geringen Bautiefe liegt. Einziger kleiner Schönheitsfehler ist der nicht ebenmäßige Abschluss des rückseitigen Objektives. Ansonsten ist aber auch die Verarbeitungsqualität lupenrein gelungen.

Die Qualität des Displays selbst ist ebenfalls absolut zufriedenstellend: Ausreichend hell und scharf, sodass die Ablesbarkeit einwandfrei ist. Zumindest, wenn man frontal draufschaut, denn der Betrachtungswinkel ist eher gering, sodass die Qualität schnell nachlässt, sobald man es schräg hält. Auch die Farbetreue und der Kontrast können nicht mit aktuellen Spitzenmodellen mithalten, diese kosten dann aber auch entsprechend mehr.

Huawei Mate 10 Lite Panorama

Außenaufnahme

Schwache Lichtverhältnisse

Aufnahme mit Blitz

Bei der Ausstattung fällt der Blick zunächst auf die Kameras, und die sind recht opulent ausgestattet. So gibt es gleich Doppelkameras mit verschiedensten Ausstattungsmerkmalen. Egal, ob Zeitraffer, Panorama, Unschärfe-Effekte, Profimodus, Nachtaufnahmen, Scanner oder auch Lichtmalerei, hier fehlt scheinbar keine Option. Beide Kameras gehen zudem jeweils mit 16-Megapixel und 2-Megapixel-Hilfslinse auf Fotojagd – da sollte doch nichts schiefgehen!

Leider doch, denn die Macher hätten mehr auf die Qualität, denn auf Ausstattung setzen sollen. Was besonders negativ auffällt, sind die verwaschenen Schleier am Bildrand, vor allem bei Kunstlicht- oder schlechten Lichtverhältnissen. Auch der Detailreichtum und die Farbechtheit können nicht überzeugen, sodass gute Aufnahmen letztendlich nur bei idealen Bedingungen mit kurzer Distanz möglich sind – bei dieser Preisklasse darf man aber mehr erwarten. Immerhin ist der Blitz recht leistungsstark und die Selfie-Kamera leistet einen besseren Job, allerdings auch ohne qualitative Maßstäbe zu setzen.

Rückseite

Besser ist es um das Thema Speicherplatz bestellt, denn neben den internen 64 GB sorgt auch ein microSD-Slot für noch mehr Flexibilität. Bleibt der Slot hingegen leer, können sogar zwei NanoSIM-Karten parallel genutzt werden. Auch bei den Datenschnittstellen ist der Funker breit aufgestellt, inklusive Bluetooth mit der Version 4.2. Schade aber, dass kein 5-Gigahertz-WLAN unterstützt wird. Gebremst wird auch beim USB-Slot, denn USB-C wird ebenfalls nicht genutzt

Eingespieltes Team: Android Nougat 7.0 und Huaweis User Interface EMUI in der Version 5.1 sorgen für geordnete Verhältnisse. Die sind sogar recht überschaubar gehalten, denn die Entwickler verzichten auf einige bekannte Standards, wie ein Pull Up Menü oder eine Startseite, die für Google-Dienste reserviert ist. Dafür kann man wie beim iPhone per Fingerwisch auf dem Screen eine Suchfunktion aktivieren und erhält eine Übersicht über die zuletzt genutzten Apps. Einen App Drawer gibt es jedoch nicht. Insgesamt ist das Bedienungskonzept somit nicht für Android-Puristen ausgelegt. Wer sich daran stört, sollte daher einen alternativen Launcher wählen.

Kleiner Star des Bedienungskonzepts ist aber vor allem der rückseitige Fingerprintscanner, denn der arbeitet erfreulich präzise und sehr flott. In dieser Preisklasse ist das noch kein Standard.

Huawei Mate 10 Lite Screenshot

Screenshot

Praktisch: Im Sperrbildschirm kann man per Fingerwisch nach oben ein hilfreiches Submenü aktivieren, der Zugriff auf viele nützliche Funktionen gewährt, wie Screenshot, Taschenlampe oder auch ein Barcode-Scanner. Ein Entsperren via Gesichts- oder Spracherkennung ist hingegen im Sperrbild nicht möglich. Das Arbeitstempo ist solide.

Huawei verlässt sich wieder auf den hauseigenen Kirin-Prozessor 659 mit acht Kernen und bis zu 2.360 MHz, der von 4 Gigabyte Arbeitsspeicher flankiert wird. Für den „normalen“ Alltag reicht diese Architektur locker aus, denn insgesamt agieren sämtliche Menüebenen flink auf Eingaben. Nur bei sehr aufwändigen 3D-Games treten gelegentliche Ruckler auf, doch angesichts dieser Preisklasse darf man da nicht meckern.

Meckern kann man auch nicht über die Akkuleistung. Der festverbaute Block ist mit 3.340 mAh sehr potent aufgestellt und überzeugt auch mit einer guten Rufbereitschaft. In mehreren Zyklen bleibt der Nutzer fünf bis sechs Tage auf Empfang, wenn er/sie sich mit Multimedia-Sessions zurückhält. Unter Dauerbelastung stehen ebenfalls sehr respektable rund 12 Stunden auf der Haben-Seite, was ein klar überdurchschnittlicher Wert ist.

In breiten Durchschnitt-Dickicht siedelt sich hingegen die Sprachqualität an. In der Regel sind die Sprachleitungen beidseitig zwar stabil und ausreichend laut aufgestellt, doch von einer gehobenen Natürlichkeit kann nicht immer gesprochen werden. Der Mono-Lautsprecher klingt angenehm luftig und ist in den Höhen/Mitten gut ausbalanciert – allerdings nur, wenn man nicht laut aufdreht und das Klangbild nicht zu komplex ist.

Huawei Mate 10 Lite

Huawei gelang es ohne Zweifel für den Preis von ca. 400 Euro ein gutes Paket zu schnüren. Vor allem das gute 18:9 Display dürfte dafür sorgen, dass potentielle Käufer in dieser Preiskategorie einen Blick darauf werfen werden. Auch die solide und gute Technik sowie die überzeugende Performance sind klare Kaufargumente. Es gibt aber eine Sache, die abschrecken dürfte, denn die Kameraqualität wirkt trotz XXL-Ausstattung qualitativ nicht mehr ganz zeitgemäß. In Zeiten, wo Smartphones die weltweit dominierende Führungsrolle bei Schnappschüssen eingenommen haben, schaut der Käufer in diesem Punkt besonders kritisch. Huawei hat die Prioritäten aber anders gesetzt, ob das Gesamtpaket dennoch stimmig ist, entscheidet somit allein der Käufer.

Mittelklasse-Smartphone mit XXL-Display und gutem Akku
sehrgut
03.02.2018

+ Großes 18:9 Display
+ Gute Rufbereitschaft
+ Gute Performance

– Kein USB Typ C
– Mäßige Dual-Kamera
– Kein 5-GHz-WLAN

Test: Ulf Schneider
Datum: 03.02.2018




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