TEST: HTC U12 life - 6" Display und starker Akku in der Mittelklasse

Mit dem HTC U12 life, das zu Marktpreisen um 310 Euro erhältlich ist, präsentiert der taiwanische Konzern ein neues Mittelklasse-Smartphone im XXL-Format und hofft damit Samsung, Huawei und anderen preisaggressiven chinesischen Herstellern einige Kunden abspenstig zu machen. Es gab Zeiten, da war HTC hochangesehen, denn sie waren die Vorreiter der Unibody-Smartphones und feierten mit der One-Serie zurecht ein fulminantes Comeback. Diese Modellreihe wurde aber aus unerfindlichen Gründen nicht mehr weitergeführt. Mittlerweile haben die Taiwaner einen schweren Stand auf dem Markt, denn die oben genannte Konkurrenz setzt die Fernöstler mächtig unter Druck.

Rückseite

Die Vorderseite ist optisch nicht sehr auffällig, zumal der neue HTC-Vertreter kein Fullfront-Display bietet. Ober- und unterhalb des Display gibt es größere Aussparungen und auch keinen seitlichen Abschluss am Rand – das hat wohl preisliche Gründe. Dass die Macher von einem „zweifach veredeltes Design“ sprechen, wird erst klar, wenn man die Rückseite betrachtet. Die sogenannte „Liquid Surface“-Oberfläche aus Acrylglas bietet nämlich einen sehenswerten Metallic-Look in den Farbvarianten „Moonlight Blue“ und „Twilight Purple“. Was aber vor allem gefällt ist der geriffelte Teil der Rückseite, denn der sorgt dafür, dass das Smartphone sicher in der Hand liegt und nicht auf glatten Flächen rutscht. Richtig hochwertig sieht das zwar nicht aus, doch rein funktionell eine gelungene Design-Finesse, zumal so weniger Fingerabdrücke entstehen. Die Verarbeitungsqualität ist insgesamt ebenfalls solide.

Die Eckdaten des Touchscreens können sich sehen lassen: 6-Zoll im 18:9-Format und eine Auflösung von 1.080 x 2.160 Pixel (403 ppi). Das sind zwar keine Spitzenwerte, doch der Preisklasse auf alle Fälle angemessen. Während die Schärfe und Lesbarkeit auf einem hohem Niveau liegen, hapert es bei der maximalen Helligkeit und der Farbabbildung. Das liegt wohl auch an der günstigeren LCD-Technologie. Dennoch ist das Display im Vergleich zu den Vorgängermodellen eine merkliche Steigerung. Schade aber, dass das HTC U12 life keinen zertifizierten Staub- und Wasserschutz bietet.

Außenaufnahme bei mäßigen Lichtbedingungen

Kelleraufnahme mit Blitz

Panorama

Wenn es um das Thema Kamera geht ist insbesondere die hohe Lichtempfindlichkeit positiv zu bewerten, denn die 16-Megapixel-Dual-Kamera leuchtet im Zusammenspiel mit dem LED-Blitz auch dunkle Räume gut aus. Die Kehrseite der Medaille: Nicht nur wenn Schwachlicht auftritt, treten schnell Unschärfen und Bildrauschen auf. Das ist zwar oftmals nicht gravierend, doch in dieser Preisklasse gibt es viel bessere Knipser. Einfach gelöst wurde dafür der Bokeh-Effekt, da die Option schnell anwählbar ist und Einblendungen zeigen, ob das Motiv richtig fokussiert ist.

Ansonsten ist die Ausstattung aber eher schmal: Auto/Landschaft/Sport/Nachtaufnahme-Optionen sowie ein Panorama-Modus sind die einzigen Auswahlmöglichkeiten für den Fotografen. Ein optischer Zoom oder Weitwinkel fehlen komplett. Im Camcorder-Modus fehlen darüber hinaus die Zeitlupe und -raffer Funktionen, wobei der Kameramann dafür aber im 4K-Modus und 60fps ordentliche Videos archivieren kann.

Der Funker verfügt zudem über eine 13-MP-Frontkamera, deren Ausstattung durch einen eigenen Blitz aufgewertet wird. Bokeh-Effekte sind zwar nicht möglich, doch dafür sorgt der zuschaltbarer Feinzeichner-Modus für geschönte Gesichter ohne das es übertrieben wirkt.

Seitliche Ansicht

Im Bereich Speicherangebot kann das HTC U12 life mit den internen 64 GB plus microSD-Karte durchaus überzeugen. Wenn man die Speicherkarte weglässt, ist sogar ein Dual-SIM-Betrieb möglich.

Erfreulich flott ist der Taiwaner bei den Datenschnittstellen aufgestellt, denn er unterstützt sowohl WLAN-ac als auch Bluetooth 5. Die LTE-Geschwindigkeit mit bis zu 600 MBit/s sind ebenfalls gut. Ebenfalls erfreulich:  Eine Kopfhörerbuchse für 3,5mm-Klinkenstecker ist im HTC U12 life integriert.

Screenshot (Android 8.1 Oreo)

Beim Bedienkonzept hakt es unnötigerweise an einigen Stellen. Der übersensible Touchscreen sorgte dafür, dass sich während der Testphase immer wieder Programme öffneten oder der Nutzer einen ungewollten Anruf tätigte. Das stört vor allem beim Telefonieren, zumal danach das Display mit Einblendungen überzogen wird. Man hat somit mitunter Schwierigkeiten einen Anruf endgültig zu beenden.

Es ist zudem verwunderlich, dass dem Nutzer zwar die Kamera-App im Start-Bildschirm angeboten wird, doch um sie zu nutzen muss man das Smartphone dennoch entsperren – das ergibt keinen richtigen Sinn. Apropos: Man kann das Smartphone recht schnell und zuverlässig mit dem rückseitigen Fingerprintscanner entsperren, eine Gesichtserkennung gibt es aber nicht.

Suchfunktion

Als Betriebssystem fungiert die Android-Version 8.1 Oreo Version, wobei ein Update auf Android 9 Pie seitens HTC noch nicht angekündigt wurde. Das User Interface folgt recht schnörkellos den üblichen Android-Pfaden. Auffällig ist aber die zweifach unterteilte linke Startseite in „Highlights“ und einer Unterseite mit Suchfunktion und einer Übersicht mit zuletzt genutzten Apps. Das Arbeitstempo ist insgesamt absolut in Ordnung, aber keineswegs bemerkenswert gut.

Der Preisklasse entsprechend wird kein Hochleistungsprozessor verbau. Der Qualcomm Snapdragon 636-Prozessor ist aber ein bewährte Lastesel ist und 4 GB Arbeitsspeicher entsprechen der Preisklasse. Das Arbeitstempo reicht auf alle Fälle für die tägliche Routine aus, ist aber nicht so flott, wie man es von Referenzmodellen gewohnt ist.

Rückseite im Detail

Einen bärenstarken Auftritt hat dafür aber der fest verbaute Akkublock, denn sechs volle Tage Rufbereitschaft sind absolut bemerkenswert. Für Vielnutzer hat dieser Taiwaner somit ein echtes Kaufargument, zumal dank USB-C die Ladezeit bei unter 2,5 Stunden liegt und der Nonstop-Betrieb bei ebenfalls sehr guten elf Stunden liegt – eine rundum starke Vorstellung also!

Im Bereich Sound ist die Performance hingegen eher bieder. Ein Mono-Speaker unterhalb des Displays sorgt für eine durchschnittliche Klangkulisse, denn das Spektrum ist recht dünn und der Sound mitunter metallisch. Immerhin passt dafür die Lautstärke. Telefonieren mit dem HTC U12 life ist zudem eine unauffällige Sache. Zwar funktioniert die Verständigung beidseitig solide, doch vom Ideal des Festnetzniveaus ist das Gerät weit entfernt.

Fazit

HTC U12 life

Leider ist HTC mit diesem life-Modell nicht der große Wurf gelungen, denn groß ist bei diesem Taiwaner nur das Display. Es hapert vor allen Dingen bei der Handhabung und auch bei der Kameraqualität - besonders in dieser Preisklasse nicht irrelevant. So hat das Modell einen schwerren Stand gegenüber der chinesischen Konkurrenz, die hier sogar mit noch günstigeren Modellen punkten können. Uneingeschränkt positiv zu bewerten ist die sehr gute Rufbereitschaft und Akkuleistung insgesamt.

Schwächen in der Handhabung verwehren dem HTC U12 life mit starkem Akku und großem Display ein besseres Urteil

27.12.2018

+ Gute Rufbereitschaft
+ Großes Display
+ Gute Haptik

Contra
- Keine IP68 Zertifizierungen
- Keine optimale Handhabung
- Durchschnittliche Kameraqualität

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 27.12.2018

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