TEST: HTC U11 Life - Kamera-Referenz in der Mittelklasse?

Neuzugang in der Mittelklasse! Im Gepäck ein Fingerprintscanner, schickes Gehäuse sowie eine Spitzenkamera. Und letzteres ist mittlerweile beinahe die Königsdisziplin in allen Preisbereichen, um Pluspunkte beim Käufer zu sammeln und bestenfalls ein Alleinstellungsmerkmal in der jeweiligen Preisklasse zu schaffen. Der Taiwaner von HTC muss dabei seine fotografischen Qualitäten für rund 350 Euro unter Beweis stellen.

Für diesen Preis sollte unserer Meinung nach ein Aluminium-Body eigentlich Pflicht sein – gerade bei HTC. Das ist aber beim U11 Life leider nicht der Fall. Stattdessen kommt nur Polyacryl zum Einsatz, das optisch aber einen recht soliden Eindruck macht. Großer Vorteil dadurch: Das Smartphone ist verhältnismäßig leicht. Allerdings ist gerade die Rückseite ein gieriger Magnet für Gebrauchsspuren und Schmierfinger – nicht optimal. Dabei haben die Designer bei der metallicblau polierten hinteren Oberfläche eigentlich einen guten Geschmack bewiesen.

Rückseite

Bei der Verarbeitungsqualität zeigt der Hersteller aber wieder Professionalität, denn die Abschlüsse im Rand sind sauber und weisen keine nennenswerte Spaltmaße auf.  Das HTC U11 Life hat sogar ein IP67-Zertifikat, sodass das Smartphone selbst vor Süßwasser-Schäden geschützt ist – Staub und ein kurzes Tauchbad im allgemeinen ohnehin. Die Geräterahmen sind darüber hinaus sogar drucksensitiv, doch dazu später mehr.

Das Display nutzt die Frontfläche „nur“ zu rund 90% aus, was auch daran liegt, dass der Hersteller den Fingerprintscanner unterhalb des Touchscreens platziert haben - Full-Front-Displays bleiben somit auch weiterhin den preisintensiveren Modellen vorbehalten. Beim Touchscreen handelt es sich um ein 5,2 Zoll großes LC-Display mit Full-HD-Auflösung. Unter dem Strich somit gehobener Standard, aber nichts Spektakuläres. Die Maximalhelligkeit von 517 cd/m ist aber auf alle Fälle zufriedenstellend. Das Prädikat „Gut“ gebührt auch der Ablesbarkeit und Farbwiedergabe, wobei aber keine nennenswerten Höchstleistungen gezeigt werden, denn HTC hat den Schwerpunkt woanders gelegt.

HTC U11 Life Foto

Aufgenommen mit dem HTC U11 Life bei schwachem Licht

Blitzaufnahme

Der liegt nämlich bei der Kamera. Mit 16-Megapixel und gehobener Ausstattung hinterlassen bereits die Eckdaten einen guten Eindruck, besondere Raffinessen gibt es aber nicht. Mit Standardeinstellungen wie Panorama, Profi-Modus, Zeitraffer- & -lupe ist der Hauptknipser aber gut aufgestellt. Was besonders positiv auffällt ist die Stärke bei geringem Lichteinfall. Auch bei weiten Motiven gibt es kein problematisches Bildrauschen. Die Farben sind zudem stets natürlich und der Blitz ist nicht nur recht leistungsstark, er arbeitet auch intelligent, sodass Motive nicht überbelichtet sind. Kleiner Kritikpunkt: Bilder könnten insgesamt noch heller und strahlender und mit höherer Farbsättigung ausfallen, was auch am Einsatz eines leichten Weichzeichners liegen könnte. Auch die Front-Kamera arbeitet mit 16-Megapixel und fängt Selfies selbst bei schwachem Licht noch scharf ein. Angesichts der Preisklasse ein insgesamt äußerst zufriedenstellendes Ergebnis. Schade nur, dass es aus Preisgründen keinen Bildstabilisator gibt, sodass Schnappschüsse stets eine ruhige Hand erfordern.

Seitenansicht

Dafür wurde aber an anderer Stelle gespart, denn das Smartphone gibt Musik nur via Bluetooth oder USB-C aus. Auf eine Klinkenbuchse verzichtet man nach Apple-Vorbild komplett. Dafür gehört aber ein hochwertiges Headset zum Lieferumfang dazu, das ein paar nette Features unterstützt. So ist eine Klangoptimierung möglich, indem der Gehörgang per Ultraschall vermessen wird.

Bei den Datenschnittstellen ist das HTC-Modell dafür wieder top gerüstet: Bluetooth 5.0, schnelles W-LAN-ac sowie LTE-Datenraten mit bis zu 600 Mbit pro Sekunde lassen keine Wünsche offen. Nur die Typ-C-Buchse lahmt, da lediglich der USB-2.0-Standard unterstützt wird.

Es gibt übrigens zwei Version des U11 Life: Eine Version mit 32 und 3 GB Arbeitsspeicher sowie eine Luxus-Version mit 64 GB und 4 GB Arbeitsspeicher. Da der Aufpreis gerade einmal 30 Euro beträgt, ist letztere Variante in Blau (Sapphire Blue) oder Dunkelgrau (Brillant Black) zu empfehlen.

Der Taiwaner weist eine interessante Innovation auf: Die Geräterahmen sind drucksensitiv, sodass man per Fingerdruck Befehle auslösen kann. HTC tauft dieses Feature „Edge Sense“. Dieser Handhabungskniff erfordert ein wenig Übung, da Edge Sense zwischen kurzen und einem langen Druck und der Anzahl unterscheidet. Man darf sogar die Befehle selbst wählen, wie beispielsweise die Kamera oder Taschenlampe aktivieren. In der Praxis funktioniert Edge Sense mit etwas Übung durchaus gut, wobei man über den Nutzwert aber diskutieren kann, da es auch kurze Wege über den Standby-Bildschirm gibt. Apropos: Das Beenden des Standby-Modus kann man schnell mit dem Fingerprintscanner auf der Frontseite durchführen, was im Praxistest fast immer reibungslos und schnell funktionierte. Via „Okay Google“ lässt sich der Schlafmodus übrigens auch schnell beenden.

Screenshot

Ab Werk präsentiert sich das HTC U11 Life up to date, denn das aktuelle Android 8 ist bereits installiert. Als Bonbon gibt es obendrein zwei Jahre lang Haupt- und drei Jahre lang Sicherheits-Updates garantiert, was in dieser Preisklasse nicht gerade obligatorisch ist.

Die Ausstattung der Menüoberfläche entspricht dem gehobenen Standard: Pull-Down-Menü, App-Drawer per Pull-Up-Menü sowie eine feste linke Google-Startseite. HTCs User Interface Sense hat somit zeitgemäß mit den aktuellen Anforderungen Schritt gehalten. Was aber besonders wichtig ist: Das Arbeitstempo ist durchgehend flott.

Nicht nur der Preis, sondern auch der Prozessor ist Mittelklasse. Der Qualcomm Snapdragon 630 ist ein alter Bekannter und ein solider Motor für den Alltag. Allerdings zeigt man ihm seine Grenzen auf, sobald die Games anspruchsvoller und das Multitasking komplexer wird. Dann kann es mitunter schon mal ruckeln. Im direkten Vergleich zum großen Bruder U11 ist daher schon ein Klassenunterschied festzustellen – der kostet aber auch entsprechend mehr.

Keinen nachhaltigen Eindruck hinterlässt auch der festverbaute 2.600-Milliamperestunden-Akkublock. Bei moderater Nutzungsintensität liegt die Rufbereitschaft im Schnitt bei drei Tagen – eher unterdurchschnittlich also. Das gleiche lässt sich auch über den Nonstop-Test sagen, denn bereits nach rund acht Stunden streicht das Smartphone hier die Segel. Was negativ auffällt: Trotz USB-C-Unterstützung muss man fast drei Stunden warten, bis wieder 100% auf dem Display steht – das ist eindeutig zu lange für eine komplette Ladezeit.

Bleiben wir im Dickicht der Durchschnittswerte: Telefonieren tut zwar nicht weh, doch insgesamt könnte die Sprachwiedergabe lauter und präsenter sein.

Die Tonausgabe erfolgt durch einen Mono-Lautsprecher unterhalb des Displays in überraschend solider Qualität. Man kann sogar von einer klaren Staffelung und einem dezenten Bassfundament sprechen. Verzerrungen treten zudem kaum auf, was aber auch daran liegt, dass die maximale Lautstärke sehr eingeschränkt ist.

Fazit

HTC U11 Life

Mittelklasse-Smartphones sind ungemein spannend, da die Hersteller hier stets gesunde Kompromisse eingehen müssen. Beim U11 Life haben sich die Entwickler entschieden am Gehäusematerial zu sparen und dafür die Kameraqualität zu optimieren – eine gute Entscheidung! Die Fotoqualität ist für rund 350 Euro Investition sehr gut und vielseitig aufgestellt. Zwar verschmiert das Gehäuse schnell, doch dafür verzeiht es sogar einen kleinen Tauchgang. In Kombination mit guter Ausstattung und garantierten Software-Update ist das U11 Life durchaus eine solide Alternative in der Mittelklasse.

Preislich faires Mittelklasse-Smartphone mit sehr guter Kamera
sehrgut

+ Starke Kamera
+ Wasserdichtes Gehäuse
+ Gutes Bedienungskonzept

- Kein Metallgehäuse
- Mäßige Akkuleistung
- Keine Klinken-Buchse

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 09.02.2018

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