TEST: HTC U Ultra – Gelungenes Comeback?

Alles neu? Die U-Serie löst die einst erfolgreiche One-Modellreihe ab und bietet in vielen Bereichen Neuheiten – inklusive luxuriösem Zweitdisplay. Die Taiwaner hatten in den letzten Jahren keine leichte Zeit und konnten froh sein, dass das One eine HTC-Übernahme verhinderte. Doch das weltweite gefeierte Premium-Modelle zündete zuletzt nicht mehr, sodass die Chefetage wieder eine Art Neuanfang wagt – und der fängt bereits beim Designkonzept an.

Denn statt einem Aluminium-Unibody besteht das HTC U Ultra aus mehrschichtigem Glas, das unter hohem Druck und großer Hitze so gebogen wird, dass der Glasrücken zu den Rändern hin stark abfällt und nahtlos in den Metallrahmen übergeht. Doch das ist nicht der einzige Clou: Da das Glas aus hauchdünnen Schichten besteht und aufgedampfte Mineralien beinhaltet, entstehen je nach Modellfarbe und Lichteinfall (Schwarz, Blau oder Weiß) markante Lichtreflexionen. Das sieht nicht nur besonders edel aus, diese Produktionsart sorgt auch für eine besonders starke Robustheit und ist kratzresistent. Eine IP-Zertifizierung hat das Gerät aber nicht. Zudem ist es etwas anfällig gegenüber Fingerabdrücken und es spiegelt recht stark.

Seitliche Ansicht

Der nächste Eyecatcher ist der gigantische 5,7-Zoll-Touchscreen, der oberhalb mit einem großem Zweitdisplay veredelt ist – doch dazu später mehr. Das Hauptdisplay ist qualitativ bemerkenswert: Die 2560 x 1440 Pixel Auflösung und eine Leuchtkraft von 400 Candela sorgen für einen galareifen Auftritt, der auch in der Disziplin Farbsättigung voll überzeugen kann – dieser Touchscreen spielt ganz klar in der Referenzliga.

Alles super also? Nicht ganz, denn die Kameralinse ragt beträchtlich weit aus dem Gehäuse, was allerdngs auch seine Gründe hat. HTC hat sich bei der Kamera nämlich mächtig reingekniet, um Nutzer möglichst optimale Einsatzmöglichkeiten zur bieten. Die Hauptkamera bietet einen 12-Megapixel-Sensor, einen optischen Bildstabilisator, eine lichtstarke f1.8-Blende sowie zahlreiche Software-Extras, wie Zeitlupe, Profi-Modus (nimmt parallel 3 Sekunden Videos auf) oder ein Kosmetik-Modus, um Porträts in geschönter Qualität zu knipsen.

HTC U Ultra Foto 2

Exzellente Aufnahmen

HTC U Ultra Foto 1

Auch bei schwachem Licht

Und der Aufwand hat sich gelohnt: Gerade bei Nachaufnahmen punktet die Smartphone-Kamera selbst bei größeren Entfernungen durch eine gute Bildschärfe und überzeugenden Rauschverhalten. Bei Tagesaufnahmen sehen die Farben zwar ein wenig matt aus, doch insgesamt erzielt man auch hier Fotoalbum-reife Schnappschüsse.

Die Selfie-Kamera bietet sogar 16-Megapixel und kann ebenfalls dank „Photoshop-Modus“ durchaus überzeugen.

Weiterer Pluspunkt: Der interne Speicher ist mit 64 GB gehoben ausgelegt und lässt sich via microSD-Karte erweitern.

Das HTC U Ultra unterstützt auch das schnelle USB-C. Der Haken: Da es keine Klinkenbuchse gibt, muss man auf das beiliegende Headsets zurückgreifen, denn es liegt auch kein entsprechender Adapter bei. Hier ist man an die Peripherie von HTC gebunden (ca. 18 Euro), was nicht die feine englische Art ist, wenn man für ein Smartphone bereits so tief in die Tasche greifen muss. Ansonsten ist die Ausstattung aber sehr gut.

Im besonderen Fokus des Bedienungskonzepts steht das waagerechte Zweitdisplay. Per Fingerwisch hat der Nutzer hier Zugriff auf gleich mehrere Menüebenen. So lassen sich wichtige Kontakte und Apps festlegen, der Musikplayer oder das Wetter anzeigen sowie tägliche Termine auflisten. Das ist zwar nicht neu, doch so luxuriös wurde kaum ein zweites Display im Display umgesetzt – einfach praktisch.

HTC U Ultra Screenshot

Android 7

Logo, dass das HTC Ultra mit Android 7 ausgeliefert wird. Zusammen mit dem HTC User Interface Sense können Anwender ihr Gerät nach Herzenslust personalisieren. Schön: Es steht ein Hauptmenü als Sammelbecken für alle Apps und Optionen zur Verfügung. Der linke Startbildschirm ist zudem für BlinkFeed reserviert, sodass man sich eine eigene digitale Zeitschrift zusammenstellen kann.

Der große Homebutton ist gleichzeitig ein Fingerprintscanner, der im Praxistest schnell und recht zuverlässig arbeitete. Clever: Wer lange auf das Sensorfeld drück, aktiviert ein Google-Menü mit Zugriff auf wichtige Apps, wie Wecker oder Routenplanung.

Bereits der Blick ins Datenblatt verdeutlich höchste Performance. Der Qualcomm Snapdragon 821 sorgt im Zusammenspiel mit 4 GB RAM für mächtig Tamtam unter der Haube, sodass Nutzer sich keinerlei Gedanken über irgendwelche Einschränkungen machen müssen – ein klares Top-10-Smartphone!

HTC U Ultra Rückseite

Rückseite

Das lässt sich leider nicht über die Akkuleistung sagen. Während beim Dauerstresstest über zehn Stunden zu Buche stehen, gehen dem Edelfunker bei moderater Nutzungsintensität bereits nach rund drei Tagen Rufbereitschaft die Akkupuste aus. Sicherlich kein Beinbruch, doch die Konkurrenz schlägt sich da mittlerweile besser.

Telefonieren macht hingegen wieder richtig Laune, denn in beide Senderichtungen werden Stimmen sauber von Nebengeräusche getrennt übermittelt. Auch der Freisprecher leistet einen guten Job, wobei Stimmen aber ab einer gewissen Lautstärke ein wenig metallisch klingen. Es ist zudem enttäuschend, dass es keinen Stereo-Lautsprecher auf der Frontseite gibt. Stattdessen wurde ein eher funktioneller Mono-Lautsprecher in den unteren Rahmen gesteckt. Die Qualität geht in Ordnung, hat aber keinen Glanz mehr wie bei der One-Serie – schade.  Dafür ist aber die Empfangsqualität besser, was wohl am Verzicht des Aluminiumgehäuses liegt.

Fazit

Das U Ultra bietet viel, was ein Premium-Smartphone auszeichnet: Lupenreine Performance, großes Display mit hoher Qualität und eine überaus solide Ausstattung. Gerade die Besonderheiten machen den Taiwaner so stark, und das ist noch nicht einmal das große Zweidisplay, sondern vor allem die hervorragende Kameraqualität. Die liefert auch bei Schwachlichtverhältnisse so gute Ergebnisse, dass sich selbst eine Einsteigerkamera anstrengen muss – Kompliment. Es gibt aber auch Schattenseiten, denn die Rufbereitschaft von zwei bis drei Tagen ist zu mager und der Verzicht auf Stereo-Lautsprecher ein unnötiger Rückschritt. Dennoch stellt das U Ultra ein gelungenes Comeback von HTC dar und dürfte vor allem für Multimedia-Fans zur ersten Wahl gehören. Darauf kann man aufbauen.

Schickes Comeback mit exzellenten Kamera-Qualitäten und ansprechendem Zweit-Display
ausgezeichnet
23.06.2017

+ Grandiose Kamera
+ XXL-Touchscreen mit Zweitdisplay
+ Rundum-Ausstattung

– Etwas unhandlich
– Mäßige Rufbereitschaft
– Keine Klinkenbuchse

Test: Ulf Schneider
Datum: 23.06.2017




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