TEST: HTC One mini 2 – Flaggschiff im mini-Format?

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Die Minimisierung geht weiter. Auch das Flaggschiff der Taiwaner wurde einer dezenten Schrumpfkur unterzogen. Der Praxistest offenbart, ob dadurch auch die Qualitäten kleiner geworden sind.

Die Taiwaner haben gerade die finanzielle Talsohle mit dem Erfolgsmodell One durchschritten, da droht wieder eine neue Gefahr: Die chinesischen Unternehmen á la Huawei oder Lenovo. Hinzukommt, dass HTC seit Anfang 2014 sechs bis acht Dollar an Lizenzgebühren für jedes verkaufte Android-Gerät an Apple hinblättern muss. Das Unternehmen muss also weiterhin kämpfen.

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Schickes Unibody-Gehäuse aus gebürstetem Aluminium

Die gute Nachricht vorweg: Das Look & Feel des größeren Topmodells bliebt 1:1 erhalten: Ein schickes Unibody-Gehäuse aus gebürstetem Aluminium, die elegant gewölbte Rückseite sowie die beiden üppigen BoomSound-Lautsprecher auf der Frontseite – never a change a winning team! Der einzige auffallende Unterschied gegenüber dem One M8:  Mit Abmessungen von 137 x 65 x 11 Millimetern und einem Gewicht von 137 Gramm ist es deutlich kleiner und leichter – was ja auch irgendwie der Sinn einer Kompakt-Version ist.

Die Verarbeitungsqualität ist erwartungsgemäß top: Das HTC One mini 2 mutet im wahrsten Sinne des Wortes wie aus einem Guss an, fühlt sich sehr robust an und auch das Display reagiert nicht sensibel, wenn man es mit einem stärkeren Druck auf das Glass konfrontiert. Den IP-Standard 68 erfüllt das der Taiwaner allerdings nicht – also bitte vorsichtig sein beim Strandeinsatz!

Logischerweise ist beim mini 2 auch das Display kleiner geraten, 4,5 Zoll um genau zu sein. Mit 720 x 1280 und einer Pixeldichte von 327 ppi ist der Touchscreen aber technisch gut aufgestellt. Die Displayqualität zeichnet sich durch ein klares Bild, gute Lesbarkeit und ordentliche Helligkeit aus. Bei der Farbdarstellung wünscht man sich allerdings mehr Wumms, wenn man es mit einem Smartphone vom Schlage Samsung Galaxys S5 vergleicht.

Abschließend sei aber noch erwähnt, dass der Taiwaner nur NanoSIM-Karten schluckt und der Akku (wie immer bei HTC) fest verbaut ist.

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Solide ausgestatette Kompaktversion

Den größten Unterschied gegenüber dem One M8 gibt es erwartungsgemäß bei der Kamera. Statt der vielseitigen Ultrapixel-Cam mit 4 Megapixel wurde eine herkömmliche Kamera verbaut – allerdings mit stattlichen 13-Megapixel. Zwar fehlt nun das Kamera-Tandem mit denen Fotos nicht nur bezüglich des Motives, sondern auch bezüglich der Tiefe eingefangen werden, dafür arbeitet der Knipser aber flott und mit einer guten Allrounder-Qualität in vielen Situationen, da die Lichtempfindlich ordentlich und die Schärfe und Farbwiedergabe deutlich überdurchschnittlich ist. Nur bei größeren Distanzen und Kneipenlicht werden auch dieser Kamera schnell die Grenzen aufgewiesen.

Bei der Frontkamera stehen erneut 5 Megapixel für Selfies zur Verfügung. Und nicht nur das: Dank Auslösetimer und Weitwinkelaufnahme sind sogar !Groufies“ („Gruppenselfies“) möglich. Für Fans durchaus ein Kaufargument. Der Camcorder ermöglicht erwartungsgemäß Videos in FullHD und überzeugt durch eine angenehm leichte Handhabung und insgesamt gute Qualität.

Beim internen Speicherplatz wurde hingegen der Rotstift angesetzt, denn beim vorliegenden Testgerät stehen gerade einmal 8,6 GB zur freien Verfügung – der Einsatz einer microSD-Karte (bis zu 128 GB) ist somit nicht weit entfernt. Immerhin bietet der Hersteller zum Ausgleich 50 GB kostenlosen Google Drive Cloud-Speicher für einen Zeitraum von zwei Jahren an.

Erwähnenswert beim Komfortprogramm ist außerdem LTE der Kategorie 4 sowie „USB-On-The-Go“, womit  man mittels eines Adapters Daten vom USB-Stick auf das Smartphone übertragen kann. Schön zudem: HTC hat ein klassisches UKW-Radio integriert und als Antenne fungiert ein drahtgebundener Kopfhörer.

HTC One mini 2 Startmenü

Benutzeroberfläche

Das HTC One mini 2 offenbart leider Startprobleme, denn lediglich ein kleiner An/Aus-Schalter an der Gerätespitze weckt das Smartphone aus dem Tiefschlaf. Umständliches Umgreifen und Suchen ist somit keine Seltenheit. Schade, denn eigentlich hatten die Taiwaner beim One M8 doch schon dazu gelernt, indem sie mit der Gestensteuerung Motion-Launch eine Möglichkeit geschaffen haben, das Display auch durch zweifaches Tippen ein- und auszuschalten – ärgerlich… Auch der Activity Tracker mit Fitbit-Support wurde gestrichen, während BlinkFeed weiterhin personalisierte Nachrichten illustriert anzeigt.

Bei der Software gibt sich das Kompakt-Smartphone hingegen keine Blöße und stattet es mit dem aktuellsten Android (Version 4.4.2) und seiner neuesten Sense-Oberfläche (Version 6.0) aus. Und dass diese Tandem historisch sauber zusammengewachsen ist, merkt man schnell: bewährte Struktur, viele Personalisierungsmöglichkeiten und sinnvolle Short Cuts. Dazu gehört auch ein cleverer Lock-Off-Modus, mit dem man direkt zu den wichtigsten Funktionen gelangt.

Neu sind neben Apps und Widgets die „Verknüpfungen“ als Personalisierungsmöglichkeit. Dadurch lassen sich beispielsweise Kontakte, SMS-Ordner oder Lesezeichen direkt einem Icon auf dem Startbildschirm zuordnen – praktisch!

HTC One mini 2 Foto

Snapshot mit dem HTC One mini 2

Bei der Prozessorleistung gehört der Kleine ganz klar zu den Großen. Der Snapdragon 400 arbeitet im Gegensatz zum Vorgänger mit vier A7-CPU-Kernen und taktet mit 1,2 GHz. Im Zusammenspiel mit 1 GByte Arbeitsspeicher und einem gutem Softwaremanagement ist das One Mini 2 ein pflichtbewusster Arbeiter, der nur gelegentlich im Kameramodus und bei besonders anspruchsvollen 3D-Games leicht ins Schwitzen gerät. Für ein Smartphone der Kompakt-Klasse ist der Performance-Auftritt auf alle Fälle rundum gelungen.

Auch beim Stehvermögen spielt das HTC One mini 2 in der vordersten Liga mit. Der optimierte 2.100-mAh-Akku gibt selbst bei einer höheren Nutzungsintensität nicht so schnell klein bei und überzeugt mit einer Rufbereitschaft von mindestens fünf vollen Tagen. Der Nonstop-Belastungstest brachte zudem gute sieben Stunden aufs Papier, sodass das One Mini 2 deutlich mehr Akkusaft hat, als das direkte Vorgängermodell.

Glücklicherweise hat das HTC One mini 2 die beiden BoomSound-Lautsprecher auf der Frontseite vom One M8 geerbt. Die sind zwar etwas kleiner und somit nicht so dezibelstark, dennoch kann das Smartphone mit dem kräftigen Klangbild locker die meisten Konkurrenzmodelle in dieser Kategorie hinter sich lassen – auch über einen Kopfhörer. Als Freisprecher macht das One Mini 2 ebenfalls einen guten Job, sodass man auch während einer lauten Autofahrt freihändig telefonieren kann.

Telefonate mit dem Fernöstler sind ebenfalls ein angenehmes Vergnügen, da die Verbindungen in der Regel frei von Nebengeräuschen sind, die Stimmen klare Konturen aufweisen und in beiden Senderichtungen ausreichend laut sind.

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Die Riege der Kompakt(eren)-Smartphones ist mittlerweile ein eigener Sektor geworden und die jüngsten Testberichte zeigen, wie hochwertig diese Geräteklasse mittlerweile geworden ist. Im Gegensatz zu früheren Modellen halten sich die qualitativen Unterschiede gegenüber den jeweiligen Topmodellen nämlich in Grenzen – so auch beim HTC One mini 2. Alleinstellungsmerkale wie das edle Designkonzept und Frontlautsprecher wurden 1:1übernommen. Hinzukommt eine 1A-Performance, runde Ausstattung sowie einwandfreie Messwerte. Sicherlich wurde beim der Ausstattung etwas gespart, doch den Rotstift spürt man Alltag nicht wirklich. Wer insbesondere auf die Klangqualitäten bei einem Kompakt-Smartphone wert legt, sollte hier zuschlagen. Ansonsten gibt mit dem Sony Xperia Z2 compact oder Samsung Galaxy S5 mini prominente und ebenfalls äußerst hochwertige Konkurrenz.

Der Musikus unter Kompakt-Smartphones
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22.10.2014

+ Kompakt & edel
+ Top-Sound
+ Einwandfreie Performance

– Fest verbauter Akku
– Kleiner AN/Aus-Schalter

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 22.10.2014




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