TEST: Bluetooth-Lautsprecher Jarre Technologies Aeroskull Nano – Top-Leistung im Kleinformat?

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Darf es etwas extravaganter sein? Wenn diese Frage in Bezug auf einen Bluetooth-Lautsprecher mit einem klaren „ja“ beantwortet werden kann, ist die Zeit für den ultrakompakten Jahre Technologies Aeroskull Nano reif. Ab rund 80 EUR Marktpreis kann man den BT-Speaker im Totenkopf-Style,  in silberner, goldener, roter oder mattschwarzer Ausführung, erwerben. Die UVP liegt bei 89 EUR. Befestigt am Aeroskull ist praktischerweise ein kleiner Karabinerhaken, so kann man den kleinen aktiven Bluetooth-Lautsprecher gleich z.B. am Gürtel oder an einem Lanyard befestigen. Der Aeroskull Nano ist sehr gut verarbeitet und bringt zusätzlich zur digitalen Bluetooth-Klangübertragung noch einen analogen 3,5 mm Miniklinken-Anschluss mit.

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Lautsprecher hinter den Gläsern der Sonnenbrille

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Basstreiber auf der Rückseite

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Karabinerhaken

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Unterseite

Klar dürfte sein, dass aufgrund der Miniatur-Größe des Speakers keine rekordverdächtigen Laufzeiten mittels des per gängigem Micro-USB-Kabel aufladbaren Akkus zu erzielen sind. Je nach Pegel verspricht der Hersteller aber gute 6 bis 8 Stunden Laufzeit, die 6 Stunden sind auf jeden Fall realistisch. 6 Watt Gesamtleistung ist niedlich, reicht aber tatsächlich in der Praxis, wie sich später zeigt. Lautsprecher befinden sich in den „Sonnenbrillengläsern“ des Sculls und auf dem Hinterkopf. Zwei 16,5 mm Füllrange-Treiber und ein 38 mm Subwoofer-Treiber stellen die Bestückung dar. Als Bluetooth-Standard kommt 4.0 zum Einsatz, hier ist der Strombedarf bei der Kopplung mit Tablet oder Smartphone geringer als bei früheren Bluetooth-Versionen. Der Standard aptX fehlt, was nicht wirklich gravierend ist. Ärgerlicher ist, dass es keine Freisprecheinrichtung gibt, die schon 30 EUR-Konkurrenten in guter Qualität haben, und dass der Aeroskull Nano nicht spritzwassergeschützt ist. 

+ Extravagantes Design trifft auf gute Verarbeitung
+ Für ultrakompakten Speaker gute Akkulaufzeit
+ Recht aufwändiges 2.1 Layout
+ Bluetooth 4.0 an Bord
+ In vier Farben lieferbar

– Teuer
– Keine Freisprecheinrichtung
– Nicht spritzwassergeschützt

Klang

Gespannt gehen wir nun der Frage nach, wie der Aeroskull, den es auch in zahlreichen größeren und teureren Varianten gibt, nun in der kleinen Nano-Version klingt. Zunächst steht die Kopplung mit dem Smartphone an, was einfach vonstatten geht. Einfach den An-/Aus-Schalter auf der Rückseite längere Zeit gedrückt halten, und dann wird der Aeroscull Nano direkt vom iPhone 6S Plus gefunden. Die blaue LED im Gebiss des Sculls auf der linken Seite symbolisiert durch dauerhaftes Leuchten, dass die BT-Verbindung nun aktiv ist.

Und wir machen es dem kleinen Jarre -Speaker gleich schwer: Andrea Bocellis „Love in Portofino“ steht auf dem Programm. Doch hier die Überraschung: Von wegen überfordert – der Aeroscull Nano löst sogar Andreas Stimme gut vom Lautsprecher. Der Klang ist nicht so monoton, nicht so ans Gehäuse gefesselt, wie wir es sonst kennen, sondern er „schwebt“ mit ordentlicher Räumlichkeit rund um den Scull herum.

Und auch das Duett „I Belong To You“ (Eros Ramazzotti und Anastasia) enttäuscht keinesfalls: Wir sind beeindruckt, wie ausgeprägt die vokalen Konturen sind, und auch die Darstellung des Klaviers hat uns überzeugt. Der Aeroscull spielt mit Tiefgang, liefert auch hier wieder eine überraschend gute Raumwirkung. Teuer ist er, der kleine Avantgardist, aber auch wirklich gut. Wir kennen deutlich größere Bluetooth-Lautsprecher, die schlechter klingen und nicht so ultratransportabel sind wie der kleine Franzose. Auch „Illegal“ (Shakira featuring Carlos Santana) gelingt dem Aeroskull Nano prima. Sicher, man muss hinzufügen, dass der kleine BT-Lautsprecher kaum dazu geeignet ist, HiFi-Liebhaber aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Aber dies kann auch kaum Hauptaufgabe des Aeroscull Nano sein. Seine Rolle als „Alleinunterhalter“ für Unterwegs, auf Reisen, beim Picknick oder beim abendlichen Grillen am See nimmt er gekonnt wahr. Er hat sogar im tieffrequenten Bereich akustische Qualitäten, das hätten wir nicht erwartet. Von einem „satten Bass“ zu sprechen, ist natürlich übertrieben, aber zumindest hört man Aktivitäten im unteren Bereich heraus, die relativ präzise wiedergegeben werden.

Aus dem gleichnamigen 007-Film hören wir nun den Garbage-Titel „The World Is Not Enough“. Hier tut sich der Aeroscull Nano mit einer weiteren positiven Eigenschaft hervor. Er schafft erstaunlich hohe Pegel. Sechs Watt Gesamtleistung hören sich nicht nach wirklich viel an, aber was der kleine Bluetooth-Lautsprecher an maximal möglichem Pegel bietet, verdient Respekt. Auch der recht frei aufspielende Hochtonbereich spricht klar für das Jarre-Produkt. Wir dachten, der Aeroskull Nano wäre ein netter Mode-Gag für Styler, die „in“ sein wollen – und akustische Talente sind eher zweitrangig. So ist es aber nicht, wie uns die Praxis lehrt. Man kann den Aeroskull klanglich absolut ernst nehmen. Das beweist er uns auch bei einem weiteren James Bond-Titelsong: „You Only Live Twice“ hat Tiefgang und versprüht Emotionen. Diese holt der kleine Bluetooth-Speaker in erstaunlicher Art und Weise ans akustische Tageslicht. Lebendig und mit einer guten Trennung von Stimme und Instrumenten, lässt sich der Aeroskull Nano auch diesmal nichts nachsagen. 

Und wenn es schneller und härter wird? Der Trance-Hit „Don“ von Orjan Nilsen soll hier antworten geben. Bei hartem Bass „knickt“ die Dynamik minimal ein, das ist schon herauszuhören. Die Instrumental-Parts des Tracks gibt der Aeroskull ausgezeichnet wieder, und auch, wenn dann der Bass einsetzt, sind die Ergebnisse besser als erwartet. Wie frei und klar der kleine aktive Schallwandler aufspielt, verwundert auch diesmal wieder. Wie sieht es mit dem Eurodanke-Klassiker „With My Own Eyes“ von Sash aus? Die frische, lebendige Wiedergabe ist hier ein weiteres Mal kennzeichnend. Der Rhythmus kommt tadellos heraus, und für einen so kleinen Lautsprecher ist nicht nur die Grobdynamik, sondern auch die Feindynamik beachtlich. Was immer wieder gefällt: Die Räumlichkeit, kombiniert mit der ordentlichen Loslösung des Klangs vom Lautsprecher-Gehäuse. Die Bluetooth-Verbindung ist sehr stabil, es kommt nicht zu Artefakten oder gar zu Unterbrechungen, auch wenn man sich 5 bis 6 Meter mit dem Smartphone vom Aeroscull wegbewegt, ist die Übertragungsstabilität noch in vollem Umfang gewährleistet. 

+ Gute Pegelfestigkeit
+ Verblüffende Räumlichkeit
+ Grob- und auch Feindynamik tadellos
+ Sehr gute Hochtonwiedergabe für Gerätekategorie
+ Bassbereich vorhanden

– Leichter Dynamikeinbruch bei harten Bässen

Konkurrenzvergleich

Absoluter Preis-/Leistungstipp ist der JBL Go. Für knapp 30 EUR gibt es sogar eine Freisprecheinrichtung, und robust ist der in vielen Farben lieferbare Go auch. Dass er etwas weniger lebendig klingt und weniger Räumlichkeit verbreitet als der Aeroskull Nano, ist in Anbetracht des günstigen Kaufpreises nicht verwunderlich.Auch sehr kompakt und ab ca. 50 EUR (Kaufpreis variiert je nach Gehäusefarbe) erhältlich ist der Monster Superstar. Ein sehr fairer Kurs, selbst zur UVP von 99 EUR macht sich der spritzwassergeschützte, sehr gut verarbeitete Monster-Speaker blendend. Eine recht ordentliche Freisprecheinrichtung ist ebenfalls vorhanden. Wer es auch stylish, aber nicht so extravagant wie beim Aeroscull Nano mag und eine komplette Ausstattung wünscht, ist beim Monster Superstar genau an der richtigen Adresse. Eher für die Jack Wolfskin/The North Face-Fraktion und weniger für den Philipp Plein-Liebhaber ist der Grundig GSB 200 NFC, ein kerniger „Naturbursche“ in Form eines BT-Lautsprechers im stabilen Gehäuse, der nur noch knapp 50 EUR auf dem Markt kostet (damalige UVP 150 EUR). NFC ist an Bord, ebenfalls eine Freisprecheinrichtung. Man kann sogar 2 Bluetooth-Devices parallel mit dem GSB 200 NFC koppeln. Der Klang ist ordentlich, der viel kleinere Aeroscull klingt aber ausgewogener, räumlicher und holt mehr Details heraus – erstaunlich. 

Fazit

Jarre Skull1

Der Jarre Technologies Aeroskull Nano besticht durch die extravagante Optik, die saubere Verarbeitung und vor allem durch den überraschend vollwertigen Klang. Räumlich, lebendig und ausgewogen, hört man dem Styler-Tool auch über mehrere Stunden gern zu. Die Akkulaufzeit geht für einen so kompakten Lautsprecher absolut in Ordnung, sehr zu loben ist die Stabilität der Bluetooth-Verbindung. Das 2.1 Lautsprecher-Layout ist bei so kleinen Speakern nur selten zu finden. Nachteile: Nicht spritzwassergeschützt, kein aptX, und vor allem keine Freisprecheinrichtung.

Weit mehr als ein extravagantes Accessoire: Der Aeroskull Nano punktet durch eine tadellose akustische Performance
sehrgut
Bluetooth-Lautsprecher bis 100 EUR
Test 14. April 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 14. April 2016 

 




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