XXL-TEST: Nubert nuZeo 4 - exzellent verarbeitete Aktivlautsprecher mit hervorragendem Klang

Klang

Cambridge Audio Cxn100 Frontansicht

Toller Streamer: Der CXN100 von Cambridge Audio

Zuspieler: Cambridge Audio CXN100, digital über koaxial angeschlossen sowie analog verbunden. Bei digitalem Amschluss beweisen uns die beiden nuZeo 4, dass der verbaute DAC offenbar richtig gut ist - denn schließen wir zum Vergleich analog an und lassen die anerkannt exzellenten ESS DACs im CXN100 laufen, sind die Ergebnisse recht ähnlich. Vielleicht bringt der CXN100 noch minimal mehr Kontur in komplexen muskalischen Passagen zustande, aber insgesamt sind auch die DACs in den nuZeos überragend und entsprechen zur Gänze dem, was man in der Preisklasse, in der sich die nuZeo 4 befinden, erwarten darf. 

Wir starten unsere Testreihen mit der Jungle Cruise-Version von "Nothing Else Matters". Sehr kraftvoll ist das Fundament, mit einem überragenden Tiefgang. Der gesamte Bassbereich gefällt durch die untadelige, kompromisslose Präzision. Diese Eigenschaft in Verbindung mit der enormen Kraft besitzt schon einen hohen Reiz, zweifelsfrei. Jedes Instrument weist darüber hinaus klare, nachvollziehbare Konturen auf, und die Räumlichkeit ist von ausgezeichneter atmosphärischer Dichte geprägt. So komplett, wie die beiden nuZeo 4 zusammen aufspielen, tippt man mit geschlossenen Augen auf einen durchaus beachtlich großen Standlautsprecher. Hier fehlt es an nichts - nicht an Detaillierung, nicht an Ausdruckskraft, nicht an Bassgewalt, nicht an nahtlosen Übergängen zwischen den einzelnen Frequenzbereichen.

"Nessun Dorma" aus Puccinis "Turandot", gesungen von Startenor Jonas Kaufmann, zeigt uns deutlich, dass diese äußerst anspruchsvolle Arie nicht in der Lage ist, die beiden nuZeo 4 auch nur annähernd "ins Schwitzen" zu bringen. Auch bei hohem Pegel bleibt Jonas' Stimme sauber und detailreich, so wird der Zuhörer voll mitgenommen beim Erleben der gesamten vokalen Dynamik. Die Trennung der Stimme von den Instrumenten gelingt auf Spitzen-Level, und die Räumlichkeit ist ebenso beeindruckend wie das tieffrequente Fundament, das nie andere akustische Anteile stört, aber stets vorhanden ist. Fein herausmodelliert wird zudem der Chor. 

"Vivo Per Lei" (Andrea Bocelli & Georgia) lebt von der vokalen Präsenz von Sängerin und Sänger. Der nuZeo 4 ist das in jeder Sekunde voll bewusst, denn sie fokussiert die Stimmen mit enormer Sicherheit bis ins Detail, räumt aber gleichzeitig der instrumentalen Präsenz ebenfalls genug Spielraum ein, um sich zu entfalten. Das funktioniert nicht nur bei Zimmerlautstärke, sondern auch bei deutlich gehobenem Pegel vortrefflich. Man neigt dazu, stets lauter zu hören, als es fürs Verhältnis zu den Nachbarn gut ist. Dass die Nubert-Aktivlautsprecher praktisch nie hörbare Verzerrungen freisetzen (es sei denn, der Anwender liefert unsauberes Quellmaterial an), sorgt für ungetrübtes Hörvergnügen unter praktisch allen denkbaren Bedingungen. 

Wir setzen fort mit "Ain't No Sunshine" (Eva Cassidy). Sensibel und fein modellieren die beiden nuZeo 4 den Beginn des Songs heraus. Evas Stimme wird auf den Punkt getroffen, inklusive der Feinheiten, die für eine charismatische Wiedergabe verantwortlich sind. Die Trennung der vokalen von den instrumentalen Elementen gelingt überragend, und die Dynamik innerhalb von Evas Stimme kommt nahezu ungefiltert zum Ausdruck. Sehr dicht ist auch hier wieder die gebotene Räumlichkeit, und zwar hinsichtlich der räumlichen Tiefe sowie der räumlichen Weite.

Diana Kralls "The Look Of Love" wird so umfassend von den beiden nuZeo 4 wiedergegeben, dass wir uns bereits nach wenigen Sekunden voll im Song befinden und die Außenwelt nicht mehr wahrnehmen. Sehr fein, sehr sensibel und sehr vielschichtig wird Dianas melancholische, leicht rauchige Stimme präsentiert, während sich die Instrumente passend um ihre großartige Präsenz gruppieren. Dazu gesellt sich auch hier wieder spür- und erlebbare Kraft im Bassbereich, die mit dafür verantwortlich ist, dass man ein nachdrückliches, aber zugleich kultiviertes Hörerlebnis genießen kann. 

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Yamaha True X 800x600

Als Titelsong des gleichnamigen 007-Film hören wir nun "A View To A Kill" von Duran Duran. Und der vehemente Auftakt setzt gleich wieder enorme Kraftreserven frei - die Endstufen in der nuZeo 4 haben anscheinend beinahe unbegrenzt Kraft, um auch im 25 Quadratmeter messenden Hörraum - und sogar in noch größeren Lokalitäten - noch eine fundierte, raumfüllende und emotionsgeladene Wiedergabe zu ermöglichen. Sehr satt, zugleich exakt, vernehmen wir wieder den Bassbereich. Zudem, gerade in Anbetracht des Alters des Quellmaterials, wirkt die Stimme des Sängers sehr lebendig. 

"Till Tomorrow" (Yello & Till Brönner) belegt eindrucksvoll, wie extrem gut es um die Wiedergabe tiefer Frequenzen bestellt ist. Das ist Referenz-Niveau, ohne Frage. Nicht nur, dass enorm viel Energie im Bassbereich steckt, auch die Präzision ist vorbildlich für diese Preisklasse. Tills Trompete wird trotz der tieffrequenten Wucht exzellent eingearbeitet, auch kleine Nuancen seines virtuosen Spiels werden mit überragender Impulstreue erfasst und dargeboten. Alles, was die nuZeo 4 hier veranstalten, wirkt dreidimensional, wie "Klang zum Anfassen". 

Weiter geht es mit dem Remix von "San Francisco" (Darius & Finlay versus Tom Borijn) -  hier können die beiden nuZeo 4 ans Limit gehen und den House-Track mit brutaler Wucht in den Hörraum schmettern. Das gelingt rundherum überzeugend, mit hartem Kickbass, exakt ortbaren elektronischen Effekten und einer breiten, facettenreichen räumlichen Wirkung. Die gesamte Wiedergabe tritt geschlossen und mit schon beinahe gnadenloser akustischer Konsequenz im Sinne höchster Härte im Bassbereich und höchster Klarheit in Bezug auf die Gesamtakustik auf. 

Konkurrenzvergleich

Kef Ls50 Ii Wireless Frontansicht

KEF LS50 Wireless 2: Die kompakter bauenden KEF-Aktivlautsprecher (2.299 EUR) verstehen sich als Rundum-Sorglos-Lösung. Daher ist eine hochmoderne Streaming-Lösung inklusive App-Steuerung (unter anderem mit AirPlay 2, MQA, Tidal Connect, Spotify Connect) mit vorhanden. Die KEF-eigene App zur Installation und für den Betrieb offeriert zwar keine Einmessung wie Nuberts X-Room Calibration, aber doch zahlreiche akustische Parameter, die individuell justiert werden können. Die sehr umfangreiche Amschlusssektion umfasst auch HDMI. Ebenfalls liefert KEF eine Remote mit. Akustisch sind die Ergebnisse auch dank der üppigen Endstufenleistung absolut erstklassig. Für den sensiblen Hochtonbereich setzen die Briten auf analoge (100W Class AB), für die Mitten und den Bass auf digitale Endstufen (280 W/Box). Somit stehen insgesamt 760 Watt Systemleistung bereit. Die Nubert nuZeo 4 bieten noch etwas mehr Basskraft, Tiefgang und Pegelfestigkeit, die KEF brillieren dafür mit erstklassigen Gruppenlaufzeiten (dank Uni-Q Koaxialchassis) und mit extrem üppiger Ausstattung. 

Elac Arb 51gb Elac Discovery Connect Ds C101w G Gruppenbild1

Elac Navis ARB-51 plus Discovery Connect DS-C101W Hub: Für den kompletten Wireless-Betrieb der beiden ARB-51 braucht man den streamingfähigen Hub DS-C101W-G zusätzlich. Knapp 2.450 EUR werden dann fürs komplette System fällig. Der Hub entspricht aus Streaming-Gesichtspunkten nicht mehr dem allerneuesten Standard, das Gebotene reicht aber noch aus, um zumindest Grundbedürfnisse zu befriedigen. Klanglich spielen die ARB-51 etwas arg nüchtern auf, zudem erscheint der Hochtonbereich bei hohem Pegel als etwas dominant. Die Elac-Lautsprecher sind gut verarbeitet, wirken aber nicht so edel wie die nuZeo 15, die mit deutlich höherer Pegelfestigkeit, mehr Detailtreue und mehr Dynamik schon in einer anderen Liga aufspielen. 

Buchardt Audio A500 Gesamt Mit Stereo Hub

Buchardt Audio A500 mit Stereo-Hub: Um die Buchardt Audio A500 als komplette HiFi-Lösung nutzen zu können, ist der optionale Stereo-Hub (300 EUR addieren sich zu den 3.150 EUR für die A500 - in schwarz oder weiß, Walnuss-Furnier kostet 150 EUR extra) erforderlich. Dieser beinhaltet eine Menge an Ausstattung: Streaming (z.B. mit Google Chromecast), ein ausgeklügeltes Einmessystem für den gesamten Frequenzbereich (zwingend ist einmalig ein iPhone für die Einmessung erforderlich, funktioniert nicht mit Android-Devices), herunterzulassende Klang-Presets für bestimmte akustische Zwecke und Anwendungen, WiSA-Kompatibilität sowie viele Anschlüsse inklusive HDMI. Mitgeliefert mit dem Hub wird auch eine Fernbedienung. Die beiden ausgezeichnet verarbeiteten A500 Aktivlautsprecher mit Wireless-Signalübertragung stehen für einen lebendigen, zugleich feinen, im Bassbereich kräftigen Sound. Sie halten lange problemlos mit den nuZeo 4 mit, erst bei sehr  hohem Pegel ziehen die schwäbischen Aktivboxen davon. Zudem ist die Räumlichkeit, welche die nuZeo 4 bieten, noch eine Idee intensiver.  

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Fazit 

Nubert Nuzeo 4 Frontansicht

Die nuZeo setzt akustische Maßstäbe in ihrer Preisklasse: Sie offeriert eine unglaubliche Dynamik, zugleich begeistert sie aber mit einer extrem homogenen, kultivierten akustischen Auslegung. Zudem ist der schwäbische Aktivlautsprecher außergewöhnlich pegelfest und eignet sich auch optimal für größere Hörräume bis rund 35 Quadratmeter. Das ist überragende Werte für einen Regallautsprecher. Bei den Klangtestreihen fiel überdies auf, dass die verbauten D/A-Wandler von hervorragender Qualität sind. Apropos "Qualität" - die formschönen, noblen Gehäuse inklusive dem massiven Traversenfuß sind bezüglich Verarbeitung und Materialgüte klar auf Premium-Niveau. Also ein neuer Leader im Segment der aktiven Regallautsprecher? Fast. Denn die bislang sensationelle Bilanz wird leider durch verschiedene Defizite bei Einrichtung und Handhabung geschmälert.

Lag die nuZeo 4 zuvor klar auf "Masterpiece" Kurs, müssen wir nun eine Herabstufung auf "Preisklassenreferenz" vornehmen. Denn die erste Einrichtung gestaltet sich komplizierter als nötig, und bei vielen Konkurrenten ist das System deutlich schneller betriebsfertig: Beide Boxen aufgebaut, kurz Pairing-Taste gedrückt, und alles läuft. Nicht so bei der nuZeo 4, hier muss man spürbar länger mit der App herumhantieren, bis alles so funktioniert, wie man es gern möchte.

Ist dann alles eingerichtet, fällt immer wieder auf: Es gibt keine Fernbedienung, und da ein IR-Sensor oder eine andere Übertragungsmöglichkeit fehlt, wird es auch keine Option geben, einfach zusätzlich eine anzubieten. Also muss man immer die App öffnen, um die Lautstärke zu regeln. Einen Regler vorn an den Boxen findet man ebenfalls nicht - hier wurde nicht konsequent zu Ende gedacht. Auch, dass man die X-Room Calibration vor der eigentlichen Inbetriebnahme als Master-/Slave-Paar separat für jede nuZeo vornehmen muss, ist einer Paradenote in der Disziplin "Bedienkomfort" nicht eben zuträglich. 

Nubert Pedal Nuxinema 1

nuXinema preAV

Daher wäre der Betrieb mit einem Hub oder Ähnlichem inklusive mitgelieferter Fernbedienung sinnvoll, weil vermutlich deutlich komfortabler. Nubert offeriert derzeit zwar keinen Stereo-Hub, aber immerhin den nuControl X Vorverstärker, der mit 4.490 EUR der sixh zwar als exzellent präsentiert, aber auch preislich auf sehr hohem Level agiert. Alternative wäre der nuXinema preAV, eine kompakte, moderne Vorstufe, die ihr Hauptaugenmerk eigentlich auf den Mehrkanal-Betrieb legt. Aber natürlich "kann" sie auch Stereo, daher eine echte Option und mit 835 EUR ungleich preiswerter. Und man hat zudem die Möglichkeit, später auf ein nuZeo Surround-Setup aufzurüsten, ohne dass man eine neue Vorstufe oder andere Komponenten außer den nuZeo Boxen selbst benötigt.

Insgesamt sind die nuZeo 4 definitiv die derzeitige akustische Referenz in der Aktivlautsprecher-Liga bis 3.000 EUR Paarpreis. Der Klang ist, euphorisch ausgedrückt, zum Verlieben, da kommt praktisch niemand mit. Wer mit den Bedienschwächen leben kann, ist durchaus in der Lage, die nuZeo ohne weitere Vorstufe etc. zu betreiben. Wer jedoch auf hohen Bedienkomfort größten Wert legt, sollte den nuXinema preAV Prozessor als Ergänzung kaufen. 

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Klanglich fantastischer, bestmöglich verarbeiteter aktiver Lautsprecher mit etwas umständlichem Bedienkonzept
Preisklassenreferenz Neu
Aktive Lautsprecher bis 3.000 EUR Paarpreis
Test-Datum 21. März 2024

 

Test: Carsten Rampacher
Fotos/Screenshots: Philipp Kind, Sven Wunderlich
Datum: 21. März 2024

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