TEST: THX Dominus-Standlautsprecher Perlisten Audio S5t "Audio Reference Edition" - "US-Boxen mit Hamburger Feintuning"

Es wird jetzt äußerst exklusiv: Von der Perlisten Audio-Standbox S5t (das ist das kleinere Standlautsprechermodell der schon jetzt beinahe als legendär zu bezeichnenden Perlisten S-Serie) in der in mattem Schwarz gehaltenen "Audio Reference"-Edition gibt es lediglich 50 Paar. Mit Feinarbeit bei Bauteilen (Frequenzweiche), mit besonders sorgfältiger akustischer Abstimmung sowie in der sonst nicht erhältlichen Farbe und mit dem "Audio Reference"-Schriftzug auf der Rückseite findet sich hier eine echte Rarität. Die Perlisten S5t in der Audio Refefrence Edition haben es sich auf die Fahnen geschrieben, nicht nur - dank des höchsten THX-Zertifikats "THX Dominus" - als hervorragende Basis innerhalb eines Mehrkanal-Sets zu fungieren, sondern auch im reinen Zweikanal-Betrieb zu glänzen. 13.900 EUR wechseln den Besitzer für das Paar.

Nicht vom Center täuschen lassen: Im Test agierten die S5t Audio Reference Edition ausschließlich im Stereobetrieb
Und die beiden Perlisten Audio S5t stellen, gerade in der seltenen Audio Reference-Edition, wirklich etwas Besonderes dar. Warum denn, werden sich viele Leser jetzt fragen, daher starten wir gleich mit der Erklärung.

Einzig, nicht artig: Perlisten S5t in der Audio Reference-Edition, hier der Schriftzug oberhalb des Anschlussterminals hinten
Nur noch wenige Hersteller in der heutigen Zeit machen sich die Mühe, Lautsprecher zu entwickeln, die für den Hochleistungs-Mehrkanalbetrieb wie geschaffen sind, zugleich aber durch die saubere, bis ins Detail durchdachte Konstruktion auch im klassischen Zweikanal-Betrieb begeistern können. Perlisten Audio aus Wisconsin, USA, beschreitet genau diesen Weg. Dass sich diese spezielle Ausrichtung als abslolut richtig erweist, zeigte sich beispielsweise auf der High End in München schon das zweite Jahr hintereinander. Hier lagen Perlisten Audio-Boxen nicht nur für die Verwendung im Mehrkanal-Heimkinobetrieb, sondern auch für den Einsatz innerhalb hochklassiger Stereo-Arrangements hoch im Kurs. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Perlisten Audio und dem renommierten Vertrieb (und Hersteller, siehe Velodyne Acoustics) Audio Reference aus Hamburg wurde es möglich, eine besonders Edition mit den eingangs beschriebenen Merkmalen ins Leben zu rufen.
Was macht die Technik der S5t denn so besonders, so lautet, als Konsequenz aus dem vorherigen Absatz, nun die nächste Frage.

Perlisten entwickelte eine spezielle Mittel-/Hochtoneinheit
Grundsätzliche technische Ansätze und hochwertige Konstruktionsattribute hat der S5t vom größeren Perlisten Audio-Flaggschiff S7t übernommen. Der deutlich kompakter bauende S5t setzt demnach auch auf das von Perlisten Audio mit großem Aufwand entwickelte DPC-Array für den Hoch- und Mitteltonbereich. Eine 28-mm-Berylliumkalotte wird hier flankiert von zwei besonders leichten, ebenfalls 28 mm messenden TPCD-Kalotten.

Hier nochmals im Detail, im Zentrum befindet sich die 28 mm messende Beryllium-Kalotte
Durch die spezielle Konstruktion wird der Hoch- und Mitteltonbereich mit extrem präziser Richtwirkung, feiner Detaillierung und mit grandioser Dynamik wiedergegeben, verspricht Perlisten Audio. Ergänzend, für einen eindrucksvollen Bassbereich, setzt der US-Hersteller aus Wisconsin auf 180 mm-Basstreiber aus dünnschichtigen Carbonmembranen (TPCD). Sie können als Bassreflex- oder Acoustic Suspension konfiguriert und an die Vorlieben des Hörers angepasst werden.

Einer der Tieftöner
Der Dreiwege-Lautsprecher weist eine Empfindlichkeit von 89,5 dB (2,83V/1m) und eine Nominalimpedanz von 4 Ohm (minimal 3 Ohm) auf. Der Frequenzgang (bei - 10 dB) reicht von 24 Hz bis 32 kHz (Bassreflex) beziehungsweise von 36 Hz bis 32 kHz (Acoustic Suspension). Der Hersteller rät zu Verstärkerleistungen zwischen 100 und 300 Watt RMS pro Kanal. Der maximale Schalldruck fällt mit einem Peak von 114,3 dB üppig aus. Mit einer Höhe von 1.119 mm, einer Breite von 240 mm und einer Tiefe von 400 mm sind die Perlisten Audio S5t nicht zu ausladend. Die hochwertige verbaute Technik wird durch ein Gewicht von 43,2 kg pro Lautsprecher dokumentiert.

Oberer Bereich des Lautsprechers
Die Perlisten S5t ist auch in der Audio Reference Edition optisch im typischen Stil des Hauses gehalten - das heißt: Was ein Lautsprecher sein möchte, hat auch wie ein Lautsprecher auszusehen. Ein ehrliches, gradliniges Design, das, soviel sei an dieser Stelle schon verraten, auch bestens zur akustischen Auslegung passt.

Standfuß

Perlisten-Logo

Spezielles Design mit recht dicker Schallwand

Gleichbleibende Spaltmaße

Sichtbare Schrauben

Terminals im Detail
Unter der Box ruht ein hochsolider Traversenstandfuß, und die Lautsprecherkabel-Anschlussterminals auf der Rückseite punkten ebenfalls mit Hochwertigkeit. Da der gesamte Lautsprecher durchaus stolz auf seinen "technischen" Habitus ist, passen hier auch die sichtbaren Schrauben ins Konzept, mit denen die Chassis in die Schallwand eingesetzt wurden.
Klang

Verstärker: Krell K-300i (13.650 EUR inklusive Digitalmodul)
Wir starten mit Diana Kralls "The Look Of Love" und sofort, von der ersten Sekunde an, holen uns die Perlisten Audio S5t in der Audio Reference Edition voll ab. Sehr charismatisch nehmen wir Dianas Stimme wahr, die vokalen Konturen weisen eine exzellente Balance auf, sodass wir auch feindynamische Details vollumfänglich genießen können. Das Piano hat die richtige Temperatur, die Anschlagdynamik wird akkurat herausgestellt. Das Zusammenwirken aller klanglichen Elemente gelingt äußerst harmonisch, rund und in sich schlüssig. Die S5t Audio Reference Edition erweist sich als tonal nahezu verfärbungsfrei, und das gilt für jedes vokale oder instrumentale Element.

Überzeugt der US-Lautsprecher mit norddeutschem Einschlag?
"Ain't No Sunshine" von Eva Cassidy überzeugt uns ebenfalls. Es ist, wie auch bei Dianas Titel zuvor, diese komplette, zugleich direkte Art der Wiedergabe, die uns "catcht". Die Stimme von Eva haben wir schon oft wirklich exzellent gehört - da halten die Perlisten S5t Audio Reference Edition sehr gut mit. Was aber im Falle der beiden limitierten Test-Boxen so fasziniert, ist die sorgfältige Behandlung der Instrumente, die so viele Facetten aufweisen und mit einem überragenden dynamischen Umfang aufwarten können, wie wir es bislang kaum gehört haben.
Weiter geht es mit "Till Tomorrow" von Till Brönner und Yello. Hier macht die Perlisten Audio S5t Audio Reference Edition durch ihren trockenen, präzise gestaffelten Bass auf sich aufmerksam. Der gesamte Aufbau des Tracks überzeugt durch die authentische Ausprägung - hier wird nichts unpassend "aufgebauscht", aber ebenso wenig etwas weggelassen. Sehr ehrlich, durch diese ungefilterte Art mitreißend, so präsentiert sich der Lautsprecher. Die ausgeklügelte Chassistechnologie sorgt stets dafür, dass man als Zuhörer tatsächlich komplett im Fokus steht und nicht nur viele Details irgendwie eingearbeitet werden, sondern an der richtige Stelle in der akustischen Architektur auftauchen. Der lebendige, frische, aber nie unterkühlte oder zu harsche Hochtonbereich geht in fein gestaffelte Mitten nahtlos über, sodass der ganze Titel eine enorme Präsenz im Hörraum entfalten kann.
"La Voce Del Silenzio" von Andrea Bocelli startet mit ein paar sehr sensiblen, feinen Tönen und einem subtil-detailreichen Aufbau. Kurzum, eine klangliche Ausprägung, an der viele auch wirklich hochwertige und teure Lautsprecher scheitern, weil sie, salopp gesprochen, das "Aroma" dieses Arrangements nicht komplett ausschöpfen können. Die Perlisten S5t in der Audio Reference Edition sind allerdings nahe dran, hier wirklich ein Optimum zu bieten. Klar sind die beiden speziellen Schallwandler schon teuer, aber hier bekommt man eine akustische Qualität geboten, die bei Lautsprechern mit 20.000 EUR Paarpreis nicht ohne weiteres offeriert wird. Es sind die feinen Zwischentöne, aber auch der gewaltige dynamische Umfang von Andreas Stimme, was den Unterschied ausmacht. Hier stimmt alles, jede Gewichtung im Detail, aber ebenso die gesamte Balance des Titels. Wunderbar kommen auch die Instrumente heraus, ganz besonders die Streicher.
Nun lauschen wir der legendären Ouvertüre (Sächsisches Staatsorchester zu Dresden, unter Otmar Suitner) Wolfgang Amadeus weltberühmter Oper "La Nozze Di Figaro". Hier MUSS man laut hören, denn es ist wahrhaftig grandios, was die beiden Perlisten S5t in der Audio Reference Edition aus klanglicher Perspektive anzubieten haben. Ungefilterte orchestrale Dynamik, einen vielschichtigen, stimmigen Aufbau, der auch aus räumlicher Sicht enorme Ansprüche souverän erfüllt: All das spricht für die Boxen des nicht umsonst schon jetzt renommierten und entsprechend erfolgreichen US-Herstellers. Wie direkt hier Dynamiksprünge zum Besten gegeben werden, wie schnell, wie ungemeim impulstreu die Schallwandler zur Stelle sind, das ist zutiefst beeindruckend. Und weil uns die Ouvertüre so gut gefallen hat, machen wir mit dem ersten Akt gleich weiter und hören uns das Duett "Cinque, Dieci, Venti, Trenta" an (Walter Berry, Anneliese Rothenberger) an. Die beiden Perlisten-Lautsprecher lassen praktisch kein vokales Detail aus, sodass man ruhig sehr genau hinhören kann, und man ist immer wieder begeistert, mit wieviel Gespür für eine feine, filigrane, zugleich aber dynamisch-entschlossene Präsentation sich die beiden Schallwandler ans Werk machen.
"Nothing Else Matters" in der Jungle Cruise-Version ist der nächste Titel, an dem sich unsere Testkandidaten versuchen dürfen. Und sie machen es ein weiteres Mal mit großem Erfolg. Exzellente Durchhörbarkeit, mit einer überragenden Klarheit der einzelnen akustischen Konturen selbst bei hohem Pegel, paart sich mit einer ausgezeichneten Weitläufigkeit und mit einem hohen Maß an räumlicher Tiefe. Die Perlisten S5t Audio Reference Edition spielen ungemein ehrlich, verheimlichen nichts, übertreiben aber auch nirgendwo. Wer direkt und mit einem enormen Sinn für eine realistische Wiedergabe hören möcbte, ist hier exakt richtig aufgehoben. Andere Hersteller bieten vielleicht Schallwandler an, die enorm auf Räumlichkeit und/oder auf "Spektakel" getrimmt sind. In diese Richtung geht Perlisten Audio bewusst nicht. Eine fein aufbereitete, den Tatsachen entsprechende, aber nie langweilige, sondern sehr dynamische Darstellung steht hier im Mittelpunkt.
007-Fans können sich jetzt freuen. Mit dem Duran Duran-Klassiker "A View To A Kill" lassen wir einen immer wieder gern gehören Titelsong aus dem Bond-Film "Im Angesicht des Todes" von den S5t in der Audio Reference Edition wiedergeben. Und das gelingt noch besser, als wir es ohnehin erwartet hätten, denn die beiden US-Akustiker holen eine Dynamik aus der alten Tonspur, die wir so nur selten wahrnehmen konnte. Und das Schönste: Perlisten-typisch wirkt alles realistisch, echt, und nicht irgendwie künstlich. Auch die Vocals, sonst gerne mal zu weit im Hintergrund, präsentieren sich exakt richtig gewichtet. Man "lebt" diesen Song, wenn man ihn in dieser Weise hören darf, und freut sich zudem über den straffen Bass.
Und es wird beinahe nochmals überzeugender, auch wenn man es sich nur noch schwer vorstellen kann: Bei der Disturbed-Coverversion von "Land Of Confusion" beeindrucken die beiden Perlisten S5t in der Audio Reference-Version mit einer enorm lebendigen, zugleich aber - und das haben wir so eigentlich noch nie gehört - tonal ungemein sauber ausbalancieren Darstellung, ohne die sonst störende akustische Hektik, die dafür sorgt, dass musikalische Ebenen nicht mehr akkurat auseinander differenziert werden. Auch das zu Schrille, Metallische im Hochtonbereich, das wir schon so oft heraushören mussten, fehlt hier nahezu gänzlich. Kurzum: Eine erstklassige, über alle Maßen souveräne Vorstellung der "US-Boxen mit Hamburger Feintuning".
Und wie steht es um einen echten Trance-Klassiker? "Push" von Unversal Nation wird hier immer wieder gern von uns genommen, und zwar das "Remastered Original Extended Mix". Schon der Start mit den elektronisch erzeugten Effekten überzeugt durch das schnelle Ansprechverhalten der S5t Audio Reference Edition, und als dann noch der ungemein harte, klar definierte Bass hinzukommt, spielen sich die beiden US-Schallwandler in ihrer Preisklasse an die Spitze, obwohl sie nicht einmal besonders groß und ausladend sind. Die Pegelfestigkeit ist ohne jeden Kompromiss mit das Beste, was man kaufen kann - und der Krell K-300i hat enorme Reserven und treibt viele Lautsprecher daher in die Kapitulation. Nicht so die Perlisten-Konstruktion, die zwar mit ungemein harten Bassschlägen den Hörraum erzittern lässt, aber der Schub geht, praktisch ohne Verzerrungen, gnadenlos weiter. Man sollten diesen akustischen Könnern einen sehr kraftvollen Verstärker zur Seite stellen, damit man die Fähigkeiten der S5t in der Audio Reference Edition auch wirklich ausnutzen kann.
Einordnung

Canton Reference 2: Zu Paarpreisen ab 16.000 EUR gibt es die äußerst attraktive Canton Reference 2, die zudem extrem hochwertig verarbeitet ist. Der recht große Standlautsprecher weist, wegen des höheren Gehäuses, einen noch besseren maximalen Tiefgang als der Perlisten Audio S5t in der Audio Reference Edition auf. Die Canton spielt im direkten Vergleich verbindlicher auf, während die S5t mit ihrer ungefilterten Dynamik auftrumpft. Eine große akustische Souveränität bieten beide Boxen. Interessant ist, dass die S5t trotz ihrer sehr direkten Gangart besser mit qualitativ weniger gutem Quellmaterial umgehen kann. Die Reference 2 kontert das mit noch etwas mehr Weitläufigkeit. Kurzum: Es sind zwei brillante Boxen, jede mit einem ganz eigenem Charakter.

KEF Blade Two Meta: Mit Paarpreisen ab 26.000 EUR ist die avantgardistisch gestaltete Box, die in Handarbeit im KEF-Stammsitz in Maidstone, GB, entsteht, circa doppelt so teuer wie die Perlisten S5t in der Audio Reference-Edition. Die Blade Two Meta ist zudem ein besonders faszinierender Lautsprecher, im Speziellen fasziniert sind wir immer wieder von zwei Dingen: Der enormen Räumlichkeit und dem exzellenten Timing. Dass das Design sehr speziell und die Verarbeitung auf höchstem Niveau ist, kommt auch noch dazu. Erstaunlich ist, wie nahe die Perlisten S5t der Blade Two Meta bei Detaillierung und Dynamik kommt. Obwohl viel preisgünstiger, schneidet die Box aus Wisconsin hier richtig gut ab.
Fazit

Die Perlisten Audio S5t in der Audio Referende Edition hat keinerlei Respekt vor großen Namen, sondern legt sich unverblümt auch mit deutlich teureren Schallwandlern äußerst namhafter Hersteller an. Sie beweist zudem, dass auch ein THX Dominus-zertifizierter Lautsprecher, dem man eher im Filmtonbetrieb sehr viel zutrauen würde, auch bei der reinen Stereowiedergabe restlos überzeugen kann. Schon die Konstruktion verrät ein beinahe schon verwegen zu nennendes Maß an Kompromisslosigkeit, und genau dies schlägt sich auch in der akustischen Auslegung nieder. Es geht bei der Perlisten S5t immer gnadenlos voran - aber in Form von echter Dynamik und exzellenter Impulstreue und nicht in Form einer gespielt-überbordenden Spielweise, die aufbauscht und sich vom Original entfernt. Nein, die Perlisten-Box bleibt unerschütterlich auf Kurs, erweist sich als extrem pegelfest und vor allem auch als absoluter Universalist, der mit jedem musikalischen Genre sofort vertraut ist. Nie gibt es Berührungsängste, gleich wird jedes Stück mit einer sehr einnehmenden Mischung aus der schon erwähnten Dynamik und einer großen Sorgfalt behandelt.
"Wisconsin meets Hamburg" - Ergebnis ist ein Standlautsprecher, der über seine Preisklasse hinaus Maßstäbe setzt

Standlautsprecher Oberklasse
Test 12. Juni 2024
Test und Fotos: Carsten Rampacher
Redaktion: Philipp Kind
Datum: 12. Juni 2024
Tags: Audio Reference • Lautsprecher • Perlisten Audio






