TEST: Samsung Galaxy A50 - Umfangreich ausgestattetes und flexibles Mittelklasse-Smartphone?

Was Marktanteile betrifft, kommt keiner an den koreanischen Konzern heran. Das gilt allerdings nicht für den gigantischen chinesischen Markt mit rund 1,3 Milliarden Nutzern. Hier spielt Samsung nämlich überhaupt keine nennenswerte Rolle. Dominiert wird der Markt von BBK, die für die Smartphones von OnePlus, Oppo und Vivo verantwortlich sind, sowie natürlich Huawei. Huawei wäre vermutlich sogar schon der neue Smartphone-Weltmarktführer, wenn der US-Markt das Unternehmen nicht so hart sanktionieren würde – doch das ist eine ganz andere Geschichte.

Warum eigentlich der Name A50? Statt jährlicher Updates für die verschiedenen Modelle wie A5, A7 oder A9, gibt es ab sofort immer eine fortlaufende Nummer -  eine gute Entscheidung, um Verwirrungen zu vermeiden.

Rückseite mit Regenbogen-Effekt

Seitliche Ansicht

Dass das Galaxy A50 trotz schlichtem Formfaktor auffällt, liegt am winzigen Notch im oberen Display. Zwar geht das Display nicht seitlich über den Rand, aber es schließt nahezu komplett ab. Abgesehen von einer kleineren unteren Aussparung bietet das A50 somit (fast) ein echtes Infinity-Display, nicht schlecht für diese Preisklasse.

Weitere Auffälligkeit: Die Rückseite bietet einen metallisch wirkenden Regenbogenschimmer. Das sieht zwar effektvoll und edel aus, entpuppt sich aber als regelrechter Magnet für Fingerabdrücke, selbst ein kurzes Wischen reicht da nicht aus, um wieder den vollen Glanz zu entfalten. Insgesamt ist die Verarbeitung zwar präzise und hochwertig gelungen, es kommt aber nur Hartplastik im Gehäuse zum Einsatz und es liegt kein Staub- und Wasserschutz vor. Der Vorteil: Es ist recht leicht und liegt angenehm in der Hand.

Samsung Galaxy A50

Das Display ist für ein Smartphone mit einem Online-Preis von unter 300 Euro wirklich bemerkenswert. Der 6,4-Zoller bietet eine Full-HD-Plus-Auflösung (2.340 x 1.080 Pixel) und nutzt die OLED-Technologie. Nutzer dürfen sich dabei nicht nur über eine starke Farbwiedergabe freuen, sondern auch über eine hohe maximale Helligkeit und ein exzellentes Kontrastniveau.

Zumindest auf dem Papier ist der Knipser ein Großer, denn gleich drei Sensoren mit 25, 8 und 5 Megapixel, ein praktischer und leicht bedienbarer Live-Bokeh-Effekt, sowie ein schnell umschaltbarer 123-Grad-Ultra-Weitwinkel (ohne Blitzunterstützung) sollen dem Kameramann exzellente Schnappschüsse ermöglichen. Das gelingt aber leider nur zum Teil, was auch daran liegt, dass ein optischer Bildstabilisator und ein optischer Zoom fehlen.

Aufnahme bei Tageslicht

Blitzaufnahme

Während bei Tageslicht und bei kurzen Distanzen selbst bei Dunkelheit alles im Lot ist, mangelt es bei geringem Lichteinfall schlichtweg an Schärfe und Brillanz. Einzige Hilfe dagegen: den Weichzeichner deaktivieren, wobei man dann aber durch den fehlenden Bildstabilisator eine sehr ruhige Hand haben muss – wiederum schlecht bei Schnappschüssen. Die 25-Megapixel-Frontkamera stellt zwar einen Auflösungsrekord auf, hadert aber mit einem ähnlichen Problem. Da die Motive aber logischerweise nicht weit entfernt sind, können die Selfies durchaus überzeugen.

Panorama

Während bei der Kamera mit Megapixeln geprotzt wird, hält sich der Camcorder etwas zurück, denn Videoaufnahmen in UHD-Auflösung sind nicht möglich und bei FullHD-Aufnahmen ist bei 30 Bildern pro Sekunde Schluss. Dafür punktet der Camcorder durch einen Bildstabilisator und Zeitlupenaufnahmen zumindest auf HD-Niveau.

Lob gebührt aber der gehobenen Ausstattung und dem komfortablen Bedienungskonzept. Besonderheiten abseits der Standards, wie Panorama oder Pro-Modus gibt es allerdings nicht. Beim restlichen Ausstattungsprogramm sticht vor allem der Speicher hervor, denn von den internen 128 GB stehen dem Nutzer rund 110 GB zur freien Verfügung – plus maximal 512 GByte via microSD-Karte. Das ist sehr gut für diese Preisklasse. Endlich: Auch bei Samsung haben offensichtlich die Triple-Steckplätze Einzug gehalten, denn man kann neben dem SD-Einsatz auch zwei SIM-Karten parallel nutzen.

Bei den Datenschnittstellen werden auch schnelle Kanäle in Form von WLAN-ac oder Bluetooth 5 geboten. Bei LTE ist hingegen bereits bei maximal 600 Mbit/s Schluss. Weiteres Plus: Sowohl eine USB-Typ-C-Schnittstelle als auch eine Klinkenbuchse für Kopfhörer sind vorhanden.

Screenshot

Was lange währt, wird endlich gut? Dem Nutzer steht endlich die deutsche Version von Bixby zur Verfügung. Es handelt sich dabei um einen digitalen Butler, der zahlreiche Bereiche abdeckt. Er ist als linke Startseite einrichtbar und zeigt als buntes Potpourri individuelle Inhalte aus Sozialen Netzwerken, das regionale Wetter, Aufgaben oder Playlists. Bixby ist aber vor allem ein Sprachassistent, der einem den Alltag erleichtern soll. Wenn man den Dienst einmal eingerichtet hat, überzeugt er durch eine gute Stimmerkennung und zahlreichen Möglichkeiten (auch wenn noch nicht alles ausgereift ist). Einziger Haken: Die Einrichtung erfordert einen Samsung-Account und Zugriff auf alle privaten Daten. Wer das nicht möchte, bleibt einfach beim Google Assistant.

Wie schon beim Galaxy S10 bietet auch das A50 bereits einen im Display integrierten Fingerprintscanner. Der liegt gut erreichbar im unteren Drittel des Touchscreens und ist dadurch gut erreichbar. Nach einer kleinen Eingewöhnungsphase leistet er auch einen zuverlässigen und schnellen Job. Doch sobald man die Gesichtserkennung ebenfalls eingerichtet hat kommt er im Alltag kaum zum Einsatz, da sie ebenfalls sehr flott arbeitet – der Nutzer genießt daher so oder so eine unkomplizierte Entsperrung.

Bixby ist jetzt auch auf Deutsch verfügbar

Das Betriebssystem ist mit Android 9 erwartungsgemäß auf dem aktuellsten Stand und wird mit Samsungs User Interface deutlich modifiziert. Es gibt daher wieder eine ganze Reihe an Extras, um die Handhabung noch komfortabler zu gestalten, inklusive vieler Gestensteuerungen und Eingabehilfen für Nutzer mit Hör- oder Sehschwächen.

Der Preisklasse entsprechend wird beim Prozessor nicht die höchste Leistungsklasse geboten. Der Exynos 7 Octa 9610 mit 2,3-GHz-Takt entspricht allerdings dem Niveau eines Snapdragon 636, sodass Samsungs Achtkerner alles andere als eine lahme Ente ist. Dass es im Alltag keine nennenswerte Probleme gibt, liegt auch daran, dass 4 GB Arbeitsspeicher als Puffer vorhanden sind. Nur wer auf anspruchsvolle 3D-Games fixiert ist, sollte besser etwas mehr Geld in Hand nehmen, denn sonst wird es mitunter ruckelig.

Das klingt vielversprechend: Stolze 4.000-mAh bringt der Akkublock mit! Im Praxistest kann das A50 die Performance auf dem Papier allerdings nicht voll ausspielen, denn in mehreren Durchläufen pendelte sich die Rufbereitschaft bei „nur“ vier Tagen ein. Da bei einer Dauernutzung auch nur zehn Stunden erreicht werden, ist das Ergebnis doch ein wenig enttäuschend. Die Leistung ist unter dem Strich somit nur auf durchschnittlichem Niveau. Das betrifft auch die Ladezeit, denn 100% erreicht der Nutzer über den USB-C-Slot bei rund zwei Stunden. Kabelloses Laden ist nicht möglich.

Der Mono-Lautsprecher im Rahmen erreicht ebenfalls knapp ein durchschnittlich klingendes Klangniveau. Sobald das Klangbild komplexer ist, klingt der Speaker blechern und die Abbildung wird bei hoher Lautstarke verzerrt. Es zeigt sich mal wieder, dass die Macher in dieser Preisklasse beim Sound gerne zum Rotstift greifen.

Dass Samsung aber die Sprachqualität gut im Griff hat, haben sie schon bei vielen anderen Modellen bewiesen. Stimmen werden sauber von Nebengeräuschen getrennt und klingen klar und durchaus natürlich. Es ist zwar noch meilenweit vom Festnetzniveau entfernt, doch in dieser Disziplin gibt es nichts Großartiges zu bemängeln.

Fazit

Samsung Galaxy A50

Samsung setzt mit diesem Mittelklasse-Smartphone, das man online für unter 300 Euro erwerben kann, ein kleines Ausrufezeichen, denn das Full Front Display mit integriertem Fingerprintscanner ist ein Alleinstellungsmerkmal in dieser Preisklasse. Ohnehin ist der Touchscreen qualitativ exzellent. Im Zusammenspiel mit der tadellosen Performance und dem vielseitigen Bedienungskonzept können wir hier beinahe eine kompromisslose Empfehlung aussprechen, wenn die eher mäßige Kameraqualität dem Koreaner nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Vielleicht hat Samsung an dieser Stelle etwas zu viel gespart, um das Extra Display-Fingerprintscanner zu ermöglichen. Das ist zwar ein cooles Gimmick, hat aber nicht so einen vergleichbaren Nutzwert wie eine rundum gute Kamera.

Display-Star der Mittelklasse mit guter Ausstattung

04.06.2019

+ Top OLED-Display
+ Gute Performance
+ Display-Fingerprintscanner

- Keine IP-Zertifizierung
- Kabelloses Laden nicht möglich
- Mäßige Kameraqualität

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 04.06.2019

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