TEST: Over-Ear-Kopfhörer Beyerdynamic Lagoon ANC - Hightech-Headphone mit Klang-Persolaisierung und mehrstufiger aktiver Geräuschunterdrückung

Mit dem Lagoon ANC für 399 EUR offerieren die Heilbronner Kopfhörer-Experten von Beyerdynamic nun einen Bluetooth-Over-Ear-Kopfhörer mit zweistufig schaltbarer aktiver Geräuschunterdrückung und mit MOSAYC-Klang-Personalisierung mittels der "MIY" ("make It Yours" App der Spezialisten von Mimi Hearing Technologies aus Berlin. Es gibt den Kopfhörer in Anthrazit-Schwarz als "Traveller" und mit braunen Elementen in der technisch identischen Version "Explorer".

Ohrmuschel innen

"Light Guide"

Der Lagoon besitzt in den sehr komfortabel gepolsterten Ohrmuscheln den sogenannten "Light Guide". Dieser zeigt durch Lichteffekte z.B. die Bluetooth-Kopplung, die Betriebsbereitschaft oder die linken/rechten Ohrmuschel an.

Touchfeld an der rechten Ohrmuschel

An der rechten Ohrmuschel außen findet sich ein großes, gut reagierendes Touchfeld. In der App kann man sich die Gesten, mit denen man gewisse Aktionen wie z.B. das Absenken oder Erhöhen der Lautstärke oder den Titelsprung hervorruft, auf verständliche Art und Weise anzeigen lassen.

In der Praxis funktioniert die Steuerung übers Touchfeld sehr gut - das war bei den Prototypen, wie wir zuletzt auf der CES 2019 unter die Lupe nahmen, noch nicht so ausgereift. Ansonsten bietet der geschlossene Kopfhörer eine mit bis zu 45 Stunden (nur Bluetooth, bis zu 24,5 Stunden zusätzlich mit ANC) sehr großzügig bemessene Akkulaufzeit. Frequenzen zwischen 10 Hz und 30 kHz können wiedergegeben werden. Zur Bluetooth-Übertragung gesellt sich aptX für bessere Qualität. 283 Gramm wiegt der Kopfhörer, der sehr bequem auf dem Kopf sitzt.

Polsterung des Kopfbandes 

Verstellmechanismus

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Der Verstellmechanismus fürs sehr komfortabel gepolsterte Kopfband besteht aus Metall. Das Material, aus dem die Ohrpolster gefertigt sind, wirkt hautsympathisch, dieser Eindruck bestätigt sich auch beim längeren Tragen: Weich, aber doch straff, zugleich nicht übertrieben schweißtreibend - sehr wichtig bei den aktuellen Temperaturen in weiten Teilen Deutschlands.

Typenbezeichnung

Auf dieses Produkt kann Beyerdynamic stolz sein, wie sich später zeigen wird

Verschraubungen im Detail

Ansicht von außen

Transportcase

Außen auf den Ohrmuscheln prangt selbstbewusst das aktuelle Beyerdynamic-Logo. Im Lieferumfang des Lagoon enthalten ist auch ein prima verarbeitetes Transport-Case. Platzsparend zusammengefaltet, kommt der Kopfhörer darin bestens unter. 

Und wie funktioniert das MOSAYC-System? Mit Hilfe der MIY-App misst man hier beide Ohren nacheinander ein, beginnend mit dem linken, folgt das rechte. Das Hörvermögen bei verschiedenen Frequenzen wird für jedes Ohr individuell ermittelt, im Anschluss werden die entsprechenden Korrekturen vorgenommen. Wichtig vor dem Start: Natürlich muss der Lagoon per Bluetooth mit dem Smartphone oder Tablet verbunden sein, zudem sollte die Messung an einem ruhigen Ort ohne viel externe Geräuschbelästigung vorgenommen werden. Hier haben wir alle Screenshots parat:

Der Lagoon wird erkannt

Herstellen einer Bluetooth-Verbindung

Kopplung

In Verbindung mit dem früheren Test eines Beyerdynamic Kopfhörers hatten wir schon einmal einen Hörtest gemacht, wir wiederholen das Procedere aber nochmal

Nun wiederholen wir den Test

Zugriff aufs Mikrofon des Smartphones

Ein ruhiger Ort ist am besten

Justage der Lautstärke

Erst das linke, dann das rechte Ohr

Test des Hörvermögens abgeschlossen

Nun erfolgt die Personalisierung

Vollständig personalisiert

Statistik über die "Sounddosis"

Erklärung des Touchpads: Titelsprung

Anheben der Lautstärke

Rubrik "Informationen"

In Betrieb

Der Effekt der durch die MIY-App vorgenommenen Optimierung lässt sich stufenlos mittels eines Reglers justieren. Und im Vergleich zu früheren Generationen hat sich einiges getan: Mittlerweile ist der Effekt durch die MOSAYC-Klangoptimierung selbst dann nicht mehr übertrieben, wenn man den Effekt voll ausreizt. Überhaupt greift die Optimierung deutlich subtiler, differenzierter ein als bei früheren Beyerdynamic-Headphones, die eine die Option der individuellen akustischen Optimierung boten.

Die Durchzeichnung im gesamten Frequenzverlauf wirkt feiner, der Hochtonbereich freier, der Bass räumlich dichter und besser gestaffelt. Zudem kann man vokale Konturen besser nachvollziehen, das Charisma bei der Wiedergabe weiblicher sowie männlicher Stimmen ist ausgeprägter - demnach kann man den Effekt der MIY-App nur als absolut gelungen bezeichnen. Und man bekommt sogar Auskunft darüber, ob man sein Gehör aktuell bereits überstrapaziert hat oder ob es noch "frisch und ausgeruht" ist - per Abfrage des aktuellen Tagespensums.

Innerhalb der App kann man sich überdies die Steuerung wichtiger Funktionen mittels des Touchpads (außen an der rechten Hörmuschel) erklären lassen. 

Schiebeschalter für ANC 

Praktisch - wer die beiden Stufen der aktiven Geräuschunterdrückung einstellt, bekommt per freundlicher weiblicher Stimme angesagt, welche Stufe gerade aktiv ist beziehungsweise ob ANC aktuell deaktiviert ist. Und was taugt die ANC von Beyerdynamic? Wir haben beide Stufen getestet. Zunächst sei erfreulicherweise versichert, dass der Lagoon auch dann kräftig, dynamisch und räumlich dicht klingt, wenn ANC nicht aktiviert ist.

Wir kennen zahlreiche Headphones, deren gesamte Klangcharakteristik sich komplett verändert, wenn man ANC deaktiviert. Das ist beim Lagoon nicht so, allerdings ist der Bass in den beiden ANC-Stufen etwas nachdrücklicher und massiver. In der zweiten ANC-Stufe ist der Sound minimal dumpfer und weniger fein durchzeichnet. Die Abschottung von normalen Umgebungsgeräuschen gelingt schon in der ersten Stufe gut, wenn man sich in einem lauten Umfeld aufhält, bevorzugen wir die zweiten Stufe, trotz der bereits beschriebenen minimalen akustischen Einschränkungen. 

Da wir gerade bei den Features sind: Der Lagoon verfügt auch über eine Freisprecheinrichtung. Sie funktioniert exzellent, man versteht den Gesprächspartner völlig rauschfrei und sehr klar, auch der Gesprächspartner hat keinerlei Verständnis-Schwierigkeiten - insgesamt eine der besten Freisprecheinrichtungen, die uns derzeit bekannt sind. Hier merkt man wohl die große Erfahrung von Beyerdynamic, was Mikrofone angeht. 

Klang

Wir hören mit ANC auf Stufe 1 und mit Klang-Personalisierung auf mittlerweile Stufe, und zwar in Tidal Master Quality (MQA): "I don't care" von Justin Bieber und Ed Sheeran stellt klar heraus, dass es um die Qualitäten des Beyerdynamic Lagoon exzellent bestellt ist. Vor allem der tief nach unten reichende Bass ist herausragend, aber auch der dichte räumliche Eindruck und die differenzierte Stimmwiedergabe. Grundsätzlich werden Stimmen und Instrumente auch bei gehobener Lautstärke akkurat voneinander getrennt, und auch kleine akustische Effekte arbeitet der Lagoon zuverlässig und impulstreu heraus.

Und auch bei "Shallow" von Lady Gagas und Bradley Cooper agiert der Lagoon souverän, hier fasziniert uns besonders, wie feinfühlig er die akustische Gitarre herausarbeitet. Aber auch die Stimmen von Bradley und Lady Gaga lassen durchscheinen, dass der Lagoon ein akustischer Volltreffer ist. Sauber abgestimmt, kultiviert, angenehm, zugleich lebendig und frisch: Der Heilbronner Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung führt Welten zusammen. Wer schnell die Lautstärke erhöhen oder zum nächsten Titel springen möchte, kann dies dank der sensiblen Touch-Steuerung jederzeit tun. 

Wir springen vor und landen bei "Paradise" von Bazzi. Ebenso wie die beiden vorangehenden Titel in Tidal Master Qualität. Klar umrissene Gesamtstrukturen, eine dichte Atmosphäre, die vom satten Bass und der exakt im Raum platzierten Stimme getragen wird, sind bestimmend für den exzellenten Eindruck. Nie erscheint das Spiel des Lagoon aggressiv oder metallisch, immer bleibt er gelassen und managt auch die Präsentation kleiner Details auf hohem Niveau. 

Nun geht es richtig zur Sache, nach wie vor in Tidal Master: "Chaos From Within" von Bad Religion ist ein schneller, harter Punkrock-Track, der aufgrund der schnellen Reaktionen des Beyerdynamic-Kopfhörers richtig Freude macht. Kritik auf hohem Level: Die schnellen Bässe könnten noch etwas mehr "drücken", sie wirken etwas seicht. 

"Legendary" von Skillet erfreut uns wieder praktisch ohne Kompromisse. Klar, wer es mit dem Pegel übertreibt, erntet bei diesem enorm dynamischen Stück Verzerrungen. Doch das ist auch nicht gut fürs Gehör. Hört man schon mit deutlich erhöhtem Pegel, bleibt der Lagoon ANC immer im "grünen Bereich" und liefert eine überragende Bassdynamik, ein spontanes Ansprechen auf alle Arten von Impulsen und eine wieder überdurchschnittlich gute Stimmwiedergabe: Die gewollte Aggressivität in den Vocals arbeitet der Lagoon glänzend heraus, ohne insgesamt ins Schrille abzudriften. 

Bei "No More" (Disturbed, Live aus London) präsentiert uns der Lagoon wieder, warum es die Konkurrenz in seiner Preisliga nun schwer haben wird: Kraftvoll und massiv, dabei aber trotzdem behände, nie zu lange verharrend: Die Auslegung passt anscheinend für viele Musikstile. Der Live-Faktor bei der Aufnahme kommt überragend heraus, ohne dass die Geräusche des Publikums einen unpassend hohen Stellenwert hätten.

Ja, bei hochwertigem Material zieht der Lagoon alle Register seines Könnens - so auch bei "Formation" von Beyonce. Was der Kopfhörer hier an präzisem Tiefgang im Bassbereich anbietet, prädestiniert ihn für R&B Fans. So kraftvoll, so exakt und mit so viel "Feeling" setzt sich der Bayerdynamic Lagoon in Szene. Vor allem begeistert, wie intensiv er den Zuhörer mit einbindet: Dieser fühlt sich sozusagen "direkt mit dem Track verzahnt", er ist nicht nur Hörer, sondern erlebt alles mit. 

Eignet sich der Lagoon auch gut für die Filmtonwiedergabe? Wir hören uns den deutschen Trailer zu "Star Wars 9" an. Das laute Atmen, zugleich der langsame Aufbau der Filmmusik im Hintergrund sowie die Stimme des Sprechers, die typischen Fluggeräusche imperialer Raumjäger: All dies verdichtet der Lagoon zu einem fesselnden, den Hörer umgebenden Klangbild, das aber nie zu drückend erscheint. Man kann auch lauter hören, der Kopfhörer bleibt souverän und bietet einen hohen Erlebnisfaktor. 

Der Trailer zu "Terminator - Dark Fate" setzt die Linie des Lagoon nahtlos fort. Auch hier ist es wieder die realistische Räumlichkeit, dieses komplette Abtauchen in den Trailer. Klar - wer extrem anspruchsvoll ist, wünscht sich vielleicht noch mehr Durchzeichnung bei Hochton-Details, aber das beherrschen nur wenige und deutlich teurere Kopfhörer, die übrigens dann kein ANC haben. Für einen 400 EUR-Kopfhörer mit ANC ist die Performance extrem gut, auch parallel stattfindende große Effekte werden einwandfrei auseinander differenziert. 

Konkurrenzvergleich

Teufel Real Blue NC: Für schmale 199 EUR bietet der Teufel hervorragende Leistungen: Eine recht wirkungsvolle aktive Geräuschunterdrückung, einen tadellosen Tragekomfort, eine gepflegte Akustik. Doch dass der Lagoon doppelt so viel kostet, rechtfertigt der Heilbronner ANC-Experte auch: Zweistufiges, noch besser abgestimmtes ANC, exzellente Klang-Personalisierung dank MOSAYC, ein enormer Tiefgang und eine bessere Detaillierung. 

B&W PX: Schon ab mittlerweile knapp 300 EUR ist der Bowers & Wilkins PX zu haben. Er bietet durchaus innovative Funktionen, ein ANC, das zwischen verschiedenen Hörumgebungen unterscheiden kann und natürlich die Steuerung per App. Akustisch erscheint er nicht völlig ausgewogen, da sich je nach Hörumgebung die jeweiligen Wiedergabecharakteristiken deutlich unterscheiden. 

Sony WH-1000XM3: Sonys Hightech-Cocktail sieht optisch unauffällig aus, hat es aber faustdick unter den Ohrmuscheln. Sehr effektives situationsabhängig arbeitendes aktives Noise Canelling, enorm umfangreiche App, die zudem zahlreiche gute DSP-Modi bereitstellt, und zahlreiche persönlich justierbare akustische Parameter garantieren einen stets klaren, kräftigen und räumlichen Sound. Ein harter Konkurrent, doch mit noch mehr akustischer Finesse im Detail und dem exzellenten MOSAYC-Prozess setzt sich der Lagoon auch hier durch. 

Fazit

Grandios gemacht, Beyerdynamic: Lange mussten wir auf den Lagoon ANC warten, aber es hat sich zu 100 Prozent gelohnt. Innovativ dank MOSAYC und Light Guide, auf der Höhe der Zeit dank sehr guter zweistufig aktiver Geräuschunterdrückung und akustisch extrem stark, bietet der sehr bequeme, nicht zu schwere Over-Ear-Kopfhörer für rund 400 EUR ein Optimum. Räumlich extrem dicht aufspielend, immer souverän sowie angenehm und mit toller Stimmwiedergabe lässt sich der Lagoon ANC nichts vormachen. 

Der Beyerdynamic Lagoon ANC ist derzeit der beste BT-Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung, den man in der Liga bis 400 EUR kaufen kann

Gesamt-Referenz Over-Ear-Kopfhörer mit ANC
Test 04. Juli 2019

Test: Carsten Rampacher
Datum: 04. Juli 2019

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