TEST: Marantz MODEL 30 - Hochwertiger Stereoverstärker mit feinem und kultiviertem Klang
Klang

clearaudio concept Signature
Da der Marantz MODEL 30 eine sehr hochwertige Phono MM/MC-Vorstufe besitzt, bietet es sich natürlich an, seine akustischen Qualitäten zusammen mit einem entsprechend leistungsstarken Plattenspieler. Wir haben den clearaudio concept Signature verwendet.
Die Phonovorstufe des MODEL 30 bietet für MC-Tonabnehmer wie bei unserem clearaudio montiert verschiedene Einstelloptionen.
- MC LOW (33 Ω/Ohm): Für einen MC-Tonabnehmer mit weniger als 50 Ω/Ohm.
- MC MID (100 Ω/Ohm) : Für einen MC-Tonabnehmer mit ungefähr 50 Ω/Ohm.
- MC HIGH (390 Ω/Ohm) : Für einen MC-Tonabnehmer mit 100 Ω/Ohm oder mehr
Aufgrund der Spezifikationen unseres Tonabnehmers wählen wir "MC LOW".

Wharfedale Elysian 3
Als Lautsprecher setzen wir auch im diesem Test wieder auf die Wharfedale Elysian 3, die mit ihrem exzellent gestaffelten Klang und der ausgezeichneten räumlichen Abbildung gern genommen wird.
Bei "Did Trouble Me" von Tom Jones überzeugt uns der Marantz mit einer präsenten, feinfühligen Stimmwiedergabe und mit einer hervorragenden Darstellung der beteiligten Elemente. Nie verliert der MODEL 30 die Fokussierung auf die vokalen Elemente, die im Zentrum des Titels stehen, aus den Augen, räumt aber zugleich den instrumentalen Anteilen die richtige Gewichtung ein. Die Räumlichkeit, die wir wahrnehmen, wirkt zu jedem Zeitpunkt realistisch und ist, was Weite und Tiefe angeht, sehr ausgeprägt. Gerade zusammen mit dem clearaudio Plattenspieler, der ebenfalls, was Räumlichkeit und akustische Homogenität angeht, sehr leistungsfähig ist, wird hier ein äußerst kultivierter, zugleich aber auch lebendiger, direkter Klang offeriert.
Nun hören wir "Misa Criolla" (Musica Temprana) und können uns wieder lobend über die exzellente Stimmdarstellung äußern. Natürlich kann man in der Preisklasse, in der sich der Marantz Vollverstärker befindet, eine sauber ausbalancierte, präzise Wiedergabe vokaler Elemente voraussetzen. Und hier bewegen sich viele Verstärker, die wir kennen, auf einem enormen Level. Was also ist das Besondere am MODEL 30? Es ist dieses Sensible, feindynamisch Mitreißende, was uns berührt. Wir hätten nicht mit einer so emotionalen Präsentation unseres Testkandidaten gerechnet. Verglichen mit anderen von uns getesteten Marantz Stereoverstärkern beeindruckt uns der MODEL 30 mit einer nochmals besseren Balance und einer besonders differenzierten, angenehmen Note.
Wir setzen fort mit der "Gladiator Rhapsody" vom Vinyl-Album "Hans Zimmer - The Classics". Der weltberühmte Pianist Lang Lang (zusammen mit dem Czech Philharmonic Orchestra) bedient das Klavier, und der MODEL 30 setzt sich mit den bereits bekannten Tugenden in Szene. Er schafft eine emotionale, fein auflösende Darstellung des Tasteninstruments, mit einer sehr gut wahrnehmbaren Herausarbeitung der Anschlagdynamik. Das gesamte Frequenzspektrum, das der Marantz präsentiert, ist sauber gestaffelt und wirkt in sich schlüssig. Dank der wiederum überragenden Räumlichkeit haben wir eine in Weite und Tiefe authentische virtuelle Bühne vor uns, mit exakter Differenzierung der unterschiedlichen akustischen Ebenen. Der MODEL 30 klingt auch hier wieder nicht nüchtern, sondern mit einer leichten, emotional feinfühligen Wärme, die dafür sorgt, dass der Klang auch bei deutlich gehobener Lautstärke als ausgesprochen angenehm empfunden wird.
Vom gleichnamigen Album lauschen wir jetzt Diana Kralls "The Look Of Love". Die angenehm temperierte akustische Gesamtauslegung des MODEL 30 sorgt auch hier wieder für Vergnügen beim Hören. Das Melancholische, Rauchige, das den Reiz von Dianas Stimme ausmacht, arbeitet der japanische Vollverstärker auf hohem Niveau heraus. Beeindruckend ist die Tatsache, dass der Vollverstärker digitale Endstufen mitbringt, und diese Bauart war noch vor nicht allzu langer Zeit weniger für eine gefühlvolle Darstellung bekannt. Viemehr war der Sound oftmals etwas synthetisch und ungelenk. Wie es anders geht, beweist uns der Marantz auch wieder, als der das Piano-Solo herausarbeitet: Mit feinnerviger Lebendigkeit und einer ausgesprochen gut getroffenen Temperatur des Klaviers, auch im Hochtonbereich, erspielt er sich weitere Punkte auf sein Test-Konto. Das Plastische, Raffinierte, das wir am Klangbild unseres Testkandidaten so schätzen, rückt auch hier wieder in den Fokus der gesamtakustischen Betrachtung.
Wir beenden unsere Vinyl-Testreihen mit "Ordinary Guy" von Jacon Dinesen (Album "Let The Hard Times Come"). Und wieder ist es diese Mischung aus enormer Klarheit und einer feinen, kultivierten Wärme, die schon ab Titelbeginn Emotionen bei der Zuhörerschaft auslöst- Jacobs Stimme steht klar definiert im Raum, und die sich darum gruppierenden Instrumente ertönen konturenreich und sauber abgestimmt. Der MODEL 30 empfiehlt sich mit seiner Auslegung klar für denjenigen Hörerkreis, der sich echten akustischen Genuss wünscht, der sich im Sessel oder auf der Couch zurücklehnen möchte und ein breites, zugleich präzise definiertes Klangpanorama erleben möchte. Genau das schafft unser Testkandidat - Hören zu einem Erlebnis zu machen.

Cambridge Audio CXN100
Jetzt streamen wir Titel von TIDAL und nutzen als Zuspieler den Cambridge Audio CXN100. Wir beginnen mit "Vertical Heroes" vom Boris Blank-Album "Resonance" und erleben einen sehr vitalen, nachdrücklichen, aber zugleich tadellos ausbalancierten Bassbereich. An unseren Wharfedale-Lautsprechern notieren wir einen ausgeprägten Tiefgang und eine klare Abstufung bei der Darstellung tiefer Frequenzen. Auch die Gesamtdynamik und die Feindynamik können wieder vollauf überzeugen. Es scheint schwer zu sein, den MODEL 30 hinsichtlich der Auswahl des Test-Materials auf dem falschen Fuß zu erwischen. Er spielt stets klar, angenehm und sauber auf - und kombiniert dies, wie auch hier wieder, mit einer räumlichen Abbildung, die im Gesamten ebenso begeistert wie auch im Detail bei der Ausarbeitung subtiler Nuancen.
"Nessun Dorma" aus Puccinis "Turandot", dargeboten von Startenor Jonas Kaufmann, zeigt wieder diese Mischung aus Präzision und Harmonie, durch die sich der Marantz Vollverstärker von der starken Konkurrenz abheben kann. Er bietet eine sauber inszenierte Gesamtdynamik und ist zugleich in der Lage, filigrane Nuancen aus Jonas' Stimme klar herauszuarbeiten. Die Instrumente sind nicht minder gut detailliert, und gliedern sich herausragend in den virtuellen Raum ein. Der Chor, der oftmals nur verwaschen und unsauber präsentiert wird, überzeugt uns mit fein gezeichneten Strukturen.
Völliger Wechsel des Musikstils: Der Techno-Klassiker "Kernkraft 400" von Zombie Nation im Original-Mix soll nun Auskunft darüber geben, ob der MODEL 30 auch mit "elektronischem Material" gut zurechtkommt. Das ist definitiv der Fall, auch bei deutlich gehobenem Pegel schieben die digitalen Endstufen noch kraftvoll an und lassen es weder an dichter Räumlichkeit noch an Dynamik missen. Der Erlebnisfaktor beim Hören ist demnach auch hier gegeben, und der Vollverstärker platziert jeden elektronischen Effekte exakt und plastisch im Hörraum.
Und wieder hören wir in einer komplett anderen musikalischen Stilrichtung - "Over The Hills And Far Away" (Version von Nightwish) wird wiedergegeben. Dieser Musikstil liegt dem MODEL 30 offenbar nicht so sehr wie das zuvor gehörte Material. Bei höherer Lautstärke steht die Stimme der Sängerin minimal zu weit hinten, und die E-Gitarren könnten noch fetziger herauskommen. Klar, das ist "Meckern auf hohem Niveau", aber der MODEL 30 war zuvor so außergewöhnlich gut, dass schon diese minimalen Einschränkungen auffallen. Aber wie heißt es so schön, jeder hat seine zweite Chance verdient, und daher spielen wir dem edlen Japaner "Land Of Confusion" in der Cover-Version von Disturbed zu. Und hier gefällt uns der MODEL 30 hörbar besser: Mehr Schwung, mehr Punch, und der gewollte leicht aggressive Einschlag bei den vokalen Elementen und bei der E-Gitarre wird einwandfrei herausgearbeitet.

DT 1990 PRO MK2
Da der MODEL 30 auch über einen sehr hochwertigen Kopfhörerverstärker verfügt, haben wir beim Anschluss unseres klangstarken beyerdynamic DT 1990 PRO MK2 drei Titel angehört, und zwar "The Good Life" (Till Brönner), "Radio Gaga" (2011er Remaster-Version) und "Ain't No Sunshine" (Eva Cassidy). Der MODEL 30 harmoniert prächtig mit dem beyerdynamic und beeindruckt mit einer intensiven, bis ins Detail präzisen Akustik. Ganz gleich, ob es Tills virtuos gespielte Trompete, die charakteristische Stimme von Freddie Mercury oder das exzellente Zusammenspiel von vokalen und instrumentalen Elementen bei "Ain't No Sunshine" ist - der Kopfhörerverstärker im Marantz arbeitet so gut, dass man schon ordentlich investieren muss, möchte man mit einem externen Kopfhörerverstärker nochmals bessere Resultate, was Konturenschärfe und Filigranarbeit angeht, erzielen. Klar ist das möglich, aber dann sollte man sich in Preisklassen > 500 EUR umhören, um wirklich Unterschiede herauszuhören. Mit seinem runden, geschliffenen Klang bleibt der Marantz im Übrigen auch bei der Verwendung des Kopfhörerverstärkers seiner akustischen Linie konsequent treu.
Konkurrenzvergleich

Yamaha A-S2200: Der Yamaha A-S2200 kommt auf knapp 3.000 EUR. Auch er ist ein ausschließlich mit analogen Anschlüssen bestückter Vollverstärker, der im Gegensatz zum Marantz aber auch über klassische Class AB Analogendstufen verfügt. Während der MODEL 30 bezüglich des Designs eine progressive Neuausrichtung mit einigen zitierten typischen Marantz-Stilelementen verbindet, vertritt der Yamaha mit den beiden beleuchteten VU-Metern und den speziell geformten Bedienelementen den Retro-Look und orientiert sich an den goldenen 70er Jahren. Die sehr hochwertige Frontblende besteht aus Aluminium. An 4 Ohm bietet der A-S2200 160 Watt pro Kanal, und der innere Aufbau ist exzellent - mehr kann man in der Preisklasse nicht erwarten. Die Fernbedienung fällt etwas schlichter aus als das Pendant von Marantz, dafür weist der A-S2200 auf der Rückseite auch einen symmetrischen XLR-Eingang auf. Wie auch der Marantz bringt der Yamaha einen hochwertigen Phonovorverstärker für MM und MC mit. Klanglich beeindruckt der Yamaha mit einem plastischen und räumlich weitläufigen Klang - hier geht er einen ähnlichen Weg wie der Marantz, der bei hohen Lautstärken noch eine Idee souveräner wirkt, obwohl bereits der A-S2200 sehr pegelfest ist. Das Auflösungsvermögen scheint beim MODEL 30 noch minimal ausgeprägter zu sein, ernsthafte Kritik kann man aber auch beim Yamaha keinesfalls üben.

Technics SU-G700M2: Der im typischen Design des Hauses gehaltene Vollverstärker wird zum Preis von 2.599 EUR angeboten und beeindruckt mit seinem in drei Kammern aufgeteilten, sehr konsequent aufgebauten Innenleben. Er bringt eine Vielzahl an Technics-Exklusivtechnologien mit, und im Inneren arbeitet die JENO-Engine für die volldigitale Verstärkung. Im Gegensatz zum Marantz ist der Technics mit analogen und mit digitalen Anschlüssen (optisch + koaxial spwie USB-B für die Verbindung zum PC/Notebook) ausgestattet. Wie auch die Konkurrenz, gehört eine MM/MC-Phonovorstufe zur Feature-Liste, die zudem über praxisgerechte Einstell-/Anpassungsoptionen verfügt. Er kann mit 140 Watt Ausgangsleistng an 4 Ohm und mit 70 Watt Ausgangsleistung an 4 Ohm dienen. In allen Hörtestreihen klang der Technics frisch und klar, das Sensibel-Schöne, das uns am MODEL 30 akustisch so fasziniert, konnten wir allerdings nicht feststellen. Der Technics macht definitiv nichts falsch - gerade für seinen Kaufpreis leistet er sich keine klangliche Schwäche. Aber der MODEL 30 berührt mit seinem emotionalen, feinen, aber bei Bedarf auch spontan sehr zupackenden Klang enorm. Während die edle Aluminiumfront unsere volle Zustimmung findet, wirkt die mitgelieferte Fernbedienung nicht allzu hochwertig.

AVM AS 30.3: Für beinahe den gleichen Preis wie beim Marantz gibt es den AVM AS 30.3: 3.599 EUR wechseln den Besitzer, allerdings kann man für 4.390 EUR das Gerät noch in besonders edlem Cellini Chrom ordern. Der AVM weist eine andere Auslegung als der Marantz auf und agiert als "eierlegende Wollmilchsau", und das gekonnt. Der bringt AVMs hauseigene X-Stream-Plattform und die RC X-App zur Steuerung mit. Unter anderem ist der AVM kompatibel zu Roon (ready), TIDAL Connect, Qobuz Connect, Spotify Connect und zu AirPlay 2. Bluetooth ist ebenfalls an Bord. Ein hochwertiger, präzise arbeitender ESS-DAC sorgt für die digital-analoge Wandlung. Die Anschlussbestückung erweist sich als sehr flexibel und beinhaltet auch einen HDMI-ARC-Anschluss für die direkte Verbindung mit dem Smart-TV. Die Ausgangsleistung an 4 Ohm liegt bei 2 x 125 Watt - das ist ordentlich, aber der MODEL 30 kann bei hohem Pegel schon davonziehen. Der AVM klingt lebendig und authentisch, der MODEL 30 minimal wärmer und seidiger. Eine akustisch akkurat ausgelegte Phonovorstufe für MM- und MC-Tonabnehmer kann auch der AS 30.3 vorweisen. Die Verarbeitung des von Hand zusammengesetzten Streaming-Vollverstärkers ist hervorragend, der innere Aufbau wirkt beim Marantz aber opulenter. Im Lieferumfang ist eine Aluminiumfernbedienung mit einer Vielzahl gleichförmiger und kleiner Tasten enthalten.
Fazit

Es muss nicht immer ein Vollverstärker mit eingebautem Streaming sein - ein rein analog bestückter Kandidat, der über eine leistungsstarke Phono MM/MC-Vorstufe und über einen klanglich hervorragenden Kopfhörerverstärker verfügt, kann ebenfalls viel Freude bereiten. Und wer auf Streaming nicht verzichten möchte, kann problemlos einen entsprechenden Netzwerkplayer über Cinch-Analog mit dem MODEL 30 verbinden. Insgesamt steht beim MODEL 30 seine außergewöhnliche Akustik im Zentrum dieses Tests. Der japanische Vollverstärker spielt einfach schön, ästhetisch, feinfühlig und mit enorm sauber dosierter Räumlichkeit. Er ist auch etwas anders ausgelegt als günstigere Marantz Stereoverstärker, die dieses extrem hohe Maß an akustischer Kultur nicht aufbieten können. Daher ist der MODEL 30 seinen nicht eben niedrigen Kaufpreis definitiv wert - gerade in Verbindung mit einem edlen Plattenspieler wird hier ein Niveau erreicht, das für diese Preisliga beispielhaft ist. Dank der sehr guten Reserven der Endstufen kann man den Marantz zudem auch problemlos im größeren Hörraum um die 30 Quadratmeter einsetzen.
Kompromissloser Audio-Ästhet mit hervorragender Phonovorstufe und lelstungsfähigem Kopfhörerverstärker

Stereo-Vollverstärker Oberklasse
Test 04. März 2026
Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 04. März 202
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Tags: Marantz • MODEL 30 • Vollverstärker






