TEST: JBL Quantum 800 - Kabelloses Gaming-Headset mit hohem Tragekomfort und präzisem Sound

Gaming-Headsets zählen mittlerweile bei diversen Kopfhörerherstellern zum Standardrepertoire. Auch JBL hat sich mit der Veröffentlichung seiner „Quantum“-Reihe dazu entschieden, seinen Beitrag zu dieser Sparte an Kopfhörern zu leisten. Dabei herausgekommen sind insgesamt acht Headsets sowie ein Stereo-Lautsprecher-Set in unterschiedlichen Preisklassen. Wir beschäftigen uns heute mit dem JBL Quantum 800, das aktuell für 180 EUR erhältlich ist und schon zu den höherrangigen Ablegern der Serie gehört.

Das Quantum 800 Headset von oben

Das Quantum 800 ist, wie alle Versionen der Quantum-Reihe, mit dem JBL QuantumSOUND Signature-Klang ausgestattet, welcher laut Hersteller durch extra große und leichte Treiber mit 50mm-Dynamikmembranen und einer Impedanz von 32 Ohm den besten Gaming-Sound erzeugen soll. Dabei ist insbesondere die Klangpräsentation beim Zocken interessant: durch das auf dem PC exklusive QuantumSURROUND-Feature soll der Klang besonders immersiv und räumlich sein. Man soll genau orten können, von wo bestimmte Soundquellen kommen und wie weit sie sich weg befinden. Um dieses hochkarätige Gaming-Erlebnis noch zu unterstützen, beinhaltet das Headset, neben dem Echo unterdrückenden „Boom Mikro“, eine von dem Onlinedienst „Discord“ zertifierte Game-/Chat-Balanceregelung. Mit zwei separaten integrierten Soundkarten lässt sich die Balance des Game Sounds und des Sprachchats direkt am Headset regeln. Für die genauere Konfiguration dieser und anderer Features, wie z.B. die Personalisierung des optischen Erscheinungsbildes durch RGB-Beleuchtung, ist am PC natürlich noch die hauseigene Software „JBL QuantumENGINE“ mit dabei.

Sonst ist das Headset mit allen gängigen Konsolen und Geräten kompatibel, wie Nintendo Switch, dem Smartphone, VR, Mac, Playstation und Xbox inklusive der neuen Konsolen Playstation 5 und Xbox Series X/S. Per Klinkenanschluss lassen sich alle diese Geräte mit dem Quantum 800 verwenden, mit dem Wireless Adapter allerdings nur der PC, Mac sowie die Playstation 4, während Bluetooth nur am PC, dem Mac und dem Smartphone funktioniert.

Abgesehen davon aber wollen natürlich die grundlegenden Bedingungen für gute Kopfhörer nicht fehlen. Das Quantum 800 verspricht durch sein Gewicht von 410g und die Memory Foam-Ohrpolster aus Leder auch über lange Spielsitzungen einen hohen Tragekomfort. Außerdem mit im Boot ist das allseits bewährte Active Noise Cancelling, das aber nach Belieben deaktiviert werden kann. Und zu guter Letzt verfügt das Quantum 800 über eine duale Wireless-Ausstattung durch Bluetooth 5.0 und die Verbindung über einen 2,4Ghz Wireless Adapter. Die Akkulaufzeit soll sich dabei auf 14 Stunden mit einer Ladezeit von zwei Stunden belaufen.

Gehäuse mit Scharnieren und einklappbaren Ohrmuscheln

Außenverarbeitung im Detail

Sauberes Finish am Bügel

Mit Zahlen gekennzeichnete Regulation der Bügelhöhe

Schauen wir uns den Quantum 800 doch einmal im Detail an. Einen guten Eindruck macht zunächst das Design. Durch und durch schwarzgraue Optik mit einem Hauch orange in den Ummantelungen der von den Ohrmuscheln zum Bügel gehenden Kabel ist zwar schlicht, aber eben auch zeitlos und so besticht der Quantum 800 gleich durch ästhetische Subtilität. Ebenfalls Gefallen lösen bei uns die Ohrmuscheln selbst aus. Im Inneren wird auf einem ganz dünnen Netz durch den bereits erwähnten Orange-Ton designiert, welche Seite links und rechts ist und ummantelt sind die Memory Foam-Polster des Headsets mit hochwertigem, schwarzem Kunstleder. Mit der Verarbeitung jener Ohrmuscheln stellt das Quantum 800 auch gleich seine Komfort-Fähigkeiten unter Beweis, denn das Leder schmiegt sich förmlich an unsere Ohren an und lässt diesen aber gleichzeitig genügend Raum, damit das Innere der Muscheln nicht an den Ohren drückt, sondern sie schlichtweg angenehm umschlossen werden. Ebenfalls mit Kunstleder gepolstert ist auch die Unterseite des vielseitig verstellbaren Bügels. Auf den ersten Blick wirkt der Mechanismus zum Verstellen des Bügels etwas zu leichtgängig, wenn man das Headset allerdings aufgesetzt hat, ist er stabil und auch direkt am Kopf leicht zu justieren. In Sachen Tragekomfort können wir berichten, dass der Bügel auch nach längerer Zeit am Kopf kein bisschen drückt, was uns aufgrund des sehr bequemen Sitzes an den Ohren umso mehr erfreut, da wir so von einem rundum komfortablen Kopfhörer sprechen können.

Innenseite der sehr bequemen Ohrmuscheln

Außenseite der Ohrmuscheln mit eingeklapptem Mikrofon links

An der Außenseite haben wir neben dem JBL-Schriftzug, der sich bei Betrieb in verschiedenen RGB-Leuchtstufen zeigt, die Scharniere für den Bügel und das teils matte, teils glänzende Gehäuse der Muscheln. Auf dem glänzenden Teil des Gehäuses sieht man zwar relativ schnell Fingerabdrücke, allerdings gefällt uns die durch das Glänzen optische Abwechslung, die das Gehäuse nicht ganz so schlicht aussehen lässt. Abgesehen vom Gehäuse finden wir an der linken Ohrmuschel ein klappbares Mikrofon, welches leider nicht abnehmbar ist. Mit dabei ist dafür ein kleiner Windschutz, der sich abziehen und demzufolge austauschen lässt. Die Klappfunktion hat allerdings nicht nur den Zweck, das Mikrofon verstauen zu können, wenn es nicht gebraucht wird, sondern es wird zusätzlich bei hochgeklapptem Zustand stumm geschaltet, wenn man sich gerade in einem Sprachchat befindet.

Lederne Unterseite des Kopfbügels


Oberseite mit JBL-Formenlogo

Was uns leider etwas negativ überrascht hat, ist die materielle Beschaffenheit des Headsets. Das Gehäuse sowie der Bügel bestehen allesamt aus Kunststoff, was zwar bei der Benutzung prinzipiell kein Problem darstellt, das Quantum 800 aber natürlich etwas weniger hochwertig erscheinen lässt. Der Kunststoff bietet eine solide Haptik und wirkt nicht billig, etwas mehr höherwertigen Materialeinsatz hätten wir aber dennoch begrüßt. Kopfhörer bzw. Headsets dieser Preisklasse lassen sich in dieser Beziehung häufig nicht lumpen und statten Teile des Gehäuses oder zumindest den Bügel mit Aluminium aus.

Game-Chat-Balanceregler, Lautstärkeregler und ANC-/TalkThru-Button an der linken Ohrmuschel

Stummschalter für das Mikrofon

Micro-USB-Anschluss zum Laden sowie Klinkenanschluss und Status-LED

Wenn wir uns kurz die Bedienelemente des Headsets vor Augen führen, sehen wir insbesondere an der linken Ohrmuschel mehrere Knöpfe und Regler. Unten wäre zum einen der USB-C-Anschluss zum Laden des Headsets und zum Updaten der Firmware. Direkt daneben befindet sich der 3,5mm-Klinkenanschluss, um das Quantum kabelgebunden zu verwenden (ein ca. 130cm langes Klinkenkabel mit integriertem Lautstärkeregler und Taste zum Stummschalten des Mikrofons sind im Lieferumfang enthalten). An der Rückseite unten bietet das Headset mit einem einfachen Knopf eine weitere Möglichkeit, das Mikrofon stumm zu schalten, während man direkt darüber via Drehregler die Wiedergabelautstärke einstellen kann.

Die obersten beiden Bedienelemente sind wohl die interessantesten. Da es sich beim Quantum 800 um ein Gaming-Headset handelt, ist der zweite Drehregler ein willkommenes Feature, mit diesem lässt sich nämlich die Balance zwischen der Lautstärke des Spiels und der Lautstärke des Sprachchats austarieren. Dies geht locker leicht von der Hand und funktioniert außerdem zuverlässig. Dreht man den Regler in Richtung des Controller-Symbols, so wird ganz einfach die Lautstärke des Spiels erhöht, während die Lautstärke der Gesprächsteilnehmer im Voice Chat reduziert wird und umgekehrt. Auch nicht fehlen darf natürlich die Ausblendung von Umgebungsgeräuschen. Diese wird beim Quantum 800 über das etablierte aktive Noise Cancelling-System erreicht. Mit dem obersten Knopf an der linken Ohrmuschel lässt sich bei kurzem Drücken das ANC an- und ausschalten und bei längerem Drücken auch die „TalkThru“-Funktion aktivieren, mit der es trotz der geschlossenen Architektur des Headsets möglich ist, Umgebungsgeräusche zu hören und Gespräche zu führen, auch wenn man das Headset noch trägt. Wir können an dieser Stelle auch vermelden, dass die Ausblendung von Umgebungsgeräuschen erwartungsgemäß sauber funktioniert. Zwar können sehr laute Geräusche immer noch wahrgenommen werden, gerade wenn im Moment nichts auf dem Kopfhörer zu hören ist, aber dennoch funktioniert die Abschottung wunderbar. Positiv fällt auch auf, dass bei aktiviertem ANC kein starkes Eigenrauschen zu vernehmen ist, was ja bei ANC-Kopfhörern gerne einmal vorkommen kann.

Power-Schalter und Taste zur Verbindung via Bluetooth

An der rechten Ohrmuschel gestalten sich die Bedienelemente wiederum wesentlich weniger aufregend, hier finden wir schlichtweg den Power-Schalter sowie den Knopf zur Verbindung des Headsets mit einem Bluetooth-Gerät wie dem Smartphone oder dem TV. Die Verbindung wird dabei visualisiert über eine LED direkt neben dem Knopf, welche zunächst während des Verbindens blinkt und bei verbundenem Zustand dann blau leuchtet. Die Bluetooth-Verbindung kann mit dem Quantum 800 übrigens als sekundäre Verbindung neben der Hauptverbindung bestehen bleiben, sodass das Headset gleichzeitig Anrufe vom Smartphone und Sound von der Primärquelle, z.B. dem PC, wiedergeben kann (dabei ist es auch egal, ob es mit dem PC kabellos oder per Klinke verbunden ist).

Lieferumfang des Quantum 800 mit Klinkenkabel, USB-C-Kabel und Wireless-Empfänger

Der Wireless-Empfänger im Detail

Lautstärke und Mikrofonstummschaltung integriert im Klinkenkabel

Außerdem im Lieferumfang dabei ist natürlich der 2,4GHz Wireless USB-Adapter zur Verwendung des Headsets am PC und der Playstation 4. Mit dem Wireless Adapter am PC lässt sich auch die von JBL entwickelte QuantumENGINE-Software zur Konfiguration des Headsets verwenden. Hiermit nehmen wir das Quantum 800 auch dementsprechend in Betrieb, indem wir einfach den Wireless Adapter per USB an den PC stecken und das Headset einschalten. Die Kopplung folgt ganz automatisch und ohne unser Zutun und wir können augenblicklich das Quantum verwenden.

Ausgeklapptes Mikrofon mit RGB-Beleuchtung an den Ohrmuscheln

Das Mikrofon mit Windschutz und roter LED bei Stummschaltung

Bevor wir uns der QuantumENGINE-Software widmen, testen wir noch kurz die Sprachqualität des Mikrofons bei einem Anruf mit dem Smartphone. Die Bluetooth-Verbindung ist schnell hergestellt, wir drücken nur zwei Sekunden lang die Bluetooth-Taste an der rechten Ohrmuschel und wählen am Smartphone das JBL Quantum 800 aus und schon ertönt ein kurzer Signalton aus dem Quantum, um uns zu signalisieren, dass der Verbindungsversuch geklappt hat. Beim Telefonat stellt sich dann heraus, dass wir klar und deutlich zu hören sind und auch keine Hintergrundgeräusche, Knistern oder ähnliche unerwünschte Sounds zu vernehmen sind. Auch unser Gegenüber wird nicht unterbrochen, sondern wird über das Headset vollständig und ohne Störgeräusche übertragen und wiedergegeben.

Alles in Allem macht der JBL Quantum 800 eine gute Figur. Die Verarbeitung der essentiellen Features wie ANC, das Mikrofon und die einfache Bedienung und Inbetriebnahme lassen keine Wünsche offen und vor allem der hervorragende Tragekomfort überzeugen auf ganzer Linie. Einzig und allein die materielle Zusammensetzung des Headsets verpasst dem Ganzen einen kleinen Minuspunkt, zumal wir uns hier bei immerhin knapp 200 EUR Kaufpreis befinden. Trotzdem, eine sehr solide Leistung des Quantum 800 bis hierhin.

Die QuantumENGINE

Nachdem wir jetzt um die Verarbeitung des Quantum wissen und es außerdem bereits per Wireless Adapter in Betrieb genommen haben, wird es Zeit, dass wir uns etwas mit der QuantumENGINE beschäftigen, der Konfigurationssoftware von JBL, mit der sich das Klangerlebnis der Quantum Headsets optimieren lassen soll. Die Installation geht leicht von der Hand, wir gehen ganz einfach auf die Produktseite unseres Modells und laden uns den Installer von 126 MB Dateigröße herunter und folgen den Instruktionen. Beim Start präsentiert sich uns ein kurzes Tutorial, mit dem uns die Funktionen der Software erklärt werden. Diese Funktionen möchten wir hier im Folgenden auch besprechen.

Equalizer mit mehreren möglichen Voreinstellungen

Konfiguration der RGB-Beleuchtung an den Außenseiten der Ohrmuscheln

Mikrofoneinstellungen inkl. Nebenton

Tab zum Updaten der Firmware oder zum Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen

Zunächst sehen wir in der oberen Leiste mehrere Statusanzeigen über die aktuellen grundlegenden Beschaffenheiten des Headsets. Ganz links finden wir die aktuell in Windows eingestellte Lautstärke, daneben die Mute-Anzeige für das Mikrofon mit dem aktuellen Ausschlag und daneben die Balance zwischen Chat- und Game-Sound. Außerdem lässt sich hier bereits der „Raumsound“ aktivieren, also der QuantumSURROUND-Sound und DTS Headphone:X. Ganz rechts dann der verbleibende Akkustand und eine Angabe, wie das Headset momentan verbunden ist. Darunter können wir mit drei kleinen Buttons auf die Schnelle die Talk-Through-Funktion sowie das aktive Noise Cancelling und Bluetooth aktivieren oder deaktivieren und schließlich rechts davon die aktuellen Einstellungen in einem Profil speichern.

Beim unteren Teil kommen wir dann aber zu den interessanteren Features. Klassischerweise darf natürlich ein Equalizer nicht fehlen, den man frei konfigurieren kann, der aber auch sieben verschiedene Voreinstellungen bietet. Beim Menüpunkt darunter können wir die RGB-Einstellungen durchführen, d.h. die Beleuchtung des Rings und des Logos an den Außenseiten der Ohrmuscheln lassen sich in Farbe und Leuchtdauer einstellen. Dabei können viele verschiedene Farbmuster entstehen, deren Konfigurationen sich ebenfalls speichern lassen. Alternativ können wir die Beleuchtung auch einfach deaktivieren. Weiter unten finden sich dann die Einstellungen des Mikrofons, sofern es denn nicht stummgeschaltet ist. Bei der obersten Leiste sehen wir dann, wie auch ganz oben im Fenster, den aktuellen Ausschlag, während wir in der Mitte die Empfindlichkeit regeln können. Bei der untersten Leiste können wir das „Nebenton-Feature“ aktivieren, mit dem es möglich ist, sich selbst über das Mikrofon zu hören, was ja aufgrund der geschlossenen Gehäusearchitektur sonst nur sehr gedämpft der Fall ist. Dabei kann man aus drei verschiedenen Lautstärkestufen für die Wiedergabe der eigenen Stimme wählen. Der Nachteil dieser Funktion ist, dass es logischerweise nicht im Zusammenhang mit aktivem Noise Cancelling verwendet werden kann. Selbstverständlich ist solch ein Feature kein hundertprozentig akkurater Ersatz für das reale Hören der eigenen Stimme, sie ist aber ein guter Kompromiss, um zu vermeiden, dass man aufgrund der eigenen gedämpten Stimme lauter spricht, als es notwendig ist. Unter den Mikrofoneinstellungen können wir schließlich nach Updates für die QuantumENGINE-Software, aber auch für das Headset selbst suchen. Für die Aktualisierung der Headset-Firmware würden wir das Quantum 800 per USB mit dem PC direkt verbinden. Unser Exemplar ist allerdings laut der ENGINE bereits auf dem aktuellen Stand.

Die QuantumSURROUND-Einstellungen in der QuantumENGINE

Zum Schluss kommen wir zur Raumsound-Option. Hier können wir sowohl DTS:Headphone X v2.0 aktivieren, als auch das eigens von JBL entwickelte virtuelle Surround-Format „QuantumSURROUND“. DTS:Headphone X v2.0 wird nur aktiviert und bietet keine weiteren Einstellungsmöglichkeiten, bei QuantumSURROUND jedoch können wir ein paar kleine Anpassungen vornehmen, um den besten Sound zu generieren. Zunächst aber sollten wir rechts auf „Channel Setup“ klicken, was uns zu einem Youtube-Video führt, das uns zeigt, wie man in den Windows-Soundeinstellungen das Quantum 800 als Surround-Gerät konfiguriert, indem wir auf „Lautsprecherkonfiguration“ klicken und „7.1 Surround“ auswählen. Links können wir dann aus drei Surround-Einstellungen auswählen, abhängig davon, welches Klangbild wir simulieren wollen

„Ausgewogen“ soll für eine gleichmäßige Soundkulisse sorgen, die einen Kompromiss bilden soll aus akkuratem und gleichzeitig immersivem Sound. „Präzise“ dagegen soll den Nachhall reduzieren und für die beste Räumlichkeit sorgen, während allerdings die „Externalisierung“ abgeschwächt wird, also das Gefühl, die Soundquelle befände sich außerhalb des Kopfes. Bei „Immersiv“ soll ein „Wohnzimmersound“ simuliert werden, der für den höchsten Grad an Immersion sorgt. Diese Beschreibungen, die in der ENGINE-Software direkt als Tooltipp einsehbar sind, sind nach unserem Empfinden auch zutreffend. Wenn wir einmal mit „She Moves“ von Andy Moor feat. Carrie Skipper vergleichen: Bei „Präzise“ klingt es so, als wäre der Name Programm. Insbesondere die tiefen Frequenzen wirken nicht nur sehr kräftig, sondern auch klar und ohne jeglichen dröhnenden Durchschlag. Man fühlt sich allerdings, wie in der Beschreibung erläutert, auch am nächsten zur Musik, weil sowohl Synthesizer als auch die Vocals distinkt voneinander sehr gut und ohne den angesprochenen Nachhall wahrnehmbar und ortbar sind. Insbesondere bemerkenswert ist dies bei den Percussions, die in der Mitte des Tracks dazukommen. Bei „Immersiv“ dagegen hören wir eine im Detail etwas weniger präzise, dafür aber lässigere, nicht ganz so drängende Klangdarstellung. Der Sound wirkt etwas „weiter weg“ und das Gesamtklangbild wirkt eine Stufe einhüllender oder auch atmosphärischer, passend zum intendierten Wohnzimmer-Feeling. Verstärkt wird das durch einen leichten Hall-Effekt bei den Vocals. Auch fällt uns im direkten Vergleich auf, dass die Bässe jetzt etwas dröhnender sind, wodurch die Mitten und Höhen vielleicht ein klein wenig zu kurz kommen. Bei „Präzise“ wirkten die Tiefen noch stark, aber elegant integriert, während sie hier für unseren Geschmack etwas zu viel des Guten gepusht werden. „Ausgewogen“ wirkte auf uns, wie fast zu erwarten, wie eine Zwischenstufe aus den beiden anderen Einstellungen, eher mit einer Tendenz zur „Immersiv“-Darstellung. Die Bässe sind ähnlich kräftig und machen richtig Laune, werden aber tatsächlich ein wenig zurückgeschraubt und geben den anderen Klangebenen wieder etwas mehr Raum. Dafür büßt man ein klein wenig von der einhüllenden Klangatmosphäre ein.

Auf den ersten Eindruck gefällt uns also das „Präzise“-Setting am besten, weil es sich dabei schlichtweg um die, wer hätte es gedacht, klanglich präziseste und akkurateste Wiedergabe handelt, die wir uns bei einem Headset oder Kopfhörern erhoffen. Allerdings ist der Eindruck natürlich auch davon beeinflusst, welchen Verwendungszweck man verfolgt. Beim Musikhören muss man von vornherein für sich selbst testen, ob man überhaupt virtuellen Surround Sound möchte, oder es schlichtweg bei Stereo-Wiedergabe belässt. Gerade im ersten Moment empfanden wir, im Vergleich zu gewöhnlichem Stereo, die Höhen sehr spitz, während bei „Ausgewogen“ und „Immersiv“ die Bässe für unseren Geschmack etwas zu stark betont wurden. An diese klangliche Umstellung konnten wir uns aber auch gewöhnen und letztendlich ist es Geschmackssache, welche Soundabmischung dem Nutzer am besten gefällt. Den Gaming-Test nachher werden wir aber wohl mit dem „Ausgewogen“-Setting mit QuantumSURROUND durchführen, zum einen weil das eines der Hauptfeatures beim Zocken mit den Quantum-Headsets sein soll, zum anderen weil wir uns davon den größten Vorteil versprechen, verschiedene Soundquellen im Game perfekt orten zu können und es vermutlich den besten Kompromiss mit klanglicher Genauigkeit bietet.

Unter den Einstellungen für den virtuellen Surround Sound lässt sich dann noch der Durchmesser des Kopfes des Headsetnutzers einstellen und zwar von 10 bis 20 cm.

Klang

Kommen wir nun zum Klangtest des Quantum 800. Wie oben bereits angedeutet, werden wir das Headset sowohl mit diversen Musikbeispielen überprüfen und abschließend einen kleinen Gaming-Test durchführen. Hier wird dann das QuantumSURROUND-Feature wichtig, weil dieses von JBL auch als Alternative beworben wird, sich bei Spielen einen akustischen Vorteil zu verschaffen. Den Musiktest werden wir die meiste Zeit allerdings in klassischem Stereo durchführen.

Starten wir mit etwas kräftigem, nämlich mit „HI“ von Burak Yeter. Gleich zu Anfang stellt der Quantum 800 seine starken Tiefenfrequenzen unter Beweis, die zugleich packende Discolaune vermitteln und einnehmend wirken. Besonders gefällt uns, wie ausgeglichen dabei das Klangbild bleibt. Für manche wäre der Tiefgang möglicherweise nicht „dröhnend“ genug, unsereins aber sagt die elegante Integration der Bässe sehr zu und von einer „schwachen“ Tiefenperformance kann man hier keinenfalls sprechen. Präzise Tiefen, die aber durch zu kräftiges Durchschlagen für Ungleichmäßigkeiten im Sound sorgen, sind oftmals doch zu viel des Guten. Wir hören auch beim Aurosonic Overdrive Mix von Orjan Nilsens „So Long Radio“ einen Kickbass, der für ein treibendes Klangerlebnis hervorragend geeignet ist, zumal die Zeichnung der Synthesizer-Sounds auch keine Wünsche offen lässt und sich toll von den tieferen Frequenzen löst. Als wir dann richtig laut aufdrehen, sind wir stark von der Beibehaltung der musikalischen Details beeindruckt. Zu keinem Zeitpunkt fängt der Bass an, durchzuschlagen, die restlichen Synthesizer-Effekte werden nicht unangenehm in den Ohren, sondern überzeugen nach wie vor durch präzise und ausgewogene Darstellung, auch bei diesem Lautstärkepegel.

Gehen wir in epischere Gefilde mit dem Main Theme der Spielereihe „Halo“ von Martin O’Donnell. Die Chöre am Anfang klingen anmutig und sehr harmonisch, auch wenn wir von anderen Ohrhörern schon eine mächtigere Inszenierung des Openings gehört haben. Nichtsdestotrotz, für ein Gaming-Headset dieser Preisklasse taugt die Performance locker und eröffnen stimmungsvoll das Main Theme der langjährigen Shooter-Franchise von Microsoft. Danach schaltet sich dann das Orchester ein und reißt mit den Streichern und vor allem den pochenden Pauken mit. Auch den schleichenden Einsatz der Geigen meistert das Quantum 800 bravourös und fügt sie organisch in das Klanggeschehen ein. Was wir hier etwas vermissen, ist die Räumlichkeit. Die klangliche Kulisse wirkt zwar sehr einhüllend und deswegen auch mitreißend, zumal sich die einzelnen Instrumente gekonnt voneinander lösen und erkennbar sind, allerdings fällt es teilweise etwas schwer, sich das Orchester vor unseren Augen vorzustellen. Aufgrunddessen liegt die Vermutung nahe, dass es sich hier nicht um die beste Aufnahmequalität handelt. Wollen wir das doch einmal kurz ein zweites Mal überprüfen mit dem Main Theme zu „Dragon Age: Inquisition“ von Trevor Morris. Im Kontrast zum Halo-Beispiel können wir hier feststellen, dass die Darstellung gleich zu Anfang etwas mächtiger und theatralischer wird, vor allem aber bemerken wir dann doch bei mehreren Instrumenten, wie sie sich im Raum platzieren. Insgesamt ist es immer noch keine Räumlichkeit par excellence, das Orchester präsentiert sich aber insgesamt mächtiger und bietet ein groß klingendes und emotionales Sounderlebnis, bei dem man sich zurück an die Abenteuer in Thedas erinnert. Wir möchten an dieser Stelle auch betonen, dass wir nicht von einem „verwaschenen“ Sound sprechen. Genau wie bei den vorigen Klangbeispielen können wir auch hier distinkt voneinander alle möglichen Instrumente und Frequenzen deutlich und brillant wahrnehmen und selbst bei höheren Lautstärken lässt das Quantum 800 nicht nach. Außerdem zählt die dynamische, räumliche Wiedergabe eines komplexeren Orchesterstücks auch eher zur hohen Kunst eines Kopfhörers. Deswegen nach wie vor Hut ab vor der detailreichen Präsentation des Quantum.

Ganz fair wäre es natürlich auch nicht, wenn wir beim Verlangen nach mehr Räumlichkeit nicht auf die Idee kommen würden, den Virtual Surround in der QuantumENGINE zu aktivieren. Und tatsächlich können wir festhalten, dass sich dadurch die Präsenz des Orchesters eine gute Stufe mächtiger und eben auch räumlicher gestaltet. Unserem Eindruck nach wirkt das gesamte Klangbild mit QuantumSURROUND zwar etwas stärker in Richtung der tiefen Frequenzen ausgerichtet, wodurch die Höhen und Mitten nicht mehr mit dem bravourösem Detailgrad inszeniert werden. Trotz dieser Fokusverschiebung in der Präsentation allerdings ist die Gesamtperformance keineswegs zu verachten, denn diese Verschiebung sorgt für einen noch etwas treibenderen Klang, z.B. durch die stärkere Darstellung der Pauken. Und, wie gesagt, es lässt sich jetzt noch etwas distinkter feststellen, wie die verschiedenen Instrumente im Orchester angeordnet sind. Man kann also, wenn es einem um eine verbesserte räumliche Erfahrung geht, auch beim Anhören von Musik mit der QuantumENGINE nachhelfen.

Zum Schluss begeben wir uns noch in ein oder zwei schnelle Runden des Multiplayer-Shooters Overwatch, um das QuantumSURROUND Feature im Gaming-Betrieb zu testen. Dazu wählen wir in der QuantumENGINE unter „Raumsound“ JBL QuantumSURROUND aus. Wir haben uns, wie oben bereits erläutert, für den Test für die „Ausgewogen“-Einstellung entschieden. Beim Start von Overwatch fällt uns auf, dass es sich wohl empfehlen würde, die Spiellautstärke etwas lauter zu setzen, als man sie vielleicht normal eingestellt hat. Zumindest für uns klang die tiefenbetontere Wiedergabe des QuantumSURROUND-Modus im ersten Moment ein wenig zu gedämpft, wodurch manche Geräusche wie das Anwählen der Menüoptionen schlechter hörbar waren. Dies kann aber auch schlichtweg an der Umgewöhnung von gewöhnlichem Stereo auf den virtuellen Surround Sound gelegen haben. Tatsächlich hatten wir aber auch im Spielbetrieb den Eindruck, dass gerade weiter entferntere Spielgeräusche, die bei normalem Stereo vielleicht noch hörbar gewesen wären, mit dem QuantumSURROUND kaum noch wahrzunehmen waren. Deshalb würden wir eine etwas lautere Spiellautstärke empfehlen.

Das heißt allerdings natürlich nicht, dass der virtuelle Surround Sound nichts für das Spielerlebnis tut, denn: Das ohnehin schon tolle Feedback, das man als Spieler bei Overwatch erhält, wird durch die tiefenintensivere Darstellung des Quantum mit QuantumSURROUND noch verstärkt, insbesondere bei nahen Sounds. Spielt man etwa als Ashe, so erklingen die Schüsse aus ihrer Shotgun mit betrachtlich mehr „Wumms“ und haben dementsprechend eine stärkere auditive Wirkung beim Spieler. Auch wenn Ashe Munition in ihre Flinte nachlädt, wirkt dies prominenter und detaillierter. Genauso, wenn der mächtige, aber wendige Affe Winston neben den Spieler springt, ertönt ein noch stärkeres, dumpferes Beben, wodurch man unverständlicherweise signalisiert bekommt, dass gerade etwas Großes, Schweres neben einem gelandet ist.

Zum Surround-Erlebnis können wir notieren, dass das Quantum 800, wie zu erwarten bei einem Gaming-Headset, die Spielgeräusche der Umgebung treffend im Raum anordnet. Ob hinter dem Spieler, rechts oder links, oder vorne, lässt sich problemlos orten, was bei einem Multiplayer-Shooter wie Overwatch aufgrund der Sound Queues, die für die Informationsvermittlung an den Spieler verwendet werden, sehr wichtig ist. Diese Sound Queues, wie gesprochene Ansagen der Charaktere, wenn sie ihre ultimative Attacke starten, setzt das Quantum deutlich hörbar und sehr prominent im Klangbild um, sodass dem Spieler keine wichtigen Informationen verborgen bleiben. Unserer Erfahrung nach jedoch fallen, wie im obersten Absatz bereits angedeutet, gewisse Klänge, die sich sehr weit entfernt vom Spieler befinden, etwas unter den Tisch. Nun, eines der Features der QuantumENGINE ist ja, beim Spielen über den QuantumSURROUND die Distanz verschiedener Spielesounds genauer zu erkennen, sodass dadurch ein Vorteil beim Spielen entsteht. Dies ist auch zutreffend: Wenn wir z.B. mit Ashe ihren Hilfsroboter Bob an einen weiter entfernen Punkt im Level setzen, dann hören wir ihn, je nachdem, wie weit weg wir von ihm sind, unterschiedlich laut und außerdem mit unterschiedlich starken Levels an Klangkraft in den Tiefen. Allerdings wirkt es auf uns beim Test so, als würden aufgrund dieses angestrebten Realismus, der durch den virtuellen Surround Sound hervorgerufen wird, bestimmte Sounds auch verloren gehen, da sie zu weit weg sind. Sie werden also vom Rest der Kulisse geschluckt. Da man aber ja als Spieler so viele Informationen wie möglich haben möchte (sofern man die Menge dieser Informationen selbst auch verarbeiten kann), muss man wohl Spiel für Spiel selbst festlegen, ob sich der QuantumSURROUND Sound für jedes Spiel eignet.

Konkurrenzvergleich

Einer der direkten Konkurrenten des Quantum 800 dürfte wohl der Teufel CAGE sein, der sich ebenfalls als vielseitiges Gaming-Headset mit mehreren Features wie Game-Chat-Balance, Audio-Wiedergabe von mehreren Geräten gleichzeitig und außerdem virtuellen 7.1 Surround Sound präsentiert. Der CAGE ist mit einem Kaufpreis von 170 EUR eine Spur erschwinglicher und bietet eine noch etwas umfangreichere Software und höherwertige Verarbeitung, kann allerdings nicht kabellos verwendet werden und bringt insgesamt weniger Features mit.

Fazit

Game On! JBL hat mit dem Quantum 800 ein Headset auf den Markt gebracht, das klanglich für seine Preisklasse und vor allem in seiner Nische als gaming-fokussierter Kopfhörer eine exzellente Performance bietet. Tolle Pegelfestigkeit, schöne, distinkte Darstellung von verschiedenen Klangebenen, lange Akkulaufzeit, viele Features und vor allem: hervorragender Tragekomfort! Auch die Funktionen, die das Headset mitbringt, sind nicht zu verachten: Kabellos mit separaten Soundkarten, Game-Chat-Balance und ein individualisierbares Klangerlebnis mit der JBL QuantumENGINE. Etwas zu wünschen übrig ließ unserer Ansicht nach etwas die Räumlichkeit im Musikbetrieb und die Materialverarbeitung. Trotzdem: Wer stimmungsvollen Klang sucht und einen vielseitigen Kopfhörer beim Zocken benötigt, der macht mit dem Quantum 800 keinerlei Fehler.

Das JBL Quantum 800 Headset überzeugt durch seine vielen Features, bequemem Sitz und starke Soundperformance

Gaming-Kopfhörer Mittelklasse
Test: 12.03.2021

 

Test: Michael Kind
Fotos: Philipp Kind
Datum: 12.03.2021

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