TEST: Oppo A74 mit OLED-Display für knapp 200 EUR

In der Billigklasse zu punkten ist ein besonders kompliziertes Unterfangen, denn man muss stets den aktuellen technischen Zeitgeist mit preislichen Kompromissen kombinieren. Beim Oppo A74 entschied man sich gegen den schnellen 5G-Funk, um in anderen Bereichen, wie zum Beispiel der Display-Qualität, zu punkten. Da 5G mit teureren Tarifen verknüpft ist, ist diese Strategie in der Prepaid-Preisklasse durchaus sinnvoll.

Überraschung: Selbst in der niedrigsten Preiskategorie sind mittlerweile ein integrierter Fingerprintsensor und eine Frontkamera möglich. Da auch die Umrandung sehr schmal ausfällt, wirkt das Smartphone deutlich preisintensiver. Nicht so hochwertig ist hingegen die Rückseite, denn der Sensorblock der Dreifach-Kamera ragt stark hervor. Außerdem ist das Gehäuse ein reiner Plastikbomber und die Oberfläche ist äußerst anfällig für Schmierspuren. Die Verarbeitungsqualität geht insgesamt aber noch in Ordnung.

Oppo A74

Punkte sammelt vor allem der Touchscreen, da er mit OLED-Technologie arbeitet – auch das ist in dieser Preisklasse ungewöhnlich. Das 6,4-Zoll-Display bietet eine Auflösung von 2400 x 1080 Pixeln und lässt viele günstige Funker qualitativ klar hinter sich. Positiv fällt vor allem auf, dass der Bildschirm neben der guten Schärfe und gehobenen Farbsättigung auch im Bereich Helligkeit überzeugt. Eine schnelle Bildwiederholrate gibt es allerdings nicht.

Aufnahme bei guten Lichtverhältnissen

Im dunklen Keller unbrauchbar

Panorama

Auch in dieser Preisklasse ist eine Triple-Kamera mittlerweile (fast) Standard geworden. Sie setzt sich aus der Hauptkamera mit 48 Megapixel, der Makro-Kamera mit 2 Megapixel sowie einem Sensor für Tiefeninformationen mit 2 Megapixel zusammen. Das klingt passabel, aber eine Ultraweitwinkel-Kamera bietet das Oppo A74 nicht und im Praxistest zeigt sich schnell, dass die Makro-Kamera eher unbrauchbar ist, da Fotos selbst bei guten Lichtverhältnissen verwischen. Letztendlich gelingen daher nur bei Tageslicht ohne Zoom- oder Bokeh-Spielereien gute Schnappschüsse – vorausgesetzt man hat eine ruhige Hand & Motive. Beim Testfoto im Keller zeigt sich, dass die Kamera bei Schwachlicht gar nicht zu gebrauchen ist, da die Schärfe stark nachlässt.

Rückseite

Wer schnelle Datenschnittstellen sucht, wird beim A74 leider nicht fündig, denn es fehlt sowohl 5G als auch WiFi 6. Schmerzlich vermissen dürften Nutzer zudem NFC für ein komfortables Koppeln. Der Hersteller hat an dieser Stelle leider den Rotstift gründlich angewendet. Das ist glücklicherweise beim Speicherplatz nicht der Fall, denn 128 GB ist in dieser Preisklasse sogar üppig und kann via microSD-Slot nochmals aufgestockt werden. Sehr gut: Ein Dual-SIM-Betrieb ist dann sogar weiterhin möglich.

Android 11 + ColorOS

Screenshot 2

Trotz des schmalen Budgets gibt es das aktuelle Android 11 sowie Oppos eigene Software-Oberfläche ColorOS in der Version 11.1. Nutzer müssen sich auf ein paar Oppo-Eigenarten einstellen. So fehlt der linke Google-Startbildschirm und (zunächst) ein App Drawer. Stattdessen werden sämtliche Apps auf den Startseiten verteilt, darunter auch einige Werbe-Apps. Um Ordnung zu schaffen, muss daher erst einmal fleißig gelöscht werden. Es ist allerdings möglich, den App Drawer zu aktivieren. Dies sollte als erstes getan werden, denn sonst muss man mit der Sortierung wieder von vorne anfangen.

Der Bildschirm lässt sich via Tasteneingabe, Fingerkuppe oder Gesichtserkennung individuell entsperren. Das erfolgt im Praxistest stets zuverlässig und flott – viel besser lässt das nicht lösen. Insgesamt ist das Bedienungskonzept recht schlank gehalten, denn es gibt wenige Extras. Es lässt sich aber eine intelligente Seitenliste für den Schnellzugriff aktivieren. Eine Bildschirm-Videoaufnahme-Funktion, ein paar zusätzliche Gesten und die Möglichkeit Apps zu klonen sind ebenfalls angelegt.


Seitenansicht

Der Hersteller unterstützt die A-Reihe mindestens zwei Jahre lang mit Android-Updates und monatliche Sicherheitspatches sollen drei Jahre lang zur Verfügung gestellt werden – da sind andere Hersteller großzügiger bei der Software-Versorgung.

Die Snapdragon-662-CPU ist zwar nicht Technik neuester Stand, der Preisklasse aber absolut angemessen, zumal dem Prozessor ein Arbeitsspeicher von 6 Gigabyte zur Seite steht. Die Performance sorgt zwar nicht für schnelles Laden von Apps & Webseiten oder anspruchsvolles Multitasking, das Arbeitstempo ist aber für den schmalen Euro dennoch zufriedenstellend.

Völlig überzeugend ist dafür der Akkublock mit 5.000 mAh. Ohne schwerem CPU-Gepäck und langsamer Bildwiederholrate ist eine Rufbereitschaft von bis zu einer Woche möglich. Wer das A74 intensiver nutzt, darf sich immer noch über rund fünf Tage freuen. Ebenfalls ein Topwert: Es braucht rund 11,5 Stunden, um den Energiespender auf null zu bringen. Da der Hersteller ein leistungsstarkes Netzteil mit 33 Watt beilegt, erreicht der Funker bereits nach einer Stunde wieder 100% - das ist eine rundum starke Vorstellung!

Oppo A74

Kleinere Brötchen werden hingegen im Soundbereich gebacken. Ein zarter Mono-Speaker verschafft sich im unteren Rahmen Gehör. Das Klangbild ist zwar recht blechern, aber auch bei hoher Lautstärke stabil und weist ein gutes Bassfundament auf – wir haben in der Niedrigpreisklasse schon viel Schlechteres gehört. Die Sprachqualität siedelt sich im unteren Mittelfeld an, ohne aber durch starke Ausfälle aufzufallen.

Fazit

Der günstige „Smartphone-Mischmasch“ in der Billig-Preisklasse weist starke Amplituden auf. Auf der Haben-Seiten stehen vor allem das rundum starke Akku-Management und das helle OLED-Display. Auf der Soll-Seite muss der Käufer hingegen mit dem veralteten Prozessor und einigen Ausstattungsmankos leben. In dieser Preisklasse ist die reine Tageslicht-Kamera eine preislich logische Konsequenz. Insgesamt gibt es somit gute Ansätze, aber die preisliche Konkurrenz hat das Modell in einigen Punkten schon überflügelt. Auf dem Markt dürfte das Oppo A74 daher einen eher schweren Stand haben.

Nicht absolut Up-to-date, aber mit viel Akku-Ausdauer

24.07.2021

 

Test und Bilder: Ulf Schneider
Datum: 24.07.2021

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