TEST: Dan Clark Audio NOIRE X - Magnetostatische Kopfhörer-Offenbarung mit Spitzenklang?

Klang

Gold Note Hp 10 Psu 10 Evo Gruppenbild1

Hochwertige Qualität aus Italien

Als Kopfhörerverstärker mit externem Netzteil verwenden wir im Test den Gold Note HP-10 Deluxe in Verbindung mit dem PSU-10 EVO. Wir haben sämtliche Filter und Kurven deaktiviert, um den NOIRE X in möglichst unverfälschter Form hören zu können.

Wir starten unsere Klangtestreihen mit "Nothing Else Matters" (Metallica, James Newton Howard) in der Version aus dem Film "Jungle Cruise". Und der sehr bequem und ergonomisch nahezu perfekt sitzende, nicht zu leichte, zugleich nicht zu schwere NOIRE X macht einen beeindruckenden Job. Gerade, wie sauber und schnell er jedes Element in ein höchst dynamisches Gesamtgefüge integriert, macht seinen immensen Reiz aus. Er ist richtig gut darin, feinste Nuancen glasklar zu betonen, zugleich aber extrem dynamische Passagen in vollem Umfang zu präsentieren. Er bietet ein räumlich realistisches, fein gestaffeltes Klangbild und einen schon fast sensationellen Bassbereich, der Punch, Kraft und Präzision auf hohem Level miteinander vereint. Jedes akustische Element ist zu jedem Zeitpunkt im virtuellen Raum mit exakter Kontur auszumachen. Tonal legt der NOIRE X eine natürliche, klare Auslegung an den Tag, aber ohne unschön scharf oder metallisch zu werden, selbst bei hohem Pegel, die praktisch verzerrungsfrei möglich sind, nicht.

"Ain't No Sunshine" (Eva Cassidy) holt uns von der ersten Sekunde an voll ab, wenn der NOIRE X die Wiedergabe übernimmt. Bequemst auf dem Kopf sitzend, mit den Ohrmuscheln, die von der Form her dem "Grundriss" des menschlichen Ohrs nachempfunden sind (darum braucht man auch keinerlei Markierungen,um sofort zu sehen, wo links und wo rechts ist - die Form der Ohrmuscheln gibt unmissverständlich Auskunft darüber) auch unter Gesichtspunkten der Ergonomie exzellent, genießen wir die klar herausgearbeitete Stimme Evas und die überzeugend dargebotene Anschlagdynamik beim Klavier. Die Räumlichkeit kommt realistisch zur Geltung, jeder Klanganteil findet sich an der richtigen Stelle, und sämtliche Dynamiksprünge kommen mit herausragender Impulstreue heraus. 

Wolfgang Amadeus Mozart, Figaros Hochzeit, erster Akt, "Duettino cinque..dieci venti..trenta": Hier läuft der NOIRE X ein weiteres Mal zu großer Form auf und beeindruckt uns durch die sehr schnelle, passende Herausarbeitung nahezu aller relevanten Details im dynamischen Gefüge. Aber auch die sehr charismatische, stets natürlich-lebendige Stimmdarstellung der weiblichen wie auch der männlichen Gesangsstimme beweisen die überragenden Fähigkeiten des NOIRE X. Alles wirkt in sich schlüssig und rund, zugleich aber weit überdurchschnittlich detailreich und filigran. Unser Testkandidat, das wird hier klar, ist ein vortreffliches Tool für den Liebhaber klassischer Musik, denn diese Leichtigkeit, gepaart mit Homogenität und Präzision, ist schlichtweg grandios und selbst für den zugegebenermaßen nicht eben niedrigen Kaufpreis eine erstklassige Leistung.

Nun singt Jonas Kaufmann die berühmte Arie "Nessun Dorma" aus Puccinis Turandot. Ideale Voraussetzungen für den NOIRE X, seine Fähigkeiten bei klassischer Musik erneut unter Beweis zu stellen. Und das tut er ohne Zweifel, mit einem überaus hohen Dynamikumfang, sodass Jonas' Fähigkeiten zu jedem Zeitpunkt in voller Deutlichkeit wahrgenommen werden können. Die Instrumente schiebt der Kopfhörer aber nie zu weit in den Hintergrund, sie haben stets das richtige Maß an Präsenz, und der Chor wird feinfühlig sowie mit akkuraten Konturen eingearbeitet. Das Ganze lebt aber auch wieder von der direkten, umfassenden, immer ehrlichen Räumlichkeit, die der NOIRE X erzielt.

Anzeige

"The Prayer" (Andrea Bocelli & Celine Dion) stellt erwartungsgemäß keine Hürde für unseren Testkandidaten dar. Mit seinen Möglichkeiten zur exakten, gefühlvollen Stimmherausarbeitung punktet er auch bei diesem emotional tiefgehenden Titel auf ganzer Linie. Celines vokale Präsenz ist nicht nur hörbar, sondern sogar spürbar, und als Andrea sich mit seinem Part hinzugesellt, haben wir eine sehr präzise Differenzierung in unseren Ohren, beide Premium-Stimmen haben einen breiten Entfaltungsspielraum, und gemeinsam wird ein sehr intensives, fesselndes Hörerlebnis geboten, das homogen, aber zugleich absolut direkt präsentiert wird. Die akustischen Elemente, instrumental sowie vokal, sind in eine räumliche Präsentation eingeschlossen, die umfassend und nahtlos ist, was zu einem dynamischen, aber zugleich sehr kultivierten Höreindruck führt.

"Land Of Confusion" in der Coverversion von Disturbed legt offen, wie lebendig, schwungvoll und trotzdem akkurat gestaffelt der NOIRE X vorgeht. Auch dieses Quellmaterial, das oftmals zu schrill, zu wenig differenziert und somit weder komplett noch stimmig dargeboten wird, entlockt dem souveränen NOIRE X nur ein müdes Lächeln. Als gäbe es nichts Leichteres, managt er die harten Gitarrenriffs und den Gesang, der seine bewusst aggressive Note behält, ohne aber von der Balance her zu entgleisen. Der NOIRE X beweist bei diesem Track seine exzellente Ausgewogenheit und sein Vermögen, auch mit hoch liegender Dynamik bei beträchtlichem Pegel ohne auch nur das kleinste Problem klar zu kommen. 

"No Goodbye" von Paul Kalkbrenner kann ebenfalls mit tadellosem Pegel gehört werden, erst im Grenzbereich wirkt der sehr harte, punktgenaue Bass dann minimal verzerrt. Aber das passiert erst in Regionen, die man in Anbetracht der Gesundheit des Gehörs höchstens selten aufsuchen dürfte. Insgesamt erzielt der NOIRE X mit dicht-räumlicher Atmosphäre erneut ein hervorragendes Ergebnis, das aber im Vergleich zu manchem anderen gehörten Titel etwas abfällt. Diese ungebremste Faszination nehmen wir hier nicht wahr, der NOIRE X macht alles richtig und verleiht auch dem Bass die nötige Härte, aber diese Finesse, die wir sonst von diesem Ausnahmetalent kennen, können wir bei diesem Track nicht vollumfänglich nachvollziehen.

"Till Tomorrow" (Till Brönner & Yello) bringt sie wieder hervor, diese große Faszination, die der NOIRE X entfesseln kann. Wie sauber, wie kraftvoll der Bass zur Geltung kommt, ohne jemals akustische Anteile der virtuos von Till gespielten Trompete zu verdecken, das ist schon eine großartige Leistung des Dan Clark-Kopfhörers. Er liefert wieder ein ungemein großes Spektrum an akustischen Facetten ab, die man bei vielen anderen, auch durchaus teureren Headphones schon auch wahrnimmt, aber nicht so fein strukturiert und so fließend ins klangliche Gesamtgeschehen eingearbeitet. Die frei wirkende Räumlichkeit ist verblüffend in Anbetracht der Tatsache, dass unser NOIRE X nach dem geschlossenen Prinzip arbeitet. 

Und wie sieht es mit harten Trance-Hymnen aus? "Push" von Universal Nation ist hier sehr aussagekräftig. Der Dan Clark-Kopfhörer enttäuscht uns nicht und liefert einen druckvollen, auf den Punkt kommenden Kickbass und baut das legendäre Trance-Stück ohne jeden Kompromiss auf. Er gefällt uns hier besser als bei "No Goodbye" und offeriert durch die schnelle, absolut impulstreue Herausarbeitung der elektronischen Synthesizer-Effekte einen direkte, klare, nachdrückliche Gesamtdarstellung zu jedem Zeitpunkt des Titels. Der Bass hat einen enormen Punch, die Klanglinien aber verschwinden nicht hinter dem Druck, sondern entfalten sich frei und räumlich dicht auf einer klar definierten virtuellen Bühne. 

Konkurrenzvergleich

Denon D9200 1

Denon AH-D9200 (1.699 EUR): Mit etwas Glück kann man den extrem kultivierten Denon im Fachhandel unter der unverbindlichen Preisempfehlung erwerben - er ist ein klassischer, dynamischer und geschlossener Over-Ear-Kopfhörer mit besonders hochwertigen Holz-Verschalungen außen an den Ohrmuscheln, die aus japanischem Bambus hergestellt werden. Die sogenannten "FreeEdge" Treiber werden mit einem extrem leistungsstarken Magneten kombiniert und stehen für einen überaus differenzierten, feinen, dynamisch begeisternden Sound. Der Denon AH-D9200 erweist sich als Meister der Harmonie, bereits der NOIRE X ist hier hervorragend, mit absolut nahtlosen Übergängen und einem bis ins letzte Detail geschlossenen Klangbild schießt der Denon hier aber den sprichwörtlichen Vogel ab. Er ist das überragende Werkzeug für den Klassik- und Jazz-Fan, ohne aber bei anderen Musikrichtungen Schwächen zu zeigen. Der NOIRE X ist bei enorm dynamischen Titeln vielleicht etwas "vorlauter" und verdeutlicht die Dynamik noch besser - dieses Vorzug beweist, wie fair der Dan Clark Audio Kopfhörer mit seinen 1.099 EUR kalkuliert ist - für seinen Kaufpreis bietet er nahezu ein Optimum und muss sich auch dem überwältigenden Denon AH-D9200 nicht unterordnen. 

Focal Mg Gesamt 2

Anzeige

Focal Clear Mg (1.498 EUR): Der sehr edel und niveauvoll auftretende Focal Clear Mg im "Chestnut and Mixed Metals"-Finish wird aus hochklassigen Materialien wie Leder, Aluminium sowie Microfaser gefertigt. Ein Transport-Case in der identischen Farbe gehört ebenso wie hochwertige Kabel zum Lieferumfang. Er ist ebenfalls bequem, muss aber konventionell justiert werden, im Gegensatz zum NOIRE X, der zudem den Vorteil für sich verbucht, Platz sparend zusammengefaltet werden zu können. Der Clear MG bringt eine Magnesium-Kalotte mit und arbeitet als offener Kopfhörer. Akustisch zeigt sich der Clear Mg an einem Naim Uniti Atom HE Edition als grandioses Team. Er spielt kultiviert, feinsinnig und ermöglicht, nicht zuletzt durch seine offene Bauweise, eine authentische, weitläufige und sehr gut gestaffelte Räumlichkeit. Aber der preiswertere NOIRE X steckt nicht zurück, sondern schlägt zurück: Er wirkt noch dynamischer, zugleich aber ähnlich homogen. Nur, wenn es wirklich um eine extrem aufwändige Detaillierung, z.B. innerhalb eines großen Orchesters oder bei einer sehr markanten vokalen Präsenz, geht, spielt der Clear Mg seine Pluspunkte aus und verdeutlicht, dass er nicht umsonst deutlich kostspieliger ist. 

Quad Era 1 Komplett Side

QUAD ERA-1 (799 EUR): Deutlich preiswerter präsentiert sich der QUAD ERA-1, ein planarmagnetischer, offener Kopfhörer in gutem Finish und mit aufwändiger Basistechnologie. Der erste QUAD Kopfhörer überhaupt ist bereits seit einigen Jahren zu haben und überzeugte in unserem Test mit einem klar definierten und dynamischen Sound. QUAD liefert erfreulicherweise zwei unterschiedliche Paare an Ohrpolstern mit, einmal aus synthetischem Leder, einmal aus Echtleder. Im Gegensatz zum NOIRE X kann man den ERA-1 nicht zusammenklappen. Wie auch der NOIRE X ist der ERA-1 sehr bequem, bei längeren Hörsessions, die auch mal mehrere Stunden dauern, kann sich der NOIRE X mit seinem selbstjustierenden, aufwändigen Kopfband und den besonders wenig schweißtreibenden Ohrpolstern noch besser in Szene setzen. Klanglich beeindruckt der NOIRE X mit einem Plus an Feingefühl und räumlicher Harmonie. Dadurch rechtfertigt er seinen Mehrpreis souverän - für knapp 800 EUR ist der individuell und charismatisch auftretende ERA-1 aber auch eine Empfehlung wert. Natürlich muss man, wie beim Focal, ergänzend auch sagen, dass es immer schwierig ist, einen offenen mit einem geschlossenen Kopfhörer zu vergleichen - aber das Raumgefühl, beim offenen Kopfhörer meist freier und realistischer, ist beim geschlossenen NOIRE X auf einem so hohen Level, dass man nur verblüfft sein kann. 

Fazit

Dan Clark Audio Noire 2

Der Dan Clark Audio NOIRE X ist ein sehr individuell und edel auftretender magnetostatischer Kopfhörer. Seine äußerst moderne Technologie und der hohe Material- und Fertigungsaufwand legen ein eindeutiges Zeugnis über sein enormes Niveau ab. Natürlich würde all dies nichts nutzen, wenn der NOIRE X nicht auch akustisch begeistern würde. Doch das tut er, und zwar über alle Maßen. Sein Klang ist gleichermaßen dynamisch wie kultiviert, der Bass weist erstklassige Konturen sowie einen enormen Nachdruck auf. Für den Kopfhörer spricht auch der ohne jede Einschränkung erstklassige Tragekomfort. Das selbstjustierende Kopfband und die Ohrpolster aus hautsympathischem Material sind Garanten dafür, dass man den NOIRE X auch für stundenlange Hörsessions extrem gern verwendet. 

Hightech-Kopfhörer mit feiner Verarbeitung und faszinierendem Klang
Referenz 2024
Kopfhörer Oberklasse
Test 13. August 2025

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Test: 13. August 2025

Anzeige


Weiter auf: Vorherige Seite

Seiten: 1 2

Tags:

Alle aktuellen Tests auf AREA DVD

Themen-Schlagwörter (nach Häufigkeit sortiert)

Lautsprecher Blu-ray Disc-Review Samsung Panasonic IFA TV Kopfhörer Ultra HD Ultra HD Blu-ray-Review Soundbar LG Sony AV-Receiver CES Teufel Fernseher OLED Denon Subwoofer nubert Verstärker Special Bluetooth-Lautsprecher Dolby Atmos Yamaha Smartphone Bluetooth Aktivlautsprecher Stereo Canton Beyerdynamic Dali JBL Marantz Philips aktiver Lautsprecher AVR Wireless-Lautsprecher KEF Info-Special

Privacy Manager
  ZURÜCK