TEST: Beyerdynamic DT 1770 PRO MKII - Ohrumschließender und geschlossener Studiokopfhörer der Extraklasse ?
Klangwertung

AVM Evolution AS 3.3 (Test folgt bald) mit hochwertigem Kopfhörerverstärker
Wir starten unsere Klangwertung mit klassischer Musik. Sehr gerne verwenden wir die "Jungle Cruise" Version des Metallica-Klassikers "Nothing Else Matters" (Metallica, John Newton Howard). Der Titel startet bereits facettenreich mit einer sauberen Plastizität und feinster Auflösung. Das Bassfundament wirkt präzise und wird punktgenau vom DT 1770 PRO MKII getroffen, ohne dabei überladen zu agieren. Absolut natürlich und mit einer klaren Struktur werden die verwendeten Streichinstrumente abgebildet. Bei diesem Stück kann das beyerdynamic-Device seine Trümpfe ausspielen und macht klar, das die Bezeichnung "Studiokopfhörer", nicht nur ein leeres Versprechen ist - denn der Sound ist wirklich ausgesprochen authentisch. Begeistern kann uns der Chorgesang zum Ende des Tracks. Dieser wirkt luftig-leicht und wird weder aggressiv noch zu zurückhaltend dargestellt.
Weiter geht es mit "The Kiss" von Trevor Jones. In „The Kiss“ ist eine Geige der Hauptakteur, die in mehreren Durchgängen in Erscheinung tritt. In den ersten beiden Durchgängen hören wir nur die Geige und eine Trommel, beide Instrumente werden mit einer exzellenten Klarheit und Homogenität präsentiert. In Durchgang Nummer drei verstummen die Trommeln, und die sehr prägnante Geige wird von einem Cello begleitet, was der beyerdynamic DT 1770 PRO MKII für seine Preisklasse meisterhaft umsetzen kann. Im weiteren Verlauf des Titels fügen sich weitere Instrumente hinzu, die allesamt fein modelliert erklingen. Zu Beginn des sechsten Durchgangs setzen weitere Geigen mit einer Gegenmelodie ein, und die sehr prägnante Geige rutscht bewusst etwas in den Hintergrund. Auch diese vielschichtige Abzeichnung gelingt mit Bravour.
Als nächstes Klangbeispiel haben wir uns für "The Prayer" von Josh Groban und Charlotte Church entschieden. Der emotionale Titel startet mit einem klassischen Orchester mit Streichern, welches der beyerdynamic DT 1770 PRO MKII mit viel Fingerspitzengefühl und ausgezeichneter Herausarbeitung auch feiner Einzelheiten umsetzen kann. Als Charlotte Church dann mit ihrer sehr feinfühligen und hoch angesiedelten Stimme in den Titel einsteigt, zeigen uns die TESLA.45-Treiber ihre Stärken auf. Die mehrstimmigen Vocals erklingen mit einer hervorragenden Klarheit und Ausgewogenheit, selbst als Josh Groban mit seiner klassisch ausgebildeten Bariton-Stimme hinzukommt, gelingt eine plastische, intensive Gesamtwiedergabe.
Als nächstes Klangbeispiel ist die Wahl auf "I Believe in You (Je crois en toi)" von Il Divo feat. Céline Dion gefallen. Der Titel beginnt mit Querflöten, welche sehr natürlich und mit ausgezeichneter Klarheit dargestellt werden, ohne dabei zu fordernd zu agieren. Als sich nach wenigen Momenten Streicher aus einem Orchester hinzugesellen, gelingt eine hervorragende Tiefenstaffelung der akustischen Elemente. Nun folgen die ersten vokalen Anteile der multinationalen Gesangsgruppe, und diese werden aussagekräftig und mit der nötigen impulstreuen Sorgfalt dargeboten. Selbst der Wechsel der verschiedenen Stimmfarben klappt erstklassig, und Auflösungsdefizite können wir nicht feststellen. Die dynamischen und tiefen Passagen besitzen ein sehr gutes Volumen, kombiniert mit einer ausgezeichneter Präzision.
Bevor wir das Genre wechseln, möchten wir uns "In Your Arms" von der rumänisch-amerikanische Sopranistin Laura Bretan vom beyerdynamic DT 1770 PRO MKII darbieten lassen. Die zu Beginn des Titels erklingenden Querflöten und die kurz darauf folgenden Klänge eines Klaviers werden reich an Nuancen und räumlich geschlossen vom beyerdynamic Kopfhörer präsentiert. Als Laura Bretan mit ihrer speziellen Gesangstechnik und ihrer außergewöhnlichen Stimmfarbe loslegt, sind wir begeistert, wie gefühlvoll und akkurat die vokalen Elemente umgesetzt werden. Als im weiteren Verlauf des Titels Laura in noch höher angesiedelte Gesangspassagen wechselt, gelingt weiterhin eine feine Abzeichnung der verschiedenen Facetten, und die Stimmfarbe wird nie zu harsch.
Nachdem wir uns von den Vorzügen des beyerdynamic DT 1770 PRO MKII bei der Wiedergabe von klassischer Musik überzeugen konnten, wechseln wir das Musikgenre und spielen unserer AVM/beyerdynamic Kombo den Titel "Darker Still" von Parkway Drive zu. Das zu Beginn des Titels erklingende Pfeifen und die Gitarre werden sauber ausbalancier umgesetzt. Als Winston McCall, Frontband der Band, mit seinem sehr tiefen und rauen Gesang in den Titel einsteigt, nehmen wir die Stimmfarbe so wahr, wie wir diese ansonsten nur von deutlich kostspieligeren Gerätschaften kennen. Auf sehr hohem Niveau gelingt das Zusammenspiel der harten E-Gitarren, der sehr feinen Akustikgitarre und dem sehr fordernden Gesang. Ebenfalls überzeugen kann uns der Over-Ear Kopfhörer mit einem satten und präzisen Bassfundament. Die teilweise aggressiv gespielten E-Gitarren werden zu nie harsch oder zu schrill. Selbst als McCall förmlich ins Mikrofon brüllt und der Titel an Dynamik gewinnt, ermöglicht der beyerdynamic weiterhin eine ausgezeichnete Detaillierung.
Abschließen möchte wir unsere Klangwertung mit "Gold" von der deutschen Künstlerin Loi. Die zu Beginn des Titels absichtlich verzerrten elektronischen Klänge werden glaubwürdig und inklusive aller Nebengeräuschen wie z.B. einem Knistern/Knacken. Bereits nach wenigen Momenten erlebt der Titel einen deutlichen Dynamiksprung, und die Facetten werden ebenfalls zahlreicher. Aber auch hier kann der DT 1770 PRO MKII überzeugen und stellt unter Beweis, das er auch problemlos mit dynamischen Titeln umgehen kann. Die elektronisch erzeugten Effekte wirken glasklar sowie detailreich, und den nötigen Punch liefern die TESLA.45 Treiber ebenfalls. Das Bassfundament ist perfekt ausbalanciert, knackig und staubtrocken.
Konkurrenzvergleich

Kurz zum Vergleich mit dem bereits getesteten offenen Over-Ear-Kopfhörer DT 1990 PRO MKII. Aufgrund des offenen Prinzips ist dieser zwar verständlicherweise "anfälliger" gegenüber Umgebungsgeräuschen, das ungemein luftige und räumlich weite Spiel haben wir am offenen beyerdynamic Spitzenkopfhörer aber ungemein schätzen gelernt. So angenehm und so authentisch hört man in der Liga um 600 EUR mit kaum einem anderen Kopfhörer. Der DT 1770 PRO MK2 ist natürlich ebenfalls auf einem enorm hohen Level - ohne Frage. All die Pluspunkte der aufwändigen beyerdynamic-Technologie kommen aber in der offenen Variante unserer Meinung nach noch besser heraus.

Der QUAD ERA-1 ist, wie auch der DT 1990 MK2, ein offener Kopfhörer. Er konnte sich im Test mit seiner lebhaften, dynamischen Auslegung behaupten. Die Verarbeitung ist gut, hier aber sind die sogar günstigeren Konkurrenten von beyerdynamic überlegen, gerade bei der Materialqualität der Kabel- und Kopfband-Konstruktion. Klanglich wirkt der DT 1770 MK2 nochmals homogener, die Übergänge zwischen den einzelnen Frequenzbereichen sind maximal integrativ, sodass ein absolut geschlossenen Klangbild möglich ist.

Dan Clark Audio NOIRE X: Der NOIRE X ist sehr deutlich teurer als der DT 1770 PRO MK2 und rechtfertigt dies durch kompromisslosen Hightech-Einsatz. Schon der DT 1770 PRO MK2 ist zweifellos hochentwickelt, der NOIRE X allerdings ist so üppig mit modernster Technologie bestückt, dass der Kaufpreis von mehr als 1.000 EUR hier sogar mehr als gerechtfertigt wirkt. Man kann den NOIRE X extrem kompakt zusammenfalten, und der Tragekomfort ist praktisch der beste, den wir je bei einem Kopfhörer feststellen durften - auch, wenn der DT 1770 MK2 bereits äußerst bequem ist und sich für lange Höressions eignet.
Fazit

Der beyerdynamic DT 1770 PRO MKII ist das Flaggschiff im Bereich geschlossener Studiokopfhörer der Kopfhörermanufaktur beyerdynamic und ist derzeit für reduzierte 539 EUR (UVP 549 EUR) direkt im Onlineshop des Herstellers bestellbar. Erhältlich ist der Over Ear-Kopfhörer ausschließlich in einer schwarzen Farbvariante.
Der in Deutschland gefertigte DT 1770 PRO MKII setzt auf die neuentwickelte Tesla-Treibertechnologie TESLA.45. Dank des weiter optimierten Neodym-Magneten wird eine antreibende Flussdichte von über einem Tesla im Luftspalt des Magnetsystems erreicht - was für eine enorme Leistungsstärke der 45 mm messenden Treiber spricht. Mit Hilfe der strukturoptimierten Membran war es möglich, das Impulsverhalten zu verbessern und Verzerrungen weiter zu reduzieren.
Die aus dem Hochleistungs-Polymermaterial PEEK gefertigte Membran ermöglicht zudem eine präzise Tieftonwiedergabe. Das nochmals raffiniertere Hochtonprofil für eine besonders hohe Auflösung konnten die beyerdynamic Ingenieure durch eine gewichtsreduzierte Schwingspule aus aluminiumummanteltem Kupferdraht realisieren. Um eine gleichbleibende Qualität auf höchstem Niveau sicherzustellen, werden die Treiber im Verlauf der unterschiedlichen Produktionsschritte gleich mehrfach vermessen.
Um den beyerdynamic DT 1770 PRO MKII auch bestmöglich an die Kopfform des Nutzers anpassen zu können, verfügt er auf den beiden Außenseiten der Ohraufsätze über eine exakt arbeitende Größeneinstellung. Diese ist in die Federstahl-Bügelkonstruktion integriert und verfügt über eine 10-fache Rasterung pro Seite.
Im Lieferumfang des beyerdynamic DT 1770 PRO MKII befindet sich ein schwarzes Hardcase, das sowohl den Kopfhörer sowie das Zubehör aufnimmt. Apropos Zubehör, neben dem Hardcase und den Kunstleder-Ohrpolstern befinden sich im Lieferumfang ein gestrecktes Kabel mit 3 Meter Länge und ein ein Spiralkabel mit 5 Meter Länge. Beide Kabelvarianten verfügen über einen verriegelbaren 3-poligen Mini-XLR-Stecker.
In unserer Klangwertung lieferte der Over-Ear Kopfhörer eine exzellente Räumlichkeit gepaart mit einer sehr hohen Transparenz. Ebenfalls konnte der DT 1770 PRO MKII mit einer potenten und stet kontrollierten Bassperformance überzeugen und mit einem äußert detaillierten Hochtonbereich, der sich nie metallisch oder harsch präsentierte. Selbst bei längeren Hörsessions empfanden wir die Gesamtwiedergabe als angenehm stimmig. Auch beim Thema Tragekomfort konnten wir keine negativen Einflüsse feststellen.
Präziser und dynamischer Over-Ear Kopfhörer mit einer überragenden Räumlichkeit: Das ist der beyerdynamic DT 1770 PRO

Kopfhörer Oberklasse bis 1.000 EUR
Test 26. August 2025
Test: Sven Wunderlich
Fotos: Sven Wunderlich
Redaktion: Carsten Rampacher
Datum: 26. August 2025
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Tags: Beyerdynamic • HiFi-Kopfhörer • Kopfhörer • Over-Ear Kopfhörer






