PREVIEW: Vollaktiver Standlautsprecher KEF LS60 - High-Tech auf die kompromisslose Art

Ab Juni sind die brandneuen KEF LS60 Standlautsprecher erhältlich - vollaktiv und vom Konzept her wie die erstklassigen KEF LS50 Wireless II (2.799 EUR) die bei uns im Test voll punkten konnten. Die LS60 rangieren über den LS50 Wireless II, der Preis der aufwändigen Neuentwicklung: 6.599 EUR. Wer es wissen möchte und im Bassbereich extremen Punch haben möchte, kann zudem noch den ultrakompakten aktiven Subwoofer KEF KC62 dazukamen, der auf 1.599 EUR (UVP) kommt und auch schon bei uns im Test war. 

Uni-Q vorn, seitliche Basstreiber - wie bei der Blade Meta

Der LS60, passend zum 60-jährigen Firmenjubiläum, ist ein Dreiwege-Aktiv-Standlautsprecher mit geschlossenem Gehäuse, der in den Farben Mineral White, Royal Blue und Titanium Grey erhältlich sein wird. Natürlich setzen die Briten für die Wiedergabe des Mittel- und Hochtonbereichs wieder auf einen koaxialen Uni-Q-Treiber der neuestern (zwölften) Generation. Die für die letzten KEF-Neuentwicklungen typische Meta-Absorptionstechnologie (MAT) kommt bei der LS60 ebenfalls zum Einsatz: KEF hat ein spezielles synthetisches Material entwickelt, das in der Lage ist, alle unerwünschte Frequenzen, die von der Rückseite des Lautsprechers abgestrahlt werden, zu absorbieren. Verzerrungen werden reduziert und Audio-Ablekungseffekte verhindert.

Uni-Q-Treiber im Detail

Mittels High-Tech auf engstem Raum wird ein Maximum an Schall absorbiert, um einen möglichst sauberen Klang zu garantieren. Wie hat man sich MAT vorzustellen? MAT verfügt über eine extrem komplexe labyrinthartige Struktur, Jeder der Kanäle des Labyrinths absorbiert extrem effizient einen Bereich spezifischer Frequenzen. Wenn sie kombiniert werden, arbeiten die Kanäle wie ein "akustisches schwarzes Loch", das 99% des unerwünschten Schalls absorbiert. Bisherige Ansätze haben nur eine Absorption von etwa 60 % ermöglicht, so dass die resultierende akustische Qualität nicht zu vergleichen ist.

Ideale Erweiterung: KEF KC62

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KC62: Anschlüsse

LS60 und KC62

Auch der LS60 Wireless-Aktivlautsprecher arbeitet mit der Uni-Core-Technologie, die schon der KEF KC62 verwendet. Hier sorgen zwei Force-Cancelling-Treiber durch konzentrisch angeordnete, sich überlappende Schwingspulen für enorme Leistungsstärke auf minimalem Raum. Weiterhin ermöglicht es Uni-Core, dass ein einziger Motor beide Membranen antreibt. Die Spulen sind auf jedem Konus unterschiedlich groß, was sicherstellt, dass die Spulen bei der Rückwärtsbewegung der Konen den gleichen Platz im Gehäuse einnehmen können. Folge der Maßnahmen ist, dass das physische Gehäuse äußerst klein sein kann und das Volumen im Vergleich zur Verwendung herkömmlicher Treibertechnologie um mehr als ein Drittel reduziert wird. Natürlich wurde das System, das im neuen Lautsprecher verwendet wird, exklusiv für die LS60 Aktivbox entwickelt. 

Seitliche Bässe

Basstreiber im Detail 

Die Konstruktion mit dem Uni-Q-Chassis vorn und den seitlich angeordneten Basstreibern orientiert sich an der Top-Serie Blade Meta (Blade Meta und Blade Two Meta).

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Die LS60 Wireless ist das weltweit erste Wireless-System mit Single Apparent Source - exakt diese Technik nutzen auch die High End-Lautsprecher der Serien Blade Meta und Blade Two Meta. Durch die präzise Platzierung der Tieftöner in gleichem Abstand um den Uni-Q-Treiber wird das akustische Ideal einer Punktschallquelle erreicht, bei der tiefe, mittlere und hohe Frequenzen von einem einzigen Punkt aus abgestrahlt werden. Das Ergebnis ist eine spürbar präzisere Abbildung und ein äußerst akkurater Klang über einen größeren Hörbereich.

Großer Unterschied ist natürlich, dass die LS60 ein vollaktiver Lautsprecher ist, die Kommunikation zwischen beiden Boxen kann entweder drahtlos (bis 96 kHz/24-Bit) aber kabelgebunden (bis 192 kHz/24-Bit) erfolgen. Im einzelnen installiert sind 4 x 135 mm Uni-Core-Force-Cancelling-Treiber und das schon erwähnte Uni-Q-Chassis (19 mm Aluminium-Hochtöner und 100 mm Mitteltöner, Alu-Membran). Leistungsmangel herrscht definitiv nicht, denn jeder Lautsprecher bringt 100 Watt für den Hochtonbereich, 100 Watt für den Mitteltonbereich und großzügige 500 Watt für denn Bassbereich mit. Somit stehen pro Lautsprecher 700 Watt und insgesamt nicht weniger als 1.400 Watt bereit. Besonderheit: Während für den Bass- und den Mitteltonbereich Class D-Endstufen bereitstehen, arbeiten die Endstufen für den Hochtonbereich nach Class AB-Prinzip. Bei -3 dB, gemessen bei 85 dB/1m, kann die LS60 Frequenzen zwischen 31 Hz und 24 kHz wiedergeben, bei -6 dB, 85 dB/1m, sind es 26 Hz bis 36 kHz.

KEFs Music Ingegrity Engine sorgt für volle DSP-Kontrolle auch bei hohem Pegel, zudem gibt es eigene Einstellungen für den Anwender (die die Aufstellung in einem akustisch eher lebendigen oder eher toten Raum berücksichtigen).

Die Music Integrity Engine bringt die Single Apparent Source-Konfiguration und andere spezielle Akustiktechnologien des britischen Traditionsherstellers zusammen, sodass sie optimal zusammenarbeiten und dadurch die Wirkung der einzelnen Technologien noch verstärkt wird. Die Music Integrity Engine bietet eine Reihe exakt auf den aktiven KEF Lautsprecher zugeschnittener digitaler Signalverarbeitungsalgorithmen (DSPs), die eine perfekt getimte Performance mit besserer Abbildung und einen strafferen Klang ermöglichen. Das System für die LS60 Wireless verfügt über eine Phasenkorrektur für niedrige Frequenzen. Diese neue Funktion sorgt für eine enorme Präzision des Klangs auch im Bassbereich. 

Anschlüsse

Verbaut ist die W2 Connectivity Plattform inklusive Dualband WLAN und der KEF Connect App für eine einfache Einrichtung, wie bei der LS50 Wireless II. Zugriff unter anderem auf Spotify Connect, TIDAL Connect, Amazon Music und Qobuz stellt hohe Flexibilität sicher. Chromecast, AirPlay 2 sowie das Roon ready-Zertifikat und die Kompatibilität zu MQA und DSD gehören ebenfalls dazu. Somit erweisen sich die LS60 als multimediales Talent mit 384 kHz-DAC, das problemlos zur Entertainmentzentrale im Wohnzimmer werden kann. Die Anschlüsse umfassen unter anderem HDMI eARC, Sub-Out, digital optisch und koaxial, Stereo Cinch analog.

Sockel

KEF-Logo

Die LS60 präsentiert sich in hochwertiger Verarbeitungsqualität. Die Ecken des Gehäuses sind sorgfältig gearbeitet, das Terminal auf der Rückseite mit den Anschlüssen ist sauber eingepasst. Rund um die Chassis sieht man keine Schrauben, unter dem Lautsprecher wurde ein stabiler Sockel integriert. 

Klang

Alle Größen im KEF-Portfolio waren bei der ersten Präsentation der LS60 vor Ort

Wir starten mit "Bird's Lament" von Moondog. Schon nach wenigen Sekunden sind wir überrascht: So schmale Säulen, aber so ein umfassender Bass. Trotz der druckvollen Performance bei der Wiedergabe tiefer Frequenzen ertönt das Saxophon sehr frisch, natürlich - aber auch bei höherem Pegel nie unschön aggressiv oder harsch. Die Transparenz ist ausgezeichnet, das gilt auch für die Güte der räumlichen Abbildung. Wir hätten den zierlichen Säulen eine so hochklassige Gesamtdarstellung definitiv nicht zugetraut. Klar, für satte 6.000 EUR Kaufpreis kann man gewiss einiges erwarten, aber diese Vehemenz und Ausdruckskraft ist nur selten anzutreffen bei einem solchen Konzept. 
 
Schwungvoll geht es weiter - mit "The Sea" von ARY. Ein Titel, der eher auf einen wuchtigen Lautsprecher mit großen Basschassis zugeschnitten zu sein scheint. Aber hier merkt man doch die enorme Leistungsfähigkeit der eingebauten Endstufen, die den nicht optimalen Wirkungsgrad eines kompakten Gehäuses schlichtweg vergessen machen. Dank KEFs rechenstarker Music Integrity Engine behält die DSP-Regelung stets die Kontrolle, und trotz der Wucht der tiefen Frequenzen gerät das Ganze nicht zu einem disharmonischen Einerlei - ganz im Gegenteil. Glasklar präsentiert sich die vokale Komponente, und die zahlreichen akustischen/elektronischen Effekte werden impulstreu und rein eingearbeitet.
 
Nun folgt "Money Talks" (Fredo, Dave) - hier merkt man erstmals, dass auch KEF nicht zaubern kann. Mehr Gehäuse-Innenvolumen wäre hier definitiv der Weg, um eine noch umfassendere Wiedergabe sicherzustellen. Für ihre "Spezies" beeindruckt die LS60 auf jeden Fall mit Basskraft und einer guten Substanz, aber da geht bei größeren Lautsprechern eben nochmals mehr. Die Vocals kommen sauber heraus, und das räumliche Arrangement erfüllt gehobene Ansprüche souverän.
 
 
"Your Love Gives Me Gravity" (Solomun, Planningtorock) steht an, und den Anfang zelebrieren die beiden schlanken Aktivlautsprecher-Säulen mit viel Feingefühl. Als dann der Bass einsetzt, schaffen sie eine dichte Atmosphäre, in der jeder einzelne elektronische Effekt an der richtigen Position untergebracht ist. Die Stimme löst sehr gut auf, und trennt sich zudem ausgezeichnet vom akustischen Rest. Die virtuelle Bühne ist sowohl in der Tiefe als auch hinsichtlich der Weite akkurat definiert, überzeugend ist auch die Vielschichtigkeit innerhalb der einzelnen musikalischen Ebenen.
 
Das letzte Hörbeispiel ist "Follower" (Max Richter, Mari Samuelsen, Robert Ziegler). Und wiederum wird bereits ab Beginn eine hohe atmosphärische Dichte erzeugt, die mit einer feinen Durchzeichnung der unterschiedlichen Strukturen einher geht. Auch kleine dynamische Differenzen werden von den LS60 berücksichtigt und impulstreu verarbeitet. Dank der leistungsfähigen Endstufen und dem rechenstarken DSP gehen den Boxen auch hohe Pegel leicht von der Hand. 
Erstes Fazit

Mit den LS60 hat sich die britische Lautsprechermanufaktur KEF ein höchst attraktives Geschenk zu sechs Jahrzehnten Firmengeschichte gemacht. Ein optisch schicker, zurückhaltender aktiver Lautsprecher, der es im wahrsten Wortsinn "in sich" hat: 700W Leistung pro Box sind richtig viel, dank der präzisen DSP-Kontrolle und hoch entwickelter Chassis-Technologie wird die Leistung optimal umgesetzt. Die enorme Flexibilität bei den Streaming- und Anschlussoptionen ist ein weiteres Merkmal, das in aller Deutlichkeit für den britischen Aktiv-Schallwandler spricht. 

Preview und Fotos: Carsten Rampacher
Datum: 12. Mai 2022

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