XXL-TEST: Samsung 8K-TV Q900 in 75-Zoll - neue visuelle Dimension für 6.999 EUR?

Schafft er es, uns ein neues Niveau an Detaillierung und Plastizität zu vermitteln? Der 6.999 EUR kostende Samsung GQ75Q900R 8K-TV mit 7.680 x 4.320 Pixeln Auflösung musste sich im Praxistest beweisen. Mit hochklassigem Upscaling inklusive künstlicher Intelligenz, brachialer Spitzenhelligkeit von 3.000 Nits und vollflächigem LED-Backlight zieht der QLED-8K-TV alle derzeit möglichen technischen Register. Der 8K-TV ist zu HDR10, HDR10+ und HLG kompatibel. Zaubern kann aber auch Samsung nicht: Der Q900 verbraucht mehr Strom als aktuelle 4K-Modelle und entspricht der Energieeffizienzklasse C. Zudem erwärmt er sich bei längerem Betrieb recht kräftig - aber nicht bedrohlich. Wir präsentieren den Q900 in diesem Test in allen Einzelheiten: Verarbeitung, Anschlüsse, Erstinstallation, Menüs, aber auch die Gründe, warum Samsung auf 8K setzt und welche technischen Highlights der Q900 bietet. Selbstverständlich gibt es auch eine diesmal besonders umfangreiche Bildwertung. 

Verarbeitung

Dünner, solider Metallrahmen

Rückseite

Standfuß von hinten

Der Q900 hat einen dünnen Metallrahmen (unten befindet sich oberhalb des Rahmens noch eine im gleichen Farbton gehaltene, präzise eingepasste Kunststoffleiste), die Rückseite besteht aus Kunststoff. Die Rückseite ist "clean", demnach kann man den Q900 auch frei im Raum aufstellen. Interessant ist, dass die Standfüße (bestehen aus Metall), wenn der TV geliefert wird, in der Rückseite integriert sind. Für den Gebrauch werden sie herausgezogen und anschließend angeschraubt. Man kann sie entweder weiter außen oder weiter innen montieren, in der Praxis eine gute Lösung.

Standfuß von vorne

Bohrungen für die Wandhalterung

One Connect Box, größer als bei den anderen QLED-Modellen

Hier wird das Kabel der One Connect Box angeschlossen

Die Bautiefe ist im Vergleich zu extrem dünnen OLED-TVs etwas größer, da es sich um einen LCD-basierten TV mit flächig hinter dem Display angeordneter Hintergrundbeleuchtung handelt. Der Q900 arbeitet wie bei Samsungs Topmodellen üblich mit einer separaten One Connect Box. Hier werden alle Quellgeräte angeschlossen, nur in einem einzigen sehr dünnen Kabel erfolgt die Verbindung zum Display an sich. Sogar die Stromversorgung fürs Panel ist hier mit inkludiert. Im vergleich zum aktuellen 4K -Topmodell Q9 ist die One Connect Box der Q900er Serie größer geworden. Die im Lieferumfang enthaltene Metallfernbedienung kennen wir bereits aus den schon länger erhältlichen QLED Ultra-HD-Topmodellen des Jahrgangs 2018.

Welche Anschlüsse stehen bereit?

Anschlüsse an der One Connect Box

Seitliche Anschlüsse

Wie üblich befinden sich 4 HDMI-Slots an der Box - leider ist keiner der vier HDMI-Terminals als HDMI 2.1 Eingang zu erkennen, was für die Zuführung von 8K-Content erforderlich wäre. Es finden sich ferner ein optischer Digitalausgang, 3 x USB (3 x 2.0), eine Ethernet-Schnittstelle (alternativ ist natürlich auch ein WLAN-Modul verbaut), CI+ Slot und die Tuneranschlüsse für den eingebauten Doppeltuner (DVB-C/DVB-S2/DVB-T2)

Ersteinrichtung

Natürlich verfügt der Q900 über einen einfach verständlichen Assistenten, der dem Anwender bei der ersten Einrichtung hilft. 

Zunächst wählt man die Sprache aus

Im Anschluss daran das Land

Es beginnt die "einfache TV-Einrichtung"

Satelliten-Signal erkannt

Netzwerk-/Internet-Verbindung

Ist ein Samsung-Konto vorhanden, kann man sich anmelden oder, bei Bedarf, ein neues Samsung-Konto erstellen

 

Im Prozess der Ersteinrichtung werden angeschlossene Quellgeräte direkt identifiziert

Identifizierung abgeschlossen

Netzbetreiber einrichten

Zusammenfassung der TV-Einrichtung

Der Q900 ist zügig betriebsbereit, auch die angeschlossenen Quellgeräte wie Spielekonsolen, Ultra HD Blu-ray-Player oder Settop-Boxen werden bereits innerhalb der ersten Installation erkannt und können anschließend verwendet werden.

Samsung Smart Hub 2018

Der Samsung Smart Hub kann exakt personalisiert werden 

Praktischer Samsung Smart Hub 2018

Favorite Video Apps

Auch der Q900 setzt auf den 2018er Samsung Smart Hub inklusive Universal Guide und einfachem Handling.Der Anwender kann auf einfache Art und Weise den Smart Hub anpassen, so dass er genau zum eigenen Anforderungsprofil passt. Jederzeit kann der Smart Hub zum Beispiel während des Live TV-Betriebes eingeblendet werden, und ohne weitere Station ist es möglich, direkt z.B. zu einem VoD-Dienstleister zu wechseln. 

Der Q900 reagiert praktisch ohne Verzögerungen auf Eingabebefehle, so wird z.B. Netflix in kürzester Zeit gestartet. Natürlich arbeitet auch der Q900 mit der Smart Things-App zusammen und bringt den "Ambient Mode" (mit der Smartphone-Kamera wird ein Bild von der Wand, vor der der TV steht, geschossen, dieses Bild wird mittels der Smart Things App auf dem Screen eingefügt, so hebt sich der TV kaum von der Wand ab. Auf Wunsch kann man noch zusätzlich Informationen z.B. über das Wetter einblenden lassen).

8K als nächster logischer Schritt zum lebensechten Bild

Samsung sieht QLED 8K als Markenzeichen für ein "realitätsnahes und immersives Seherlebnis", welches neue Bestwerte hinsichtlich der visuellen Leistungsfähigkeit sicherstellen soll. Die Kombination aus der extrem hohen 8K Auflösung und dem QLED-Panel sieht Samsung als ideal an, um erstklassige Performance liefern zu können.

Der Q900 bietet eine Auflösung von 7.680 x 4.320 Pixeln, das ist viermal höher als bei Ultra-HD (3.840 x 2.160 Pixel) und 16-mal höher als bei Full-HD (1.920 x 1.080 Pixel). Zwei Milliarden Bildpunkte stellen sicher, dass man selbst dann, wenn man direkt vor dem TV sitzt, keine einzelnen Pixel mehr ausmachen kann.

Nun stellt man sich die Frage: Warum denn 8K? Schließlich hat sich, gerade in Deutschland und Europa, Content in Ultra-HD noch lange nicht durchgesetzt. Und einzelne Pixel, selbst bei 65- oder 75-Zoll-Geräten, bei einem Ultra HD-TV zu erkennen, ist auch kaum möglich. Samsung aber erklärt, dass 8K gerade bei Displaygrößen ab 65 Zoll erhebliche Vorteile in Form eines schärferen, klareren Bildes bietet. Um dies zu untermauern, führt Samsung die "Pixel per Inch"-Dichte an: Bei einem 65-Zöller sind es bei Full-HD 34, bei einem 4K-TV 68 und bei einem 8K-TV satte 136 PPI. Bei einem 75-Zöller sind es 29, 59 und 117 PPI. In 85 Zoll ergeben sich die folgenden PPI-Werte: 26 für einen Full-HD-TV, 52 für einen Ultra HD-TV und 104 für einen 8K-TV. Problem ist aber derzeit noch, dass praktisch kein natives 8K-Material vorhanden ist und demnach fast alles, was in den Q900 eingespeist wird, hochskaliert werden muss. Der beträchtliche Unterschied hinsichtlich des Detailreichtums, den 8K gegenüber 4K verbuchen kann, ist bei hochskaliertem Quellmaterial, wie wir später feststellen, aber trotzdem vorhanden - wenn auch nicht in dem Umfang, den natives 8K Material offeriert. Trotz Highend-Upscaling, zaubern kann auch Samsung nicht.

Dass das Bild auch bei hochskaliertem Material äußerst plastisch erscheint - das ist nicht zu verleugnen. Visuelle Tiefensignale im Bild, so argumentiert Samsung, geben bei extrem hohen Auflösungen kräftigere Signale an das Menschliche Gehirn, so dass das Bild eines 8K-TVs, obwohl es in 2D vorliegt, als überaus dreidimensional wahrgenommen wird.

Q900 - Technische Highlights in der Übersicht

Wir haben es bereits angesprochen - meist wird niedriger auflösendes Material auf 8K hochgerechnet. Daher hat Samsung einem leistungsstarken Upscaling eine besonders hohe Priorität bei der Q900er Baureihe eingeräumt: "AI Upscaling", Upscaling mit Hilfe von künstlicher Intelligenz, ist das Ergebnis der Bemühungen. Herzstück des AI Upscalings ist eine Filterdatenbank. "Machine Learning Super Resolution" (MSLR) erstellt eine spezielle Datenbank mit Filtern, die der Quantum 8K Prozessor für das Upscaling verwendet. Hierbei werden Daten von Millionen von Videoquellen herangezogen: Videostreams, kurze Clips, Filme, 2K/4K-Inhalte, 8K Inhalte, Musikvideos etc. Aus diesen Daten, die auch miteinander kombiniert werden, werden dann die entsprechenden intelligenten Filter generiert. Es gibt demnach eine Analyse- und Lernfunktion hinsichtlich Struktur, Kanten und Details des jeweiligen Quellmaterials. Die Strukturerstellung stellt kleinste Details wieder her, Bildrauschen wird intelligent und mit der exakt richtigen Dosierung entfernt und die Kantenwiederherstellung schärft sorgfältig die Kanten von Objekten und Textbausteinen im Bild.

Wie genau arbeitet diese Filterdatenbank? Millionen von Datensatz-Paaren bilden die Grundlage. Diese Datensatz-Paare besteht aus einem Datensatz mit niedriger und einem Datensatz mit hoher Auflösung. Anschließend wird die Datenbank maschinell klassifiziert. Im nächsten Schritt wird dann ein Bildfilter erstellt. Jede Klassifizierung wird analysiert, und der perfekte Filter für Strukturen, Bildrauschen und Kantenwiederherstellung wird angewandt. Ein Filter wird in mehreren Varianten dupliziert: Als Filter für SD-Inhalte, als Filter für HD-Inhalte, als Filter für Full-HD-Inhalte und als Filter für UHD-Inhalte. Durch diese extreme Genauigkeit ist es möglich, in nie dagewesener Qualität Inhalte hochzuskalieren. Natürlich spielt auch die extrem hohe Rechenleistung des Quantum-Prozessors eine Rolle. Der 8K-TV erkennt bekannte Muster im jeweiligen Bildmotiv und wendet im Anschluss an die Analyse den exakt zum Use Case passenden Filter an.

Q HDR 8K - Grundlagen

"Q HDR 8K" - eine besonders hohe Panel-Maximalhelligkeit von 3.000 Nits beim 65-Zöller und 4.000 Nits bei 75 und 85 Zoll Bilddiagonale ist für ein realistisches HDR-Erlebnis zuständig. 100 Prozent Farbvolumen, Direct Full Array Elite und Backlight Zoning Control (Tiefes Schwarz ohne Blooming-Effekte), sowie Ultra Black Elite (spezielle Beschichtung sorgt für deutlich weniger Spiegelungen) sichern ein hervorragendes Schwarz und einen präzise gestaffelten Kontrastumfang sowie eine authentische Farbwiedergabe. Natürlich wird nicht nur HDR10, sondern auch HDR10+ mit dynamischem Tone Mapping (angepasste HDR-Kurven für jede Szene) unterstützt. Ebenso HLG, Dolby Vision hingegen nicht.

HDR ist immens wichtig für ein realistisches Bild

HDR sieht Samsung als elementar wichtig an, da ein größerer darstellbarer Helligkeitsbereich für besonders realistische, detailreiche Bilder steht. Hell-Dunkel-Differenzen können feiner und authentischer zum Ausdruck gebracht werden. Von großer Bedeutung ist auch die korrekte HDR-Abbildung. Tone Mapping basiert im Wesentlichen auf der Übernahme von HDR-Inhalten und deren exakte Anpassung an die nativen Fähigkeiten des jeweiligen TV-Gerätes. HDR-Content wird im BT-2020-Farbraum und mit mehreren Tausend Nits (meist bis zu 4.000 Nits) Helligkeit produziert. Daher: So mehr native Helligkeit das Panel eines TVs offeriert, umso exakter kann das zugrunde liegende HDR-Material reproduziert werden. Übrigens: In praktisch jedem gezeigten Bild befinden sich enorme Helligkeits-Differenzen, von den dunkelsten Bildbereichen bis zu den weißen Bildbereichen.

QLED Gaming

Gamer werden sich im Übrigen auch von den aktuellen QLED-Modellen angesprochen fühlen, denn laut Samsung ist es der weltweit erste TV mit FreeSync-Unterstützung.

Insgesamt läutet Samsung mit der Q900 TV-Baureihe eine neue Ära ein.

Samsung ist stolz, sich mit dem Start der Q900 Baureihe schon in der dritten Phase Ultra HD zu befinden

Weiteres Merkmal der Q900 Modelle ist auch die "AI Soundoptimierung". Hierbei wird jede Szene inhaltsbasiert in Echtzeit analysiert. Bei Dialogen in Filmen wird der Schwerpunkt auf den Präsenztonbereich gelegt, um die Stimme besonders gut verständlich zu machen. Bei Musik findet auch eine Optimierung im Bassbereich für vollen Klang statt. Bei Sportsendungen werden auch Hintergrundgeräusche wie jubelnde Fans mit der richtigen Betonung eingearbeitet, während z.B. bei Action-Filmen auf eine möglichst ungefilterte Effektwiedergabe Wert gelegt wird.

Video-EQ

"Film" ist der beste Bildmodus

Vier Bildmodi

Experteneinstellungen

"Auto Motion Plus" heißt die Frame Interpolation

2-Punkte-Weißabgleich

Der Video-EQ ist, wenn man aktuelle Samsung-TVs kennt, keine Überraschung. Es finden sich vier Bildmodi (Dynamisch, Standard, Natürlich und Film). Wir empfehlen für eine möglichst stimmige visuelle Gesamtdarstellung den Modus "Film". Wer tiefer einsteigen möchte, greift auf die Experteneinstellungen zu. Hier sind zu erwähnen: Hintergrundbeleuchtung, Helligkeit, Kontrast, Schärfe, Farbe, und Farbton. Man kann die getroffenen Einstellungen entweder auf alle Quellen oder nur auf den aktuellen Eingang anwenden. Es gibt des Weiteren "Digital aufbereiten", eine effektive Rausch-Reduktion, dann kann man die Intensität des lokalen Dimmings feintunen, eine Kontrastverbesserung in 2 Stufen aktivieren, den HDR+ Modus (nicht zu verwechseln mit HDR10+. Samsungs HDR+ soll aus SDR-Material quasi HDR-Material machen. Funktioniert manchmal gut, manchmal wirkt das Ergebnis etwas künstlich und überzogen) und den Farbton wählen (Kalt, Standard, Warm1, Warm2). Wer möchte und das entsprechende Wissen hat, kann einen Weißabgleich vornehmen. Dieser kann in einfacher Form über 2 Punkte oder sehr umfangreich über 20 Punkte erfolgen. Natürlich verfügt der Q900 auch über eine leistungsstarke Zwischenbildberechnung (Auto Motion Plus). Wählt man die Option "Benutzerdefiniert" aus, kann man selbst einstellen: Unschärfeminderung, Judder-Minderung und LED Clear Motion aktivieren.

Bild TV-Tuner, DVB-S2

Bei 720p Signalen der öffentlich-rechtlichen TV-Sender bietet der 8K-TV ein überraschend "rundes" Bild: Keine störenden Artefakte, kein "Verwaschen" begrenzt hier die visuelle Gesamtharmonie. Bei aktivierter Zwischenbildberechnung laufen Schriften recht sauber durch und bringen nur im letzten Detail eine leichte Unschärfe mit. Die akkurate Farbwiedergabe, der hervorragende Kontrastumfang und die tadellose, natürlich wirkende Gesamtbildschärfe sind weitere Vorzüge.

Gerade aktuelle Serien-Produktionen oder Dokumentarfilme beziehungsweise Talkshows kommen farblich brillant und vom Kontrastumfang her breit zur Geltung - den HDR+ Modus kann man sich sparen, denn der verfremdet nur das Bild. Hier belassen wir den Samsung lieber im "Film" Modus, der auch bei TV-Übertragungen, gerade am Abend, ein angenehmes, stimmiges und authentisches Bild generiert.

576i SD-Signale würden wir schon auf einem Ultra HD-TV nicht mehr betrachten und erst recht nicht auf einem 8K-TV, aber: Trotzdem ist es aus gewisser Distanz zum TV auszuhalten. Respekt, Samsung, dieses Upscaling hat es wirklich in sich. Bildschärfe, Farbwiedergabe und Kontrast sind selbst bei SD-Inhalten respektabel, und das Bildrauschen hält sich im tolerablen Rahmen. 

Bild "Star Wars - Das Erwachen der Macht, Blu-ray

Wir arbeiten mit dem Bildmodus "Film" und aktivierter Frame Interpolation und warten nun ab, ob der Q900 wirklich dieses grandiose Upscaling bieten kann, wie es Samsung selbstbewusst behauptet. Da das 8K Panel die 16-fache Auflösung von Full-HD offeriert, muss die Scaling Unit mit künstlicher Intelligenz ganz schön viel leisten.

Wir starten mit dem zweiten Kapitel und der Star-Wars-typischen gelben Laufschrift von vorne nach hinten. Auffällig ist sogleich, dass der Schwarzwert des QLED-TVs absolut überzeugend ist. Es gibt bei der Darstellung des Weltalls mit all den Sternen wenig "Ausblutungen", das Bild wirkt sehr sauber und fein hinsichtlich der Kontrast-Differenzierung. Die Helligkeitsverteilung ist zwar gelungen, aber nicht perfekt. Der Kenner bevorzugt nur, was diesen Parameter betrifft, daher nach wie vor ein OLED-Panel mit selbstleuchtenden Pixeln. Die gelbe Laufschrift überzeugt uns mit kräftiger, zugleich authentischer Farbgebung. Sie läuft bei aktivierter Zwischenbildberechnung sehr ruhig und mit gleichbleibend hoher Bildschärfe bis fast ganz nach hinten durch. In den hintersten Bildbereichen sind leichte Unschärfen sichtbar.

Nun folgt ein Kameraschwenk nach unten, als der Film beginnt, mit dem Blick auf einen blauen Planeten. Ein Sternzerstörer fliegt durchs Bild, und das Einzige, was wir negativ feststellen können, ist ein minimales Kantenzittern. Dann folgt der Blick auf die Stromtrooper in einem Transporter-Schiff. Hier spielt der Q900 seine extrem hohe Panelauflösung und sein sehr leistungsstarkes Upscaling aus: Eine hervorragende Bildschärfe, enorm hohe Detailtreue und eine exzellente Plastizität. Etwas Verbesserungspotential bietet unserer Meinung nach die Zwischenbildberechnung: Ab und zu schleichen sich hier leichte Unschärfen ein. Die Farbgebung des Bildes hat uns vollends überzeugt. Hier folgt der Q900 schon der Linie, die wir beim Q9F des Modelljahres 2018 (Ultra HD-TV) als nahezu ideal empfunden haben. Deaktiviert man die Zwischenbildberechnung, zeigt sich ein kaum minder stabiles Bild. Demnach kann der Filmliebhaber die Frame Interpolation besser deaktivieren.

Bild "Mission Impossible - Rogue Nation", Wien-Szene (Blu-ray)

Keine einfache Aufgabe erwartet den Q900 nun. Denn er muss die schon legendäre "Opern-Szene" entsprechend umsetzen, und zwar von lediglich Full-HD auf die native Display-Auflösung, die 16-mal so hoch ist. Die Szenerie vor der Oper bildet er mit toller Tiefenwirkung ab. Gerade kommt der österreichische Bundeskanzler an und steigt nebst Ehefrau aus seiner Maybach-Limousine, deren Konturen plastisch, scharf und praktisch artefaktefrei auf dem 75 Zoll-Screen erscheinen.

Das Blitzlichtgewitter der Pressefotografen wirkt sehr authentisch - und die Tiefenstaffelung des Bildes ist grandios: Man bekommt den Eindruck, richtig ins Bild "hineingehen" zu können. Natürlich hat an diesem Eindruck auch die recht gewaltige Bild-Diagonale von 75 Zoll ihren Anteil, aber die 8K-Auflösung tut ihr Übriges dazu. Natürlich auch das AI-Processing: Nie hätten wir gedacht, dass das Bild so sauber und so exakt durchmodelliert erscheint. Wir waren auf einen deutlich unschärferen Bild-Gesamteindruck gefasst. Der Q900 aber zeigt glasklar sein Können, auch bei der Präsentation des prächtigen Treppenhauses des alten Operngebäudes. Hier sind kaum Artefakte zu entdecken.

Wer ein "smoothes" Bild möchte, aktiviert die Frame Interpolation, die Ruckeln gewissenhaft entfernt. Ab und zu treten als kleiner Nachteil leichte Unschärfen auf, die uns aber nicht zu negativ aufgefallen sind. Farblich lässt sich der Q900 auch bei diesem Beispiel nichts vormachen, er offeriert feine Farbübergänge und stellt Hauttöne, z.B. in den Gesichtern von Ethan und Benni, mit exzellenter Differenzierung dar. I

m Inneren des Zuschauerraumes holt der Q900 selbst im abgedunkelten Zustand noch Struktur und tollen Detailreichtum heraus - obwohl es klassisches SDR-Material ist. Wer den HDR+ Modus für Quasi-HDR-Wiedergabe von SDR-Inhalten aktiviert, sollte sich diesen Schritt genau überlegen: Zwar steigt der empfundene Kontrastumfang, das Bild wirkt jedoch unnatürlicher, und Details gehen in dunklen Bildbereichen leicht unter. 

Bild "James Bond 007 - Skyfall, Blu-ray, Anfangsszene in Istanbul

Das liegt dem Q900: James Bond 007 dringt in eine Wohnung im Dämmerlicht vor. Hier liegen schwer verletzte MI6 Agenten, nachdem Killer und Profidieb Patrice eine HDD mit wertvollen, hoch geheimen Informationen aus einem Notebook entwendet und dabei gezielt geschossen hat. Die Holzstruktur der Tür, den Stoff des Anzug-Sakkos von Bond oder auch den Bodenbelag im Gang vor der Wohnung arbeitet der Q900 hervorragend heraus. Wir waren sehr skeptisch, ob hochskaliertes Full-HD-Material anständig auf dem Samsung 8K-TV aussieht, doch der Q900 beseitigt unsere Zweifel: Ja, das geht.

Dank üppiger Rechenleistung und cleverer Algorithmen legt sich der TV mächtig ins Zeug. Nun geht es raus ins Licht, und hinein in eine wilde Verfolgungsjagd: Bonds Kollegin fährt mit dem Land Rover Defender Pickup vor, und beide setzen dem flüchtenden Killer Patrice im Audio A5 Sportback nach. Trotz der schnellen Bildfolge wird die Jagd stabil präsentiert, und die Silhouetten der Auto-Karosserien sind scharf auf dem Screen zu erkennen.

Die Verfolgungsfahrt endet, als 007 Patrice rammt und sich der Audio überschlägt - wieder eine schnelle Sequenz, die in exzellenter Bewegungsqualität dargestellt wird. Nur minimale Unschärfen sind sichtbar, wenn man die Frame Interpolation aktiviert. Farblich leistet sich der Q900 auch hier keinen Schnitzer, die saftigen Orangen, das Silber des Land Rover oder auch der Sand auf dem Boden kommen realistisch zum Ausdruck. Der Killer entsteigt unverletzt dem Wrack und beginnt eine wüste Schießerei. Die Munitionsbehälter seiner automatischen Waffe sind trotz der Distanz scharf zu erkennen.

Nun flüchtet Patrice auf einer Polizei-Enduro, und Bond hastet auf einer ebenfalls entwendeten Reise-Enduro hinterher. Mit den schnellen Bewegungen kommt der Q900 auch hier sehr gut zurecht, die Dächer oberhalb des Grand Bazars werden präzise herausgearbeitet. Als die beiden Maschinen durch ein geschlossenes Fenster mitten in einen Gang des Marktes springen, begeistert der Samsung 8K TV wieder mit großartiger Plastizität und einem tollen Auflösungsvermögen. 

Bild "Kingsman", Ultra HD Blu-ray, Kapitel 8, Unterhaltung + Schlägerei im Pub

Als Eggsy und Harry Hart sich im Pub unterhalten, überzeugt der Q900 mit einer herausragenden Detailschärfe. Am besten nachvollziehen kann man das anhand der Gesichter. Auch die verschiedenen Helligkeitszonen mit unterschiedlichen Nit-Werten werden sehr gut herausgearbeitet. Bedingt durch die hohe maximale Helligkeit von 3.000 Nit (65 und 75 Zöller), wird ein hoher HDR-Umfang präsentiert. Etwas Kritik müssen wir üben, minimales Hintergrundrauschen bei weiten Panoramaaufnahmen ist vorhanden. Die Frame Interpolation funktioniert hier sehr gut, es finden sich zwar auch hier sehr leichte Unschärfen ab und zu, aber dafür gibt es ein bewegungsstabiles Bild, geschmeidig und sauber. Aber auch ohne aktivierte Frame Interpolation haben wir einen soliden Bildstand und eine enorme visuelle Sauberkeit.

Nun folgt die kräftige Schlägerei, in deren Verlauf Harry Hart alle Register seines Könnens als Kingsman zieht. Wir erkennen eine wiederum überzeugende Bewegungsdarstellung: Stabile, saubere Objektkanten, praktisch kein Kantenzittern. Die Farbwiedergabe gefällt uns auch hier sehr gut, natürlich werden Farben dank des größeren Farbraums der Ultra HD Blu-ray noch dynamischer und feinfühliger wiedergegeben. Das Bild brilliert durch die unglaubliche Plastizität, nicht nur bei der Schlägerei, sondern auch, als Eggsy kurz darauf vor dem gewalttätigen Freund seiner Mutter und dessen Gang flüchtet. Die Betonfassade des trostlosen Wohnsilos wird extrem scharf und detailgetreu wiedergegeben. Die Holzvertäfelung im noblen Büro von Harry Hart beeindruckt ebenfalls: Die Maserung kann man in allen Einzelheiten erkennen.  Bei den Punkten Plastizität und maximale Bildschärfe kann das 8K-Panel bei Ultra HD Blu-ray-Material definitiv einen Vorteil für sich verbuchen.

Bild "Independence Day - Die Wiederkehr" (Ultra HD Blu-ray, ab Filmbeginn)

Das schwierige Andockmanöver der Raumfähre an der Mondbasis stellt der Q900 in sehr dynamischen Bildern und mit vorzüglicher Kontraststaffelung dar, Praktisch jede Einzelheit an der Station, der Fähre oder auch an der kargen Mondlandschaft kommt plastisch und filigran zur Geltung. Hier, bei diesem Filmbeispiel, ist vor allem der Eindruck, mitten ins Bild eintauchen zu können, enorm ausgeprägt. Auch das Innere der Raumfähre wird sehr exakt präsentiert. Die kalte Farbgebung dieser Sequenz, die sich auch im Inneren der Mondbasis fortzieht, wird vom Q900 konsequent dargestellt.

Kleine Kontrastunterschiede arbeitet er unter allen Bedingungen hervorragend heraus und stellt die Vorteile von HDR eindrucksvoll zur Schau. Wir bleiben auch bei diesem Beispiel bei unserer Aussage: Der Q900 punktet nicht nur mit seiner hohen 8K-Auflösung, sondern stellt auch HDR-Inhalte besonders gekonnt dar. In der Szene, die im Schlafzimmer des Ex-US-Präsidenten spielt, beweist der Samsung 8K-TV einmal mehr seine Kompetenz bei der Wiedergabe von Farben. Hier herrscht dämmriges, eher warmes Licht, und auch dieses bringt der Q900 authentisch zur Geltung.

Hubschrauber-Flüge bei Tageslicht verlaufen mit hoher Bewegungsstabilität, die im Hintergrund gezeigten Objekte werden nahezu ohne Unschärfen und mit einem hohen Grad an Detaillierung gerade im hohen Bildfrequenzbereich aufs Display gebracht. Das Bild überzeugt durch eine enorme Tiefenwirkung, man kann einzelne Ebenen erstklassig voneinander unterscheiden und entdeckt auch weit hinten im Bild noch scharf gezeichnete Einzelheiten. 

8K-TV und die Ultra HD-Konkurrenz

Braucht man nun einen 8K-TV? Zumindest muss man festhalten, dass Samsung aus preislicher Sicht durchaus interessante Anreize gibt. QLED/Quantum DOT-Topmodelle mit Ultra HD-Auflösung wie der Sony ZD9 kommen auf knapp 5.000 EUR, auch der Q9F von Samsung, den wir in 65 Zoll getestet haben, liegt bei rund 4.800 EUR in 75 Zoll. Bei den OLEDs gibt es die Display-Größe 75 Zoll nicht, hier sind 77 Zoll erhältlich. Im Falle des LG C8 (2018) werden hier um die 5.600 EUR Marktpreis ausgerufen, ein Panasonic EZW1004 (2017) wird mit satten 9.600 EUR derzeit gehandelt. Wer lieber 8K genießen möchte, aber dafür mit 10 Zoll weniger zufrieden ist, bekommt den Q900 für 4.999 EUR und damit genau zu dem Preis wie Ultra HD-75-Zöller mit LCD-/Quantum DOT-Display. Zu teuer sind die neuen visuellen Hoffnungsträger aus Südkorea demnach nicht, früher zahlten Early Adapter horrende Preise als Tribut für ihre Lust auf die neueste Technik. Erinnern wir uns an den Beginn des 4K/Ultra HD-Zeitalters: 5.999 EUR kostete der Samsung F9090 Ultra HD-TV in 65 Zoll im Jahr 2013. Satte 1.000 Euro mehr als heute der 8K-TV Q900 in identischer Screen-Größe. Wer also der Faszination der 8K-Auflösung erlegen ist, der kann zugreifen - und hoffen, dass es Möglichkeiten geben wird, zu einem späteren Zeitpunkt auch native 8K-Signale in den Q900 einspeisen zu können. 

Klang

Tonmodi

Ton: "Experteneinstellungen"

Auch Hi-Res-Audio-Dateien, hier im Flac-Format, gibt der Q900 wieder

Akustisch liefert der Q900 eine saubere Leistung ab. Sehr gute, erstaunlich klare Stimmwiedergabe, die sich bei Talkshows als klar fokussiert und bei Filmen als sehr passend eingearbeitet präsentiert. Selbst Musik kann man mit dem 8K-Samsung hören. Natürlich darf der anspruchsvolle Hörer keine akustischen Wunder erwarten, aber das Ergebnis hört sich recht komplett und dynamisch an, sieht man davon ab, dass im Frequenzkeller naturgemäß Defizite durchscheinen. Insgesamt aber auch aus klanglicher Perspektive eine sehr erfreuliche Leistung, die sich selbst bei höheren Pegeln nicht wirklich massiv verschlechtert. 

Fazit

Samsung läutet eine neue Ära ein: Erstmals gibt es einen TV mit nativer 8K-Auflösung auf dem deutschen Markt in drei Bildschirm-Größen käuflich zu erwerben. Der Preis ist, bezogen auf den 75-Zöller, mit 6.999 EUR nicht zu hoch. Noch vor kurzer Zeit kostete ein 65 Zoll Ultra-HD-OLED-TV ebenso viel. Nun stellt sich natürlich die Frage: Wer braucht heutzutage einen 8K-TV? Schließlich hat sich beim Streaming und Broadcasting sowie bei den Disc-Medien selbst Ultra HD noch nicht überall durchgesetzt.

Und jetzt 8K? Wir waren skeptisch, das geben wir gern zu, und ließen uns aber dann doch "verführen" und begeistern vom Q900: So plastisch, so zum Greifen nah, so fein differenziert bis in die hinterste Bildebene: Wir hätten nie gedacht, dass der 8K-TV bei HOCHSKALIERTEM Material schon so gut abschneidet. Gerade, was der Q900 bei Full-HD-Material leistet, verdient höchsten Respekt: Wenig Artefakte, scharf, detailreich, mit lebendigen Farben und brillantem Kontrast. Auch, dass der Schwarzwert für einen LCD-basierten QLED-TV absolut top ist, kristallisiert sich alsbald heraus. Nur minimale Inhomogenitäten bei der Ausleuchtung leistet sich der mit vollflächigem LED-Backlight und exaktem Local Dimming antretende Q900.

Bei Ultra HD-Material ist der "Wow"-Effekt dann nochmals größer: Noch schärfer, noch dreidimensionaler, noch feiner bei den Kontrastabstufungen - gerade HDR-Material behandelt der Samsung 8K-TV vorzüglich und bietet auch Anspruchsvollsten keinen Grund zur Klage. Die Zwischenbildberechnung verdient leise Kritik, da ab und zu leichte Unschärfen, vornehmlich im Bildhintergrund, sichtbar werden. Das geht vielleicht noch einen Tick besser, wobei man Samsung zugute halten muss, dass derzeit kein anderer Hersteller in Deutschland den Schritt wagt, überhaupt einen 8K-TV anzubieten. Daher: Hut ab vor diesem Mut, Hut ab vor diesem fortschrittlichen, technisch grandiosen Produkt. Eine würdige Referenz, der Q900.

Sensationell scharf, überlegen detailreich, kompromisslos rauscharm: Der Samsung Q900 ist ein grandioser Einstieg in die 8K-Ära

Gesamt-Referenz 75 Zoll-TVs Luxusklasse
Test 26. November 2018

Test: Carsten Rampacher, Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 26. November 2018

Tags:




Alle aktuellen Tests auf AREA DVD
  ZURÜCK