TEST: Sony Xperia Tablet Z – Hightech Tool mit 10,1 Zoll-Display

Das Produkt

Die Idee lag nahe: Die Japaner machen aus ihrem Top-Smartphone Xperia Z auch einen Tablet-Ableger. In den Bereichen Bautiefe und Gewicht sorgt dieser digitale „Schoßhund“ schon mal optisch für Aufsehen.

Sony Ericsson ist tot, lange lebe Sony! Nachdem Sony unter eigenem Namen Smartphones veröffentlicht, werden nun auch Tablets unter dem Sammelbegriff Xperia vermarktet. Sony widmet sich damit einen Markt, dem TK-Fachleute bis zum Jahr 2017 noch einen dreifachen Absatz prognostizieren. Grund genug, gerade bei den Flachmännern Akzente zu setzen.

Design & Display

Gerade einmal sieben Millimeter dünn und unter 500 Gramm Gewicht – der erst Griff nach dem Sony Xperia Tablet Z löst unweigerlich ein respektvolles Kopfnicken aus. Geradezu zerbrechlich mutet das Tablet dadurch an, doch den Biegetest überstand der Japaner locker und auch ein kräftiger Druck auf das Display löst keine übermäßigen Druckstellen aus. Mehr noch: Laut Hersteller ist das Tablet Z sogar wasser- und staubdicht. Dafür sprechen die gut versiegelten Anschlussstellen für das USB-Kabel, Headset und die Steckplätze für SIM- und Micro-SD. Ein tieferes Bad haben wir dem Tablet Z zwar nicht zugemutet, doch in einem zahmeren Test perlte Wasser stets locker ab. Davon abgesehen: Muss ein Tablet wirklich wasserdicht sein?

Optisch setzen die Designer auf schlichte Eleganz mit schwarzem Klavierlack auf der Frontseite, einer weißen Rückseite sowie eckigen Kanten. Dank Softtouch-Oberfläche auf der Rückseite liegt das Tablet insgesamt gut in der Hand. Was jedoch schnell störend auffällt: Die Frontseite ist geradezu ein Magnet für Fingerfett – ein Reinigungstuch aus Mikrofaser ist hier die beste Lösung. Hinzukommen starke Spiegelungen bei Tageslicht. Insgesamt also mehr ein Indoor-Kandidat.

Das 10,1 Zoll große Full-HD-Display bietet 1.920 x 1.200 Pixel und macht bereits vom Start weg einen sehr guten Eindruck. Dass es „nur“ mit TFT-Technologie arbeitet, vermutet man angesichts der satten Farbwiedergabe nicht. Sony griff dafür tief in die Trickkiste. So handelt es sich um ein hauchdünnes Opti-Contrast-Panel, bei dem die Luftschichten reduziert wurden. Durch diese Reduktion zu einer Einheit ist das Display nicht nur auffallend dünn, es sorgt zudem für eine klarere Darstellung, weswegen auch kleinere Schriftzeichen gut leserlich sind. Hinzukommt eine Bravia Engine 2 aus dem TV-Bereich, der einen knackigeren Kontrast beisteuert. Insgesamt ein sehr guter Display-Auftritt des Touchscreens, zumal sich dank des 16:9-Formates Filme optimal schauen lassen – da ist das Sony Xperia Tablet Z einem iPad einen großen Schritt voraus.

Ausstattung

Beim Testgerät handelt es sich um das Flaggschiff mit HSPA+ und LTE, wobei es alle in Europa verwendeten LTE-Frequenzen unterstützt. Wer die 639 Euro UVP nicht übrig hat bekommt eine reine WiFi-Version mit 16 GB internen Speicherplatz bereits für rund 499 Euro, respektive eine 32 GB-Variante für ca. 550 Euro.

Alle gemein haben Bluetooth 4.0 sowie eine NFC-Schnittstelle. Das Topmodell verkehrt somit auf allen Datenkanälen, inklusive einer Infrarotschnittstelle – doch dazu später mehr…


Schnappschuss


Herausgeschnittener Bildausschnitt

Für Schnappschüsse stehen sowohl eine rückseitige 8-Megapixel-Kamera, als auch eine Frontkamera mit bis zu 2.2-Megapixel-Kamera zur Verfügung, wobei letzteres vor allem für Videochats gedacht ist. Hinzukommt ein Camcorder, mit dem auch FullHD-Videos möglich sind – und das gelingt zumindest bei guten Lichtverhältnissen spielend einfach und in einer guten Qualität. Bei leicht schummrigem Kunstlicht wird das hingegen schwieriger, denn es fällt erneut auf, dass bei Tablets offensichtlich keine Fotolicht-Unterstützung als notwendig angesehen wird. Immerhin ist die Kamera recht lichtempfindlich, sodass auch in geschlossenen Räumen ordentliche Schnappschüsse möglich sind. Reif für ein Fotoalbum sind aber nur Porträtaufnahmen, denn bei weiten Distanzen verlieren die Fotos selbst in der Bildmitte schnell an Schärfe. Unter dem Strich aber dennoch eines der besten Kameras im Tablet-Bereich.

Schade, dass ausgerechnet das Flaggschiff nur 16 GB Speicherplatz bietet, denn davon stehen dem Nutzer gerade einmal rund 10GB zur freien Verfügung. Das mag sich zwar nicht gerade kümmerlich anhören, doch sobald man mit Videomaterial arbeitet, bekommt das Xperia Tablet Z schnell Verdauungsstörungen. Gut daher, dass der Japaner SDXC-Karten mit bis zu 64GB akzeptiert.

Eine besondere Bedeutung hat beim Xperia Tablet Z die DNLA-Zertifizierung, denn das Zusammenspiel mit anderen Multimedia-Geräten wird hier geradezu vorbildlich gemanagt. Durch übersichtlich aufgebaute Apps, die stets thematisch passend platziert sind, lassen sich Medien spielend einfach auf das TV- oder Stereo-Anlage übertragen. Schön zudem, dass die Infrarotschnittstelle derzeit wieder eine Renaissance feiert, denn dadurch verwandelt sich das Xperia Tablet Z bei entsprechender Synchronisierung in eine regelrechte Kommando-Zentrale für andere Audio/Video-Geräte. Insgesamt eine tolle DNLA-Vorstellung, die Sonys Kompetenzen gut in Szene setzt.

Apropos Sony-Kompetenzen, neben den Android-Standards garniert der Konzern das Multimedia-Komfortprogramm mit den eigenen Bezahldiensten Music Unlimited und Video Unlimited, sodass sich das Tablet schnell mit aktuellen Spielfilmen und Chartmucke füttern lässt. Im Zusammenspiel mit Googles Play Store lässt das Sony Xperia Tablet Z in puncto Ausstattung somit kaum Wünsche offen.

Handhabung

Einen physischen Home-Button wie beim iPad sucht man beim Xperia Tablet Z vergebens, denn die Frontseite bietet im Standby-Modus keinerlei Erhebungen und abgesehen von der Frontkameralinse und dem Sony-Logo ist alles rabenschwarz. Wie beim Xperia Z/Z1 Smartphone gibt es allerdings auf der linken Seite einen großen An/Aus-Knopf. Darüber hinaus lässt sich der Touchscreen mit einem Doppeltipp auf das Display ebenfalls schnell aus dem Tiefschlaf wecken – eine Idee, die Schule machen sollte.

Das Tablet läuft aktuell unter Android 4.2.2 sowie Sonys User Interface ausgeliefert, beim dem sich die Eingriffe in die Menüverästelungen in Grenzen halten. Vielmehr handelt es sich um ein optisches Facelifting des Google-Betriebssystems mit einigen runden Icons, die spezielle Sony-Dienste anpreisen. Insgesamt ein optisch stimmiger Auftritt.

Über die zahlreichen Personalisierungsmöglichkeiten via fünf Startbildschirmen und zahlreichen Widgets zu philosophieren, ist sicherlich verschwendete Zeit, denn das ist bereits seit Jahren historisch intuitiv zusammengewachsen. Auf dem großen Display ist die erhöhte Übersicht zudem ein dickes Plus.

Auch einige Short Cuts sind vorhanden, wobei es allerdings auffällt, dass das an sich gängige Pull-Down-Menü für alle Grundeinstellungen fehlt. Stattdessen hat der Nutzer aber stets direkten Zugriff zu allen Apps, die zuletzt verwendeten Anwendungen sowie einem individuellen Favoriten-Ordner. Mit ein bisschen Geduld und Spucke bekommt man das Sony Xperia Tablet Z daher schnell maßgeschneidert. Schön ist aber vor allem, dass das Arbeitstempo in allen Belangen stets fließend ist und die digitale Qwertz-Tastatur sich angenehm bedienen lässt.

Technik

Viel Leistung erfordert einen großen Prozessor. Aus diesem Grund sorgt die CPU Qualcomm Snapdragon S4 Pro mit vier Kernen, 1,5 GHz-Taktung, 2 GB Arbeitsspeicher sowie der Grafikeinheit Adreno 320 für mächtigen Alarm unter der Haube. Selbst grafisch aufwändige 3D-Racer bringen den Japaner daher auch nicht aus dem Takt. Nur beim Surfen kommt es beim kinetischen Scrolling und Multitouch-Zoom hin und wieder zu ruckeligen Aktion – vielleicht aber auch nur eine Kinderkrankheit, die durch ein Software-Update behoben werden kann. Allerdings gehört diese CPU-Einheit und auch die Grafiklösung mittlerweile einer älteren Generation an, wie Sony Xpera Z Ultra und Xperia Z1 zeigen. Hier ist ein 4-Kern-Prozessor mit 2,2 GHz Taktung an Bord.

Beim 6.000 mAh großen Akku fällt positiv auf, dass er im Standby-Modus kaum Strom zieht, sodass man das Xperia Tablet Z auch mal tagelang ohne Netzteil-Verbindung liegen lassen kann. Bei intensiver Dauernutzung, zum Beispiel als Videoplayer sind sechs volle Stunden keine Utopie – eine ordentliche Leistung.

Für die musikalische Untermalung sorgen zwei Stereo-Lautsprecher, die links und rechts unterhalb des Displays liegen. Diese beinhalten insgesamt vier Mini-Speaker und strahlen nach unten ab. Gute Voraussetzungen also für einen ordentlichen Klang. Tatsächlich spielt das Tandem luftig leicht und recht lebendig auf. Sobald aber Bässe im Vordergrund stehen, erreichen die Lautsprecher schnell ihre Grenzen, denn es mangelt ganz klar an einem Resonanzkörper. Der integrierte 3D-Modus ist außerdem nur ein störender Verzerrer – also am besten gleich deaktivieren. Auffällig: Ein Klinke-Kopfhörer gehört nicht zum Lieferumfang, was für die meisten gut sortierten Haushalte kein Problem darstellen sollte.

Fazit

In puncto Design war Sony traditionell schon immer stark. Schön daher, dass es den Machern gelungen ist, die dezente und dennoch eigenständige Ästhetik auf das Tablet-Genre zu übertragen. Insbesondere die geringe Bautiefe und 1A-Display-Qualität machen es zu einem absoluten Hingucker. Zumindest die Top-Version bietet zudem eine Fülle an Funktionen und hat im direkten Vergleich zum Bestseller iPad das bessere Preis/Leistungsverhältnis. Beim intensiveren Umgang fällt jedoch auf, dass es im Vergleich zum Apple-Tablet hier und da ein wenig hakt, was aber sicherlich mit dem Android-Kosmos zusammenhängt. Vor allem für Ästheten ist dieser Flachmann auf alle Fälle eine Proberunde wert.

Leistungsfähiges Tablet mit brillantem Display und eleganter Formensprache
Tablets Oberklasse
Test 17. Oktober 2013

+ Tolles Display
+ Flotte CPU
+ Extrem geringe Bautiefe
+ Hochwertige Anmutung
+ Tadellose Kamera
+ Wasserdicht

- Nur 10 GB interner Speicher für User-Daten
- Mit LTE nicht in 32 GB Version lieferbar

Test: Ulf Schneider
Redaktion: Carsten Rampacher
Datum: 17. Oktober 2013



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