TEST: Motorola Moto G5S Plus - Kamera-Ass mit Dual SIM für unter 300 Euro?

Mit der S-Edition möchte Lenovo die Schwächen des Vorgänger-Modells Moto G5 Plus ausmerzen. Der Praxistest zeigt, ob das ehrgeizige Vorhaben gelang.

Das „S” steht für Special Edition, wobei das Kürzel für ein Mittelklasse-Modell zum Preis von knapp 300 Euro eher ungewöhnlich ist. Da die Lenovo-Tochter das Modell bereits sechs Monate nach dem Release des Moto G5 Plus veröffentlicht, schien aber großer Handlungsbedarf vorhanden zu sein.

Rückseite

Schwerer Junge! Rund 165 Gramm bringt das Motorola Moto G5S Plus auf die Waage. Der naheliegende Grund ist auch der richtige, denn das Unibody-Gehäuse besteht auf Metall und einer vollverglasten Frontseite. Während das Display die Seiten links und rechts nahezu voll ausnutzt, gibt es ober- und unterhalb große Aussparungen, da die Entwickler dort sowohl eine Frontkamera mit Blitz als auch einen üppigen Fingerprintscanner platzierten.

Richtig auffällig ist aber allein auf der Rückseite das mächtige, runde Objektiv mit einer Doppellinse. Unpraktisch: Die Dual-Kamera ragt sehr weit über die rückseitige Oberfläche hinaus.

Als Display kommt ein 5,5 Zoll (13.97 cm) großer IPS-Touchscreen mit Full HD Auflösung zum Einsatz. Qualitativ ist soweit alles im Grünen Bereich, wenn man sich die Preisklasse vor Augen hält. Während die Schärfe und Farbsättigung absolut zufriedenstellend sind, ist die maximale Helligkeit nicht optimal. Dem Hersteller gelang es aber den Candela-pro-Quadratcentimeter-Wert merklich zu erhöhen, was ein Schwachpunkt des kleineren Moto G5S ist. In der Praxis stellen wir aber fest, dass die Ablesbarkeit dennoch schnell abnimmt.

Motorola Moto G5S Plus Foto

Aufgenommen mit dem Moto G5S Plus

Die Kamera des Vorgängermodells genießt bereits einen guten Ruf, doch bei der S-Version wurde nochmals optimiert. Die Hauptkamera archiviert mit bis zu 16 Megapixeln im Dual-Modus, sodass unter anderem auch trickreiche Bokeh-Aufnahmen möglich sind – das ist in dieser Preisklasse noch die Ausnahme. Die Ausstattung ist ansonsten eher schlank gehalten: Auto- & Profi-Modus, Panorama-Aufnahmen sowie Fotos mit einem Tiefeneffekt. Effektvoll: Man kann nachträglich sogar den Hintergrund austauschen oder Schwarz/Weiß darstellen.

Motorola Moto G5S Plus Foto Bukeh

Bokeh-Effekt

Vor allem bei Tageslicht hat die Hauptkamera ihren großen Auftritt, denn bei nahen Distanzen sind die Motive knackig scharf und detailliert bis zum Rand, was auch am Phasenerkennungs-Autofokus (PDAF) liegt. Einzig die etwas blasse Farbdarstellung ist ein kleiner Makel. Dafür sammelt die 5-Megapixel-Frontkamera mit LED-Blitz weitere Pluspunkte. Mit ihr sind gut ausgeleuchtete Selfies mit natürlichen Farben möglich – auch bei schwächerem Umgebungslicht.

Abseits der Kamera wird der aktuelle Android-Standard sowie schnelle Datenschnittstellen geboten. W-LAN-ac wird zwar nicht unterstützt, dafür aber der n-Standard sowie LTE mit theoretisch mit bis zu 600 Mbit pro Sekunde.

Von den internen 32 GB stehen rund 23 bis 24 GB zur freien Verfügung. Wenn der Nutzer nicht die Dual-SIM-Funktion nutzt lässt sich der Speicherplatz via microSD sogar auf bis zu 265 GB erweitern.

Motorola Moto G5S Plus Screenshot

Android 7.1.1 ist installiert

Als Betriebssystem kommt Android 7.1.1 zum Einsatz, sodass dieser Funker nicht topaktuell ausgestattet ist. Ein Update auf Android 8.0 Oreo soll laut Hersteller aber auf alle Fälle noch folgen.

Beim Bedienungskonzept wurden alle bewährten Mittel eingepflegt: Pull Up & Down Menü, ein App Drawer sowie das Google-Startmenü, das über ein weiteres Sub Menü verfügt, sobald man nochmals nach rechts wischt. Gute Idee: Bei einigen Apps, wie z.B. SMS-Nachrichten, öffnet sich ein Untermenü, wenn man lange darauf drückt.

Unterhalb des Displays sorgt ein Fingerprintscanner für eine schnelle und zuverlässige Aufhebung der SIM-Sperre und kann das Smartphone zudem auch per Gesten steuern. Ein erlerntes „Okay Google“ reicht zudem ebenfalls aus, um Zugriff auf alle Funktionen zu haben. Ansonsten hält sich der Chinese aber mit besonderen Bedienungskniffen zurück. Löblich dafür, dass es für Gehörlose auffallend viele Bedienungshilfen gibt. Da das Arbeitstempo stets in einem guten Tempo verlauft, gibt es bei dieser Disziplin nichts zu bemängeln.

Alles beim Alten geblieben: Wie beim Moto G5 Plus werkelt auch bei der S-Variante der Achtkernen-Prozessor Snapdragon 625 mit einer Taktung von 2 GHz pro Sekunde. Unterstützt von 3 GB RAM sollte es in den meisten Fällen keine Probleme geben. Im Grunde stimmt dies, denn sowohl Alltagsroutinen, als auch anspruchsvolle 3D-Games laufen reibungslos. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich aber, dass der Racer Asphalt 8: Airborne hin und wieder stottert – nicht gravierend, aber durchaus spürbar. Da wir uns aber in der Mittelklasse bewegen, darf man mit der Performance durchaus zufrieden sein.

Seitenansicht

Das gilt auch für den Stromspender. Der fest verbaute Akkublock hat eine gehobene Kapazität von 3.000 Milliamperestunden. Im Praxistest reicht das durchaus für fünf Tage Dauereinsatz. Allerdings fällt auf, dass der Akku recht empfindlich auf eine erhöhte Nutzungsintensität reagiert, bei Nonstop-Belastung hält aber immer noch etwa elf Stunden durch. Schade aber, dass kein USB-C unterstützt wird, sodass eine Vollaufladung sehr lange dauert.

Weniger exzelllent ist es um die Sprachqualität bestellt, was aber auch daran liegt, dass die Netzbetreiber hier nach wie vor zu wenig tun – technisch möglich ist Festnetzqualität ja bereits seit ca. zwei Jahren. Man kann mit dem Chinesen aber unfallfrei, ausreichend laut und gut verständlich in beide Senderichtungen telefonieren. Vom Prädikat „Festnetz-Qualität“ ist der Funker aber deutlich entfernt.

Der Mono-Lautsprecher am Geräteende spielt durchaus flott auf und hat ein erkennbares Bassfundament. Es klingt aber leicht blechern und vom Spektrum her eng.

Moto G5S Plus

Nicht nur gemessen daran, dass das Moto G5S Plus Schwächen des Vorgängermodells ausmerzt, ist dem Hersteller ein kleiner Coup gelungen. Hauptgrund ist vor allem die vielseitige und hochwertige Kamera. Eine Dual-Kamera mit Bokeh-Effekt sowie eine Frontkamera mit LED-Blitz sind in der 300-Euro Klasse ein Novum. Allein aus diesem Grund könnte dieser Vertreter aus Fernost auf dem hartumkämpften Smartphone-Parkett durchaus einen beachtlichen Erfolg haben, denn zumindest bei Tageslicht kann dieser Knipser auch mit den ganz großen mithalten. Die Schwächen halten sich hingegen in Grenzen, bzw. sind verschmerzbar. Ein flotter USB-Typ-C-Anschluss wäre aber dennoch preislich machbar gewesen.

Kamera-Primus in der Mittelklasse
ausgezeichnet

+ Vielseitige Dual-Kamera
+ LED-Blitz auf der Frontseite
+ Gute Akkuleistung

- Kein USB-Type-C
- Hohes Gewicht
- Keine IP-Zertifizierung

 

Test: Ulf Schneider
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