TEST: Moto Z Play – Smartphone-Revolution oder Lenovo-Flop?

Motorola, kein anderes Unternehmen kann auf eine so lange, bewegende und auch tragische Historie zurückblicken. Angefangen über Martin Cooper, der 1973 im Dienste des US-Unternehmens das allererste Mobiltelefon entwickelte, über das legendären RAZR bis hin zur halsbrecherischen Erfolgsachterbahnen. Nun hat Lenovo die Traditionsfirma von Google übernommen und vermarktet fortan die Marke als Moto. Im Fokus stehen trendige, durchaus preisintensivere Smartphones – so wie das Z Play. In TV-Spots wird die neue Smartphone-Linie als kleine Revolution vermarketet, doch wie schlägt es sich im Praxistest?

Für 450 Euro UVP bekommt der Käufer ein flaches und hochwertig wirkendes Smartphone mit beidseitiger Vollverglasung und robustem Metallrahmen. Dies ist zwar haptisch exzellent, sorgt aber insgesamt für ein nicht unerhebliches Gewicht. Leider zieht die Oberfläche zudem Fingerabdrücke geradezu magisch an. Auf der Frontseite unterbricht alleine ein Sensorknopf die Glasschicht, der allerdings nicht als Home Button fungiert, sondern ein reiner Fingerabdrucksensor ist.

Rückseite

Noch auffälliger ist die Rückseite, denn neben dem runden Objektiv, das klar hervortritt, ist eine offene Kontaktleiste mit goldenen Platinen sichtbar. Diese Fläche dient dazu, das Smartphone mit Modulen („Mods“) schnell und unkompliziert aufzurüsten, doch dazu später mehr. Wer keine Mods besitzt, muss diese Kontaktleiste natürlich nicht sehen, denn zum Lieferumfang gehört eine geriffelte Rückseite aus Plastik, die optisch gut gelungen ist.

Stark: Das Moto Z Play ist mit einem 5,5-Zoll-AMOLED-Display ausgestattet, das Full HD beherrscht. Dank dieser Technologie wird der Nutzer mit intensiver Farbwiedergabe und sehr guter Brillanz verwöhnt. Da auch die Helligkeit stimmt, gehört dieser Touchscreen klar zur Smartphone-Oberklasse.

Moto Z Play Foto

Aufgenommen mit dem Moto Z Play

Im Bereich Kamera bringt das Moto Z Play einen 16 Megapixel-Knipser, der auch Videos in 4K aufzeichnen kann mit. Was sofort auffällt: Die Kamera arbeitet schnell und liefert bei Tageslicht in der Regel Fotobuch-taugliche Schnappschüsse. Was aber ebenfalls auffällt: Sobald geringerer Lichteinfall auftritt, hapert es beim Autofokus, sodass viele Bilder mit Bildrauschen und Unschärfen zu kämpfen haben – selbst bei ruhiger Hand und nahem Motiv. Schade, dass der Doppel-LED-Blitz keinen besseren Job leistet. Da die 5-Megapixel-Frontkamera ebenfalls nur ein durchschnittliches Niveau aufweist, bieten einige Modelle in dieser Preisklasse einen besseren Gegenwert in dieser Disziplin.

Zwar wurde das Mod „True Zoom“ von Hasselblad mit eigenem Bildsensor und Xenon-Blitz zum Aufrüsten angekündigt, doch bei einem UVP von rund 300 Euro stellt sich hier klar die Sinnfrage, denn für das Geld bekommt man auch eine mehr als vernünftige Kompaktkamera.

JBL Sound-Mod

„Beamer“-Mod

Eine interessantere Incipio-Erweiterung ist dafür der JBL Soundboost (ca. 100 Euro), der das Soundlevel auf ein völlig anderes Niveau hievt und sogar untenrum ein ansprechendes Fundament aufweist. Eine sehr nette Spielerei ist zudem der Insta-Share-Projector. Einmal gekoppelt und aktiviert, werden alle Displaydarstellungen auf Flächen projiziert. Dieser Mini-Beamer bietet eine zufriedenstellende Qualität und kann im Alltag durchaus seinen nützlichen Wert haben. Der Preis von rund 349 Euro ist allerdings happig.

Moto Z Play App Drawer

App Drawer

Um den Bedienkomfort ist es recht gut bestellt. Das aktuelle Android 6.0.1 Marshmallow ist installiert, sowie der bekannte Google Now Launcher oder ein praktischer App Drawer als Sammelbecken für alle geladenen Programme. Praktisch ist zudem der Fingerprintscanner unterhalb des Displays. Optimal erreichbar lässt sich dadurch unter anderem die Display-Sperre lösen. Da der Fingerprintscanner so zuverlässig und schnell funktioniert, vermisst der Nutzer auch die Home Button Funktion als physische Variante nicht extrem.

Apropos: Schön, dass die Macher auch an nützliche Details, wie einen physischen Auslöseknopf für die Kamera gedacht haben (Laut/Leiste-Taste). Übrigens: Wer sofort Schnappschüsse machen möchte, muss einfach nur zwei Mal den An/Aus-Schalter drücken.

Im Zusammenspiel mit dem schnellen Arbeitstempo, vielen Short Cuts und nützlichen Action-Befehlen (z.B. drehen, um das Telefon leise zu stellen) haben die Entwickler an dieser Stelle keinen Fehler gemacht.

Bei den Messwerten zeigen sich die stärksten Unterschiede gegenüber dem großen Bruder Moto Z, denn es werkelt „nur“ der Snapdragon 625 mit 3 GByte RAM (Moto Z: Snapdragon 825 mit 4 GByte). Doch für den Alltag ist das recht belanglos, denn lediglich im Grenzbereich spürt man das.

Seite

Unterschiede gibt es auch beim Akku, denn – Überraschung – es ist ein bärenstarker 3.510 mAh Akkublock fest verbaut. Damit ist der Akku sogar stärker als der im Moto Z, und das spürt man auch. Selbst bei vielen Online-Sessions, Software-Updates und zig Telefonaten blieb das Moto Z Play fünf Tage nonstop auf Empfang – starke Leistung. Wem das immer noch nicht ausreichen sollte, der kann das Moto Z Play zusätzlich mit einem Power Pack Modul aufrüsten. Das 6,2 mm dicke und ca. 100 Gramm schwere Mod kostet rund 89 Euro und bringt mit 2220 mAh weitere Tage Nonstop-Einsatz. Ebenfalls gut: Der Akku ist dank USB-C in nicht mal zwei Stunden wieder 100% aufgeladen.

Überzeugend ist auch der Bereich Sound. Der Mono-Speaker auf der Frontseite liefert ein überraschend klares und stabiles Klangbild auch bei hoher Lautstärke und weist sogar ein kleines aber feines Bassfundament auf. Bei Telefonaten ist das chinesische Smartphone hingegen bestenfalls glatter Durchschnitt, denn Stimmen klingen nicht allzu authentisch.

Fazit

Schön, dass Motorola wieder eine Art Comeback feiert. Die Positionierung ist auch recht passend, denn das US-Unternehmen war für viele Innovationen berühmt. Eine Revolution ist das Moto Z Play zwar nicht, wie es in den TV-Spots angepriesen wird, es bringt aber definitiv frischen Wind in die Smartphone-Szene. Okay, Module sind keine neue Idee, doch kein anderes Unternehmen hat diese Erweiterungen bislang besser umgesetzt. Allerdings machen nicht alle „Mods“ wirklich Sinn. Das Smartphone selbst wird seiner Preisklasse auf alle Fälle gerecht. Gravierende Schwächen sind zwar nicht vorhanden, doch als Gerät alleine kann es keine nennenswerten Alleinstellungsmerkmale aufweisen. Dennoch: Die neue Moto Baureihe macht Spaß, hat eine bemerkenswerte Akkuleistung und birgt noch viel Potential dank gelungener Erweiterungsmodul-Option.

Schickes Smartphone mit soliden Erweiterungsmodulen
sehrgut
06.01.2017

+ Tolles Display
+ Starke Akkuleistung
+ Erweiterungen durch Module

– .. wodurch das Smartphone aber klobig & schwer wird
– Kamera mit Niedriglicht-Schwächen

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 06.01.2017




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