TEST: LG X Screen – Solides Entry-Smartphone mit Zweit-Display?

Einsteiger-Smartphone mit dem gewissen Extra: Dieser fernöstliche „X-Men“ will besonders durch sein 4,9 Zoll-Display überzeugen. Inspiriert durch die Superhelden-Truppe hat LG bereits einige günstige Smartphones in den Handel gebracht, die neben der Standardausstattung eine besondere „Spezialität“ bieten. Beim Modell Power ist es beispielsweise eine hervorstechende Akkuleistung. Eigentlich ein gutes Konzept für die Einsteigerklasse – wenn es den Machern gelingt auch insgesamt ein gutes Gesamtpaket zu schnüren.

Zunächst einmal ist von den X-Qualitäten auf den ersten Blick nichts erkennbar. Erst beim Einschalten des Geräts fällt auf, dass die obere Zeile des 4,9 Zoll-Displays separat ist – und das sorgt für ein paar nette Extras. So ist auch im Standby-Modus stets Datum oder die Uhrzeit sichtbar. Per Fingerwisch erhält der Nutzer zudem Zugang für weitere Schaltflächen, beispielsweise für die Musikwiedergabe oder einer Taschenlampe. Wer darauf verzichten kann, lässt sich einfach nur die eigene Signatur anzeigen. Bei aktiviertem Hauptdisplay gibt es obendrein noch Verknüpfungen zu häufig genutzten Apps. Eine wirklich nützliche Idee.

Das Hauptdisplay zeugt aber nicht unbedingt von höchster Qualität. Die Auflösung liegt bei mageren 1280 x 720 Pixeln und die maximale Helligkeit und Schärfe sind nach heutigen Maßstäben eher unterdurchschnittlich.

Seitenansicht

Auffällig ist aber das angenehm geringe Gewicht von knapp 119 Gramm, was vor allem durch das leichte Kunststoffgehäuse bedingt ist. Der Kunststoffrahmen wird von zwei Glasplatten komplettiert. Die Verarbeitung ohne grobe Spaltmaße wirkt solide.

Beim Blick auf die Ausstattungsliste sehen wir uns zuerst die Kamera an. Mit 13 Megapixeln ist die Hauptkamera angesichts der niedrigen Preisklasse sogar sehr gut gerüstet. Zumindest bei Tageslicht und bei kurzen Distanzen schlägt sich der Knipser sogar sehr ordentlich, die Farbintensität ist aber etwas gering. Sobald das Licht schwächer oder die Distanzen größer werden sehen Schnappschüsse hingegen schnell unscharf aus und es setzt Bildrauschen ein – keine große Überraschung bei der Einsteigerklasse. Insgesamt aber eine solide Leistung. Die Frontkamera beeindruckt durch eine 8 Megapixel Auflösung, wobei hier aber nur bei guten Lichtverhältnissen sehenswerte Selfies möglich sind. Ebenfalls durchaus überraschend: Videos nimmt das LG X Screen in Full HD (1920×1080 Pixel) in einer vernünftigen Qualität auf.

LG X Screen Foto

Aufgenommen mit dem LG X Screen

Bei den Datenschnittstellen wird das volle Programm geboten: WLAN (aber nur im älteren n-Standard auf dem 2,4-Gigahertz-Band), Bluetooth 4.1, LTE sowie NFC – da kann man nicht meckern.

Als kleines Extra beherrscht das LG X Screen Dual SIM, parallel kann ein Fach eine Nano-SIM- und eine microSD-Karte managen. Ansonsten wird das Standard-Android-Programm geboten, inklusive eines microSD-Kartenslots.

Neben dem positiven Nutzwert des Infodisplays bietet das LG X Screen auch noch die recht aktuelle Software 6.0.1, sodass Nutzer Zugang zu allen bewährten Short Cuts und Verästelungen haben. Insgesamt ist alles eher puristisch gehalten, was einerseits die Handhabung vereinfacht, andererseits gibt es aber keinerlei Extras, allem voran den praktischen Fingerprintscanner, sodass jede Entschlüsselung eine Tasteneingabe voraussetzt.

Leider wird auch das Aktivieren des Smartphones durch doppeltes Klopfen auf das Display nicht unterstützt, sodass man den kleinen An/Aus-Schalter stets drücken muss – und das gelingt nicht immer auf Anhieb. Daher ist Handhabung zwar grundsätzlich in Ordnung, aber preisintensivere Smartphones bieten einfach mehr Finessen.

Rückseite

Back in time: Der Qualcomm Snapdragon 410 ist in der Tat ein „alter“ Bekannter, denn er wurde bereits 2013 in Smartphones verbaut. Im Zusammenspiel mit dem aktuellen Android 6.0.1 kommt es daher gelegentlich selbst bei einfachen Aufgaben, wie Displaydrehungen zu kleine „Bedenkzeiten“. Unter dem Strich zwar kein Beinbruch, aber zukunftssicher ist das LG X Screen jedenfalls nicht, denn schon jetzt laufen nicht alle 3D-Games flüssig.

Auch die Akkuleistung ist eher unter Durchschnitt, denn selbst bei Minimalnutzung ist bereit nach nicht einmal vier Tagen Schluss – auch das ist nicht gerade zeitgemäß, was vermutlich an der doppelten Displaynutzung liegt.

Telefonate gehen immerhin mit einer durchschnittlichen Qualität über die Bühne, könnten aber lauter in Senderichtung übertragen werden. Der Freisprecher klingt bei höherer Lautstärke zudem etwas krächzend.

Fazit

Grundsätzlich ist es eine wunderbare Idee, sich mit einem besonderen Akzent vom Smartphone-Allerlei abzuheben – gerade in den unteren Preisgefilden. Der schmale Info-Bildschirm ist sicherlich ein nettes Extra mit Nutzwert, doch leider hat der Hersteller abseits davon seine Hausaufgaben nicht ordentlich gemacht. So ist der Touchscreen nicht mehr ganz zeitgemäß, die Performance und die Akkulaufzeit eher unterdurchschnittlich. Somit dürfte es das LG X Screen trotz des günstigen Preises schwer haben, sich gegen die breite Konkurrenz durchzusetzen, denn die ist technisch häufig besser aufgestellt.

Pfiffiges Zweit-Display, insgesamt aber auch Schwächen
areadvd_gut
20.04.2017

+ Ordentliche Kameraqualität
+ Leicht & handlich
+ Info-Bildschirm im Display

– Mäßiges Hauptdisplay in HD
– Mäßige Rufbereitschaft
– Keine optimale Performance

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 20.04.2017




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