TEST: LG X power2 – 5,5-Zöller mit starkem Akku

Volle Akkuleistung voraus! Auch das power2 soll durch eine besonders lange Rufbereitschaft potentielle Käufer locken. Ein guter Ansatz, da eine Revolution im Bereich Akku weiterhin auf sich warten lässt. Ob beim Nachfolgermodell des X power 4.500 mAh bereits ausreichend sind, um ein klares Alleinstellungsmerkmal zu bieten, klärt der Praxistest.

Rückseite LG X power2

Keine Überraschung: Der Großteil des Gehäuses besteht aus Kunststoff. Die Rückseite mutet allerdings wie gebürstetes Aluminium an, was die optische Wertigkeit erhöht. Im Rahmen wurde zudem auch Metall verbaut, sodass der Unibody durchaus robust erscheint. Spaltmaße sind nicht zu sehen.

Optische Auffälligkeiten sind hingegen eher Fehlanzeige: schwarz mit knuffigen Rundungen sind halt bewährte Stilmittel in dieser Preisklasse. Das 5,5 Zoll große Display nutzt zwar die Breite gut aus, doch ober- und unterhalb gibt es so viel Platz, dass LG ihr Logo groß am Geräteende platzieren kann. Wirklich handlich ist das X power2 daher nicht. Allerdings muss man dem Gerät zugutehalten, dass die rückseitige Kameralinse plan abschließt, was in dieser Preisklasse nicht unbedingt Standard ist.

Seitenansicht

An den Rändern befinden sich dezent die übliche Tastenwippe und der An/Aus-Schalter, die allerdings nicht die komfortabelsten Bedienelemente sind – doch dazu später mehr.

Das Display macht zwar auf den ersten Blick einen guten Eindruck, hat aber ein klares Problem: Es kann nur HDready-Auflösung, also 720 x 1.280 Bildpunkte, darstellen, was bei 5,5 Zoll durchaus sichtbar bei Videos (267 Pixeln ppi) ist. Statt OLED setzt LG aus Preisgründen auf einen günstigeren IPS LCD-Panel. Abgesehen von der Helligkeit kann der Nutzer zudem keinerlei Optimierungen vornehmen. Unter dem Strich ist die Darstellungsqualität sehr durchschnittlich, aber auch keine Beleidigung für das Auge. Allerdings nur, wenn kein stärkeres Tageslicht im Spiel ist, denn dann kann man kaum noch etwas erkennen. Tipp: Keine automatische Helligkeitsregelung aktivieren, da das Display nicht die hellste Strahlkraft hat und nur frontal eine gute Lesbarkeit bietet. Viel mehr war in dieser Preisklasse offensichtlich nicht möglich.

LG X power2 Foto

Aufgenommen mit dem LG X power2

LG X power2 Blitz

Aufnahme mit Blitz

Widmen wir uns gleich der Kamera, die bei diesem Modell aber nicht unbedingt im Fokus steht. Die Hauptkamera bietet aber immerhin 13-Megapixel-Sensor, einen 4fach digital Zoom sowie eine f/2.2-Blende. Ansonsten ist der Komfort sehr, sehr sparsam gehalten, denn es gibt noch nicht einmal eine Panorama-Funktion. Dafür lassen sich aber immerhin ein paar Filter oder HDR dazuschalten, wobei bei dieser Fotoserie aber keine Blitz-Unterstützung möglich ist. Auch der Sprachauslöser kann durchaus nützlich sein – wenn das Umfeld ruhig ist.

Qualitativ kann die Kamera aber durchaus positiv überraschen, denn bei guten Lichtverhältnissen sind die Schnappschüsse bis zum Rand hin knackig scharf und die Farbwiedergabe recht plastisch. Bei Bewegungen und Schwachlicht treten aber schnell die üblichen Probleme auf, denn Bildrauschen und Unschärfen sind dann keine Seltenheit. Bei entsprechend ruhiger Hand leistet der Blitz aber einen sehr respektablen Job, wenn es darum geht, Motive zu erhellen.

Die Frontkamera bietet 5 Megapixel, ebenfalls eine f/2.2-Blende und sogar einen kleinen LED-Blitz. Für eine Selfie-Kamera kann man somit sehr viel auf kurzer Distanz einfangen. Praktisch: Eine Einblendung auf dem Display ermöglicht eine schnelle Einstellung der Lichtempfindlichkeit. Die Pluspunkte in der Handhabung kann die suboptimale Qualität aber nicht aufwiegen. Bei schwächerem Licht, größeren Distanzen und Bewegungen saufen die Schnappschüsse sehr schnell ab. Es fehlt einfach ein Bildstabilisator. Videos lassen sich dafür in vernünftiger Qualität in HD und Full HD archivieren, letzteres aber nur mit 30 Bildern pro Sekunde.

Bei den Datenschnittstellen zeigt sich der Koreaner recht gut bestückt, allem voran LTE Cat.6 mit theoretisch bis zu 300 Mbit/s. Dafür fehlt dem WLAN aber das aktuelle ac. Kabellose Verbindungsstandards via DLNA oder Miracast werden dafür aber unterstützt.

Großartige Finesse im Bereich Komfort gibt es zwar nicht, doch immerhin ist ein klassisches UKW-Radio bereits vorinstalliert und der 16 GB interne Speicherplatz steht zur freien Nutzung für rund 9,5 GB bereit. Wer mehr möchte, muss den microSD-Slot nutzen.

Android 7.0 ist installiert

Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung zu sein: Android 7.0 und LGs Benutzeroberfläche UI 5.0 sollten eigentlich ein eingespieltes Doppel sein. Doch es gibt leider ein paar Macken: Zunächst einmal gibt es keinen bequemen Fingerprintscan, was aber durch einen Irisscanner eigentlich gut kompensiert werden sollte – eigentlich, denn im langen Praxistest gleich die Funktionalität eher einem russischen Roulette. Mal klappte es, mal nicht.

Auch das „Aufwecken“ ist nicht sehr bequem, denn dazu dient alleine ein sehr kleiner An/Aus-Schalter an der rechten Seite, der wie die Lautstärke-Knöpfe einen sehr harten Druckpunkt aufweist. Das hat LG insgesamt schon mal viel besser gelöst.

Schade ist zudem, dass es keinen übersichtlichen App-Launcher gibt, sodass alle Apps & Anwendungen verteilt auf den Startbildschirmen liegen. Es gibt übrigens keine Seite, die für Google-Dienste oder eine digitalen Zeitung reserviert ist.

Besonders viel Kritik bekommt LG allerdings dafür, dass man aufgefordert wird, einen grafischen Zusatzdienst zu abonnieren. Tut man das naiv, wird vor der Rufannahme ein zweiter Sperrbildschirm vorgeschaltet und nach jedem Anruf erhält man Werbeeinblendungen. Auf diese Art von zusätzlicher Einnahmequelle sollte ein renommierter Hersteller eigentlich verzichten, denn das stört den Bedienungsfluss. Warum beim Tippen des Direktanruf-Widgets nochmals die Rufnummer bestätigen muss, bleibt zudem das Geheimnis von LG.

Genug gemeckert. Ansonsten ist das Bedienungskonzept angenehm klar und übersichtlich strukturiert. Viele vorinstallierte Apps sind zudem sinnvoll, die klassische Bloatware liegt nicht vor. Allerdings gibt es auch ein paar Doppler, was man allerdings schnell ausmerzen kann. Es lohnt sich daher, sich eine Weile mit den Anwendungen zu beschäftigen, um ein Optimum zu erzielen.

Frontansicht

Auf dem Papier klingt die CPU gar nicht mal schlecht, denn der MediaTek-Prozessor, MT6750 arbeitet mit acht Kernen. Die sind allerdings nur mit 1,5 GHz getaktet und werden von der Grafikeinheit ARM Mali-T860 MP2 sowie 2 GB Arbeitsspeicher unterstützt. Und das sieht man auch, denn wenn man den Koreaner mit anspruchsvollen Aufgaben quält, wird mitunter die Handbremse angezogen. Von einem flotten Arbeitstempo kann ohnehin nicht gesprochen werden, denn der Schwerpunkt beim X power2 wurden ganz offensichtlich woanders gelegt.

Nämlich auf die Rufbereitschaft. Der fest verbaute Akkublock bietet satte 4.500 mAh, was schon mal eine klare Ansage ist. Im Praxistest ist dadurch eine Rufbereitschaft von sieben bis acht Tagen möglich, wenn es man den Multimedia-Aufgaben nicht übertreibt. Exzessive Nonstop-Nutzer benötigen immer noch acht Stunden bis der Stromspender klein bei gibt – nonstop versteht sich. Schade nur, dass eine komplette Aufladung sehr lange dauert, da kein USB-C unterstützt wird – das hätte dem Smartphone sehr gut gestanden.

Im Bereich Sound siedelt sich der Fernöstler hingegen wieder im unteren Durchschnitt an. Stimmen klingen tendenziell zu leise und leicht gedämpft. Von einer natürlichen Sprachübertragung kann da keine Rede sein.

Auch der rückseitige Mono-Speaker wirkt schnell überlastet, sobald ihn mit komplexeren Klangbilder und höherer Lautstärke füttert. Es scheppert dann leicht und der Sound klingt sehr dicht und angestrengt. Leider ein typisches Ergebnis für diese Preisklasse.

Fazit

Mission erfüllt! Mit über einer Woche Rufbereitschaft leistet das X power2 genau das, was man sich beim Kauf erhofft. Ansonsten ist die Vorstellung aber eher bieder: austauschbares Design und keine nennenswerten Ausstattungsmerkmale. Ärgerlich sind zudem ein paar Schwächen bei der Handhabung, denn die Gesichtserkennung macht ihren Namen keinesfalls Ehre und das Fehlen des Fingerprintscanners schmerzt dann. Unter dem Strich wird die Vorstellung aber dem Preis durchaus gerecht.

Preislich fair kalkuliertes Smartphone mit enormer Akkuleistung – leider nicht ohne Schwächen
areadvd_gut
29.10.2017

+ Sehr gute Akkuleistung
+ Gute Fotoqualität bei Tageslicht

– Mäßige Gesichtserkennung.
– Handhabungsmacken
– Sparsam ausgestattete Kamera

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 29.10.2017




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