TEST: LG K10 – Solides Alltags-Smartphone für unter 200 EUR?

LG K10 Front

Nach einigen Testreihen von Smartphone-Topmodellen werfen wir mal wieder einen Blick in die niedrigeren Preisklassen und sehen uns das LG K10 genauer an. Inzwischen wird das Gerät für Preise deutlich unterhalb von 200 EUR gehandelt. Wir wollen prüfen, ob es den Anforderungen im Alltag gerecht wird.

Der vergangene Mobile World Congress hat eindeutig gezeigt, dass sich die renommierten Handy-Schmieden wieder verstärkt auf die Premium-Modelle konzentrieren. Die Gründe dafür sind einleuchtend: höhere Gewinnmargen, mehr Prestige und vielleicht auch die Tatsache, den Preiskampf zu vermeiden, der in den von chinesischen TK-Unternehmen beherrschten niedrigen Preisregionen bestimmt wird. Doch ganz kampflos überlassen LG & Co den Markt aber offensichtlich nicht.

Komplette Glasfront, schlichter Formfaktor und nicht sonderlich dünn (ca. 9mm). Bereits auf dem ersten Blick ist erkennbar, dass das LG K10 nicht unbedingt ein Premium-Gerät ist. Das LG K10 bietet einen austauschbaren Akku, die rückseitige Plastikabdeckung lässt sich komplett abziehen. Anno 2016 mutet der auswechselbare Akku beinahe etwas exotisch an, dennoch sehen wir das klar als Vorteil.

Aus Preisgründen nachvollziehbar präsentiert sich das koreanische Gerät komplett in Kunststoff, hält leider dennoch beim Gewicht mit 153 Gramm nicht zurück. Optisch sticht allein die geriffelte Rückseite mit Tastenwippe und An/Aus-Button unterhalb des Objektivs hervor. Diese Anordnung ist eine typische LG-Spezialität, doch dazu später mehr.

Rückseite

Auch wenn das LG K10 kein Unibody-Gehäuse hat, darf man mit der Verarbeitungsqualität zufrieden sein, denn der Abschluss mit dem Polycarbonat-Akkudeckel ist sauber gelungen und das 2,5D-Glas über dem Display schützt gut gegen Druckstellen.

Beim Display sind klare preisliche Abstriche unverkennbar. Der LCD-Touchscreen hat immerhin ein Format von 5,3 Zoll, weist aber „nur“ eine Auflösung von 1.280 x 720 Pixel auf. Wer nicht höchste Ansprüche hegt, dürfte damit aber keine allzu großen Probleme haben. Schade ist vielmehr, dass die Darstellung insgesamt recht blass ist. Im direkten Vergleich zu einem OLED-Display fällt das besonders auf. Immerhin stimmt die Lesbarkeit und die maximale Helligkeit. Für ein Smartphone dieser Preisklasse ist das Ergebnis somit in Ordnung.

Die Hauptkamera offeriert bis zu 13 Megapixel und die Selfie-Kamera auf der Vorderseite löst mit bis zu 5 Megapixel auf. Für Selbstaufnahmen ist das K10 somit eine attraktive Investition, wenn das Budget etwas schmaler ist. Die Hauptkamera überzeugt zudem bei Tageslicht auch bei größeren Distanzen mit guter Schärfe und lebendigen Farben. Sobald aber die Lichtverhältnisse schlechter werden – auch in geschlossenen Räumen mit Neonlicht – tut sich das LG-Gerät doch schwer korrekt zu fokussieren. Die Ausstattung ist insgesamt solide, Videoaufnahmen mit 1920 x 1080 Pixeln sind möglich und die Belichtung kann manuell eingestellt werden.

LG K10 Foto

Aufgenommen mit dem LG K10

Der interne Speicher ist mit 16 GB eher knapp bemessen, ein microSD-Kartenslot für mehr Kapazität ist aber vorhanden.

Für das aktuellste Betriebssystem hat es leider nicht gereicht, denn vorinstalliert ist nur Android 5.1.1 Lollipop. Im Zusammenspiel mit der LG-Standard-Benutzeroberfläche fällt das allerdings nicht weiter ins Gewicht, denn Android-erfahrene User fühlen sich schnell heimisch. Gut: Das K10 verfügt über die neuesten Android-Sicherheits-Updates, einschließlich Patches gegen die Sicherheitslücke Stagefright.

lg_k10_screenshot

Screenshot

Was gefällt ist der Rückseitige An/Aus-Schalter, der sehr gut zu erreichen ist. Um den Standby-Betrieb zu beenden reicht aber auch ein doppeltes Tippen auf die Frontseite aus.
Einen Fingerprintscanner gibt es aus Kostengründen zwar nicht, doch dafür hat der Nutzer viele andere Möglichkeiten, sein Smartphone zu schützen.

Was besonders positiv auffällt: Der Menüfluss unterliegt keinen Verschleppungen oder gar Abstürzen. Schön zudem, dass LG den allgemeinen Trend folgt und auch auf unnötige Bloatware verzichtet, sodass alle geordneter ausschaut.

Unter der Plastikhaube bringt der Quad-Core Prozessor Snapdragon 410 mit einer Taktfrequenz von 1.2 GHz und 1,5 GB Arbeitsspeicher das Smartphone auf Trab. Vor allem der recht schmale Arbeitsspeicher ist ein klares Indiz für die günstige Preisklasse, wobei es viele direkte Konkurrenzprodukte mit 2 GB gibt. Im Alltag fällt das aber nicht sonderlich ins Gewicht, was auch an der guten Hard-/Software-Harmonie liegt. Nur bei anspruchsvolleren 3D-Games oder Multitasking gerät das K10 ins Schwitzen. Insgesamt ist die Performance aber noch in Ordnung.

Der Akku des LG K10 bietet eine Kapazität von 2.300 mAh, wobei diese Zahl aber in Bezug auf die Rufbereitschaft kein eindeutiges Indiz ist. Im Praxistest zeigt der auswechselbare Akkublock aber solide Performance, denn fünf bis sechs Tage Dauerbetrieb sind auf alle Fälle bei einer moderaten Nutzungsintensität möglich – ohne nennenswerten Einsatz von Energiespar-Optionen. Wenn man den Akku mit einem multimedialen Dauereinsatz „quält“, liegt die Einsatzzeit bei maximal 15 Stunden.

Im Bereich Sound darf man in der Low Budget Klasse nicht viel erwarten, und das K10 bildet da leider auch keine Ausnahme. Der Mono-Lautsprecher ist rückseitig platziert und kann nur bei geringerer Lautstärke und im Höhenbereich Pluspunkte sammeln. Sobald es aber um eine höhere dB-Zahl und breit gestaffelter Musik mit Bassanteil geht, stößt der Speaker schnell an seine Grenzen. Kein Wunder daher, dass fast alle Klingeltöne ziemlich schlicht und langweilig gehalten sind.

Dafür schlägt sich das K10 in puncto Sprachqualität deutlich besser. Bei Telefonaten gibt es in beide Senderichtungen sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunknetz keine Probleme: Klar, ausreichend laut, keine nennenswerte Nebengeräusche und die Stimmen klingen sogar recht natürlich.

Fazit

LG K10 Front

Das LG K10 macht es uns nicht leicht. Im Grunde stimmt das Preis/Leistungsverhältnis zwar, doch mittlerweile gibt es in dieser Preiseklasse sehr viele direkte Konkurrenzmodelle, die mindestens genauso gut sind – und bei der Displayqualität mehr punkten. Davon abgesehen kann man dem LG K10 LTE aber kaum etwas ankreiden. Gut, das Gehäuse besteht komplett aus Kunststoff und die Kamera ist nicht perfekt, aber angesichts des Preises darf man keine Wunder erwarten. Was vor allem positiv auffällt ist, dass sich beim LG K10 LTE alles harmonisch zusammenfügt, was für das langjährige Know How von LG spricht. Als Erfolgsmodell taugt es dennoch nicht, denn es dauerte dafür zu lange bis der Preis attraktiv und voll konkurrenzfähig wurde. Der Markt der Low Budget Smartphones hat seine eigenen Gesetze und ist knallhart.

Gutes Niedrigpreis-Smartphone mit weder nennenswerten Stärken noch Schwächen
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19.05.2016

+ Gute Akkulaufzeit
+ LTE
+ Gute Selfie-Kamera

– Kein Full HD-Display
– Reines Plastikgehäuse
– Keine guten Fotos bei Schwachlicht

Test: Ulf Schneider
Datum: 19.05.2016




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