TEST: LG G4S – Top-Modell im Kompaktformat?

Die kompakte S-Klasse? Die Koreaner pimpen das aktuelle Flaggschiff  nicht auf, sondern verpassen dem Flaggschiff einen Sparkurs.

Apple hat wieder vorgelegt und erneut einen Verkaufsrekord aufgestellt. Die Kalifornier haben in nur drei Tagen nach dem Verkaufsstart bereits 13 Millionen iPhone 6s- und iPhone 6s Plus-Modelle weltweit verkauft. Das liegt auch daran, dass erstmals China zu den insgesamt 40 Verkaufsländern gehört. Zumindest in diesem Bereich hat das Unternehmen somit wieder eine Benchmark vorgelegt. Noch spannender für die Mittbewerber sind jedoch die qualitativen Merkmale des Zwischenmodells, das traditionsgemäß das „S“ im Namen trägt, was nun auch einige koreanischen Konkurrenten übernommen haben – im Falle des LG G4S positioniert sich das Smartphone aber etwas anders. Doch dazu später mehr.

Das S scheint eher für „Small“ statt für gehobene Ansprüche stehen, denn die S-Variante ist deutlich kleiner als das aktuelle Flaggschiff. Auch eine Veredelung der Rückseite ist nicht möglich.

Ansonsten verarbeiten die Macher wieder alle markanten LG-Designmerkmale: leicht gebogenes Display, konkaver Rückdeckel sowie die rückseitige Platzierung des An/Aus-Schalters inklusive Lautstärke-Wippe. Die Plastikrückseite mit dem strukturierten Metalliclook ist ebenfalls geblieben. Unter dem Strich daher wieder ein optisch lupenreiner Auftritt des Asiaten, der auch im Bereich Verarbeitungsqualität überzeugen kann, inkl. Gorillaglas gegen Druck- und Kratzstellen auf dem Display.

Typische konkave Rückseite und An/Aus-Schalter

Apropos: Kleinerer Korpus bedeutet auch einen kleineren Touchscreen. Der ist „nur“ noch 5,2 Zoll und löst in Full-HD auf, also mit 1.920 x 1.080 Pixel. Zum Vergleich: Beim G4 sind es 2.560 x 1.440 Pixel auf 5,5 Zoll. Dieses deutliche Downgrade sieht man aber nur bei Details, beispielsweise bei feinen Schriften und bei Videoclips, wenn man genauer hinschaut. Unter dem Strich eine gute Vorstellung im Bereich Helligkeit, Schärfe und Farbraum. Man darf schließlich nicht vergessen, dass der Straßenpreis bei rund 350 Euro liegt.

LG G4s Foto

Aufgenommen mit dem LG G4S

Ein weiteres Indiz für den Sparkurs ist die Kamera. Der digitale Knipser erreicht nur noch 8 Megapixel, während die Frontkamera mit 5 Megapixel gut gerüstet ist. Im Zusammenspiel mit dem FullHD-Camcorder stellt sich die Digitalkamera insgesamt zwar recht ordentlich aus, doch im direkten Vergleich zum G4 liegen qualitativ fast schon Welten. Selbst bei Tageslicht wirken Schnappschüsse blass und die Schärfe fällt zum Fotorand gnadenlos ab. Sobald nur noch Kneipenlicht vorhanden ist und die Distanz größer wird, gelingen einem nur selten Aufnahmen, die reif für das Fotoalbum sind. Was zudem auffällt: Selfies muten künstlich aus, da hier ein Feinzeichner zugeschaltet ist – Geschmackssache.  In dieser Preisklasse gibt es aber auf alle Fälle Smartphones mit deutlich besserer Kamera.

Auch beim internen Speicherplatz regiert der Rotstift. Von den 8 GB stehen dem Nutzer gerade einmal knapp 2,2 GB zur freien Verfügung. Sobald man also mit Multimedia-Material und anspruchsvolleren Apps hantiert, bettelt das G4s förmlich um ein größeres Archiv. Der Kauf einer microSD-Karte ist somit unumgänglich.

Besser schaut es bei den Datenschnittstellen aus, denn mit LTE Cat4 und WLAN-ac ist der Funker mit aktuellen Datenbahnen ausgerüstet. Abgesehen von den Android-Standards werden aber keine nennenswerten Hardware-Extras geboten.

In dieser Disziplin trumpft LG stets auf, da die Smartphones eine gute Mischung aus Bewährtem und LG-Besonderheiten bietet. Dazu zählt der rückseitig platzierte An/Aus-Schalter mit Lautstärke-Wippe. Hat man sich daran gewöhnt, gelingt der schnelle Zugriff darauf schnell aus jeder Situation. Um das G4s aufzuwecken reicht zudem ein doppeltes Klopfen auf dem Display – so soll es sein!

LG G4s Screenshot

Android 5.1.1 Lock-Screen

Garniert mit dem aktuellen Android 5.1.1., vielen Personalisierungsmöglichkeiten, Eingabehilfen und gleich mehreren Display-Lock-Off-Modi haben die Koreaner ihre Hausaufgaben ordentlich gemacht, zumal auch das Zusammenspiel von Hard- und Software reibungslos klappt.

Allerdings: Einige Goodies vom G4 wie dem „Smart Bulletin“ wurden wohl aus Speicherplatzmangel wegrationalisiert.

Auch beim Prozessor wurde gegenüber dem großen Bruder abgespeckt. Der Achterkerner Snapdragon 615 mit einer Taktung von 1,5 GHz liest sich zwar ganz gut, aber gerade einmal 1,5 GByte Arbeitsspeicher sind für diese Preisklasse eher mager. Das merkt man auch sobald der Nutzer die CPU mit einer größeren Leistung „quält“, denn bei anspruchsvollen 3D-Games und Multitasking-Aufgaben gerät der Koreaner etwas ins Stocken. Für den normalen Alltag reicht die Performance aber auf alle Fälle aus.

Bei der Akkuleistung präsentiert sich das G4s von seiner Sonnenseite, denn rund fünf Tage Dauerbetrieb bei einer moderaten Nutzungsintensität sind anno 2015 ein zeitgemäßer Wert. Rund sechs Stunden Dauereinsatz im Videobetrieb sind hingegen ein eher unterdurchschnittlich.

Seitenansicht

Telefonieren mit dem Asiaten ist eine problemlose Angelegenheit, denn Stimmen werden in beide Senderichtungen ausreichend laut, klar und ohne Nebengeräusche übermittelt. Was auffällt: Durch die Rauschunterdrückung resultieren gelegentliche Tonaussetzer, wenn beide Seite auf einmal sprechen.

Beim Lautsprecher entschieden sich die Macher wie so oft wieder, diesen auf der Rückseite zu platzieren. Der Mono-Speaker wird beim Zocken dadurch leider schnell mit einem Finger überdeckt. Qualitativ macht der Lautsprecher aber eine recht gute Figur, denn auch bei hoher Lautstärke bleibt die Klangbreite recht sauber gestaffelt.

Fazit

Ob beabsichtig oder nicht, dieser Name führt Käufer in die Irre. Nach dem sich Apple und Samsung bei „Zwischenmodellen“ auf den „S“-Zusatz verständigt haben, finde ich diese Namen schlichtweg unglücklich gewählt. Das G4S ist „nur“ ein Mittelklasse-Smartphone und der kleine Bruder vom aktuellen Flaggschiff G4. Für sich gesehen sicherlich kein schlechtes Smartphone, doch preislich gibt es Fernost für rund 300 bis 350 Euro deutlich attraktivere Geräte mit mehr Speicherplatz, RAM und Komfort. Die Bezeichnung G4c für compact wäre sicherlich die bessere Namenswahl gewesen.

Abgespecktes G4 statt S-Klasse
areadvd_gut
13.10.2015

+ Gutes Bedienungskonzept
+ Gute Akkulaufzeit
+ Kompakt

– Geringer interner Speicherplatz
– Geringer Arbeitsspeicher
– Dürftige Kameraqualität

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 13.10.2015




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