TEST: LG Class – Preisgünstiges Smartphone mit 13 MP Kamera und schicker Optik?

Schick in Schale: Das Mittelklasse-Modell LG Class setzt auf ein Aluminium-Gehäuse und ein verführerisches Preis/Ausstattungsverhältnis, um der starken chinesischen Konkurrenz die Stirn zu bieten. Das LG Class hat eine leicht verwirrende Vorgeschichte: Zunächst sollte es deutsches Festland gar nicht erreichen. Dann aber unter dem Namen Zero auf den Markt kommen und nun wurde auch diese Strategie wieder verworfen und das LG Class direkt in bewährter Form am deutschen Markt platziert.

Warum und weshalb, bleibt dem Konsumenten zwar vorenthalten, doch entscheidend ist allein, dass er sich nun über ein preiswertes Smartphone mit hoffentlich solider Performance freuen darf.

LG setzt bei diesem günstigen Smartphone klar auf optische Wertigkeit und verpasst dem Class daher ein goldenes oder silbernes gebürstetes Aluminium-Gehäuse – das hat tatsächlich Klasse. Ergänzt wird der Korpus durch eine Frontseite aus Gorilla Glass 3. Durch die leichte Wölbung an den Seiten des Displays erinnert das Design ein wenig an die Samsung EDGE-Geräte. Haptisch kann es damit aber nicht mithalten, das Metall zeigt eine eher geringe Stärke und der Touchscreen reagiert bei stärkerem Druck nicht optimal.

Seitliche Ansicht des LG Class

Dafür sind aber die Slots für die nanoSIM- und microSD-Karte gut versiegelt und das Gehäuse weist insgesamt gleichmäßige, sehr geringe Spaltmaße auf. Der Akku ist allerdings fest verbaut und kann nicht ausgewechselt werden. Dies beobachten wir in letzter Zeit häufiger und die Tatsache scheint wohl leider zum Standard zu avancieren.

Auffallend ist die rückseitige Kombination aus Objektiv, Tastenwippe und Power-Button. Bei LG nicht unbekannt, wurde es allerdings bei anderen Modellen besser gelöst, was vermutlich dem günstigen Preis des LG Class geschuldet ist.

Apropos günstiger Preis: Ein Blick ins Datenblatt verrät, dass das 5-Zoll-LCD-Display nur in die kleine HD-Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln und eine Pixeldichte von ca. 300 ppi bietet. Wirklich schlimm ist das nicht, denn nur wenn man das Gerät mit Argusausgen begutachtet, stellt man Treppenstufenbildung bei Schriften fest. Im Bereich Helligkeit, Farbsättigung, Schwarz/Weiß-Darstellung und Brillanz schlägt sich das Mobiltelefon dafür äußerst wacker. Besonders wenn man bedenkt, dass hier ein Online-Preis von nur rund 250 EUR aufgerufen wird.

LG Class Foto

Screenshot bei schwierigen Lichtverhältnissen

Für Schnappschüsse und Selfies hält der Koreaner zwei Kameras bereit. Die Rückseite ist mit einer 13 MP-Kamera ausgestattet, für die Front-Kamera sollen 8 MP ausreichen. Angesichts der niedrigen Preisklasse klingt das zunächst sehr gut, aber bereits die lange Auslöseverzögerung von rund einer Sekunde verdeutlichen, dass man dennoch keine Spitzenwerte erwarten darf.

Bei Tageslicht sind die Ergebnisse in Ordnung, allerdings sollte man sich auf kürzere Distanzen und Sonnenschein beschränken. Sobald die Lichtverhältnisse schwächer werden, werden die Aufnahmen schnell unscharf, wirken verwaschen und nicht mehr farbecht. Wir stellen wieder fest: Vernünftige Kameras in Smartphones bleiben weitgehend den höheren Preisklassen vorenthalten. Die Frontkamera macht aber, ihrem Einsatzzweck entsprechend, einen soliden Eindruck.

Rückseite

Der freie Speicherplatz umfasst etwa 10 Gigabyte. Sollen auch Filmaufnahmen durchgeführt werden, die in FullHD abgespeichert werden können, muss schnell in eine microSD-Karte investiert werden. Bis zu 128 GB Karten werden akzeptiert. Das LG Class unterstützt LTE Cat4, außerdem kann man via Smart Share Multimedia-Inhalte auf einen TV streamen. NFC ist nicht an Bord.

Einen Fingerprintsensor zur Entsperrung des Smartphones gibt es zwar nicht, dennoch stehen dem Benutzer hier verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Aus klassischer Pin, Klopfmuster (KnockOn) oder Linienmuster kann man wählen. Um das Smartphone zu wecken gibt es ebenfalls zwei Optionen: Via dem rückseitigen – gut erreichbaren – An/Aus-Knopf oder durch zweifaches Klopfen auf das Display. Das ist durchdacht und sehr praktikabel.

LG Class Screenshot

Screenshot

Als Betriebssystem ist Android 5.1.1 vorinstalliert, ein Update auf 6.0 wird von unserer Seite bezweifelt. Insgesamt wirkt die Oberfläche übersichtlich, da die Startseite aufgeräumt ist und vergleichsweise wenige vorinstallierte Applikationen integriert sind. Nennenswerte Extras bietet die eigene Oberfläche zwar nicht, doch dafür findet man sich schnell zurecht und alle bekannten Menüführungen, Short Cuts und Personalisierungsmöglichkeiten sind vorhanden.

Schön, dass mittlerweile selbst Vier-Kern-Prozessoren Standard in der Mittelklasse geworden sind. Der Qualcomm Snapdragon 410 taktet zudem mit maximal 1,2 GHz und wird mit immerhin 1,5 GB Arbeitsspeicher unterstützt. Das reicht für tägliche Multimedia-Aufgaben aus und genügt sogar, die meisten 3D-Games ruckelfrei zu genießen. Das Arbeitstempo ist durchweg zufriedenstellend, allerdings erwärmt sich das Gehäuse recht stark, sobald die CPU gefordert ist. Richtig gut ist es um die Akkuleistung bestellt. 2.050 mAh sind zwar nicht viel, doch durch das gute Ressourcen-Management erreicht das LG Smartphone eine Rufbereitschaft von fünf Tagen bei einer moderaten Nutzungsintensität. Bei starker Beanspruchung liegt die Akkuleistung allerdings unter dem Durchschnitt.

Akustisch müssen wir leider Kritik am LG Class üben. Die Sprachqualität bewegt sich zwar unauffällig im Mittelfeld mit guter Verständlichkeit und nur leichtem Rauschen, doch der Sound über den rückseitigen Mono-Lautsprecher ist wenig erbaulich: krächzend schrill, flach – mitunter sogar anstrengend.

Fazit

Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie sich aktuell ein Smartphone zum eher günstigen Preis von 215 EUR schlägt, da das geringere Budget grundsätzlich Kompromisse erfordert. Beim LG Class wurde der Fokus klar auf die Optik und das Preis/Ausstattungsverhältnis gelegt. Zumindest auf den ersten Blick scheint das LG Smartphone kein schlechter Deal zu sein: Schickes Aluminium-Gehäuse, toller Komfort und zudem eine sehr gute Rufbereitschaft. Im Laufe des Praxistests merkt man jedoch schnell, wo der Rotstift angesetzt wurde. Denn der Mono-Lautsprecher ist schlichtweg schnell überfordert, die Kamera liefert nur bei Tageslicht und nahen Distanzen gute Ergebnisse und die Performance und Displayauflösung sind nicht mehr auf Top-Niveau. Wer mit diesen Einschränkungen leben kann, erhält ein solides Smartphone für den kleineren Geldbeutel.

Preiswertes Smartphone mit solider Austattung und schickem Alu-Gehäuse
areadvd_gut
01.02.2016

+ Gutes Preis/Ausstattungsverhältnis
+ Robustes Aluminium-Gehäuse
+ Gute Rufbereitschaft

– Nur HD-Auflösung
– Keine optimale Performance
– Mäßiger Sound

Test: Ulf Schneider




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