TEST: JBL Bluetooth-Over-Ear-Kopfhörer E55BT – Preis-/Leistungs-Empfehlung für 129 EUR?

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Der JBL E55BT erweitert das bislang schon gut bestückte Portfolio an Bluetooth-Kopfhöern von JBL. Wahlweise lieferbar in schwarzer, blauer, roter oder weißer Variante, hat der Käufer des Over-Ear-Kopfhörers, der, wie wir feststellen, Außengeräusche recht gut vom Musikhörenden fernhält, eine ordentliche Farbauswahl. Platzsparend faltbar/zusammenklappbar, ist der bei uns in schwarzer Variante angetretene Kopfhörer eine gute Wahl für den mobilen Einsatz. 

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Das Kopfband wirkt hochwertig

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Ist der Akku leer, kann man den E55BT auch mit Kabel betreiben

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Lade- und Kopfhörer-Kabel

Highlights sind „JBL Signature Sound“ für ausgewogenen, natürlichen sowie detailreichen Sound, eine Freisprecheinrichtung mit Mikrofon sowie großzügige 20 Stunden maximale Laufzeit des eingebauten Akkus. Obwohl der Akku offensichtlich eine recht üppige Kapazität aufweist, ist er bereits nach zwei Stunden wieder voll aufgeladen. Der nahtlose Wechsel zwischen Musikhören und dem Entgegennehmen von Telefongesprächen klappt beim E55BT im Übrigen perfekt. Die Bluetooth-Kopplung geht zügig und, wie wir es von mobilen JBL-Produkten her kennen, problemlos vonstatten. Die relativ großen 50 mm Treiber versprechen eine satte Basswiedergabe. 

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USB-Ladebuchse und dick sowie bequem gepolsterte Ohrmuscheln

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Gute Materialqualität, aber nicht überdurchschnittlich

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Bedienelemente

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Verstellmechanismus

Der E55BT ist recht solide, aber nicht opulent verarbeitet, gerade der schwarzen Variante gehen spezielle optische Reize, die wir von anderen JBL-Produkten durchaus kennen, weitgehend ab. Der tadellos gepolsterte Kopfbügel und die ebenfalls sehr gut gepolsterten Ohrmuscheln garantieren aber einen hohen Tragekomfort. Frequenzen zwischen 20 Hz bis 20 kHz werden wiedergegeben, nichts Außergewöhnliches hier also. Bei einem Headphone für knapp 130 EUR mit Bluetooth 4.0-Funktion kann der Anwender nicht noch volle HiRes-Audio-Fähigkeiten einschließlich einem bis auf 40 oder 50 kHz reichenden Hochtonbereich erwarten. erwarten.

Die Bedienung erfolgt mittels Bedientasten, die in der rechten Ohrmuschel hinten integriert sind. Dort kann man die Bluetooth-Kopplung vornehmen, die Lautstärke erhöhen, und Play/Pause verwalten. Nicht überzeugend sind Position und Ansprechverhalten der etwas klapprig wirkenden Buttons. 

Klang

Beginnen wir mit der Freisprecheinrichtung. Beim Führen eines Telefonats kann sich der Träger des E55BT keinesfalls beschweren. Er vernimmt die Stimme des Gesprächspartners klar und deutlich, höhere Töne sind kaum bedeckt, gleichzeitig nicht zu spitz. Vorbildlich: Rauschen ist praktisch nicht vorhanden. Nicht ganz so viel akustischen Sonnenschein nimmt der Gesprächsteilnehmer am anderen Ende der Leitung wahr. Er empfindet die Stimme desjenigen, der übers Mikrofon des E55BT spricht, als etwas hallig, was die Verständlichkeit leicht einschränkt. Rauschen registriert auch der Gesprächsteilnehmer praktisch nicht.

Steigen wir nun mit Keri Hilsons „I Like“ in die Klangwertung ein. Der E55BT klingt keinesfalls so dumpf, wie man es von manchem JBL Kopfhörer aus der Vergangenheit her kannte. Dank „JBL Signature Sound“ soll der Klang sehr dynamisch und authentisch sein – beim E55BT ist man fast gewillt, dies zu glauben. Die Stimme Keris gefällt durch gutes Auflösungsvermögen, und die Trennung der Stimme von den Instrumenten ist sehr gut ausgeprägt. Typisch für JBL-Kopfhörer: Im Bassbereich ist reichlich Schub vorhanden. Selbst der harte, tief nach unten reichende Song dieses R&B Titels bringt den E55BT nicht in Verlegenheit. Die Membranen haben großen Hub, auch bei gehobener Hör-Lautstärke lenken sie noch präzise aus. Der Bass wird mit untadeliger Impulstreue erfasst und ist akkurat hinsichtlich der Struktur. 

Bei „All Or Nothing“ von Lost Frequencies baut der E55 direkt ab Beginn eine glaubwürdige Räumlichkeit auf, die männliche Stimme gibt er mit einer erstaunlich umfassenden Detaillierung wieder. Hier scheint sich einiges getan zu haben – der E55 bietet auch für anspruchsvolle Hörer, die auf kultivierten Hör-Genuss setzen, eine Menge. Der Klang ist stets angenehm und natürlich, der Bass hat Kraft, übertreibt aber nicht.

Zeit, zwischendurch mal die Stabilität der Bluetooth-Verbindung und den Tragekomfort zu loben. Kein Abbrechen,  keine Artefakte, die drahtlose Signalübertragung bietet keinen Anlass zur Kritik. Und der Tragekomfort ist ausgezeichnet, auch bei längerem Tragen: Die Polster des Over-ear-Hörers liegen angenehm auf, der Anpressdruck passt exakt. Leider ist der Mechanismus zur Justage des Kopfbandes etwas hakelig und schwergängig. Ist jedoch einmal die passende Größe eingestellt, sitzt der E55BT äußerst bequem, er erscheint auch nie zu schwer. 

Richtig auf dreht der E55BT bei „Livin‘ 4 Ya“ von MOTi. Rhythmus-Wechsel, dynamische Differenzen, verschiedenen Bass-Strukturen – nichts bereitet dem sehr ausgewogenen E55BT Probleme. Er schiebt unten herum mächtig an, ohne dass ihm in den Mitten und Höhen die Lust zu einer lebendigen Wiedergabe ausgeht. Er ist in jedem Frequenzbereich angemessen präsent und liefert bei allem Spaß auch eine kultivierte, höheren Ansprüchen gerecht werdende Wiedergabe. Die elektronischen Effekte besitzen allesamt klare Strukturen und eine gefällige Räumlichkeit. 

Was der E55BT bezüglich maximal möglicher Dynamik kann, stellt er souverän bei der Disturbed-Version des Genesis-Klassikers „Land Of Confusion“ unter Beweis. Kraftvoll ertönen Bass und E-Gitarre, nur die Vocals könnten noch direkter, ungefilterter klingen. Alle Strukturen bleiben auch bei höherem Pegel nahezu komplett vorhanden. Die Impulstreue können wir erneut mit „sehr gut“ bewerten. Fetzig, aber gleichzeitig überraschend präzise nimmt sich der JBL Over-Ear-Kopfhörer diesem Track an. 

Sehr viel ruhiger, emotional tiefer und romantischer geht es beim Duett von Eros Ramazzotti und Anastacia „I Belong To You“ zu. Doch auch diese gänzlich anders geartete musikalische Spezies wird ansprechend präsentiert: Die vokalen Konturen sind exakt herausmodelliert, das Klavier ertönt mit leichter, angenehmer Wärme. Hinsichtlich der Anschlagdynamik der Tasten kann gesagt werden, dass diese ansatzweise durchaus herauszuhören ist. Prima managt der E55BT dynamische Differenzieren, hier zahlt sich die schon zuvor mehrmals erwähnte tadellose Impulstreue aus. 

Beim Duett „I’m Your Angel“ von Celine Dion und R. Kelly gefällt der JBL E55BT durch enorme Lebendigkeit, die sich auch in einer ausgezeichneten räumlichen Dynamik niederschlägt. Beide Stimmen stehen in einem recht exakt definierten virtuellen Raum, die Instrumente gruppieren sich mit stimmiger Balance um die Vocals. Hintere akustische Ebenen bezieht der Kopfhörer gekonnt mit ein, sein Detaillierungsvermögen reicht dafür problemlos aus. 

Konkurrenzvergleich

Magnat LZR 588 BT 2

  • Magnat LZR 588BT: Der Magnat-Kopfhörer ist preislich im gleichen Rahmen zu finden. Er sieht etwas fescher aus und ist ebenfalls sehr bequem sowie klangstark. Der Bassbereich des JBL ist noch eine Idee druckvoller, die Materialqualität wirkt im Detail dafür beim Magnat LZR hochwertiger. Die Bedienelemente, beim E55BT hier im Test kritisiert, sind beim Magnat aber auch nicht qualitativ besser.  

Auna Elegance 1

  • Ein echter Preisbrecher ist der auna Elegance Bluetooth-Kopfhörer, der mit aptX und NFC für sagenhaft niedrige 50 EUR antritt. Fürs investierte Geld bietet der auch noch recht schick aussehende BT-Kopfhörer ein Optimum. Wer wirklich auf den Euro schauen muss, findet hier eine gute Alternative. Klar dürfte jedoch sein, dass der E55BT beim gebotenen Punch im Bassbereich, bei der Stimmwiedergabe oder bei der Detaillierung im Hochtonbereich seinen Mehrpreis mit aller Entschiedenheit verdeutlicht. 

Teufel Airy Front Seitlich1

  • Teufel Airy: Der von Teufel „Freestyle Champion“ genannte Bluetooth-On-Ear-Kopfhörer wird aktuell (Stand 22. Dezember 2016) für exakt 139,99 EUR angeboten. Mit großem Klang – straffer Bass, tolle Räumlichkeit -, aber eher wenig optimaler Materialqualität ist der Airy eine gelungene Alternative für alle, die einen akustisch starken und sehr leichten BT-Kopfhörer suchen. Bedingt dadurch, dass es in On-Ear-Hörer ist, dringen Umgebungsgeräusche stärker zum Musikhörenden durch. 
Fazit

JBL E55BT 2

Der JBL E55BT erfreut mit einem kultivierten und gleichzeitig räumlich-dynamischen Klang. Durch diese gekonnte akustische Auslegung dürfte er viele potentielle Käufer neugierig machen. Er agiert auch bei gehobener Lautstärke souverän und eignet sich für viele unterschiedliche Musikstile durch seine Ausgewogenheit. Er sitzt sehr bequem auf dem kopf und ist nicht zu schwer. Kritik verdienen die billigen Bedienungselemente an der rechten Ohrmuschel und der hakelige Mechanismus für die Anpassung des Kopfbandes. Prima Noten verdient sich die eingebaute Freisprecheinrichtung. 

Sehr gut klingender Kopfhörer mit hohem Tragekomfort und stabiler Bluetooth-Übertragung
ueberragend
Bluetooth-Kopfhörer bis 200 EUR
04. Januar 2017

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 04. Januar 2017




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