TEST: Magnat Bluetooth-Kopfhörer LZR 588 BT -Kabellose Hörfreude für unter 130 EUR?

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Magnat präsentierte auf der diesjährigen IFA den 129 EUR kostenden Bluetooth-Over-Ear-Kopfhörer LZR 588 BT mit Bluetooth 4.0 plus aptX. Wir hatten schon auf der Berliner Funkausstellung Gelegenheit, das Headphone mit 21 (!) Stunden Akkulaufzeit ausführlich auszuprobieren. Nun ist unser Test-Device in der Redaktion eingetroffen, und wir können unsere gewonnen Eindrücke in Form eines Tests finalisieren.

Es gibt den Kopfhörer mit Magnat-typischen Laser-Technologie ausschließlich in schwarzer Version. Magnats LZR-Technik wird beim LZR 588 BT erstmals mit Bluetooth kombiniert, klar, dass der Energie sparende, moderne Standard 4.0 nebst aptX zum Einsatz kommt. Das LZR-Technologiekonzept umfasst eine Entzerrung des Frequenzgangs nach aktuellen Forschungserkenntnissen. Basierend auf der Diffusfeldentzerrung kommt hier eine spezielle Technologie zum Einsatz, mit der Erweiterung, dass eine rechnerische Trennung von ortsabhängiger und ortsunabhängiger Schallinformation vorgenommen wird. Das sorgt für einen genau ausbalancierten Frequenzgang und eine hohe Impulstreue. Dank der ebenfalls vorgenommenen Optimierung mittels dem Analyse-Entwicklungstool Klippel Analizer werden vom Antriebssystem stammende Verzerrungen deutlich reduziert. Ein besonders kraftvollen Magnetsystem ist auch Kennzeichen des Magnat LZR Kopfhörer. Durch die sorgfältige Abstimmung möchte man es auch geschafft haben, einerseits einen druckvollen Bassbereich zu offerieren, der aber andererseits eine enorme Präzision aufweist. Eine besonders authentische Räumlichkeit mit klar definiertem virtuellen Raum war auch eine Maßgabe bei der Entwicklung der LZR-Headphones. 

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Klappmechanismus

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Nur Inlays aus Metall, außen Kunststoff

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Ohrmuscheln von außen

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Bedienelemente, die etwas zu viel Spiel aufweisen

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Auch im Detail hübsches Design

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 Kopfband von außen

Die Verarbeitungs- und Materialqualität überzeugt uns in den meisten Punkten, Das Kopfband ist außen leicht gummiert und fühlt sich dadurch gut an. Innen ist es effektiv gepolstert und ermöglicht dadurch einen komfortablen Sitz auch beim längeren tragen. Die recht elegant geformten Ohrmuscheln sind außen ebenfalls mit einer dünnen Gummierung überzogen. Zwischen diesem Material und dem weichen und nicht zu schweißtreibenden Bezug der Ohrpolster ist ein schmaler Ring in Aluminium-Optik integriert – eine recht gediegene, gleichzeitig doch stylische Optik.

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Mitgelieferter Tragebeutel

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USB-Ladekabel

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Für den kabelgebundenen Einsatz ist auch eine Lösung enthalten

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 Bequem zu tragen – der LZR 588 BT

Nur die etwas billig wirkenden Kunststoff-Bedienelemente unterhalb der linken Ohrmuschel sorgen für leichte Punktabzüge. Sie sitzen auch nicht richtig fest, sondern haben für unseren Geschmack etwas zu viel Spiel. Da wir gerade bei den kleinen Kritikpunkten sind: Uns ist durchaus bewusst, dass der Kaufpreis von 129 EUR auch eine Kampfansage darstellt, viele Konkurrenten sind deutlich kostspieliger. Aber trotzdem – muss es sein, dass der Kopfband-Verstellmechanismus (ist ebenfalls Bestandteil des Klappmechanismus zum Zusammenlegen des Kopfhörers) außen aus Kunststoff besteht und nur innen mit einem dünnen Metallband verstärkt ist? Hier wäre ausschließlich Metall die bessere, weil langlebigere Lösung. 

Setzen wir den LZR 588 BT auf, gefällt uns der Kopfhörer dank seinem gutem Sitz auf dem Kopf. Auch bei längerem Tragen baut sich kein zu hoher Anpressdruck auf. Zudem werden Geräusche von außen relativ effektiv abgeschirmt, so dass man trotz der Abwesenheit eines aktiven Noise Cancellings nicht zu sehr von externen Geräuschquellen während des Hörens gestört wird. 

Wie gut ist die Freisprecheinrichtung? Wir haben die „Probe aufs Exempel“ gemacht. Beide Gesprächsteilnehmer verstehen sich zwar, allerdings ist der Klang relativ dumpf. Rauschen ist nur in geringem Maße vorhanden, das ist positiv zu vermerken. Der Stimme fehlt allerdings Brillanz und Klarheit, etwas „nuschelig“ ist die Stimm-Wahrnehmung auf beiden Seiten des Telefonats. 

Klang

Kommen wir nun zu den Klangeindrücken, und wir legen direkt mit dem aktuellen Club-Hit „San Francisco“ von Darius&Finlay and Tom Borijn los. Hier beeindruckt uns der Magnat LZR 588 BT, indem er eine von einem nachdrücklichen Bass geprägte intensive Hörumgebung zur Verfügung stellt. Der Aufbau des Tracks wird mit anstandslos hoher Impulstreue präsentiert. Prima stellt der LRZ 588 BT die Stimme in einen klar definierten virtuellen Raum. Das ist wirklich eine gelungene Auslegung für die aktuell gehörte Musikrichtung – der Klang ist überdies lebendig und nicht stumpf oder monoton. Beste Voraussetzungen, um auch bei „Wake The Giant“ von Tommy Trash zu punkten. Auch dieser Track befindet sich auf der Future Trance 73. Der recht melodiöse Start kommt gut heraus, die Auflösung, die der Magnat-Bluetooth-Hörer offeriert, überzeugt über den gesamten Frequenzbereich. Als der Song bei Laufzeit 1:10 dann richtig loslegt, erzeugt der LZR 588 BT erneut ein dynamisches Basserlebnis – allerdings erschöpfen sich die Qualitäten des kabellosen Headphones nicht in massiver Basskraft. Vielmehr sammelt der LZR 588 BT auch durch das Offerieren nachvollziehbarer Strukturen und einer guten Präzision Punkte.  

Schon seit 20 Jahren gibt es die meist hervorragende Hardtrance-/Trance-Compilation von Gary D „D-Trance“. Grund für uns, in die Jubiläumsausgabe einmal hineinzuhören: „Adventure“ von NoMosk & Ansia Orchestra entwickelt einen harten Kickbass bei gleichzeitig flottem Aufbau der elektronischen Effekte im Hintergrund. Auch kleinere akustische Elemente vergisst der LZR 588 BT erfreulicherweise nicht – der Bass weist genau das richtige Maß an Dominanz auf, die das Treibende, Intensive mit sich bringt, welches Liebhaber solcher Musik so schätzen. Mit Nachdruck und guter Räumlichkeit macht sich der Magnat-Kopfhörer an die Wiedergabe, und auch bei den langsameren Parts mit Klavier-Einlagen und solidem Bass-Aufbau im Background versagt er nicht, sondern arbeitet auch kleinere dynamische Differenzen ausgezeichnet heraus.

Wenden wir uns „Wastelands“ von Linkin Park zu. Hier mangelt es bei der Wiedergabe der E-Gitarre etwas an Differenzierungsvermögen. Druck ist auch hier da, und das Schlagzeug wird sehr gut präsentiert, mit präzisem Timing. Auch die Stimmwiedergabe gelingt dem LZR 588 BT prima. Die Räumlichkeit wird als intensiv wahrgenommen, nur die unteren Mitten zeigen sich minimal unterrepräsentiert bei diesem Song. Wir checken nun „A Line In The Sand“, wiederum von Linkin Park. Hier wird das Spannung erzeugende Intro mit ordentlicher Detaillierung wiedergegeben. Der Aufbau aller klanglichen Elemente gelingt dem Magnat-Headphone tadellos. Der Hörer freut sich über viel Atmosphäre und ein hohes Maß an akustischem Realismus. Die Stimme ist minimal unterrpräsentiert, aber sehr gut von den Konturen her durchzeichnet. Als dann „die Post ab geht“, macht der LZR 588 BT deutlich, dass Musik nach Art des Hauses Linkin Park ihm auch durchaus liegt. Und auch bei „I Wish I Had An Angel“ von Nightwish legt sich der LZR 588 wieder voll „ins Zeug“: sehr gute Grobdynamik trifft auf eine richtig gute Darstellung der weiblichen Gesangsstimme. Hier sind die E-Gitarren-Riffs richtig gut – lebendig und kraftvoll. Auch die männliche, recht aggressive Stimme wird prima herausgearbeitet.

Begeben wir uns mitten in die „wilden 80er Jahre“: Mit „Celebrate Youth“ von Rick Springfield gibt es ebenfalls keine Berührungsängste, der harte Bass, der praktisch ohne Verzerrungen präsentiert wird, gefällt ausgezeichnet. Der Rhythmus wird sauber herausgearbeitet, und auch hier weiß der LZR 588 wieder durch die prima Stimmeinarbeitung zu gefallen.Und beim One-Hit-Wonder „You Spin Me Round (Like A Record) von Dead Or Alive legt der LZR 588 wieder seinen extrem guten Bass in die Waagschale, und der schwungvolle Rhythmus kommt ohne Fehl und Tadel heraus. Das „New York Mix“ des Frankie Goes To Hollywood-Klassikers „Relax“ steht als nächstes auf dem Programm. Direkt ab Beginn dieser über 7 Minuten langen Version schafft der LZR 588 BT einen sehr souveränen Gesamteindruck, mit erneut treffsicherem Bass und einem jederzeit nachvollziehbaren Aufbau des Songs. Jeder neu hinzukommende Effekt wird sorgfältig und gleichzeitig zügig eingearbeitet. Es macht richtig Freude, mit dem LZR 588 BT zu hören – gerade bei solchen energiegeladenen Stücken spielt er seinen Performance besonders überzeugend aus. 

Und wie sieht es mit purer italienischer Leidenschaft aus“ „Perfidia“ von Andrea Bocelli steht hier an, und wir stellen fest, dass diese Art Musik nicht unbedingt die Paradedisziplin  des LZR 588 BT ist. Die Stimme Andreas hat etwas wenig Charisma und klingt minimal synthetisch. Man merkt, das „Laufen mit angezogener Handbremse“ liegt dem LZR 588 BT nicht so ganz. Er stellt zwar ein solides Fundament zur Verfügung, aber auch die Trennung der Stimme von den Instrumenten könnte noch besser sein. Wir geben dem LZR mit dem Duett „I Belong To You“ von Eros Ramazzotti und Anastacia eine zweite Chance – und mit diesem Titel kommt der Kopfhörer wesentlich besser zurecht. Hier gefällt uns vor allem die Wiedergabe der Stimme von Anastacia richtig gut. Aber auch das Klavier kommt gelungen heraus. Dass der Bassbereich Wucht und Kraft hat, sich aber nicht störend über den Rest der Akustik legt, ist ein weiterer Vorzug des LZR 588 BT. 

Was bietet die Konkurrenz? Wer viel Sport treibt und dabei auf einen Bluetooth-Kopfhörer nicht verzichten möchte, kann beispielsweise auf den JBL Synchros Reflect BT, den es bereits ab gut 70 EUR gibt, zurückgreifen. Der Klang ist klar und kräftig, der Magnat LZR 588 macht aber direkt deutlich, dass er der komplettere Kopfhörer der beiden Konkurrenten ist: Der Klang ist differenzierter, der Tiefgang im Bassbereich noch ausgeprägter, und die Auflösung ist höher. 

Von Teufel aus Berlin kommt für 150 EUR der komfortable ohraufliegende Bluetooth-Kopfhörer Airy, der durch seinen ausgewogenen, gleichzeitig aber lebendigen Klang besticht. Was die puren akustischen Eigenschaften anbetrifft, ist der Airy ganz weit vorn, was die Optik und die Verarbeitung angeht, gibt es durchaus noch Potential. Hier tritt der klanglich ebenfalls tadellose LZR 588 BT attraktiver und edler auf. 

Der AKG Y45BT Bluetooth-Kopfhörer ist bereits für ca. 90 EUR zu haben (in schwarz). Der Hochtonbereich des gut verarbeiteten Kopfhörers ist etwas bedeckt, hier tritt der Magnaz LZR 588 BT mit mehr Transparenz und Klarheit auf. Die Freisprecheinrichtung des Magnat ist auch nicht die Beste, übertrifft aber die des Y45BT in der Praxis durch weniger Rauschen. 

Fazit

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Der Magnat LZR 588 BT bietet für einen wohlfeilen Kaufpreis eine ansprechende Optik, eine gute Materialqualität, tadellosen Tragekomfort und eine lebendige, kräftige Akustik. Die lange Akkulaufzeit und die stabile Bluetooth-Verbindung sind weitere Pluspunkte. Minimale Kritik gibt es nur für die etwas billig wirkenden Bedienelemente und für die nur durchschnittliche Freisprecheinrichtung. 

Magnat kombiniert präzisen und kräftigen Sound mit kabelloser Freiheit und gefälliger Optik – zum günstigen Preis
ueberragend
Bluetooth-Kopfhörer bis 200 EUR
Test 18. September 2015

+ Stabile Bluetooth-Signalübertragung
+ Sehr guter Tragekomfort
+ Kräftiger, lebendiger Klang
+ Gute Verarbeitung
+ Günstiger Kaufpreis

– Bedienelemente wirken nicht besonders hochwertig

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 18. September 2015




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