TEST: JBL Bluetooth-Kopfhörer Everest 300 – der Gipfel der Klangstärke für 149 EUR?

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JBL erweitert sein Produktsortiment an Bluetooth-Kopfhörern um den in weißer oder schwarzer Version lieferbaren Everest 300. Ausgestattet mit Bluetooth 4.1, kann man schon auf einen BT-Standard mit geringem Stromverbrauch beim Kopplungsprozess, der sehr schnell und problemlos abläuft, zurückgreifen. Eine Freisprecheinrichtung mit Echo-Unterdrückung, die wir in den Klangtestreihen auch mit überprüft haben, ist ebenfalls Bestandteil der Ausstattung. Sehr gut – der mittels USB-Kabel aufladbare 3,7 V/610 mAh-Polymer-Lithium-Ionen-Akku hält 20 Stunden, ein hervorragender Wert. JBL verspricht dank der speziell geformten Ohrpolster einen hohen Tragekomfort. Als Besonderheit offeriert der Everest 300 „ShareMe 2.0“, man kann sich mit dem Bluetooth-Kopfhörer eines Freundes verbinden. 

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Mitgeliefert: USB-Ladekabel sowie 3,5 mm Miniklinkenkabel, wenn der Akku leer ist

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Platz sparend zusammenfaltbar

Der Everest 300 stellt mit 40 mm Treibern Frequenzen zwischen 10 Hz und 22 kHz dar und erzielt einen maximalen Schalldruck von 115 dB. Die Empfindlichkeit liegt bei 100 dB/1 kHz/1mW. 

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Etwas „DJ-Style“ außen auf dem Kopfband

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Solider Verstellmechanismus

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Ohrmuscheln außen

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Bequeme Polsterung der Ohrmuscheln

Die Optik des Everest 300 wirkt modern, und relativ dezent. Das JBL-Logo ist zwar im Großformat auf die Ohrmuscheln gedruckt, aber dadurch, dass das Logo in Mittelgrau gehalten ist, wirkt es nicht zu auffällig. Das Hartplastik, das Verwendung findet, könnte für unseren Geschmack mit einer leichten Gummierung als Überzug versehen werden, dann könnte man einen deutlich hochwertigeren Gesamteindruck erzeugen. Das Kopfband ist bequem und nicht zu weich gepolstert. Der Verstellmechanismus ist aus Metall, das sorgt für eine bessere Langzeitstabilität als bei einigen Konkurrenten, die hier auf Kunststoff setzen. Auch, wenn die Ohrpolster aus Kunstleder bestehen, wirken sie hochwertig und sind nicht zu schweißtreibend. Der Everest 300 wiegt 245 Gramm und ist somit auch über einen längeren Zeitraum bequem zu tragen. Man kann ihn recht kompakt zusammenfalten. was die Flexibilität beim Transport deutlich erleichtert. Was uns nicht gefällt – JBL liefert keinen Transportbeutel mit, das ist Geiz, den man in der 150 EUR-Preisklasse nicht erwartet. 

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„S“ für „Share Me 2.0“

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Titelsprung, Play-/Pause- und Lautstärkeregelung

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Anschlüsse für USB-Ladekabel und 3,5 mm Miniklinkenkabel

Auf beiden Seiten der Ohrmuscheln finden sich Bedienelemente, das „S“ steht für „ShareMe“, hier kann der JBL Everest 300 mit einem anderen BT-Kopfhörer gekoppelt werden, so kann man einfach Musik teilen. Mit den Bedienelementen an der linken Ohrmuschel kann man die Lautstärke regeln, Play- und Pause-Optionen nutzen und den Titelsprung (2-maliges Drücken, nächster Titel wird angespielt) verwenden. Die Bedienelemente sind recht günstig platziert. 

Klang

Bei Keri Hilsons Black-Hit „I Like“ profiliert sich der Everest 300 als Meister des tiefen und satten Basses. Wie wir es in bester JBL-Tradition kennen, begeistert der bequem sitzende On-Ear-Hörer denjenigen voll und ganz, der Hören als emotionales Erlebnis auffasst. Er ist bezüglich des Auflösungsvermögens gut, aber nicht exzellent – dafür aber agiert er sehr bassstark und dynamisch. Die Stimme von Keri kommt tadellos heraus, kleine vokale Feinheiten werden nicht zur Gänze berücksichtigt, für die Preisklasse aber ist das Ergebnis ohne Frage in Ordnung. 

Und basskräftig geht es weiter: „The Night“ (3Lau & Nom De Strip im Remix von Mr. Ciufo) liegt dem Everest 300 ebenfalls. Den sehr tiefen, schwarzen Bass gibt er gelassen und souverän wieder. Die Piano-Klänge und die Stimme von Estelle überzeugen hinsichtlich Lebendigkeit und Dynamik. Der extrem tiefe Bass nach der ersten Piano-Einlage bringt den Everest 300 ans Limit, aber aber lässt sich nur zu vertretbaren und nicht zu überbordenden Verzerrungen hinreißen. Wer mit geringerem Pegel hört, wird keinerlei Einschränkungen hinnehmen müssen. Sehr gut gefällt uns, wie gut der Kopfhörer, obwohl er ein On-Ear-Hörer ohne aktives Noise Cancelling ist, Umgebungsgeräusche abschirmt. Die Kunstleder-Ohrpolster sind nur minimal schweißtreibend. 

„Over The Limit“ von Calippo & Fort Arkansas ist der nächste Club-Track, den wir anspielen. Es macht einfach Spaß, derartige Musikstücke mit dem Everest 300 zu hören, man bekommt den Eindruck, dass der Hörer genau dafür gemacht ist. Ein sattes, intensives Klangerlebnis, mit dynamischen Effektwechseln, wird zur Verfügung gestellt. Der Everest 300 spielt sehr gelassen, „cool“, auf. Wer gern Black- oder Club-Musik hört, ist hier bestens aufgehoben. Die gebotene Räumlichkeit ist ausgezeichnet, so „taucht“ man nahezu perfekt in den virtuellen Club ein.

Wie sieht es mit Hits der 80er Jahre aus? Rick Springfields „Celebrate Youth“ hält als Beispiel dafür her. Kräftiger Bass, gute Loslösung der Stimme und dynamische Gesamtwiedergabe sind auch hier die Kennzeichen. Das qualitativ nur durchschnittliche Quellmaterial klingt richtig gut, macht Spaß und folgt der schon zuvor gezeigten Linie des JBL Everest 300. Er ist für den Spaß am Hören gemacht, analytisch-seriös gesinnte Zeitgenossen werden sich mit der Auslegung etwas schwer tun. Wer gern sehr präzise, sehr fein auflösend hört, dem greift der JBL zu deutlich in die Akustik des Quellmaterials ein. Er pusht im Bass, generiert viel Dynamik und steht, übertragen gesprochen, „immer auf Gas“.

Bei „Sunshine Reggae“ (12-Inch-Version) von Laid Back gibt der Everest 300 dann den relaxten Kopfhörer mit massiver Basskraft. Auch dieses Lied ist bestens geeignet, um die Auslegung des JBL-Hörers herauszustellen. Satt und räumlich dicht der Sound, die Stimme steht trotz der freigesetzten Bass-Energie nicht unpassend im Hintergrund, sondern wird ebenfalls fokussiert übertragen. Auch wenn es nicht gut für die Gesundheit der Ohren ist: Es macht Freude, etwas lauter zu hören, weil der Everest 300 auch etwas mehr Pegel so gut verarbeitet, dass man nicht mit unschönen Verzerrungen bzw. Dröhngeräuschen zu rechnen hat. 

Der „Extended Mix“ des Alphaville-Klassikers „Big In Japan“ wirkt etwas fade, was am bescheidenen Quellmaterial liegt. Hier schafft es selbst der Everest 300 nicht, irgendeine Form der energiegeladenen Gesamtwiedergabe zu generieren. Es kommt einfach kaum Stimmung auf, alles erscheint eindimensional und man vermisst Dynamik und Nachdruck. Der kräftige Bass allein kann das leider auch nicht wettmachen. 

Kommen wir zu verschiedenen 007-Film-Titelsongs und starten mit „Live And let Die“ von Paul McCartney & Wings. Hier verdeutlicht der Everest 300 ein weiteres Mal, was er unter Dynamik versteht. Bei diesem Song mit den deutlichen Dynamikunterschieden kann sich der Bluetooth-Kopfhörer, der mit seiner untadelig stabilen BT-Verbindung punkten kann, ein weiteres Mal glänzend in Szene setzen. Er lässt den Zuhörer die Lebendigkeit des Titels förmlich spüren, in dem er mit Wucht antritt, wenn der Rhythmus urplötzlich schneller wird. Impulstreu und mit einer recht facettenreichen Abbildung selbst in den ruhigen Teilen gefällt der Kopfhörer uns hier besonders gut. Selbst die Streicher bildet er tadellos ab.

„For Your Eyes Only“ von Sheena Easton wirkt sehr nachdrücklich und emotional. Sensiblere Hörer werden den Basseinsatz allerdings als zu massiv empfinden. Die Darstellung der Stimme von Sheena gelingt überragend, auch das Klavier kommt glaubwürdig heraus. Dass hier kaum etwas von Anschlagdynamik der Tasten zu hören ist, kann man kaum dem Everest 300 zur Last legen, dies ist im nur durchschnittlichen begründet. Auffällig ist ein weiteres Mal, wie intensiv die räumliche Abbildung ist. Auch eignet sich der JBL – für den Erlebnis-Hörer – ausgezeichnet für längere Hörsessions, da sein Klang nachdrücklich und dynamisch, aber nie aggressiv oder schrill ist. 

Wechseln wir zu Shirley Basseys „Moonraker“. Das zweite Bond-Titellied mit Tiefgang – nach „For Your Eyes Only“ – zeigt uns die typischen Tugenden des Everest 300 ebenfalls in Reinform auf. Die gute Fokussierung der Stimme, die Nachdrücklichkeit bei der Wiedergabe tiefer Frequenzen und die recht fließenden Übergänge zwischen den einzelnen Frequenzbereichen gehören klar zu den Vorzügen des JBL-Over-Ear-Kopfhörers. Er ist auch durchaus in der Lage, die obersten musikalischen Ebenen gut voneinander zu differenzieren, nur die hinteren Ebenen mit kleinen Einzelheiten werden nicht mehr optimal differenziert – Tribut an die Preisklasse und an die sonstige Auslegung. 

Wie sieht es mit der Freisprecheinrichtung aus? Der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung lobt die gute Lautstärke, und auch die Durchhörbarkeit. Etwas Rauschen ist zu vernehmen, ist aber nicht wirklich störend und fällt deutlich geringer aus als bei vielen Konkurrenten. Derjenige, der über die Freisprecheinrichtung des Everest 300 telefoniert, versteht den Gesprächspartner ohne Probleme, auch hier herrscht nur eine geringe Rauschneigung vor. Die Stimme des anderen wird als etwas blechern und dumpf wahrgenommen – aber auch hier sind die meisten Konkurrenten in der Preisklasse schlechter. Somit können wir dem Everest 300 ein gutes Zeugnis hinsichtlich der Güte seiner Freisprecheinrichtung ausstellen.  

Konkurrenzvergleich
  • Magnat LZR 588 BT: Zum fairen Kaufpreis bietet der Magnat-Kopfhörer sehr ansprechende Leistungen und besticht durch den lebendigen, kräftigen Sound und die durch die hohe Akkulaufzeit von 21 Stunden. Er ist gut, wenn auch nicht exzellent verarbeitet, und gefällt durch den bequemen Sitz. Im direkten Vergleich rechtfertigt der Everest 300 seinen Mehrpreis durch noch etwas vollere Basswiedergabe und noch etwas mehr Räumlichkeit. Vorzug beider Kopfhörer: Sehr stabile, störungsfreie Bluetooth-Übertragung. 
  • AKG Y45 BT: Nicht mithalten mit dem Everest 300 kann der Y45 BT von AKG. Er wirkt im Hochtonbereich doch recht bedeckt, der Bass ist weniger füllig, und die Freisprecheinrichtung kann nicht überzeugen. Hier nimmt man entweder den vorzüglichen kabelgebundenen AKG Y50 oder gleich den JBL Everest 300. 
  • Teufel Airy: Der Airy ist der erste BT-Kopfhörer der Berliner Sound-Spezialisten. Er ist weniger basslastig und weniger auf „Show“ aus als der Everest 300 und besticht durch seine akustische Ausgewogenheit. Der Everest 300 agiert dafür noch pegelfester und dynamischer. Zudem wirken Material- und Verarbeitungsgüte des Airy nicht preisklassengemäß. 
Fazit

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Der JBL Everest 300 beeindruckt durch Basskraft und Dynamik, und auch durch die stattlichen 20 Stunden Akkulaufzeit.. Er macht Hören zum Erlebnis, was auch daran liegt, dass es sehr gut um die Räumlichkeit und um die Pegelfestigkeit bestellt ist. Sensiblere Naturen werden nicht ganz so gut mit dem Everest 300 zurecht kommen, ihnen spielt der sehr bequem sitzende Over-Ear-Hörer zu nachdrücklich auf. Die Verarbeitung des JBL-Bluetooth-Kopfhörers ist gut, die Materialqualität ebenfalls. Neue Maßstäbe werden bei Finish und Materialgüte allerdings nicht gesetzt. Sehr zu loben ist die stabile Bluetooth-Verbindung. 

Sehr nachdrücklich und atmosphärisch dicht agierender Bluetooth-Kopfhörer mit ausgesprochen hohem Tragekomfort
ueberragend
Bluetooth-Kopfhörer bis 200 EUR
Test 01. Dezember 2015

+ Ausgezeichneter Tragekomfort
+ Enorme Dynamik und Basskraft
+ Sehr gute Räumlichkeit
+ Stabile Bluetooth-Verbindung 
+ 20 Stunden Akkulaufzeit
+ Fairer Preis

– Für sensible Hörer weniger geeignet

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 01.12.2015

 

 




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