TEST: Huawei Ascend Mate – 6,1 Zoll-Phablet zum kleinen Preis

Die Chinesen, insbesondere Huawei, machen sich nun auch auf dem Smartphone/Tablet-Hybriden-Markt buchstäblich breit, denn das Ascend Mate ist das erste Phablet-Modell der Fernöstler. Mit Marktüpreisen von rund 300 EUR ist es auch noch verblüffend günstig. Wie kommt es bei uns im Test an?

Ohne Zweifel: Phablets, also Smartphones im XXL-Format sind derzeit ganz große Mode. Dennoch stellt sich die Frage, ob die Manufakturen nur auf die Konkurrenz reagieren oder ob die Nachfrage seitens der Verbraucher tatsächlich so groß ist? Der Autor persönlich kennt zumindest keinen Phablet-Nutzer im näheren Umfeld. Da aber Smartphones auch weiterhin zum stetigen Wachstum neigen, scheinen die Grenzen zu Phablets und Tablets ohnehin immer zu schmelzen – ob der Nutzer es will oder nicht.

Design & Display

Mit dem schlanken Design-Modell Ascend P6 haben die Chinesen bewiesen, dass sie Smartphones optisch elegant und hochwertig in Szene setzen können. Bei einem Phablet á la Ascend Mate ist es allerdings schwieriger ,optisch Akzente zu setzen, da ein Metalleinsatz bei einem mächtigen 6-Zoller buchstäblich zu einer Belastung für den Nutzer wird: Das Gewicht steigt deutlich und sorgt so für noch mehr Unhandlichkeit, denn das große 6,1 Zoll-Device würde leicht aus der Hand kippen.

Die Macher beließen es daher bei schwarzem bzw. weißem Hartplastik mit einem schlichten Formfaktor und dem fast schon obligatorischen silbernen Randverlauf. Nur so war es möglich, das Gewicht auf knapp unter 200 Gramm zu drücken. Positiv fällt allerdings die leicht gewölbte Rückseite auf, da diese gummiert ist,  gibt es  keine Rutschpartien auf glatten Oberflächen.

Bei der Verarbeitungsqualität mutet das Gerät wie aus einem Guss an, was auch daran liegt, dass die Rückseite verschlossen bleibt. Ergo: Der Akkublock ist fest verbaut und die Slots befinden sich an den Seitenflächen, wobei sich die microSIM-Karte ausnahmsweise mal an der Gerätespitze einschieben lässt. Dass der Akku nicht austauschbar ist, mag zwar ein Nachteil sein, doch der Stromspender weist auch eine klare Stärke auf – doch dazu später mehr.

Der mächtige 6,1-Zoll-Screen nutzt zumindest in der Breite die Frontseite konsequent aus und weist eine Auflösung von 720 x 1280 Pixel aus – FullHD wird somit nicht geboten. Es ist außerdem schade, dass der Touchscreen beleidigt reagiert, wenn man stärker mit einem Finger draufdrückt. Schwarze Trübungen sollten in dieser Preisklasse eigentlich nicht mehr auftreten. Dafür ist das Display aber dank Gorilla Glass gut gegen Kratzer gewappnet.

Zumindest ohne die automatisch eingestellte Helligkeit ist das Seherlebnis angenehm lichtstark und klar. Die Farben könnten allerdings einen Zacken knalliger sein und die Brillanz von Topmodellen á la Samsung Galaxy S4 weisen den Chinesen klar in die Schranken. Fairerweise muss man allerdings auch sagen, dass es mit zunehmender Größe schon allein preislich immer schwieriger wird, superbe Qualität zu liefern.

Ausstattung

Recht schlank und wenig spektakuläre Ausstattung

Das Inventar ist nicht gerade spektakulär. Bei den Datenschnittstellen fehlt beispielsweise LTE und auch ansonsten gibt es keine nennenswerten Ausrufezeichen beim Komfort. Der interne Speicherplatz ist mit rund 4,5 GB zudem für ein Phablet außerdem nicht gerade üppig, kann aber dank microSD-Karte auf bis zu 32 GB aufgestockt werden. Das ist aber auch nicht mehr „State Of The Art“, eigentlich sollte eine Erweiterung bis um 64 GB möglich sein.

Apropos Datenaustausch: Um die Karte für den Datenaustausch nicht immer wieder aus dem Gerät herausnehmen zu müssen, gibt es die USB-OTG-Unterstützung („USB On-The-Go“). Via Adapterkabel für den Micro-USB-Port des Smartphones lassen sich USB-Sticks oder der Speicher einer Digicam unkompliziert auslesen.

Foto

Bildausschnitt aus obigem Foto

Die 8-Megapixel hat zwei Stärken: Sie arbeitet schnell und ist sehr lichtempfindlich, sodass auch Indoor gut ausgeleuchtete Fotos gelingen. Auf der anderen Seite ist die Tiefenschärfe alles andere als gut und das Farbmanagement unpräzise. Die Schnappschüsse sehen dadurch wie ausgewaschen aus, wobei sich auch manchmal ein leichter Blaustich dazu gesellt. Kleine Entschädigung: Die Frontkamera ermöglicht HD-Videoaufnahmen oder Fotos mit einer maximalen Auflösung von einem Megapixel, was bei Videotelefonaten ein klarer Vorteil ist.

Im Bereich vorinstallierte Apps wird in themenbezogenen Ordnern wie „Werkzeuge“ eine Menge Nützliches geboten: Unter anderem eine Taschenlampe, FM-Radio, Kingsoft Office sowie insgesamt 13 Google-Dienste plus Navigation.

Handhabung

Startmenü


Menü „Werkzeuge“

Bereits beim Eintippen der PIN wird schnell klar, dass eine Einhandbedienung schwierig ist. Des Öfteren ertappt man sich daher dabei, wie man das Smartphone umlegt, um es mit beiden Händen zu bedienen. Dafür gibt es aber einen Einhand-Modus, bei dem der Eingabebereich auf die Größe eines 4,5-Zoll-Smartphones verkleinert wird und sich an den rechten oder linken Rand schieben lässt. Das lässt sich optional auch mit den Telefontasten und der alphanumerischen Schreibtastatur machen. Sicherlich keine perfekte Einhand-Lösung, doch ein guter Kompromiss.

Lob gibt es dafür bei vorinstallierten Startmenüs, denn hier haben sich die Macher sichtlich Gedanken gemacht. Wetter, die beiden wichtigsten Kontakte, Uhrzeit, dynamische Fotogalerie sowie der Music Player stehen neben den Standards aber Werk bereits bereit – da muss man im Grunde nicht mehr viel selbst „Hand anlegen“. In den anderen Hauptmenüs werden außerdem viele Apps themenbezogen in einem Ordner gesammelt.

Unverständlich ist dafür, warum es trotzdem keine eigene App-Liste gibt. Um sich zu orientieren, muss man daher im Hauptmenü suchen. Ansonsten folgt aber Huaweis Nutzeroberfläche Emotion UI im Zusammenspiel mit Android 4.1 allen bekannten Nutzergepflogenheiten.

Das Ascend Mate geizt leider mit physischen Tasten. Bis auf eine Lautstärkewippe und dem An/Aus-Schalter auf der rechten Seite gibt es keinen einzigen Drücker. Das erleichtert nicht gerade die Aktivierung des Chinesen und macht beim Fotografieren eine ruhige Hand erforderlich. Hinzukommt, dass die drei Standard-Sensorfelder gleich im Display integriert sind – bei dieser Größe sicherlich eine logische Konsequenz. Die Leiste lässt sich übrigens auf Wunsch auch ausblenden, was beim Surfen im Internet Vorteile bietet.

Das Arbeitstempo ist durchgehend flott: Seitenaufbau im Internet, kinetisches Scrolling, Multitouch-Zoom oder auch der Betrieb von grafisch aufwändigen 3D-Games (der Wasserski-Racer Riptide GP ist bereits vorinstalliert) – hier spielt sich alles im dunkelgrünen Bereich ab.

Technik

Dass alles geschmeidig abläuft, liegt natürlich vor allem der Prozessorleistung. Unter der Haube sorgt die Hi-SiliconK3V2 CPU mit vier Kernen und 1500 MHz-Taktung für reichlich Dampf. Dass noch Reserven vorhanden sind liegt vermutlich am guten Zusammenspiel aus Hard- und Software – die Chinesen haben das offensichtlich mittlerweile gut in Griff!

Dazu gehört auch das Stromspender. Der Akku ist zwar nicht wechselbar, überzeugt dafür aber durch ein großes Stehvermögen dank opulenten 4.000 Milliamperestunden. Wenn man die Nutzung „nur“ auf Telefonate, SMS und gelegentliche Multimedia-Ausflüge stutzt, ist eine Rufbereitschaft von einer Woche alles andere als eine Utopie – da kennst selbst der Platzhirsch Samsung noch etwas lernen! Selbst ein hohes Multimedia- oder Business-Aufkommen zwingt den Akku nicht schnell in die Knie. Über das Wochenende bekommt das Netzteil daher auf alle Fälle eine Ruhepause – Respekt!

Beim Telefonieren überzeugt zudem die gleichbleibende Qualität auf gutem Niveau, denn Nebengeräusche hat der Chinese souverän in Griff und Stimmen kommen laut und ausreichend klar herüber. Der Sound selbst ist kräftig, lebendig und neigt auch bei höchster Lautstärke nicht übermäßig zu Verzerrungen – sehr gut für den Einsatz als Freisprecher. Schade nur, dass der kleine Mono-Lautsprecher auf die untere Rückseite verdrängt wurde. Platz genug für Stereo-Lautsprecher wäre doch genug da gewesen. Dennoch insgesamt eine tolle Vorstellung im Messlabor, zumal während der Testphase auch keinerlei Empfangsprobleme auftraten

Fazit

Dass Huawei preis-aggressiv ist, dürfte sich mittlerweile schon herumgesprochen haben. Dieses Phablet bildet da keine Ausnahme, denn der Straßenpreis liegt bei unter 300 Euro. Angesichts des XXL-Leistungspakets ein wahrhaft verführerischer Preis, den auch Samsung nervös machen könnte. Hinzukommt, dass der Chinese auch bezüglich der Batterie-Performance die Messlatte hochlegt, denn derzeit gibt es definitiv kein anderes Phablet, dass so eine überzeugende Akkuleistung bietet.  Einen Makel müssen wir aber ansprechen: Kein LTE, das sollte bei einem Phablet mit diesen Leistungsmerkmalen definitiv dazu gehören.  Auch, dass 64 GM MicroSD-Karten laut Hersteller nicht unterstützt werden (vereinzelt liest man in Foren, dass es aber geht) und dass der interne Speicherplatz arg mager ausfällt, sind Schäwchen des Ascend Mate. Dafür aber stimmt der Marktpreis – fürs Geld bekommt man enorm viel geboten.

Verführerischer Marktpreis und solide Gesamt-Performance sprechen für das Huawei Ascend Mate
Smartphone-/Tablet-Hybdridgeräte Mittelklasse
Test 06. November 2013

+ Großes, gut ablesbares Display
+ Quad Core-CPU sorgt für saubere Performance
+ Für Schnappschüsse gut brauchbare Kamera
+ Ordentliche Verarbeitung
+ Gute Sprachqualität
+ Exzellente Akkulaufzeit
+ Niedriger Marktpreis

– Kein LTE
– Zu wenig interner Speicher
– Offizieller MicroSD-Support nur bis 32 GB

Test: Ulf Schneider
Redaktion: Carsten Rampacher
Datum: 06. November 2013




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