TEST: HTC Desire 626 – Mittelklasse-Smartphone mit Android Lollipop

Peppiges Plastikgehäuse statt konservatives  Business-Ornat. Mit dem neuen Desire-Modell möchte die Taiwanesen die jüngere Zielgruppe ansprechen, die dafür immerhin 299 Euro UVP ausgeben müssen, was angesichts der Smartphone-Flut aus China nicht gerade ein Schnäppchen ist. Doch bereits beim ersten Durchforsten der Spezifikationen wird klar, dass das HTC Desire 626 (nicht zur verwechseln mit der 626G-Version) breit aufgestellt ist, auch was die Software angeht, denn gerade in diesem Punkt lassen viele Billig-Smartphones bekanntlich Federn. Doch dazu später mehr.

Wer ein Desire-Smartphone kauft bekommt schon fast traditionsgemäß viel Plastik und mehr Farbigkeit, wobei sich Letzteres in diesem Fall stark in Grenzen hält. Vom HTC Desire 626 gibt es zwei Versionen: Dunkelblau mit hellblauer Umrandung sowie Weiß mit sandfarbigem Rahmen. Durch diese Details hebt sich das Smartphone angenehm vom Schwarz/Weiß-Allerlei positiv ab, wobei der Formfaktor aber sehr konventionell geraten ist. Der Korpus selbst ist eine Art Unibody light, denn der Akku ist fest verbaut und die Nano-SIM-Karte und microSD-Speicherkarte werden auf der linken Seite eingeschoben, wobei die Steckplätze hinter einer Klappe versteckt sind. Auch vorbildlich: Das Objektiv der Kamera schließt mit dem Gehäuse ab – das ist noch nicht einmal in der Spitzenklasse obligat.

Seitliche Ansicht

Leider reagiert das Gehäuse aber schnell beleidigt, wenn man es härter anpackt, denn es knarzt recht schnell und das Display verfärbt sich großflächig, wenn man stärker draufdrückt.

Das Display selbst stellt sich technisch unspektakulär auf: 5 Zoll und HD-Auflösung, also 1.280 x 720 Pixel sind heutzutage der inoffizielle Standard in der Mittelklasse. Die Qualität ist schlichtweg für die Preisklasse angemessen: Ordentliche Schärfe, gute Farbbrillanz und manuell lässt sich eine sehr gute Helligkeit herauskitzeln, sodass auch bei Tageslicht  die Lesbarkeit gegeben ist. Die automatische Helligkeitseinstellung ist übrigens viel zu dunkel ausgelegt und sollte daher schnell deaktiviert werden.

HTC Desire 626 Foto

Aufnahme bei wechselnden Lichtverhältnissen

Mit einer 13-Megapixel-Hauptkamera und einer 5-Megapixel-Frontkamera ist dieses Smartphone für ein Mittelklasse-Gerät gut aufgestellt, zumal es auch eine ganze Reihe von Einstellungsmöglichkeiten gibt. So lassen sich ISO- und Lichtwerte manuell einstellen und Gimmicks wie “Passfoto Automat, bei dem vier Selfies zu einer Collage zusammengestellt werden, sorgen für Fun bei der jüngeren Generation. In dieser Disziplin ist das Desire 626 somit ziemlich zeitgemäß gerüstet. Und wie schaut es qualitativ aus? Löblich ist die gute Lichtempfindlichkeit, sodass auch auf langen Distanzen noch ordentliche Schnappschüsse möglich sind, wobei die Schärfe zum Fotorand dann deutlich abnimmt. Die Kamera arbeitet zudem angenehm flott und die Farbwiedergabe ist sehr natürlich und kräftig – eine gute Vorstellung!

Rückseite

Auch beim Thema Speicherplatz ist das Desire 626 zukunftssicher, denn die microSD-Karte kann bis zu 512 Gigabyte verarbeiten – zumindest theoretisch, denn solche Karten gibt es noch gar nicht. 200 GB hingegen schon, doch die kosten aktuell fast so viel wie das Smartphone selbst. Handlungsbedarf besteht aber so oder so, denn von den internen 16 GB sind rund 8 GB bereits für das System & Co belegt.

Bei der Grundausstattung ist alles an Bord, inklusive ein paar Finessen wie eine Taschenlampen-Funktionen. Für Oberklasse-Features, wie ein Fingerabdruckscanner ist hingegen kein Budget mehr vorhanden. Immerhin: Danke des umfangreichen Theme-Stores sind unzählige Personalisierungs-Optionen vorhanden – auch das dürfte die eher jüngere Zielgruppe gefallen.

HTC Desire 626 Screenshot

Android 5.1 Lollipop

Als Betriebssystem kommt sogar das aktuelle Android 5.1 Lollipop zum Einsatz, was HTC mit eigenem User Interface und einigen Extras ergänzt hat. Dazu gehört vor allem die interaktive Zeitung BlinkFeed, die als linke Startseite fest verankert ist und nach eigenen Vorlieben als Feed Reader dient – inklusive Beiträgen aus eigenen Sozialen Netzwerken – wirklich gut gemacht.

Weniger glücklich ist die Tatsache, dass ständig im Homescreen aktuelle Ereignisse angezeigt werden – selbst wenn man telefoniert. Man muss diese Balken durch den digitalen Homebutton ständig wegdrücken oder mit dem Finger beiseiteschieben – das mutet fast wie ein Bug an.

HTC Desire 626 BlinkFeed

Blinkfeed

Praktisch ist dafür die Möglichkeit, die Apps anzeigen zu lassen, die man situativ bevorzugt. Durch die Auswahl zwischen die Modi „Unterwegs“, „Zuhause“ und „Arbeit“ lässt sich das Smartphone somit gut personalisieren. Im Büro hat man so beispielsweise schneller Zugriff auf Notizen oder Google Drive. Schade nur, dass HTC den Nutzer fast schon nötigt, einen eigenen Account anzumelden, um Zugriff auf die volle Leistungspalette zu haben – das betrifft auch die grafische Themes-Gestaltung. Haben  wir nicht schon genügend Accounts, die wir verwalten?

Wenn wir schon beim Meckern sind: Den Tiefschlaf lässt sich nur beenden, wenn man den klein An/Aus-Knopf auf der rechten Seite erwischt, was in der Hektik nicht immer gelingt. Intelligente Bewegungssteuerungen und diverse Lock Off Modi versöhnen den Nutzer dafür wieder.

Passend zur Preisklasse spendiert HTC dem  Desire 626 einen Mittelklasse-Motor. Der bekannte Snapdragon-410-Prozessor mit vier Kernen, 1,2 GHz Taktung und 2 GB Arbeitsspeicher ist ein bewährter Performer, wenngleich nicht auf dem neuesten Niveau, denn 2013 war diese Konfiguration noch Spitzenklasse. Das fällt aber nur dann ins Gewicht, wenn man anspruchsvoller Multitask-Aufgaben nutzt oder High End Games wie “The Witcher – Battle Arena” spielt, denn hier stößt der Fernöstler dann doch an seine Grenzen.

Der fest verbaute 2000mAH Akkublock liefert eine ordentliche Nonstop-Versorgung von rund vier bis fünf Tagen am Stück, wenn man auf ausgiebige Multimedia-Sessions verzichtet. Das ist nach heutigen Maßstäben ein guter Wert für ein Mittelklasse-Smartphone, wobei es dennoch empfehlenswert ist, das Netzteil über das Wochenende mitzunehmen, wenn man beispielsweise gerne länger auf Facebook verweilt.

Erfreulicherweise verfügt auch das Desire 626 über zwei üppige Stereo-Lautsprecher auf der Frontseite, wobei das qualitative Niveau der One-Modellreihe aber nicht erreicht wird. Dazu fehlt die Breite und Präzession im Klangbild, wenn man die Lautstärke hochdreht. Dennoch übertrumpft der Taiwaner in dieser Disziplin durch diese Bauweise selbst einige Oberklasse-Smartphones.

Fazit

In der breiten Mittelkasse Aufsehen zu erregen ist beileibe keine leichte Übung, doch die Taiwaner ließen sich einiges einfallen: Farbakzente beim Gehäuse, Stereo-Frontlautsprecher sowie eine gute Kamera für die Selfie-Generation. Im Zusammenspiel mit guten Noten im Bereich Ausstattung, Performance und Display liefert das Desire 636 eine überzeugende Vorstellung ab. Mir persönlich ist aber das Handhabungskonzept nicht rund. Vor allem die ständigen Einblendungen, wenn man das Telefonat beenden möchte nerven schlichtweg. Angesichts des vergleichsweise günstigen Preises kann man über die kleinen Schwächen aber getrost hinwegsehen.

Hochwertiges Mittelklasse-Smartphone ohne typischen Business-Look
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28.09.2015

+ Trickreiche Kamera
+ Stereo-Frontsprecher
+ Gute Performance

– Gehäuse knarzt
– Fest verbauter Akku
– Leichte Handhabungsschwächen

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 28.09.2015




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